Argentinien 2:0 Honduras: Lautaro und Simeone fuellen das Messi-Vakuum
Argentinien gewinnt den vorletzten WM-Test ohne Messi 2:0 gegen Honduras. Lautaro per Elfmeter, Simeone in Halbzeit zwei - elf Tage vor dem Algerien-Auftakt.
Von Marco Feldmann 07. Juni 2026
Der Weltmeister hat seinen vorletzten WM-Test souveraen gewonnen - ohne den Mann, dessen Verletzungs-Schreck zwoelf Tage lang ueber jedem Albiceleste-Vorbericht hing. Im Kyle Field in College Station, Texas, schlug Argentinien Honduras am Samstagabend Ortszeit mit 2:0. Lautaro Martinez verwandelte einen Foulelfmeter in der 36. Minute, Giuliano Simeone legte mit dem 2:0 in der 54. Minute nach. Lionel Messi sass auf dem Hotelzimmer in Miami, Lionel Scaloni auf der Trainerbank in Texas - und in der argentinischen Startelf zeigte sich an einem Texas-Abend, was Plan B heisst, wenn der Plan A 38 Jahre alt ist und in seine fuenfte Weltmeisterschaft will.
Das Spiel in Zahlen
| Datum | Endstand | Tore | Stadion | Anstoss |
|---|---|---|---|---|
| Samstag, 6. Juni 2026 | Argentinien 2:0 Honduras | 1:0 Lautaro Martinez (36., Elfmeter), 2:0 Simeone (54.) | Kyle Field, College Station (Texas) | 20:00 ET / 02:00 MESZ (7.6.) |
Scaloni schickte Argentinien im vertrauten 4-3-3 auf den Platz: Musso; Giay, Otamendi, Lisandro Martinez, Tagliafico; Giuliano Simeone, Palacios, Lo Celso; Almada, Lautaro Martinez, Barco. Eine Mischung aus Stammelf und Reservebank. Stammkeeper Emiliano Martinez fehlte mit Bruch am rechten Mittelfinger und liess Juan Musso (Atalanta Bergamo) starten. Messi, Paulo Dybala und Angel Di Maria fehlten ganz, der zentrale Stuermer war Lautaro Martinez als Kapitaen. Honduras trat unter Reinaldo Rueda in einem 4-4-1-1 an, mit Jonathan Rougier im Tor und Jorge Benguche als einziger Spitze.
Messi-Vakuum, Lautaro-Elfmeter, Simeone-Tor
Argentinien dominierte vom Anpfiff weg, ohne Hektik in den ersten 30 Minuten Chancen zu kreieren. Honduras stand in tiefer 5-4-1-Formation, Argentinien spielte geduldig, kombinierte ueber die linke Seite mit Barco und Tagliafico, fand aber selten den entscheidenden Pass in den Strafraum. Bis zur 35. Minute. Dann schickte Lo Celso Giuliano Simeone in den Sechzehner, der Atletico-Madrid-Fluegelspieler zog innen vorbei und wurde von Marcelo Santos auf den Knoechel getreten. Der saudische Schiedsrichter zeigte ohne Zoegern auf den Punkt. Lautaro Martinez nahm sich den Ball, schoss flach in die rechte Ecke, Rougier flog daneben. 36. Minute, 1:0 - das Tor des Inter-Kapitaens als erster argentinischer Schritt in Richtung WM-Souveraenitaet ohne Messi.
Nach der Pause wurde es richtig deutlich. In der 54. Minute setzte sich Almada ueber den rechten Fluegel durch, flankte halbhoch in den Sechzehner, und Giuliano Simeone kam an der zweiten Pfostenseite zum Volleyschuss. Der Atletico-Fluegelspieler drosch den Ball aus zwoelf Metern unhaltbar unter die Latte - das klarste argumentative Statement, dass Diego Simeones Sohn nicht nur wegen des Nachnamens im Aufgebot steht. Honduras wirkte danach gebrochen, Argentinien spielte die restlichen 35 Minuten kontrolliert herunter, ohne weitere Tore zu erzwingen. Scaloni wechselte in der 65. Minute Alexis Mac Allister fuer Lo Celso und Thiago Almada fuer Enzo Fernandez ein - eine ruhige Probe der Bank-Optionen.
