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WM 2026

Paredes-Eklat nach WM-Finale: Rote Karte, Faustschlag gegen Gavi, Tritt gegen Eric Garcia - Sperre droht

Argentiniens Leandro Paredes hat nach dem WM-Finale 2026 Spaniens Gavi geschlagen und Eric Garcia getreten. Rote Karte von Vincic, FIFA-Sperre droht.

Von Marco Feldmann 20. Juli 2026

Leandro Paredes gegen Gavi wenige Sekunden nach dem Schlusspfiff im MetLife Stadium: Schiedsrichter Slavko Vincic zeigt dem Argentinier fuer die Taetlichkeit die direkte Rote Karte (Foto: Zuma Press, 19.07.2026). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Wenige Sekunden nach Ferran Torres 106.-Minuten-Volltreffer und dem Schlusspfiff der Verlaengerung im WM-Finale 2026 zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium hat der argentinische Mittelfeldspieler Leandro Paredes fuer den zweiten Platzverweis der Albiceleste im Endspiel gesorgt - diesmal nach Abpfiff. Der 32-Jaehrige Ex-PSG-Profi trat Spaniens Innenverteidiger Eric Garcia in Richtung Bauch, packte den herbeieilenden Gavi am Trikot, rang ihn zu Boden und schlug ihm mit dem Arm ins Gesicht. Schiedsrichter Slavko Vincic zeigte Paredes die direkte Rote Karte, die FIFA-Disziplinarkommission kuendigte am fruehen Morgen des 20. Juli 2026 an, das Strafmass in den kommenden Tagen festzulegen.

Die Chronologie in East Rutherford - vom 51.-Minuten-Check bis zur Roten Karte nach Abpfiff

Paredes kam nach der Halbzeitpause in der 46. Minute fuer den ausgepumpten Alexis Mac Allister ins Spiel. Nur fuenf Minuten spaeter, in der 51., checkte er Spaniens Ballon-dOr-Gewinner Rodri im Mittelfeld ohne unmittelbaren Ballkontakt. Nachdem Rodri theatralisch nachfasste, schubste Paredes den herbeieilenden Dani Olmo zweimal zu Boden. Vincic zueckte die Gelbe Karte - laut dem Portal Goal.com Deutschland “nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung”.

In der 60. Minute trat Paredes gegen Spaniens Rechtsverteidiger Pedro Porro und entging nach VAR-Blick von Bastian Dankert im IBC Dallas knapp der Gelb-Roten Karte. In der 90+3. Minute rueckte der Fokus dann auf Enzo Fernandez, der fuer ein Foul an Pau Cubarsi die Gelb-Rote sah und Argentinien in der kompletten 30-Minuten-Verlaengerung in Unterzahl zwang.

Nach Ferran Torres 106.-Minuten-Tor, dem Schlusspfiff um kurz nach Mitternacht Ortszeit (23:23 UTC) und der spanischen Titel-Feier auf dem Rasen kam der Paredes-Eklat: Der Argentinier lief laut Sportschau-Liveblog “direkt nach dem Abpfiff” auf die zu ihrem Trainer eilenden Spanier zu und suchte die Konfrontation. Kicker meldete die Rote Karte in einer Ticker-Meldung um 01:32 Uhr MESZ, Sportschau berichtete kurz darauf.

Was genau passiert ist - Tritt gegen Eric Garcia, Wuergegriff gegen Gavi

Die Chronologie der Doppel-Taetlichkeit rekonstruieren sich aus den Berichten von Sportschau, Kicker, Goal.com, Blick und der englischsprachigen Yahoo-Sports-Zusammenfassung uebereinstimmend so:

  • Aktion 1 - gegen Eric Garcia: Paredes trifft den ebenfalls eingewechselten spanischen Innenverteidiger mit dem Fuss in Bauch- und Kehlkopfhoehe. Garcia geht zu Boden. Als er wieder aufsteht, versucht Paredes noch einmal nachzusetzen und trifft Garcia mit der Hand am Hals.
  • Aktion 2 - gegen Gavi: Der zunaechst nicht eingewechselte Gavi eilt zu Garcia, um einzugreifen und Paredes wegzuschieben. Paredes packt Gavi am Trikot, drueckt ihn zu Boden, ringt ihn nieder und schlaegt ihm dann mit dem Unterarm mehrfach ins Gesicht.

Nach der Zwischen-Notiz von absolutfussball.com wehrte sich Gavi kurzzeitig mit einer Gegenaktion, was theoretisch auch ihn ins Visier der FIFA-Disziplinarkommission bringen koennte - aber in klar deutlich geringerer Schwere.

