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WM 2026

England-Kader fuer die WM 2026: Tuchel streicht Harry Maguire

England-Kader fuer die WM 2026: Thomas Tuchel verzichtet auf Harry Maguire. Der 66-fache Nationalspieler ist 'schockiert'. Die offizielle Bekanntgabe folgt am Freitag.

Von Marco Feldmann 21. Mai 2026

Thomas Tuchel als England-Trainer im Wembley-Stadion - hier am 27. Maerz 2026 im Test gegen Uruguay. Am Freitag verkuendet er seinen WM-Kader, bereits am Donnerstag stand fest: Harry Maguire ist nicht dabei. Foto: Every Second Media via SmartFrame

Es ist die erste grosse Schlagzeile vor Englands offizieller WM-Kader-Bekanntgabe - und sie kommt einen Tag zu frueh: Thomas Tuchel verzichtet bei der WM 2026 auf Harry Maguire. Der Verteidiger von Manchester United, mit 66 Laenderspielen einer der erfahrensten Three Lions der vergangenen Jahre, wurde am Donnerstag, dem 21. Mai 2026, ueber die Entscheidung informiert. Offiziell verkuendet die FA den 26er-Kader am Freitag, doch Maguire machte seine Reaktion bereits oeffentlich: Die Entscheidung habe ihn “schockiert und zutiefst enttaeuscht”. Fuer Tuchel ist es das deutlichste Signal, dass er bei seiner ersten WM als England-Chef nicht auf Erfahrungsbonus, sondern auf einen klaren sportlichen Schnitt setzt.

Die Personalie Maguire - 66 Laenderspiele, und jetzt das Aus

Maguire war seit der WM 2018 fester Stammspieler der Three Lions. Halbfinale in Russland, EM-Finale 2021 in Wembley, Viertelfinale in Katar, EM-Finale 2024 in Berlin - der 33-Jaehrige war Teil all dieser Turnierkampagnen. Tuchel hatte Maguire nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 zwischenzeitlich aus dem Kreis genommen, ihn im Maerz 2026 aber demonstrativ zurueckgeholt. Bei seinem Comeback gegen Uruguay und in den WM-Tests galt er als gesetzt - bis zu diesem Donnerstag.

Maguire sagte oeffentlich, er sei “ueberzeugt gewesen, in diesem Sommer einen wichtigen Beitrag leisten zu koennen”. Die Worte “schockiert” und “zutiefst enttaeuscht” sind im englischen Verbandsumfeld ungewoehnlich scharf - sie deuten an, dass die finale Kommunikation bis zuletzt offen war. Tuchel hatte in den Wochen davor immer wieder betont, dass er sich erst nach dem letzten Premier-League-Spieltag festlegen werde. Das Pokerface des Bundestrainers eines anderen Verbandes hat seinen ersten prominenten Verlierer.

Was die Entscheidung ueber Tuchels England verraet

Tuchel setzt im Zentrum der Abwehr offenbar auf juengere, schnellere Innenverteidiger. Die Achse um Marc Guehi (Crystal Palace), Levi Colwill (FC Chelsea) und Ezri Konsa (Aston Villa) zeigt: der englische Block ist kompakt und beidfuessig anspielbereit, aber er bringt nicht die Lufthoheit, die Maguire bei Standardsituationen einbringt. Wer Tuchel kennt - aus seinen Jahren bei Mainz, Dortmund, PSG, Chelsea und Bayern - weiss, dass er Aufbauspieler ueber den klassischen “Strafraum-Stoeber” stellt.

Das Risiko liegt auf der Hand: Bei einem Turnier mit potenziellen Achtelfinal-Hitzeschlachten in Dallas und Boston ist die Personalie Maguire die Versicherung bei ruhenden Baellen. Tuchel verzichtet bewusst darauf. Es ist eine Entscheidung, die im Falle eines fruehen Aus’ nachhallen wird - und im Falle eines Triumphes als mutiger Schnitt in die Englands-Fussball-Geschichte eingehen kann.

Kane, Bellingham, Foden - die Frage, die Tuchel selbst aufgeworfen hat

Die zweite grosse Linie des Kaders ist die Offensive. Tuchel hatte schon im Maerz 2026 gesagt, dass Harry Kane, Jude Bellingham und Phil Foden in seiner bevorzugten Struktur “nicht zusammen spielen koennen”. Die Three Lions verfuegen damit ueber das Luxusproblem, das andere Nationen gerne haetten: drei Topspieler auf zwei Positionen, die alle drei Anspruch auf eine Stammrolle erheben. Bellingham kehrte erst im November 2025 nach Schulter-OP in den Kader zurueck, Bukayo Saka (FC Arsenal) ist nach Oberschenkelproblemen wieder dabei, Cole Palmer (FC Chelsea) hat sich in den WM-Tests als rechte Zehnerlinie etabliert.

Was am Freitag offen bleibt: ob Tuchel Bellingham als verkappte Acht spielen laesst, Foden als invertierten Aussenstuermer einsetzt - oder eine seiner Lieblingsformationen mit Doppelsechs und falscher Neun zieht, in der Kane plus Bellingham hinter Foden agieren. Die Personalie Maguire war der erste Wegweiser. Die Aufstellung gegen Kroatien am 17. Juni wird der zweite sein.

England in Gruppe L - der Kontext der WM 2026

England trifft bei der WM 2026 in der vermeintlich machbarsten Gruppe der drei Favoriten auf Kroatien, Ghana und Panama. Die Auslosung im Dezember 2025 brachte mit den Kroaten den schwierigsten moeglichen Topf-2-Gegner ueberhaupt: WM-Finalist 2018, WM-Dritter 2022, mit Luka Modric immer noch der Spielmacher. Die Personalie Modric trifft hier auf eine englische Generation, die zum dritten Mal in Folge bei einem grossen Turnier zu den Top-Favoriten zaehlt - und die noch nichts gewonnen hat.

Aus deutscher Perspektive bekommt die Three-Lions-Reise zusaetzliches Gewicht: Tuchel sitzt auf der englischen Bank, Julian Nagelsmann hat seinen 26er-DFB-Kader parallel verkuendet, und beide Verbaende haben ihre WM-Aufgebote in derselben Woche festgezurrt. Maguires Aus fuegt sich in eine Linie ein, die Tuchel seit seiner Amtsuebernahme zieht: strukturelle Entscheidungen vor Hierarchie. Der vollstaendige England-Kader fuer die WM 2026 wird am Freitag, dem 22. Mai 2026, veroeffentlicht. Maguire wird die Bekanntgabe von zuhause aus verfolgen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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