Einzelkritik Deutschland 2:0 Serbien: Wirtz und Bischof top, Woltemade im Pech
Einzelkritik zum 2:0 gegen Serbien: Wirtz und Bischof mit Weltklasse-Momenten, Woltemade mit Mario-Gomez-Fehler aus drei Metern. Alle DFB-Noten von Klopps erstem Sieg.
Von Lukas Brandt 01. Oktober 2026
Es war der Abend, an dem Juergen Klopps DFB-Rotation sportlich endlich aufging. Beim 2:0-Erfolg gegen Serbien in der Allianz Arena lieferten die beiden Top-Scorer das klarste Doppelverdikt der jungen Klopp-Aera - Florian Wirtz mit einem Weltklasse-Treffer in der 61. Minute, Tom Bischof mit dem befreienden 1:0 bei seinem Startelf-Debut in der 39. Minute. Die sportschau-Einzelkritik unter dem Titel “Wirtz und Bischof top, Woltemade im Pech” vom Donnerstagabend bestaetigt die Rangordnung: Zwei Note-zwei-Kandidaten im Zentrum, dazwischen eine Startelf, die durchweg Mindestnoten im soliden Dreier-Bereich erreicht - mit einer Ausnahme. Nick Woltemade jagte in der 59. Minute aus drei Metern den Ball ueber das leere Tor und bleibt die Pechszene des Abends.
Tor - Jonas Urbig: ruhig, bis der eine krasse Fehlpass kommt (Note 3-4)
Jonas Urbig bekam ueber weite Phasen des Spiels nichts zu halten - was die sportschau-Einzelkritik als “lange Zeit nichts zu halten” verzeichnet. Die DFB-Abwehr liess Serbien kaum in Torabschlussnaehe kommen, der 22-jaehrige Bayern-Torwart hielt sich mit Kommandos und zwei Antrittsabschlaegen in Rhythmus. Der eine Moment, der ihm die Note auf drei bis vier zieht, kam in der zweiten Halbzeit: ein krasser Fehlpass in der eigenen Haelfte, der eine der zwei groessten Serbien-Grosschancen des Abends einleitete. Der Pass ging ins Zentrum zu einem Serbien-Angreifer, der aus 20 Metern knapp am DFB-Tor vorbeischoss.
Urbigs Debut-Note liegt damit nicht so sauber wie das Startelf-Debut in Muenchen vermuten liesse. Fuer die Nachfolge von Manuel Neuer, der im Sommer 2027 seine Karriere beenden wird, ist das erste DFB-Signal trotzdem gesetzt. Klopp wird ihn fuer das Thessaloniki-Rueckspiel am Sonntag voraussichtlich auf der Bank zurueckziehen und Noah Atubolu oder Finn Dahmen testen.
Abwehr - Thiaw und Anton fehlerfrei, Treu offen auf rechts, Mittelstaedt mit Assist
Malick Thiaw (Note 3) war der sichere Fixpunkt der Innenverteidigung. Die sportschau-Formel “Defensiv wenig gefordert, aber mit gutem Stellungsspiel und im Aufbauspiel fehlerlos” bringt die Partie des Milan-Verteidigers auf den Punkt. Thiaw gewann die wenigen Zweikaempfe im Zentrum, verteilte die Baelle sauber zur Doppelsechs Pavlovic und Bischof.
Waldemar Anton (Note 3) erhielt in der ersten Halbzeit einen “fiesen Tritt”, wie die sportschau-Einzelkritik vermerkt, blieb aber vollkommen ungeruehrt. Der Dortmunder empfahl sich mit einem seriösen Auftritt, der die Diskussion um die zweite Innenverteidiger-Position neben Thiaw endgueltig fuer ihn entscheidet - zumal Nico Schlotterbeck mit MRT-Diagnose Aussenband das Herbst-Fenster ohnehin verpasst.
Philipp Treu (Note 4) erlebte die ambivalenteste Partie der Abwehrreihe. Offensiv steuerte der Freiburger starke Vorstoesse auf der rechten Aussenbahn bei, defensiv war seine Seite nach Formulierung der sportschau “gleich mehrfach extrem offen”. Zwei Serbien-Kombinationen ueber den rechten Halbraum gingen in der ersten Halbzeit praktisch ohne Treu-Deckung durch - dass daraus kein Gegentor entstand, lag an Thiaw und Anton.
Maximilian Mittelstaedt (Note 3) lieferte die klassische Mittelstaedt-Partie: defensiv solide, offensiv ordentlich, und in der 61. Minute den Assist zum 2:0. Sein Pass auf Wirtz von der linken Aussenbahn in den Strafraum fand genau die Luecke zwischen Serbiens Rechtsverteidiger und Innenverteidiger, Wirtz legte sich den Ball an Nemanja Babic vorbei und schob ins rechte Eck. Es war Mittelstaedts fuenfter DFB-Assist, und der erste in der Klopp-Aera.
