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Frauenfußball

DFB-Frauen vor der Frauen-WM 2027: Trainer Wück und die Schlüsselspielerinnen

DFB-Frauen vor der Frauen-WM 2027 in Brasilien: Bundestrainer Christian Wück, der Übergang nach Popps Karriereende und die Spielerinnen Schüller, Bühl und Brand im Fokus.

Von Nina Hartmann 30. April 2026

Women's International Friendly Football Match - Germany vs. Brazil in Fuerth Foto: WENN via SmartFrame

Über ein Jahr vor dem Anpfiff der Frauen-WM 2027 in Brasilien steht die DFB-Auswahl an einem ungewöhnlichen Punkt: Bundestrainer ist mit Christian Wück ein Außenstehender, der die Mannschaft erst seit knapp zwei Jahren betreut. Alexandra Popp, die langjährige Kapitänin, hat aufgehört. Und doch ist das Team durch die Quali zu Brasilien marschiert. Wo Deutschland personell steht, welche Spielerinnen das Turnier tragen müssen und wie hedgen man jede Aussage über einen WM-Kader, der erst Anfang 2027 zusammengestellt wird.

Wück übernimmt: vom U-17-Weltmeistercoach zur A-Frauen-Trainerei

Im September 2024 trat Christian Wück den Posten des Bundestrainers der A-Frauen an - der DFB hatte ihn nach den Olympischen Spielen in Paris als Nachfolger von Horst Hrubesch installiert, der das Team interimsmäßig durchgebracht hatte. Wück kam von einer ungewöhnlichen Station: Er war U-17-Bundestrainer der DFB-Junioren und hatte 2023 gleich zwei Titel im Doppelpack gewonnen - WM und EM mit dem deutschen U-17-Team. Auf A-Ebene war es allerdings sein erster Cheftrainer-Job.

Die Entscheidung war beim Verband nicht unumstritten - Stimmen aus der Bundesliga und aus dem ehemaligen DFB-Frauen-Umfeld plädierten für eine Trainerin oder einen erfahreneren Frauenfußball-Übungsleiter. Der DFB argumentierte mit Wücks Modernisierungsspur in den Junioren-Bereichen. Die ersten Monate verliefen ordentlich: Bei der Frauen-WM-Qualifikation führte Wück die Mannschaft zum Gruppensieg in der Liga A, das WM-Ticket nach Brasilien war früh gesichert. Wie sich seine Spielidee in der heißen Phase des WM-Jahrs bewährt, wird sich zeigen.

Der Bruch: Popps Karriereende

Die größte personelle Veränderung des letzten Jahres ist das Karriereende von Alexandra Popp. Die Mittelstürmerin und langjährige Kapitänin hatte nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris - Bronze für Deutschland - im Oktober 2024 ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Sie hatte zuvor über 120 Länderspiele und 65 Tore für das DFB-Team bestritten. Auf Vereinsebene (VfL Wolfsburg) spielt sie aktuell noch, aber für die Auswahl ist sie endgültig nicht mehr verfügbar. Damit fehlt der Mannschaft ihre wichtigste Konstante der letzten Dekade - Popp war Torschützin und Stimme im Team, nicht nur Spielerin.

Die Frage, wer diese Lücke füllt, wird Wück bis zur WM 2027 beschäftigen müssen. Aus heutiger Sicht ist Lea Schüller (FC Bayern München) die primäre Anwärterin auf den Mittelstürmer-Posten; auch Nicole Anyomi und je nach Aufstellung Klara Bühl als hängende Spitze kommen infrage. Eine 1:1-Ersetzung wird es nicht geben.

Die Schlüsselspielerinnen: Stand 2026

Ein WM-Kader für Brasilien wird im Frühjahr 2027 nominiert. Was bis dahin sportlich passiert - Verletzungen, Formhochs, Trainerentscheidungen - lässt sich nicht vorhersagen. Aus heutiger Sicht (Frühjahr 2026) zeichnen sich folgende Spielerinnen als Schlüsselfiguren ab. Wichtig: Die Liste ist hedged - sie reflektiert den Stand der Quali-Mannschaft und die jüngsten Bundesliga-Saisons.

Offensive

  • Klara Bühl (FC Bayern München, Flügel) - 25 Jahre, hat sich seit der EM 2022 zur prägenden DFB-Außenstürmerin entwickelt. Schnell, dribbelstark, Standardspezialistin. Sollte gesund bleiben, ist sie eine sichere Bank für 2027.
  • Lea Schüller (FC Bayern, Mittelstürmerin) - 28, beste DFB-Torschützin der EM 2025, sollte in der Popp-Nachfolge die zentrale Rolle übernehmen.
  • Jule Brand (zuletzt Olympique Lyon / VfL Wolfsburg) - 23, dynamische Flügelspielerin, eine der spannendsten Nachwuchsspielerinnen Europas.

Mittelfeld und Defensive

  • Sjoeke Nüsken (Chelsea) - eine der stabilsten Sechserinnen des Teams, Standardausführung.
  • Sara Däbritz (zuletzt Lyon) - die Spielmacherin, sofern die Form anhält.
  • Lena Oberdorf (FC Bayern) - 24, vor ihrer schweren Verletzung 2024 in Paris war sie die wohl beste defensive Mittelfeldspielerin Europas. Nach langer Pause Rückkehrerin-Status, ihre WM-Verfügbarkeit ist offen, wird aber erwartet.
  • Kathrin Hendrich und Marina Hegering in der Innenverteidigung - Stand 2026 wichtige Stützen, beide aber im fortgeschrittenen Alter.
  • Ann-Katrin Berger (Gotham FC, NWSL) - seit 2024 die unangefochtene Nummer eins im Tor, hatte bei Olympia im Elfmeterschießen die entscheidenden Paraden.