Argentiniens Kapitaen Lionel Messi und Verteidiger Nicolas Otamendi eilten hinzu, um Paredes wegzuziehen. Spaniens Coach Luis de la Fuente hielt seine Spieler zurueck, damit die Situation nicht weiter eskaliert. Kein Spanier reagierte physisch mit Ausnahme von Gavis Gegenschubser.

Vincic - direkte Rote Karte, dann FIFA-Disziplinarkommission

Slavko Vincic zueckte binnen weniger Sekunden die Rote Karte fuer Paredes. Da das Spiel bereits abgepfiffen war, hat die Karte keine unmittelbare sportliche Wirkung mehr im Endspiel selbst, aktiviert aber automatisch das Disziplinarverfahren nach FIFA-Regelwerk Artikel 12 (Missconduct against opponents outside of the field of play or after the match).

Die FIFA-Disziplinarkommission kuendigte laut Sportschau-Liveblog um kurz vor 02:00 Uhr MESZ an, “in den naechsten Tagen das Strafmass festlegen”. Fuer eine direkte Rote Karte wegen Taetlichkeit nach Abpfiff ist die Ausgangsbasis nach FIFA-Statuten Artikel 15 zwei Pflichtspielsperren, die je nach Beweislage (die Sequenz wurde von den TV-Kameras und mehreren Handykameras auf der Osttribuene festgehalten), Verletzungsschwere und Wiederholungsanteil erhoeht werden kann. Im Extremfall - siehe Zidane 2006, dort waren es nach dem Fall aber nur symbolische drei Turniertage plus 7500 Schweizer Franken Geldstrafe, weil Zidane bereits zurueckgetreten war - sind fuenf bis sechs Spielsperren moeglich.

Betroffen von einer FIFA-Sperre waeren zunaechst die argentinischen Freundschaftsspiele im Herbst gegen Kamerun in Yaounde und Angola in Luanda, dann der Deutschland-Test im November in Rio de Janeiro und schliesslich der Start der CONMEBOL-Qualifikation fuer die WM 2030 in Portugal, Spanien und Marokko im Herbst 2027.

Was Paredes im Endspiel gespielt hat - Einwechslung, Note 6, kein Torschuss der Albiceleste bis zur 115. Minute

Sportlich war Paredes im Endspiel eine Rand-Erscheinung. Nach dem Ausfall von Enzo Fernandez (Gelbrot 90+3) und dem Umbau in der Verlaengerung sollte er die Ordnung im Sechser-Raum halten. Das Portal SPOX vergab die Note 6 (ungenuegend) fuer seinen 79-Minuten-Einsatz - die schlechteste Note der Argentinier-Elf im Endspiel. Kein Torschuss der Albiceleste bis zur 115. Minute in Unterzahl gegen die von Spanien konsequent kontrollierte zweite Verlaengerungshaelfte, wie die Sportschau-Chronik der Verlaengerung dokumentiert.

Beim WM-Titel-Gewinn 2022 in Katar war Paredes fester Bestandteil des Kaders, im Finale gegen Frankreich in Lusail spielte er 102 Minuten, sein sicherer Elfmeter im Elfmeterschiessen zaehlt zu den Ikonen des argentinischen Titel-Marschs. Auch bei der Copa America 2021 in Rio und 2024 in Miami stand Paredes im Sechser-Zentrum. Der WM-Finale-Auftritt 2026 markiert damit den vorlaeufigen Tiefpunkt seiner Nationalmannschafts-Karriere.

Was Paredes jetzt droht - FIFA-Sperre, Boca Juniors, naechste Argentinien-Pflichtspiele

Auf Vereins-Ebene ist Paredes bei Boca Juniors in Buenos Aires nicht betroffen - die FIFA-Sperre gilt nur fuer A-Nationalmannschafts-Pflichtspiele. Der 32-Jaehrige war im Sommer 2024 nach seinen Stationen bei Paris Saint-Germain (2019 bis 2023 mit Leihen an Juventus Turin und Chelsea), Zenit St. Petersburg und AS Rom in den Klub seiner Jugend zurueckgekehrt. Im Wappen von Boca traegt er die Nummer 8. Die argentinische Primera-Division-Saison 2026/27 startet Ende Juli - Paredes wird dort weiterspielen koennen, sobald er von der WM-Reise zurueck in Buenos Aires ist.

