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DFB-Team

Hoeneß gegen Nagelsmann: Warum Völler dem Bundestrainer vor der WM 2026 den Rücken stärkt

Uli Hoeneß kritisiert Nagelsmann vor der WM 2026 scharf. Rudi Völler nennt die Vorwürfe faktisch falsch, Rettig unnötig - was hinter der DFB-Debatte steckt.

Von Lukas Brandt 15. Mai 2026

Julian Nagelsmann in der WM-Qualifikation gegen Luxemburg - genau die Phase, mit der Rudi Völler den Vorwurf der fehlenden Eingespieltheit kontert (Foto: Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Sechs Tage vor der wichtigsten Personalentscheidung des Jahres redet in der deutschen Nationalmannschaft kaum jemand über Spieler - sondern über den Trainer. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat Bundestrainer Julian Nagelsmann zuletzt mehrfach hart angegriffen, zuletzt fünf Wochen vor dem WM-Start. Am Freitag (15. Mai) ist der DFB der Sache mit ungewohnter Schärfe entgegengetreten: Sportdirektor Rudi Völler nennt zentrale Vorwürfe “faktisch falsch”, Geschäftsführer Andreas Rettig die Angriffe “einfach unnötig”. Am 21. Mai gibt Nagelsmann seinen WM-Kader bekannt - in eine Stimmung hinein, die längst nicht mehr nur sportlich ist.

Was Uli Hoeneß dem Bundestrainer vorwirft

Den Ton gibt seit Wochen Hoeneß vor. In einem DAZN-Interview Anfang Mai zerlegte der 74-Jährige die Vorbereitung der DFB-Auswahl in mehreren Punkten. Der Kern: die fehlende Eingespieltheit. Die Mannschaft habe “noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt”, sagte Hoeneß, “und das werfe ich Julian auch vor - das habe ich ihm persönlich schon gesagt”.

Daran hängt ein zweiter Vorwurf, der weiter zielt: Ihm fehle eine erkennbare Idee. “Aktuell sehe ich da weder hinten noch vorne eine klare Linie. Wer ist unser Mittelstürmer? Wer spielt im Tor? Wer ist rechter Verteidiger, wer linker?” Und schließlich der Satz, der in der Debatte hängen geblieben ist: “Unser Bundestrainer glaubt, er gewinnt das Spiel. Nein, die Mannschaft gewinnt das Spiel.”

Hoeneß zog den Vergleich zum FC Bayern, wo der Kader vor der Saison ebenfalls als zu klein galt - bis der Trainer aus den Spielern “ein Team gemacht” habe. Persönlich werde es da, wo er Nagelsmann die Bereitschaft abspricht, “zuzuhören und anzunehmen”. Nach ihrem direkten Gespräch sei der Bundestrainer “leicht beleidigt” gewesen. Es ist nicht der erste Vorstoß: Schon im April hatte Hoeneß im Umfeld der Neuer-Diskussion gegen Nagelsmann nachgelegt.

Rudi Völlers Antwort: “faktisch falsch”

Bis Freitag hatte der DFB die Spitzen weitgehend unkommentiert gelassen. Das ist jetzt vorbei. In einem Interview der Funke-Mediengruppe ordnet Völler die Kritik zweistufig ein - und das ist das Bemerkenswerte daran. Erst die Verbeugung: “Als Bundestrainer muss man wissen, dass die ganze Nation bestimmte Entscheidungen hinterfragt.” Hoeneß habe “mit seiner Vita das Recht, sich kritisch zu äußern”.

Dann der Konter, und der ist deutlich. Den Vorwurf der fehlenden Eingespieltheit weist der Sportdirektor als sachlich falsch zurück. Seine Begründung ist eine Zahl: Seit Beginn der WM-Qualifikation seien bei jedem einzelnen Spiel “mindestens fünf, meist sogar mehr potenzielle Stammspieler verletzt” gewesen. Eine eingespielte Elf lässt sich nicht stellen, wenn die halbe Achse fehlt - das ist Völlers Punkt, und er trifft den härtesten Teil der Hoeneß-Kritik mittig.

Rettig stellt sich vor Nagelsmann

Noch unmissverständlicher wird DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig. Ihn habe die “zuletzt immer schärfere Kritik vor allem von Uli Hoeneß” schlicht “erstaunt”, sagte er, er empfinde die Angriffe als “einfach unnötig”. Damit steht erstmals die komplette sportliche DFB-Spitze geschlossen vor dem Bundestrainer - sechs Tage, bevor dieser eine Liste vorlegen muss, die jede dieser Personalfragen ohnehin neu aufwirft. Die Botschaft nach innen ist so wichtig wie die nach außen: Nagelsmann nominiert mit Rückendeckung, nicht auf Bewährung.

