Alaba verlässt Real Madrid: Was das Aus für Österreichs WM 2026 bedeutet
Real Madrid und David Alaba trennen sich zum Saisonende. Der ÖFB-Kapitän geht ohne Verein in Österreichs WM-Vorbereitung 2026 - was das bedeutet.
Von Marco Feldmann 22. Mai 2026
Ein paar Stunden bevor die Bayern gegen Stuttgart im DFB-Pokalfinale stehen, kommt aus Madrid die Meldung, die Österreichs WM-Kapitän mitten in der Endphase der Saison erwischt: Real Madrid und David Alaba beenden ihre gemeinsame Zeit zum Saisonende. Der spanische Rekordmeister bestätigte die Trennung am 22. Mai 2026 in einer kurzen Klubmitteilung. Drei Wochen vor dem WM-Anpfiff in Nordamerika geht der ÖFB-Kapitän damit ohne neuen Vertrag in die Vorbereitung.
Die offizielle Mitteilung - Trennung zum Saisonende
Real Madrid formulierte den Abschied in der gewohnten, knappen Form: Klub und Spieler hätten “vereinbart, seine Zeit als Spieler des Vereins am Ende der laufenden Saison zu beenden”. Eine längere Würdigung soll am Samstag folgen, wenn Real im Bernabeu zum Saisonfinale gegen Athletic Bilbao antritt. Der Klub kündigte einen Ehrungs-Moment für den Verteidiger an, der Real fünf Jahre und elf Titel gebracht hat.
Konkret heißt das: Alabas Vertrag läuft zum 30. Juni 2026 aus, eine Verlängerung kommt nicht zustande. Damit endet eine Ära, die im Juni 2021 mit dem ablösefreien Wechsel vom FC Bayern begonnen hat.
Fünf Jahre Real Madrid: 131 Spiele, 11 Titel, zwei Champions-League-Pokale
Die nackten Zahlen lesen sich beeindruckend: 131 Pflichtspiele, elf Titel, zwei Champions-League-Pokale (2021/22 gegen den FC Liverpool, 2023/24 gegen Borussia Dortmund). Dazu die Klub-WM 2022, zwei spanische Meisterschaften, eine Copa del Rey und zwei spanische Supercopas. Alaba kam 2021 als FCB-Routinier nach Madrid und avancierte unter Carlo Ancelotti binnen Wochen zum Stammspieler in der Innenverteidigung - jener Rolle, die er heute auch im ÖFB-Team ausfüllt.
Sportlich war Alaba bei Real schnell mehr als ein Bayern-Export: Er war der ruhige Aufbauspieler hinter dem Madrider Hochrisiko-Fußball, der Mann fürs Tempo aus der ersten Reihe, gelegentlich der Strafstoss-Schütze. In der Königsklasse erlebte er die Höhepunkte seiner Karriere: das 1:0 in Paris, die Aufholjagd gegen Chelsea, das Last-Minute-Drama gegen Manchester City - eine Saison, an deren Ende im Mai 2022 der erste persönliche Henkelpott stand.
Die schwierige Schlusssaison - 13 Einsätze, Verletzungen, eine schmerzhafte Phase
Die letzten 18 Monate erzählen eine andere Geschichte. Ein Kreuzbandriss im Dezember 2023 beim Heimspiel gegen Villarreal raubte Alaba den Rest der Doublé-Saison 2023/24 - er fehlte beim CL-Halbfinale gegen Bayern und beim Finale gegen Dortmund auf der Tribüne, nicht auf dem Rasen. Das Comeback verzögerte sich bis in den Sommer 2024, danach folgten in dieser Spielzeit immer wieder Wadenprobleme. Unter dem Strich stehen für 2025/26: 13 Pflichtspiele, viele davon Kurzeinsätze.
In Madrid war damit absehbar, dass Real Alaba in der Innenverteidigung nicht mehr als ersten Mann plant. Real Madrid hatte zuletzt mit jüngeren Profilen wie Aurélien Tchouaméni und Eder Militao geplant. Für Alaba und seine Gehaltsklasse blieb in diesem Plan kein Platz.