Fuer den argentinischen Verband AFA und den moeglicherweise scheidenden Trainer Lionel Scaloni - der die Post-Finale-Pressekonferenz in Traenen abbrach und seine Zukunft offen liess - ist der Paredes-Ausraster eine zusaetzliche PR-Belastung neben dem Titelverlust selbst.

Reaktionen - Thomas Mueller, Spanien, Scaloni

Die deutschsprachigen Reaktionen kamen am Morgen nach dem Endspiel. Thomas Mueller, seit dem Wechsel zu den Vancouver Whitecaps neuer TV-Experte fuer die ARD-Live-Konferenz, sagte laut t-online kurz und knapp: “Die Aktion ist nicht okay.” Ex-Argentinien-Trainer und aktueller Bayern-Coach Mauricio Pochettino verzichtete auf einen oeffentlichen Kommentar.

Von spanischer Seite hielten sich Eric Garcia und Gavi im Rahmen der Weltmeister-Feier zurueck. Trainer Luis de la Fuente sagte lediglich sinngemaess: “Ich bin stolz auf diese Mannschaft” - und liess das Paredes-Thema auf spaetere Nachfragen ausklammern. Vom argentinischen Verband oder Scaloni selbst gibt es bis zum Redaktionsschluss dieses Textes keine Stellungnahme.

Kicker-Kommentator Frank Lussem ordnete den Ausraster in seiner Ticker-Meldung als “Tiefpunkt einer beschaemenden Argentinien-Leistung nach dem Enzo-Rot” ein. Goal.com Deutschland titelte “Tiefpunkt einer beschaemenden Leistung: Paredes sorgt im WM-Finale fuer einen Eklat”.

Historische Einordnung - Zidane-Kopfstoss 2006, Rijkaard-Voeller-Spuck 1990

Der historische Vergleich draengt sich auf: Ein zentraler Spieler eines WM-Finale-Verlierers eskaliert in der entscheidenden Phase des Endspiels. Zinedine Zidane im WM-Finale 2006 in Berlin gegen Italien (110. Minute, Kopfstoss gegen Marco Materazzi, direkte Rote Karte) ist das klassische Beispiel. Aber die Parallele hinkt: Zidane traf Materazzi waehrend des Spiels, das damit noch entschieden werden musste - Italien gewann anschliessend im Elfmeterschiessen. Paredes traf Garcia und Gavi nach Abpfiff, das Ergebnis war entschieden.

Naeher liegt der Rijkaard-Voeller-Spuck im WM-Achtelfinale 1990 in Mailand zwischen den Niederlanden und Deutschland - auch dort Emotionen ausser Kontrolle, mehrere Karten binnen weniger Sekunden. Weder Zidane-2006 noch Rijkaard-1990 verhinderten die spaetere Karriere-Fortsetzung, beide Spieler blieben aber mit dieser einen Szene in der WM-Historie ikonisch verhaftet.

Die WM-Endspiel-Historie kennt drei weitere Roten-Karten-Faelle: Pedro Monzon (Argentinien 1990 gegen Deutschland in Rom, erste Rote Karte in einem WM-Finale ueberhaupt), Gustavo Dezotti (Argentinien 1990, zweite Rote Karte im selben Spiel), und eben Zidane 2006. Paredes 2026 waere die vierte Endspiel-Rote-Karte in der Nach-Krieg-WM-Historie - aber die erste, die erst nach Abpfiff gezeigt wurde.

Ausblick - FIFA-Verfahren, Argentinien-Landung Buenos Aires am Montag

Die argentinische Delegation fliegt nach Angaben der argentinischen Presse am Nachmittag des 20. Juli 2026 mit einer Aerolineas-Argentinas-Sondermaschine von JFK New York nach Ezeiza Buenos Aires zurueck, Landung wird gegen Mitternacht Ortszeit erwartet. Ob Paredes noch in New York oder erst in Buenos Aires zu einer offiziellen Stellungnahme kommt, ist offen. Die FIFA-Disziplinarkommission tagt in Zuerich, das Verfahren gegen Paredes wird nach FIFA-Statuten binnen sieben Tagen eroeffnet.

Fuer den argentinischen Verband und den Rest des Titelverteidiger-Kaders ist das Post-Endspiel-Wochenende damit zweifach von Nachspiel-News gepraegt: dem PK-Abbruch von Trainer Scaloni und dem Ausraster von Leandro Paredes. Die Weltmeisterschafts-Auszeichnungen mit Rodri (Goldener Ball), Kylian Mbappe (Goldener Schuh) und Unai Simon (Goldener Handschuh) bekommen von argentinischer Seite an diesem Morgen kaum noch Aufmerksamkeit.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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