Mittelfeld - Bischof der Edel-Reservist mit Tor und Note zwei, Pavlovic verblasst
Tom Bischof (Note 2) rechtfertigte sein Startelf-Debut mit einer Grossleistung. Die sportschau-Formel “Grossartiges Spiel vom Edel-Resevisten der Bayern, der im Mittelfeld defensiv wie offensiv glaenzte” ist die Lob-Hoechstmarke, die der Bayern-Youngster in dieser Partie bekommen konnte. Das Tor zum 1:0 in der 39. Minute war ein Abpraller nach Wirtz-Schuss an den Pfosten, aber die Positionierung im Rueckraum des Strafraums gehoerte zur spielerischen Grundqualitaet, nicht zur Lotterie. Bischof setzte dazu zwei weitere Torschuesse und hatte in der 83. Minute fast das 3:0 auf dem Fuss, als er einen Kopfball nach Mittelstaedt-Flanke knapp am rechten Pfosten vorbeisetzte.
Dass der 20-jaehrige Edel-Reservist bei Vincent Kompanys FC Bayern bei einer Klopp-Startelf einen Note-zwei-Abend gibt, ist das Signal des Herbst-Fensters fuer das Zentrum: Bischof ist fuer das November-Doppel Belgrad / Rotterdam gesetzt. Klopp loeste in der 77. Minute den Wechsel aus und brachte Mika Baur fuer Bischof.
Aleksandar Pavlovic (Note 3-4) spielte eine ambivalente Partie. In der ersten Halbzeit war er der ruhige Taktgeber hinter Bischof, legte die Vorlage zum 1:0 fuer den Wirtz-Pfostenschuss, hatte in der achten Minute selbst eine Chance (knapp am rechten Pfosten vorbei). Im zweiten Durchgang jedoch “etwas blasser”, wie die sportschau-Einzelkritik notiert - Pavlovic hatte keine auffaellige Offensivszene mehr, verlor zweimal den Ball im Spielaufbau. In der 88. Minute war der Wechsel fuer Vitaly Janelt die logische Konsequenz, zumal Joshua Kimmich wegen des Klopp-Schnitts bereits abgereist war und Pavlovic die Doppelsechs-Partie faktisch alleine getragen hatte.
Angriff - Wirtz in Weltklasse-Manier, Gnabry verwerflich, Scherhant laufstark
Florian Wirtz (Note 2) war der zweite Top-Performer des Abends - und derjenige, dessen Weltklasse-Moment die Partie entschied. Die sportschau-Formel “Kam etwas schleppend in die Partie” trifft die erste halbe Stunde, in der Wirtz noch nicht die Zuordnung zu Scherhant links und Gnabry rechts gefunden hatte. In der 39. Minute dann die Vorlage per Pfostenschuss zum 1:0, in der 61. Minute das 2:0 “in Weltklasse-Manier” - Mittelstaedts Pass angenommen, den Ball an Babic vorbeigelegt, flach ins rechte untere Eck platziert. Wirtz’ zweiter Nations-League-Treffer in dieser Saison und der erste unter Klopp.
Die Note zwei fuer Wirtz entspricht der sportschau-Einordnung und der Match-Chronik; eine echte Note eins hat Wirtz an diesem Abend verfehlt, weil in der ersten halben Stunde die Zugriffe im Zehnerraum fehlten. In der zweiten Haelfte setzte Wirtz drei weitere Torschuesse (zwei davon aufs Tor), zwang Petrovic zu zwei Paraden.
Serge Gnabry (Note 3-4) war in Abwesenheit von Kimmich der erfahrenste Startelfspieler und trug die Kapitaensbinde. Die sportschau-Einzelkritik notiert “Extrem aktiv von Beginn an, vergab aber in der ersten halben Stunde drei gute Chancen” - zwei Mal scheiterte Gnabry an Petrovic (18. und 30. Minute), ein weiterer Versuch aus 20 Metern ging knapp am rechten Pfosten vorbei. Dazu kamen defensive Grundarbeit und einige Zweikampf-Siege im rechten Halbraum. Zur Halbzeit nahm Klopp Gnabry heraus - Said El Mala kam fuer ihn. Die Note landet damit bei drei bis vier, weil die Chancen-Verwertung nicht sinngemaess zu einer Note-zwei-Partie reicht.
Derry Scherhant (Note 3-4) erlebte ein laufintensives DFB-Debut auf der linken Angriffsseite. Der Freiburger “jeweils sehr laufstark, allerdings ohne die ganz grossen Szenen bei Flanken und Torabschluessen”, wie die sportschau-Einzelkritik formuliert. Scherhants eine zwingende Flanke in der ersten Halbzeit fand Treu zur Verlaengerung, ohne dass das Pavlovic-Zuspiel zum Tor fuehrte. In der 77. Minute brachte Klopp Bambase Conte fuer Scherhant.
