Zum Inhalt springen
DFB-Team

Klopps Riesenkader-Gedankenspiel: Rotation nach Spiel 2, XXL-Ueberraschungen moeglich

Klopp erwaegt fuer die Nations League einen Kader viel groesser als 23 - Rotation nach Spiel 2 nutzt UEFA-Regel, verteilt Belastung, oeffnet XXL-Sichtung.

Von Lukas Brandt 14. September 2026

Bundestrainer Juergen Klopp mit DFB-Sportdirektor Rudi Voeller am Rande des Franz-Beckenbauer-Supercups Borussia Dortmund gegen FC Bayern Muenchen (1:2) am 22.08.2026 im Signal Iduna Park - das Duo wird am Donnerstag, 17.09.2026, in Frankfurt den ersten Klopp-Kader benennen (Foto: Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Der Herbst 2026 ist fuer den DFB kein normaler Nations-League-Block. Vier Pflichtspiele in elf Tagen, zwei Wochenenden dazwischen ohne Bundesliga, ein neuer Bundestrainer, der seit dem 15. August im Amt ist und drei Tage vor der ersten Kader-Ansage in Frankfurt eine Format-Idee streut, die es so seit den Loew-Kadern der WM-Vor-Zeit 2018/19 nicht mehr gab: Ein Kader “viel groesser als die vorgeschriebenen 23 Spieler”, geteilt in zwei Rotations-Wellen, gedacht als Belastungs-Verteiler und Sichtungs-Werkzeug in einem. Die sportschau-Meldung vom Sonntag-Nachmittag traegt die Ueberschrift, um die es in dieser Vorlaufwoche ohnehin geht: Klopp erwaegt einen Riesenkader.

Die sportschau-Meldung - “viel groesser als die vorgeschriebenen 23 Spieler”

Der Bericht datiert auf den 14. September 2026, kurz nach 16:30 Uhr MESZ, und stammt aus dem Kreis der DFB-Beobachter der oeffentlich-rechtlichen Redaktion. Kernsatz: Klopp und sein Trainerteam hatten am Sonntag “noch nicht im Detail beschlossen”, wie die Kader-Rotation zwischen den vier Nations-League-Partien im Detail funktionieren soll - klar ist aber, dass das Aufgebot “viel groesser sein” werde “als die vorgeschriebenen 23 Spieler”. Der Bericht bezeichnet die Ueberlegungen selbst als “Gedankenspiele” - der Bundestrainer testet also oeffentlich ein Format, das er drei Tage spaeter in Frankfurt gegebenenfalls in Namens-Listen ueberfuehrt.

Eine konkrete Zahl nennt Klopp bislang nicht. Zum Vergleich: Vorgaenger Julian Nagelsmann hatte im Mai 2026 einen 26er-Kader fuer die WM-Vorbereitung aufgestellt - die Obergrenze im FIFA-Regelwerk fuer die Endrunde. Der “riesige” Klopp-Kader duerfte deutlich darueber liegen, im Bereich 28 bis 32 Spieler, um zwei ueberlappende Match-Kader mit sechs bis neun ausgetauschten Positionen abbilden zu koennen. Wie viele es am 17.09. tatsaechlich sein werden, entscheidet sich in dieser Woche.

Warum XXL - vier Partien in elf Tagen, aussergewoehnlich verdichtetes Fenster

Der Anlass fuer die Rechnung ist der Kalender. Der DFB spielt am Donnerstag, 24. September, in der Johan Cruijff ArenA in Amsterdam gegen die Niederlande - Klopps Pflichtspiel-Debut und zugleich das Debut des neuen Bondscoach Xavi Hernandez. Es folgt am Sonntag, 27. September, das erste Klopp-Heimspiel in der WWK Arena Augsburg gegen Griechenland, am Donnerstag, 1. Oktober, das Serbien-Duell in der Allianz Arena Muenchen und schliesslich am Sonntag, 4. Oktober, das Griechenland-Rueckspiel im Toumba-Stadion Thessaloniki - vier Partien in elf Tagen, alle 20:45 MESZ Anstoss.