Was die Startelf ohne Messi und Emi Martinez ueber Scalonis Plan B verraet
Drei Beobachtungen aus der Startelf, die elf Tage vor Algerien zaehlen:
- Musso fuer Emi Martinez. Der Atalanta-Keeper hatte gegen Honduras nichts Konkretes zu halten, blieb aber souveraen in seinem Strafraum-Verhalten. Falls Emi Martinez bis zum 17. Juni nicht rechtzeitig fit wird, ist Musso die Loesung - und kein Notnagel.
- Simeone rechts aussen. Der Atletico-Fluegelspieler bekommt unter Scaloni gerade das Vertrauen, das in den letzten Jahren wechselnde Optionen (Nico Gonzalez, Angel Correa, Nicolas Gonzalez) hatten. Mit dem 2:0 hat sich Simeone vermutlich auch fuer den Algerien-Auftakt eine Startelf-Position gesichert.
- Lautaro als Solo-Stuermer. Ohne Messi neben sich uebernahm der Inter-Kapitaen die zentrale Spitze - und das Spielmacher-Element vor dem Strafraum. Lautaro liess sich oft tief fallen, leitete Angriffe ein, verwertete am Ende die Belohnung selbst. In der K.-o.-Runde wird Scaloni Lautaro flexibler einsetzen, das schon, aber die Kapitaensrolle in der Spitze passt zu ihm.
Drei offene Fragen vor dem Algerien-Auftakt
Scaloni wirkte nach dem Schlusspfiff zufrieden. Argentinien zeige, sagte er auf der Pressekonferenz, “totale Dominanz, Spielkontrolle und Effizienz im Angriff” - die Albiceleste komme in Topform zum Turnier “und bestaetigt, dass sie wieder um den WM-Titel mitkaempfen kann”. Trotzdem bleiben drei Baustellen offen:
- Messi. Die wichtigste Frage zuerst: Wie viele Minuten bekommt der 38-Jaehrige im Test gegen Island am Mittwoch? Scaloni will Messi gegen Algerien von Anfang an einsetzen - dafuer braucht er mindestens 60 Minuten Belastung in den Beinen. Der Auburn-Test ist sein letztes Belastungs-Fenster.
- Innenverteidigung. Otamendi (38) und Lisandro Martinez (28) bildeten gegen Honduras eine ruhige Achse, ohne ernsthaft geprueft worden zu sein. Honduras hatte in 90 Minuten genau einen Torschuss aufs Tor. Gegen Algeriens schnelle Aussenstuermer und Algeriens Kontertempo wird die Probe haerter.
- Tor-Frage Lautaro. Argentinien hat in den letzten zwei Tests fuenf Tore geschossen, vier davon stammen von Lautaro Martinez (zwei gegen Chile am 2. Juni, das Elfmeter-Tor gegen Honduras) und Giuliano Simeone. Wenn die beiden in der Vorrunde nicht treffen, fehlt Argentinien der Plan B im Angriff - die zweite Reihe (Julian Alvarez ist in Atlanta nominell der Backup-Mittelstuermer) muss bis zum Algerien-Auftakt mindestens einmal getroffen haben.
Was Argentinien fuer Island und die WM mitnimmt
Argentinien fliegt am Sonntagmorgen Ortszeit von College Station nach Auburn, Alabama. Dort wartet am Mittwochabend (03:00 Uhr MESZ in der Nacht zum Donnerstag) das Jordan-Hare Stadium und die Generalprobe gegen Island. Es ist das letzte Spiel vor dem WM-Auftakt - und der Anlass, an dem Scaloni Messi mindestens 45 Minuten geben muss, wenn er den Kapitaen am 17. Juni in Kansas City von der ersten Minute an aufstellen will.
Aus Texas nimmt der Titelverteidiger drei Punkte mit. Erstens: Die Startelf-Achse funktioniert auch ohne Messi - Lautaro Martinez und Giuliano Simeone tragen das Offensivspiel, Palacios und Lo Celso stabilisieren das Mittelfeld. Zweitens: Die Bank-Optionen Mac Allister und Almada haben Spielzeit bekommen und den Rhythmus gehalten - hilfreich fuer das WM-Kader-Management ueber sieben moegliche Spiele. Drittens: Honduras ist nicht Algerien. Der nordafrikanische Gegner am 17. Juni bringt mit seiner schnellen Aussenstuermer-Achse, dem hohen Pressing und der WM-Quali-Stabilitaet (acht Siege in zehn Quali-Spielen) ein anderes Anforderungs-Profil mit. Wer am 17. Juni in Kansas City als Algerien-Bezwinger in die WM startet, hat einen anderen Test bestanden als den vom Samstag - mit oder ohne Messi.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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