Zum Inhalt springen
WM 2026

Argentinien 3:0 Island: Joker Messi trifft beim Comeback - Generalprobe geglueckt

Argentinien gewinnt die WM-Generalprobe in Auburn 3:0 gegen Island. Barco, Joker Messi (Elfmeter) und Almada treffen - sieben Tage vor dem Algerien-Auftakt.

Von Marco Feldmann 10. Juni 2026

Lionel Messi vom Punkt - hier beim 2:2 nach Verlaengerung gegen die Niederlande im WM-Viertelfinale 2022 (Archiv): Auch in der Generalprobe vor der WM 2026 in Auburn traf der Kapitaen per Elfmeter zum 2:0 gegen Island. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Sieben Tage vor dem WM-Auftakt gegen Algerien hat Argentinien seine letzte Generalprobe gewonnen - und Lionel Messi den Kopf wieder freigespielt. Im Jordan-Hare Stadium in Auburn, Alabama, schlug der Weltmeister Island am Dienstagabend mit 3:0 vor rund 88.000 Zuschauern. Valentin Barco brachte die Albiceleste in der 8. Minute in Fuehrung, Messi verwandelte in der 72. Minute einen Foulelfmeter zum 2:0 - zwei Minuten nach seiner Einwechslung, im ersten Spiel seit der Oberschenkel-Pause Anfang Juni. Thiago Almada machte in der 86. Minute den 3:0-Endstand.

Das Spiel in Zahlen

DatumEndstandToreStadionAnstoss
Dienstag, 9. Juni 2026Argentinien 3:0 Island1:0 Barco (8.), 2:0 Messi (72., Elfmeter), 3:0 Almada (86.)Jordan-Hare Stadium, Auburn (Alabama)20:00 CDT / 03:00 MESZ (10.6.)

Scaloni rotierte vor dem letzten Test deutlich. Im Tor stand Geronimo Rulli (Aston Villa) anstelle des verletzten Stammkeepers Emiliano Martinez - der Atalanta-Keeper Juan Musso, der gegen Honduras gehalten hatte, durfte pausieren. Vor Rulli verteidigten Giay, Otamendi, Lisandro Martinez und Medina; im Mittelfeld liefen Lo Celso, Palacios und Barco auf, in der Spitze Giuliano Simeone, Jose Lopez und Nico Paz. Messi, Lautaro Martinez, Rodrigo De Paul, Mac Allister, Enzo Fernandez und Julian Alvarez sassen zunaechst auf der Bank. Island trat unter Trainer Arnar Vidarsson in einem 4-4-2 an, mit Olafsson im Tor und Gudmundsson sowie Oskarsson als Doppelspitze.

Argentinien war von der ersten Minute an klar dominant - 63 Prozent Ballbesitz, 15 zu 6 Torschuesse, sieben zu eins aufs Tor, 32 Strafraum-Aktionen gegen acht. Island kam nicht ueber das verzweifelte Pressing in der eigenen Haelfte hinaus und zog am Ende sechs Gelbe Karten gegen zwei argentinische Verwarnungen. Auch ohne Messi war das Spiel im Sechzehner immer einseitiger als auf dem Anzeigentafel.

Barco frueh, Messi vom Punkt, Almada zum Schlusspunkt

Den Anfang machte der 21-jaehrige Brighton-Profi Valentin Barco. Nach einem Doppelpass mit Lo Celso auf der linken Strafraumseite zog er in der 8. Minute nach innen und schloss mit links flach ins lange Eck ab - eine Vorentscheidung, dachte man nach der achten Minute. Doch Island stand danach stabiler, Argentinien fehlte in einigen Phasen die zweite Aktion, und bis zur Pause blieb es beim 1:0.

In der zweiten Halbzeit zog Scaloni in der 70. Minute den Stecker und brachte mit Messi, Lautaro Martinez und Gonzalo Montiel einen Dreierwechsel, der die Spielanlage komplett aenderte. Schon zwei Minuten spaeter zahlte es sich aus: Eine Steilvorlage von Messi auf Lautaro Martinez landete im Sechzehner, der Inter-Kapitaen wurde im Laufduell zu Fall gebracht - Strafstoss. Messi nahm sich den Ball, lief an, schoss flach ins linke Eck - 2:0 in der 72. Minute, und der erste Treffer eines Argentinier-Spielers im Alter von 38 Jahren in der Verbandsgeschichte. Mit dem Treffer wurde Messi zum aeltesten Torschuetzen der Albiceleste-Historie und stand bei 117 Treffern in 199 Laenderspielen.

Den Schlusspunkt setzte in der 86. Minute der ebenfalls eingewechselte Thiago Almada. Nach einem schnellen Konter ueber die rechte Seite legte sich der Botafogo-Spielmacher den Ball auf den linken Fuss und drosch ihn aus 14 Metern unter die Latte. 3:0 - und die Generalprobe war damit nicht nur gewonnen, sondern gewonnen mit der Botschaft, die Scaloni schicken wollte: Die Bank traegt mit.