Klassische FIFA-Fenster im Herbst sehen normalerweise drei Partien in einer Woche vor. Die Verdichtung auf vier ist ein Effekt der UEFA-Ligenphase-Reform 2024/25 und der zeitlichen Verschiebung nach der WM-Endrunde im Sommer 2026, die den Auftakt der Nations League 2026/27 auf den September verschoben hat. Fuer die Bundestrainer aller europaeischen Verbaende ist die Konstellation neu - Klopp reagiert mit einem Kader-Format, das die Verdichtung ausdruecklich zum Ausgangspunkt nimmt.

Klopp-Zitat - “sicher kein Spieler in allen vier Partien ueber 90 Minuten”

Die Belastungs-Logik hatte Klopp bereits im Vorfeld formuliert. Der sportschau-Bericht zitiert ihn woertlich: “Sicher kein Spieler in allen vier Partien ueber nahezu 90 Minuten zum Einsatz kommen” werde und er die “Belastung gut verteilen” wolle. Der Satz hat zwei Implikationen. Erstens: Auch die vermeintlichen Stammspieler - denken wir an die WM-Achse Musiala, Wirtz, Kane-Pendant Woltemade, Havertz, Kimmich - werden im Herbst kein Vier-Spiele-Programm bekommen. Zweitens: Klopp verlaesst sich nicht auf eine Doppel-Elf, sondern will Spieler auch mal fuer eine oder zwei Partien komplett aus dem Kader nehmen, um Reise-Belastung und Trainings-Stress zu senken. Wer nicht in der Match-Meldung steht, kann in seinen Klub-Alltag zurueckkehren.

Die UEFA-Regel als Werkzeug - 23 pro Spiel, 24 Stunden vor Anstoss

Was Klopp technisch nutzt, ist ein Detail der UEFA-Regularien der Nations League 2026/27, das in den Vorjahren kaum ausgeschoepft wurde. Pro Partie muss der Verband einen 23-Spieler-Kader offiziell melden, spaetestens 24 Stunden vor Anstoss. Zwischen diesen vier Match-Meldungen besteht keine Bindung - der sportschau-Bericht formuliert es so: “Theoretisch koennte diese Liste fuer jede der vier Partien komplett anders aussehen.”

Praktisch nominiert der DFB einen groesseren Gesamt-Kader, aus dem pro Spiel die 23er-Match-Liste aufgestellt wird. Ausgetauschte Spieler duerfen zum Klub zurueckkehren, neue Spieler koennen nachrueckend eingeladen werden. Der Reise-Rhythmus zwischen Amsterdam, Herzogenaurach, Augsburg, Muenchen und Thessaloniki wird damit fuer viele Nationalspieler nicht der komplette Elf-Tage-Bogen, sondern ein Vier-bis-Sieben-Tage-Ausschnitt.

Kader-Split nach Spiel 2 - Klub-Trainer-Vorteil und Sichtungs-Bonus

Der Bericht bezeichnet einen Wechsel nach Spiel 2 als sinnvoll. Nach dem Griechenland-Heim-Spiel am 27.09. in Augsburg lieben vier Tage bis zum Serbien-Duell in Muenchen - Zeitfenster genug, um die erste Wellen-Haelfte des Kaders in ihre Klubs zurueckzuschicken und Frisch-Nominierte aus der Bundesliga-Woche zwischen 25.09. und 30.09. nachrueckend einzuladen. Der Bericht nennt zwei Vorteile explizit. Erstens die “Belastungssteuerung” - Klopp verlaengert die Reserve-Bank ueber das UEFA-23er-Limit hinaus. Zweitens ein Klub-Argument: Die Vereinstrainer waeren “gluecklich”, weil sie ihre Nationalspieler “zumindest fuer eine Woche im Training haben”.