Woltemade in Mario-Gomez-Manier - der Pech-Moment des Abends (Note 4-5)
Die eine Szene, die Nick Woltemade die Note auf vier bis fuenf zieht, kam in der 59. Minute. Scherhant hatte links auf die Grundlinie geflankt, Petrovic verfehlte den Ball, Woltemade stand drei Meter vor dem leeren Tor - und jagte den Abschluss ueber das Gestaenge. Die sportschau-Einzelkritik formuliert es praezise: “wie er in Mario-Gomez-Manier den Ball in der 59. Minute aus drei Metern über das leere Tor jagte.” Das Mario-Gomez-Zitat verweist auf das legendaere Fehlschuss-Zitat des damaligen Stuermers aus dem EM-2008-Spiel gegen Oesterreich; die Pointe sitzt.
Woltemades Partie ist damit nicht verloren - er hatte “gutes Hold-up-Play und Laufarbeit”, wie die sportschau formuliert, haeufige Ablagen auf Wirtz und Bischof, und zwei weitere Torschuesse (ein Kopfball in der 25. Minute, ein Schuss aus 18 Metern in der 46. Minute). Die 59.-Minute-Chance wiegt jedoch so schwer, dass die Note auf vier bis fuenf landet. In der 76. Minute brachte Klopp Jonathan Burkardt fuer Woltemade. Fuer das Thessaloniki-Rueckspiel am Sonntag wird Woltemade voraussichtlich wieder in die Startelf rutschen, mit der Chance, die Mario-Gomez-Marke zu neutralisieren.
Bank - El Mala als Standout, Burkardt / Conte / Baur / Janelt ordentlich
Said El Mala (Note 2-3) war der Einwechsel-Standout des Abends. Der 20-jaehrige Koelner kam zur Halbzeit fuer Gnabry und wurde damit zum 999. deutschen A-Nationalspieler. In der 57. Minute Tempo-Dribbling an zwei Serbien-Verteidigern vorbei, Schlenzer aufs lange Eck - “nur um Zentimeter verpasste er das 2:0”, wie die sportschau-Einzelkritik vermerkt. El Mala hatte in der zweiten Halbzeit insgesamt drei Torabschluesse und war der am schnellsten anlaufende Angreifer der DFB-Elf.
Jonathan Burkardt (Note ohne Bewertung) kam in der 76. Minute fuer Woltemade und fuegte sich “ordentlich ein”, wie die sportschau formuliert, “ohne nochmal richtig herauszustechen”. Bambase Conte (Note ohne Bewertung) kam in der 77. Minute fuer Scherhant, hatte in der 85. Minute die beste Nachlege-Chance der DFB-Elf, scheiterte aus kurzer Distanz an Petrovic.
Mika Baur (Note ohne Bewertung) kam in der 77. Minute fuer Bischof und wurde damit der 1000. deutsche A-Nationalspieler. Die sportschau formuliert es passend: “Baur geht allerdings auf jeden Fall in die DFB-Geschichte ein - als 1000. Debuetant.” Die zwoelf Minuten plus Nachspielzeit reichten nicht fuer eine herausragende Szene; Baur fuegte sich mit zwei sauberen Ballkontakten und einem gewonnenen Zweikampf ein. Der Celtic-Legionaer bekommt die Note-ohne-Bewertung, zugunsten des DFB-Geschichts-Markers.
Vitaly Janelt (Note ohne Bewertung) kam in der 88. Minute fuer Pavlovic und hatte zehn Minuten plus Nachspielzeit ohne herausstehende Szene. Der 28-jaehrige Brentford-Mittelfeldspieler ist mit dem Debuet in die DFB-Zaehlung aufgenommen und damit der 1001. deutsche A-Nationalspieler.
Trainer - Klopp “super happy” nach Nummer-drei-Sieg (Note 3)
Juergen Klopp (Note 3) sagte nach Abpfiff im ZDF: “Ich bin super happy.” Das Zitat markiert den ersten positiven Trainer-Satz der Klopp-Aera nach dem 1:1 in Amsterdam und der 0:1-Heimniederlage in Augsburg. Der Bundestrainer brachte in der Startelf zwei Debuetanten (Urbig, Scherhant) und drei weitere Debuetanten als Einwechselspieler (El Mala, Baur, Janelt) - fuenf Debuets in einem einzelnen Match sind der hoechste Wert der Klopp-Amtszeit und einer der hoechsten seit der Herberger-Aera. Sportlich ging die Rotation auf: Bischof und Mittelstaedt lieferten mit Tor und Assist, Wirtz entschied die Partie, El Mala setzte das Signal fuer die Zukunft.
Die Note drei fuer Klopp ist konservativ - die positive Lesart liegt bei Note zwei. Dagegen spricht die Tatsache, dass Serbien in der 78. Minute die beste Chance des Spiels hatte (nach Urbig-Fehlpass) und die DFB-Elf zwischen der 25. und 60. Minute mindestens vier klare Chancen (durch Gnabry, Woltemade, Mittelstaedt) vergab, bevor Wirtz entschied. Fuer das Thessaloniki-Rueckspiel am Sonntag, 4. Oktober, um 20:45 Uhr MESZ im Toumba-Stadion steht Klopp nun mit einem gesicherten Dreier im Herbst-Konto - ein Punkt kalkulierbar hinter Griechenland und der Niederlande in der Nations-League-Gruppe A2.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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