Warum die Debatte ausgerechnet jetzt hochkocht

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Drei Stränge laufen zusammen. Erstens die Personalie Manuel Neuer: Berichte über den Ex-Kapitän auf der vorläufigen 55er-Liste haben eine eigene Diskussion losgetreten, die Einordnung dazu steht im Beitrag Manuel Neuer und das DFB-Comeback vor der WM 2026. Zweitens das Verletzungschaos der Qualifikation, das Völler nun als Verteidigungslinie nutzt. Drittens die Grundstimmung: Nach der enttäuschenden Heim-EM 2024 und einem mäßigen Nations-League-Jahr ist die Geduld mit dem DFB-Team kurz, und Hoeneß bedient dieses Gefühl mit präziser Lautstärke.

Die nächste Bühne folgt früher als der Kader. Wenige Tage vor der Nominierung wird Nagelsmann in einer ZDF-Sendung erwartet, bei Moderator Jochen Breyer. Dort dürfte er sich nicht nur zur Torwartfrage erklären, sondern auch zur Hoeneß-Kritik - bislang hat er substanziell nicht zurückgeschossen. Den Stand des Kaderpuzzles vor der Bekanntgabe ordnet der Beitrag DFB-Kader WM 2026: Auf diese Spieler setzt Nagelsmann ein; den Fristen-Rahmen aller 48 Nationen der Beitrag WM-Kader 2026: die ersten Aufgebote und die FIFA-Frist.

Was das für den WM-Kader am 21. Mai bedeutet

Praktisch verschiebt die Debatte den Maßstab für den 21. Mai. Eine breite Liste mit vielen Optionen wird jetzt als Beleg für Hoeneß’ These gelesen, eine schlanke mit klaren Hierarchien als Antwort darauf. Genau die “klare Linie”, die der Bayern-Ehrenpräsident vermisst - im Tor, auf den Außenverteidiger-Positionen, im Sturmzentrum - ist die Frage, an der Nagelsmanns Aufgebot öffentlich gemessen wird. Der Bundestrainer dürfte das wissen: Wer unter Kritik nominiert, nominiert auch eine Erzählung mit.

An den Eckdaten ändert das nichts. Der vorläufige Kader kommt am Donnerstag, den 21. Mai, um 13 Uhr am DFB-Campus in Frankfurt; mit dieser Mannschaft reist die Auswahl ins Trainingslager. Bis zum 1. Juni steht die finale 26er-Liste bei der FIFA, am 14. Juni beginnt in Houston gegen Curaçao das Turnier. Den kompletten Fahrplan zeigt der WM-2026-Spielplan, die Ausgangslage der DFB-Auswahl die Übersichtsseite Deutschland bei der WM 2026 und die Konstellation der Vorrunde die Seite zur WM-2026-Gruppe E.

Häufige Fragen: Hoeneß-Kritik an Nagelsmann

Was wirft Uli Hoeneß Julian Nagelsmann vor? Vor allem die fehlende Eingespieltheit - Deutschland habe “noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt” - und eine fehlende “klare Linie” in Tor, Abwehr und Sturm. Dazu der persönliche Vorwurf mangelnder Lernbereitschaft und der Satz: “Unser Bundestrainer glaubt, er gewinnt das Spiel. Nein, die Mannschaft gewinnt das Spiel.”

Wie hat Rudi Völler reagiert? Der DFB-Sportdirektor zeigt formal Verständnis für Hoeneß’ Recht auf Kritik, nennt den zentralen Vorwurf aber faktisch falsch: Seit Beginn der WM-Qualifikation seien bei jedem Spiel mindestens fünf, meist mehr potenzielle Stammspieler verletzt gewesen.

Was sagt Andreas Rettig? Den DFB-Geschäftsführer hat die immer schärfere Kritik “erstaunt”, er empfindet die Angriffe als “einfach unnötig” und stellt sich klar vor den Bundestrainer.

Wann kommt der WM-Kader? Am 21. Mai 2026 um 13 Uhr in Frankfurt. Die finale 26er-Liste muss bis 1. Juni bei der FIFA stehen, der WM-Auftakt ist am 14. Juni in Houston gegen Curaçao - alle Termine im WM-2026-Spielplan.

Hat Nagelsmann schon geantwortet? Substanziell nicht. Eine Reaktion wird wenige Tage vor der Nominierung in einer ZDF-Sendung bei Jochen Breyer erwartet.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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