DFB-Formcheck vor der WM 2026: Wer trumpft auf, wer wackelt vor Nagelsmanns Kader?
DFB-Formcheck vor der WM 2026: Ginter und Bischof trumpfen auf, Wirtz und Musiala suchen die Form. Der Stand 24 Stunden vor Nagelsmanns Kader-Bekanntgabe.
Von Lukas Brandt 20. Mai 2026
Vierundzwanzig Stunden vor der Kader-Bekanntgabe ist die Frage nicht mehr, wer mit muss, sondern wer in welcher Form in die WM startet. Julian Nagelsmann nominiert am Donnerstag, dem 21. Mai 2026, am DFB-Campus in Frankfurt seine 26 Spieler für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko - der Bundestrainer hatte zuvor eine 55er-Vorausliste bei der FIFA eingereicht und filtert daraus jetzt das endgültige Aufgebot. Ein Saisonfinale, das so heterogen ausfällt wie kaum eins zuvor: Freiburg steht im Europa-League-Finale, die Bayern haben die Meisterschaft, Wirtz hadert in Liverpool, Musiala arbeitet sich nach Verletzung zurück, und in Köln macht ein 19-Jähriger Wochenende für Wochenende auf sich aufmerksam. Der Formcheck, sortiert.
Aufsteiger: Wer Nagelsmann den Kader-Platz aktuell aufdrängt
Matthias Ginter (SC Freiburg)
Der 32-Jährige fasst die Form-Saison kompakt zusammen: Mit dem SC Freiburg steht er im Europa-League-Finale gegen Aston Villa (Spiel am 20. Mai), und seine Rolle als Abwehrchef ist ohne den Freiburger Lauf zum Endspiel nicht zu erklären. Sportlich gilt seine Nominierung als zwingend, weiche Faktoren - das spannungsreiche Verhältnis zwischen Ginter und der DFB-Führung in den Vorjahren - könnten allenfalls noch dagegen sprechen. Wer aktuell beste deutsche Innenverteidiger-Form abruft, heißt nicht Tah, sondern Ginter.
Lennart Karl (FC Bayern München)
Der 18-jährige Bayern-Flügelstürmer hat sich in der zweiten Saisonhälfte vom Talent zum Kader-Kandidaten hochgespielt. Karl steht für die “Karl-Frage”, die Nagelsmanns Pressekonferenz dominieren wird: nimmt der Bundestrainer das Nachwuchs-Hochrisiko mit zur WM oder hält er an Erfahrung fest? Die Entscheidungsgrundlage liefert der Bayer mit Toren in entscheidenden Saisonspielen; den ausführlichen Stand der Debatte haben wir im Beitrag Lennart Karl im WM-Kader? eingeordnet.
Said El Mala (1. FC Köln)
Aufsteiger des Frühjahrs. Der 19-jährige Kölner hat sich mit einer Serie formstarker Auftritte in die Diskussion gespielt - 90min.de und kicker führen ihn unter den jungen Hoffnungen mit “besten Chancen”. Wo Karl die Bayern-Plattform mitbringt, kommt El Mala mit Bundesliga-Stammplatz und Kölner Profil: ein Spieler, der für Tempo, Mut zum Eins-gegen-Eins und das Risiko der späten Nominierung steht. Mehr im Beitrag El Mala vor der DFB-Premiere.
Tom Bischof (TSG Hoffenheim, ab Sommer FC Bayern)
Der 20-jährige Mittelfeldspieler hat in der Rückrunde Trumpfkarten ausgespielt, die Nagelsmann lange suchte: Sechser-Variabilität, Zweikampfquote, sogar Linksverteidiger-Optionen. Vor der Saison hieß Bischof “Außenseiterchance”, inzwischen ist er ein realistischer Kandidat auf einen der letzten Mittelfeld-Plätze. Den Wechsel zum FC Bayern zum Sommer hat er bereits in der Tasche - die WM wäre seine Bühne, sich vor der ersten Bundesliga-Saison im rot-weißen Trikot international zu zeigen.
Wackelkandidaten: Stars mit Saisonproblemen
Jamal Musiala (FC Bayern München)
Der 22-Jährige hat 2024/25 nicht die erhoffte Saison gespielt, und auf der Klub-WM 2025 kostete ihn eine schwere Verletzung Wochen. Zurück im Bayern-Kollektiv ist er nicht durchgängig auf Topniveau gekommen. Musiala ist gesetzt, das steht ausser Frage. Aber er kommt nicht in Bestform in die WM, sondern mit der Hoffnung, sich in den drei Wochen zwischen Kader-Bekanntgabe und Eröffnungsspiel hineinzuspielen. Für Nagelsmann ist das die unangenehmste Variable im Kreativ-Sektor.