Vereinslos vor der WM - was das für Österreichs Vorbereitung heißt
Für Teamchef Ralf Rangnick ist die Real-Meldung kein neuer Schock, aber eine Bestätigung. Schon bei der Bekanntgabe seines 26er-Aufgebots am 18. Mai 2026 hatte Rangnick angedeutet, dass Alabas Saison sportlich frustrierend verlaufen war - “auch wenn seine Saison von Verletzungen ueberschattet war”, hieß es offiziell. Dass der Kapitän nun ohne Vertrag in die WM-Vorbereitung geht, ändert die Tonlage des österreichischen Lagers in einem Punkt: Alaba kann sich voll auf das Turnier konzentrieren, ohne nebenbei Vertragsgespräche zu führen oder einen Medizincheck beim neuen Klub absolvieren zu müssen.
Sportlich gibt es allerdings auch Sorgen. Ohne Klub-Wettspielrhythmus seit Wochen ist die Frage offen, in welcher Match-Form Alaba beim Auftakt gegen Jordanien am 17. Juni 2026 steht. Österreichs Vorbereitungsprogramm sieht zwei Tests vor: am 1. Juni das letzte EM-Generalprobe-Spiel und am 11. Juni das finale Vorbereitungsspiel gegen Guatemala in den USA. Beide gelten als Alabas Schaufenster, sowohl für Rangnicks Aufstellung als auch für seinen nächsten Arbeitgeber.
Rangnicks Plan: Alaba als Kapitän mit Sonderrolle
Rangnick wird Alaba nicht als 90-Minuten-Mann durch die Gruppenphase bringen. Ihm trauen ÖFB-interne Beobachter in dieser Saison nicht mehr drei Spiele in sieben Tagen zu - zumal die WM-Anstoßzeiten in Nordamerika (Hitze, weite Reisen, kurze Regeneration) zusätzlich zehren. Wahrscheinlicher ist eine Sonderrolle: Alaba beginnt im Schlüsselspiel, wechselt früh in der Gruppenphase früh aus, und übernimmt vor allem Verantwortung als Leitfigur in der Kabine. Im Spielaufbau ist sein langer linker Fuß ohnehin nicht zu ersetzen.
Die Innenverteidigung baut Rangnick darum herum: Kevin Danso (Tottenham) ist der dominante Zweikämpfer, Philipp Lienhart (SC Freiburg) der Backup mit hoher Spielintelligenz, Stefan Posch (Mainz 05) der flexible Schienenspieler. Alaba bringt das Erfahrungselement, das diese Gruppe sonst nicht hat.
Gruppe J - Argentinien als Brocken, Algerien und Jordanien als Chance
In der Gruppe J wartet auf Österreich der wohl schwerste Gegner überhaupt: Argentinien, der amtierende Weltmeister, am 22. Juni 2026 (19:00 Uhr MESZ) in Houston. Ein Spiel, in dem Rangnick Alaba mit Sicherheit haben will - nicht nur als Spieler, sondern als psychologischer Halt für ein Team, das in dieser Form noch nie auf Messi getroffen ist.
Die Punkte muss Österreich woanders holen. Der Auftakt gegen Jordanien am 17. Juni 2026 (06:00 Uhr MESZ) und das letzte Gruppenspiel gegen Algerien am 28. Juni 2026 (04:00 Uhr MESZ) sind die realistischen Achtelfinal-Tore. Beide Gegner sind sportlich schlagbar, aber Underdogs bei einer WM neigen zu Energieleistungen - das hat Saudi-Arabien 2022 gegen Argentinien hinreichend bewiesen.
Wie es nach der WM weitergeht - Gerüchte um Milan und Manchester United
Die spanische und italienische Presse berichten seit Tagen über Interesse aus der Premier League und der Serie A. Konkrete Namen, die wiederholt fallen: AC Mailand (sucht einen erfahrenen Innenverteidiger nach dem Maldini-Modell) und Manchester United (will die Verteidigung mit Routine verstärken). Beides ist plausibel, aber noch offiziell unbestätigt - Alabas Berater haben dazu keine Stellung bezogen.
Für eine seriöse Vorhersage ist es zu früh. Ein Fakt schiebt sich allerdings nach vorne: Ein guter WM-Auftritt ist Alabas bestes Argument am Transfermarkt. Wer den 33-Jährigen als Stammspieler holen will, will ihn turnierfit, mit fünf, sechs starken WM-Spielen in den Beinen. Für Rangnick heißt das: Sein Kapitän ist im Sommer noch motivierter, als er es ohnehin schon wäre - was für die ÖFB-Auswahl bei dieser WM 2026 nur ein Vorteil sein kann.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.