Das Klub-Argument ist keine Freundlichkeit, sondern politisches Werkzeug. Nach einer Post-WM-Saison-Startphase, die vielen Bundesliga-Vereinen ohnehin schon Ausfaelle im Doppel-Wochen-Rhythmus beschert, ist ein Vier-Tage-Trainings-Fenster mit den Nationalspielern eine relevante Kompensation. Klopp koennte damit einen Konflikt entschaerfen, der Nagelsmann in den letzten Nations-League-Fenstern regelmaessig belastet hatte.

Der zweite Effekt betrifft die Sichtung selbst. Der Bericht schreibt woertlich, ein grosser Austausch wuerde Klopp erlauben, “sehr viele Spieler aus der Naehe zu sehen und vielleicht sogar erst persoenlich kennenzulernen”. Fuer einen Bundestrainer, der seit dem 15. August im Amt ist und dessen intensive Bundesliga-Sichtungs-Wochenenden gerade erst begonnen haben, ist das der zweite entscheidende Wert der Rotations-Konstruktion: Aus dem elf-Tage-Fenster wird ein zwei-Wochen-Kennenlern-Prozess mit doppelter Spieler-Anzahl.

XXL-Ueberraschungen - Klopps Signaturzug seit der Vorstellungs-PK

Der Riesenkader ist nicht nur ein Belastungs-Instrument, sondern auch die Umsetzung eines Versprechens. Bei seiner Vorstellungs-PK am 24. Juli 2026 hatte Klopp erklaert, seine Sichtungs-Liste umfasse “rund 57 Feldspieler” - ein Signal, dass er den Kader-Zugriff bewusst breit anlegen wolle. Beim Amtsantritt am 15. August hatte er nachgeschoben, manche Spieler wuerden noch nicht ahnen, dass sie eine Rolle spielen koennten. Die zurueckliegenden Sichtungs-Wochenenden lieferten dazu die Materialisierung: Bundesliga-Debuet-Tor von Lennart Karl in Elversberg, ein Legionaers-Doppelpack von Kevin Schade beim 2:2 in Bournemouth, Adeyemi mit CL-Debuet-Tor im Camp Nou - alles Datenpunkte, die in einen XXL-Kader problemlos passen wuerden, in einen klassischen 23er aber Verdraengungs-Fragen aufwerfen wuerden.

Der Riesenkader ist damit die logische Konsequenz der Sichtungs-Rhetorik der zurueckliegenden acht Wochen. Wer ueberraschen will, braucht Plaetze, an denen Ueberraschungen tatsaechlich stattfinden koennen - und die schafft man am elegantesten durch mehr Kader-Nummern, nicht durch die Verdraengung von WM-Etablierten.

T-3 Tage bis Frankfurt - der 17.09.-Termin auf dem DFB-Campus

Der Termin fuer die eigentliche Entscheidung steht seit dem 25. August: Donnerstag, 17. September 2026, 12:00 Uhr MESZ, DFB-Campus Frankfurt am Main. Klopp wird am Pult von Sportdirektor Rudi Voeller begleitet, die Namens-Liste soll zwei Kader-Wellen abbilden und - falls die sportschau-Signale sich in der Praxis materialisieren - eine ungewoehnlich hohe Zahl an Neu-Berufungen enthalten. Vier Tage nach der PK, am 21. September, versammelt sich das Aufgebot in Herzogenaurach zur verkuerzten Vorbereitung. Am Mittwoch, 23. September, geht der Flug nach Amsterdam. Am Donnerstag, 24. September, um 20:45 Uhr MESZ ist es dann so weit: Klopps erstes Pflichtspiel als Bundestrainer, gegen die Niederlande - und die erste konkrete Ueberpruefung, ob die Rotations-Konstruktion in der Praxis so glatt laeuft, wie sie am Sonntag-Nachmittag in der sportschau-Meldung klingt.

Bis dahin sind es noch drei Tage.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

Mehr aus DFB-Team