Florian Wirtz (FC Liverpool)
Wirtz ist im Sommer 2025 zu Liverpool gewechselt und hat seine erste Saison auf der Insel gemischt absolviert: Phasen mit Spielkontrolle, Phasen mit Anlaufproblemen, am Ende stabil, aber nicht herausragend. Für die WM bedeutet das: Der Plan, Wirtz und Musiala parallel zu denken, steht - aber beide schwächeln gleichzeitig, und das nimmt der DFB-Offensive den natürlichen Lauf. Wirtz ist gesetzt, die Bringschuld liegt bei ihm.
Leon Goretzka (FC Bayern München)
Der 31-Jährige hat in München eine ordentliche, aber nicht überragende Saison gespielt. Die laufstärkeren Kennzahlen, die ihn zur Acht im Nagelsmann-System machten, liegen 2025/26 nicht durchgängig oben an. Goretzka bleibt Kader-Kandidat, aber die Konkurrenz - Stiller, Andrich, Pavlovic, Nmecha - drängt. Nagelsmann braucht im defensiven Mittelfeld eine klare Hierarchie; sie aus der Form abzuleiten, fällt aktuell schwer.
Niclas Füllkrug (West Ham United)
Der Strafraumstürmer kämpft sich seit Wochen in einen Stammplatz bei West Ham und kommt zu wenig zu Spielminuten. Wer in der Premier League nicht regelmäßig spielt, hat schlechte Karten gegen Konkurrenten, die liefern - Woltemade beim VfB, Undav bei Brighton, Beier im Hoffenheim-Schlussspurt. Füllkrug ist von der Erfahrung her Argument, von der Form her nicht.
Die Genesungsfälle: zurück, aber wie verlässlich?
Manuel Neuer (FC Bayern München)
Der DFB-Rückkehrer ist der Knackpunkt der gesamten Kaderliste. Berichten von Bild und kicker zufolge plant Nagelsmann mit Neuer als Nummer 1; muskuläre Probleme in der linken Wade halten ihn aber an, kürzerzutreten. Sein Einsatz im DFB-Pokalfinale am 23. Mai gegen den VfB Stuttgart ist offen, und ob er rechtzeitig vor dem WM-Auftakt in Houston am 14. Juni voll belastbar ist, weiß im Moment niemand. Die ausführliche Einordnung in Neuer als Nummer 1? und Wadenverletzung von Manuel Neuer.
Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
Der Barcelona-Keeper ist nach langwierigem Achillessehnenriss zurück, hatte vor Saisonende aber noch nicht die volle Spielpraxis. In einer von Neuer angeführten Torwart-Reihenfolge ist er allenfalls Dritter; ob er überhaupt noch in den 26er-Kader rückt oder Nagelsmann auf das Quartett Neuer / Baumann / Nübel / Urbig setzt, klärt der Donnerstag.
Felix Nmecha (Borussia Dortmund)
Nach Adduktorenproblemen ist Nmecha wieder fit und hat sich rechtzeitig zurückgespielt. In Form geht er nicht in die WM, aber als Achter-Option, die Nagelsmann mit dem schöpferischen Element fehlte, das Wirtz und Musiala normalerweise tragen sollen. Sein Kader-Ticket ist realistisch.
Anton Stach (Leeds United)
Der Aufsteiger der Premier-League-Saison hat sich vor Wochen das Schultereckgelenk verletzt und wurde operiert. Stach verpasst die WM 2026 sicher - eine der bittersten Personalien für Nagelsmann, weil Stach in der Quali als Box-to-Box-Achter ein Profil mitbrachte, das im Kader sonst kaum jemand abdeckt. Die Einordnung steht im Beitrag Stach-Verletzung bei Leeds.
Position für Position: das Bild kurz vor der Bekanntgabe
Tor: Neuer (Nr. 1, mit Wadenvorbehalt), Baumann (Nr. 2 trotz Quali-Stammplatz), dazu eine offene Lücke unter Nübel und Urbig - oder beide bei vier Torhütern.
Innenverteidigung: Tah und Rüdiger als Block, Ginter mit Aufwind, Schlotterbeck nach Verletzung zurück. Bisseck als Wildcard-Pick nach starker Inter-Saison, Anton als verlässliche Backup-Variante.
Außenverteidigung: Kimmich rechts, Raum links, Baku als Backup. Mit Brown ein zweiter Linksfuß im Gespräch.