Was 2027 realistisch ist

Die Lage ist nüchtern: Deutschland gehört seit 2023 nicht mehr zum innersten Favoritenkreis. Bei der WM 2023 in Australien und Neuseeland schied die Mannschaft in der Vorrunde aus (Niederlage gegen Kolumbien, Unentschieden gegen Südkorea) - die erste WM ohne Achtelfinale für den DFB. Bei den Olympischen Spielen 2024 holte das Team Bronze, ein Trostpflaster. Bei der EM 2025 in der Schweiz war im Halbfinale Schluss, gegen Spanien.

Die Konkurrenz hat sich verbreitert. Spanien spielt unter Trainerin Montse Tomé den derzeit besten Frauenfußball, ist amtierender Weltmeister und Europameister-Erbe (EM-Sieg 2025). England ist seit Sarina Wiegmans Amtsantritt 2021 Dauer-Mitfavorit. Frankreich, die USA, Schweden, Japan und Brasilien als Gastgeber - das Feld ist dichter, als es vor zehn Jahren war.

Realistisches Ziel für die DFB-Frauen 2027: das Viertelfinale als unteres Maß, das Halbfinale als sehr starkes Resultat, ein WM-Titel wäre nach den letzten beiden Turnieren eine Überraschung. Mehr zur deutschen Frauenfußball-Historie und zur Mannschaft selbst im DFB-Frauen-Hub und in der Übersicht zur Frauen-WM 2027, die das gesamte Turnier abdeckt.

Hintergrund: warum überhaupt Brasilien

Brasilien hatte sich am 17. Mai 2024 beim FIFA-Kongress in Bangkok gegen die deutsch-belgisch-niederländische Bewerbung durchgesetzt. Für den DFB war das eine Enttäuschung; eine Heim-Frauen-WM hätte den Verbänden den Modernisierungsschub gebracht, den der englische Frauenfußball nach der EM 2022 erlebt hat. Stattdessen reist das Team nun nach Südamerika - in ein Land, in dem Frauenfußball lange unter Restriktionen stand (bis 1979 quasi verboten) und das nun seinen ersten WM-Großauftritt erlebt. Die Hintergründe zur Vergabe und zum brasilianischen Frauenfußball stehen unter Frauen-WM 2027 in Brasilien.

Bis zum Anpfiff in Rio im Juni 2027 ist es noch über ein Jahr hin. Die nächsten Stationen für die DFB-Frauen: weitere Testspiele, die Liga-A-Gegnerinnen in der Nations League 2026/2027, schließlich die Kadernominierung im Frühjahr 2027. Wer ein vollständiges Bild der WM-2027-Konkurrenz haben will, findet die internationale Einordnung unter Frauenfußball, die deutsche Bilanz in der Nationalmannschaftsgeschichte.

Häufige Fragen zur DFB-Frauen vor der WM 2027

Wer ist Bundestrainer der DFB-Frauen vor der WM 2027? Christian Wück, der die A-Frauen im Herbst 2024 von Horst Hrubesch übernommen hat. Wück war zuvor U-17-Bundestrainer der Junioren und hat 2023 mit der U-17 den WM-Titel und EM-Titel gewonnen. Für die Frauen ist es sein erster Cheftrainer-Job auf A-Ebene.

Hat Alexandra Popp ihre Karriere beendet? Ja. Alexandra Popp hat ihre Nationalmannschafts-Karriere nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris (Bronze) offiziell beendet. Damit verliert das DFB-Team seine langjährige Kapitänin und Mittelstürmerin - die Frauen-WM 2027 ist die erste WM ohne sie.

Welche Spielerinnen gelten als Schlüsselspielerinnen der DFB-Frauen? Aus heutiger Sicht (Stand 2026) zählen Klara Bühl (Bayern, Offensive), Lea Schüller (Bayern, Mittelstürmerin), Jule Brand (Lyon/Wolfsburg, offensive Außen), Sjoeke Nüsken und Sara Däbritz (Mittelfeld) sowie Ann-Katrin Berger (Gotham FC, Tor) zu den prägenden Spielerinnen. Lena Oberdorf gilt nach langer Verletzung als Rückkehrerin - sofern alles glatt läuft.

Hat sich Deutschland für die Frauen-WM 2027 qualifiziert? Ja - die DFB-Auswahl hat ihre Liga-A-Gruppe in der UEFA-Qualifikation gewonnen und das WM-Ticket direkt gelöst, ohne den Umweg über die Play-offs. Damit ist Deutschland sicher bei der WM 2027 in Brasilien dabei.

Was ist ein realistisches Ziel für die DFB-Frauen 2027? Aus heutiger Sicht das Viertel- oder Halbfinale. Die Mannschaft hat 2023 in der WM-Vorrunde verloren, 2024 in Paris Bronze geholt und 2025 bei der EM das Halbfinale erreicht. In Brasilien gegen Weltmeister Spanien, England und das Heimteam Brasilien wäre ein Halbfinale ein sehr starkes Ergebnis.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

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