Messi-Comeback: 21 Minuten, ein Elfmeter, ein Rekord

Es waren die 21 Minuten, auf die ganz Argentinien hingefiebert hatte. Messi hatte am 31. Mai im MLS-Spiel von Inter Miami gegen New York City FC ueber Schmerzen am Oberschenkel geklagt, an den Tests gegen Chile (2. Juni in San Diego) und Honduras (6. Juni in College Station) nicht teilgenommen, und Scaloni hatte am Pressekonferenz-Tag vor dem Honduras-Spiel von einer “Muskeluebermuedung” gesprochen, die er nicht riskieren wolle. Erst am Montag in Auburn trainierte Messi wieder vollstaendig mit der Mannschaft - die Vorbericht-Lage zur Fitness blieb bis zum Aufwaermen offen.

Dass Scaloni Messi nicht 45, sondern nur 21 Minuten gab, ist die Vorsichts-Variante - und die richtige. Messi laeuft sieben Tage spaeter in Kansas City gegen Algerien in das wichtigste Gruppenspiel seiner moeglicherweise letzten Weltmeisterschaft. Mit dem Elfmeter-Tor hat er die psychologische Last losgeworden, die ein turnierloses Test-Programm wiegt, und mit der knappen Spielzeit blieb die Belastung im Rahmen. Nach dem Schlusspfiff schrieb Messi auf Instagram: “Los geht’s, aber zusammen wie nie zuvor.”

Was die Startelf ueber Scalonis Algerien-Plan verraet

Scaloni hat in den letzten beiden Tests konsequent rotiert. Gegen Honduras spielte Musso im Tor, Tagliafico links und Lautaro Martinez als Solo-Stuermer; gegen Island spielten Rulli, Medina und Lopez/Paz auf den entsprechenden Positionen. Daraus laesst sich ableiten:

  • Rulli ist die WM-Nummer zwei, falls Emi Martinez bis zum 17. Juni nicht fit wird. Gegen Island hatte er mit einer ruhigen Souveraenitaet einen einzigen ernsthaften Schuss zu halten - mehr brauchte Argentinien nicht.
  • Barco hat sich fuer die Algerien-Startelf empfohlen. Der 21-Jaehrige ist Argentiniens linker Aussenverteidiger der Zukunft, gegen Island spielte er zwar im Mittelfeld, traf aber praezise und nahm Verantwortung in den Spielaufbau. Tagliafico (33) bleibt die erfahrene Variante, Barco die zukunftsorientierte.
  • Almada ist gesetzt als Joker. Der 24-jaehrige Spielmacher (Botafogo) hat in beiden Tests in der zweiten Halbzeit getroffen oder gestaltet. Im 4-3-3 wird er hinter Lautaro und Messi eingewechselt - das Tor in der 86. Minute war eine Visitenkarte.

Mit dem Comeback-Auftritt hat sich auch das Druck-Niveau auf Scaloni reduziert. Messi steht fuer den Auftakt zur Verfuegung, die Startelf-Diskussion verschiebt sich von “darf er?” zu “wie lange?”, und die Albiceleste reist mit der Sicherheit nach Houston (zwischenstopp) und dann Kansas City, dass die Mannschaft auch ohne den Kapitaen funktioniert. Zwei Siege in zwei Tests, fuenf Tore geschossen, kein Gegentor kassiert - es gibt schlechtere Vor-WM-Bilanzen.

Was Argentinien fuer den Algerien-Auftakt mitnimmt

Argentinien fliegt am Mittwochmorgen von Auburn ueber Atlanta nach Houston und dann am Wochenende nach Kansas City. Am Mittwoch, 17. Juni 2026 um 03:00 Uhr MESZ wartet im Arrowhead Stadium der WM-Auftakt - Algeriens nordafrikanische Achse aus Mahrez, Bennacer und Slimani gegen den Weltmeister, der eine harte WM-Quali (acht von zehn Spielen gewonnen) abgeliefert hat. Es ist das erste WM-Spiel der Gruppe J, in der Argentinien als klarer Favorit auf den ersten Platz gilt, gefolgt von Oesterreich unter Ralf Rangnick und Jordanien.

Aus Auburn nimmt der Titelverteidiger drei Punkte mit. Erstens: Die Generalprobe war ueberzeugend, ohne dass Scaloni seine wichtigsten Spieler ueberlasten musste - Messi 21 Minuten, Lautaro 21 Minuten, De Paul keine Minute. Zweitens: Die Bank hat Spielzeit bekommen und ist im Rhythmus - hilfreich fuer ein WM-Kader-Management ueber sieben moegliche Spiele. Drittens: Messi steht. Der wichtigste Mann der Albiceleste hat seinen Test-Auftritt absolviert, ein Tor erzielt, einen Rekord aufgestellt - und damit den letzten Zweifel an seinem WM-Auftakt am 17. Juni in Kansas City beseitigt. Wer am 17. Juni gegen Algerien den WM-Auftakt mit einem Sieg eroeffnet, hat den Auburn-Test in den richtigen Speicher abgelegt. Mehr als sieben Tage Vorbereitung trennen Argentinien jetzt nicht mehr von der grossen WM 2026 - und mehr als sieben Tage hat Scaloni auch nicht gebraucht, um die wichtige Frage zu beantworten.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026