Defensives Mittelfeld: Pavlovic, Goretzka, Stiller, Andrich. Mit dem Stach-Ausfall verliert das Profil eines Wuchtigen, der Ball-Erobererszenarien spielt.
Offensives Mittelfeld / Zehn: Wirtz und Musiala gesetzt, beide nicht in Bestform. Karl als Wildcard, Nmecha als Achter-Option.
Flügel: Sané (Galatasaray, mittelmäßige Saison), Leweling, El Mala als Aufsteiger, Adeyemi und Schade unter Bringschuld.
Sturm: Havertz als falsche Neun, Woltemade und Undav als echte Neuner. Füllkrug-Ticket wackelt, Beier hat sich mit Hoffenheim-Spurt aufgedrängt. Kleindienst nach Verletzungs-Comeback offen.
Eine vollständige Übersicht der Kandidaten - inklusive Tabelle - steht im Beitrag DFB-Kader für die WM 2026; die formgetriebene Lesart liefert dieser Text.
Was am Donnerstag zu erwarten ist
Drei Spannungslinien überlagern sich:
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Die Torwart-Reihenfolge - sie ist die laute Storyline, weil Nagelsmann mit Neuer eine Erinnerungs-Wette eingeht. Sportlich war Baumann die Form-Wahl; die Entscheidung gegen ihn ist Strahlkraft vor Verlässlichkeit. Die zugehörige Debatte um die DFB-Führung haben wir in Hoeneß’ Kritik an Nagelsmann und Völler zusammengefasst.
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Die Jugend-Frage - nimmt Nagelsmann Karl und El Mala beide oder nur einen mit? Beide vor der ersten WM, beide aus der gleichen Profil-Schublade (Tempo, Mut, Eins-gegen-Eins).
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Die Lücken nach Verletzungspech - Stach fällt fix aus, Schlotterbecks Form ist mit dem Comeback noch offen, ter Stegens Spielpraxis Mangelware. Wer rückt nach?
Wer die Form als Maßstab nimmt, sähe einen Kader mit Ginter im Zentrum der Defensive, mit Karl und El Mala im Sturm-Pool und mit Bischof im Mittelfeld-Backup. Wer die Erfahrung nimmt, hätte einen anderen. Nagelsmann wird beides mischen - die Hoffnung der Verantwortlichen ist, dass sich Wirtz und Musiala in den 25 Tagen bis zum Auftakt gegen Curaçao am 14. Juni in Houston hineinspielen. Bis dahin stehen die Testspiele gegen Finnland (31. Mai) und die USA (6. Juni); die Form-Beobachtung läuft dann unter anderen Vorzeichen weiter.
Bis Donnerstag um 13:00 Uhr ist Spekulation; danach kommt der Stresstest: drei Wochen, um aus 26 Namen eine Mannschaft zu formen, die im US-Sommer bestehen kann. Den WM-Spielplan inklusive aller deutschen Spiele in Houston, Toronto und New York/New Jersey listet der WM-2026-Spielplan; die ausführliche Vorschau auf Gruppe E mit Curaçao, der Elfenbeinküste und Ecuador steht auf Deutschland bei der WM 2026 und in der Gruppen-Analyse Gruppe E.
Häufige Fragen: DFB-Formcheck vor der WM 2026
Wer ist im Mai 2026 aus DFB-Sicht in bester Form? Matthias Ginter sticht im Freiburger Europa-League-Lauf heraus, bei den Jungen gelten Lennart Karl, Said El Mala und Tom Bischof als Aufsteiger.
Welche Stars schwächeln vor der WM 2026? Jamal Musiala arbeitet sich nach Verletzung zurück, Florian Wirtz ist bei Liverpool noch nicht durchgängig in Form, Leon Goretzka unter Limit, Niclas Füllkrug ohne ausreichende Spielzeit bei West Ham.
Wer kommt rechtzeitig aus Verletzungen zurück? Manuel Neuer (Wade, unter Vorbehalt), Marc-André ter Stegen (Achilles, mit geringer Spielpraxis), Felix Nmecha (Adduktoren, fit) - Anton Stach verpasst die WM nach Schulter-OP.
Wann gibt Nagelsmann den DFB-Kader bekannt? Am Donnerstag, 21. Mai 2026, um 13:00 Uhr am DFB-Campus in Frankfurt.
Wie groß ist der WM-Kader 2026? Die FIFA erlaubt 23 bis 26 Spieler; der DFB nominiert voraussichtlich 26.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.