Zum Inhalt springen
Frauenfußball

Frauen-WM 2027: Warum Brasilien und nicht Deutschland gewann

Frauen-WM 2027 in Brasilien: Wie Brasilien beim FIFA-Kongress 2024 die deutsch-belgisch-niederländische Bewerbung schlug - und was die DFB-Niederlage für den Frauenfußball bedeutet.

Von Nina Hartmann 28. April 2026

July 26, 2007 - 20070726: RIO DE JANEIRO, BRAZIL - Brazil women's national football team won the gold medal at the Pan American Games 2007, defeating United States of America team by 5-0. In picture: . CITYFILES- 2007.K53986(Credit Image: © Foto: Zuma Press via SmartFrame

Brasilien und die WM - das ist bei den Männern eine alte Liebe. Bei den Frauen schreibt die FIFA 2027 ein neues Kapitel: Zum ersten Mal überhaupt findet eine Frauen-Weltmeisterschaft in Südamerika statt. Vom 24. Juni bis 25. Juli 2027 wird in acht brasilianischen Städten gespielt - rund um das Maracanã in Rio, die Arena Corinthians in São Paulo und sechs weitere Spielstätten. Was bis heute feststeht, was noch offen ist und wo die DFB-Frauen stehen.

Wer richtet die Frauen-WM 2027 aus - und wie kam es dazu?

Brasilien setzte sich am 17. Mai 2024 beim FIFA-Kongress in Bangkok gegen eine europäische Gemeinschaftsbewerbung von Deutschland, Belgien und den Niederlanden durch - mit 119 zu 78 Stimmen der stimmberechtigten Mitgliedsverbände. Für den Deutschen Fußball-Bund war das eine herbe Niederlage; eine Frauen-WM im eigenen Land wäre die erste seit 2011 gewesen. Nun reist der Tross stattdessen nach Südamerika, in ein Land, das die Männer-WM 1950 und 2014 ausgerichtet hat und in dem Frauenfußball lange einen schweren Stand hatte - bis 1979 war er in Brasilien faktisch verboten.

Als Gastgeber ist Brasilien automatisch qualifiziert. Acht Stadien sind vorgesehen, verteilt über das ganze Land: Rio de Janeiro (Maracanã), São Paulo, Brasília, Belo Horizonte, Porto Alegre, Salvador, Fortaleza und Recife. Die genaue Verteilung der Spiele, der Spielplan und die Übertragungsrechte werden erst näher am Turnier feststehen - wir halten das auf der Seite zur Frauen-WM 2027 aktuell.

Der Modus: 32 Teams wie schon 2023

Anders als bei den Männern, die 2026 erstmals mit 48 Mannschaften und 104 Spielen antreten, bleibt es bei den Frauen bei dem Format, das schon 2023 in Australien und Neuseeland im Einsatz war: 32 Teams, acht Gruppen zu je vier Mannschaften, die beiden Gruppenbesten ziehen ins Achtelfinale ein. Eine Aufstockung auf 48 ist für 2031 im Gespräch, für 2027 aber kein Thema.

Wichtig für alle, die in den Suchmaschinen nach “Frauen-WM 2025” suchen: Eine Frauen-WM 2025 hat es nicht gegeben. Der Turnierrhythmus liegt bei vier Jahren - nach 2023 folgt 2027. Was 2025 stattfand, war die Frauen-Europameisterschaft in der Schweiz, bei der die DFB-Frauen im Halbfinale ausschieden. Die nächste WM ist also die in Brasilien, die nächste EM erst 2029.

Die UEFA-Qualifikation läuft mitten durch 2026

Während dieser Text entsteht, ist die europäische Qualifikation in vollem Gange. Sie wird erstmals analog zur UEFA Women’s Nations League ausgespielt - mit den Ligen A, B und C, jeweils in Vierergruppen (in Liga C abweichend), aber ohne ein Final-Four-Turnier. Europa hat elf Startplätze: vier gehen direkt an die Gruppensieger der Liga A, sieben werden über Play-offs vergeben, dazu kommt eine mögliche zwölfte Chance über das interkontinentale Play-off-Turnier.

Der Fahrplan: Die Gruppenphase lief in drei Fenstern - Ende Februar/Anfang März, im April und im Juni 2026. Die Play-offs folgen im Oktober und im November/Dezember 2026, ausgelost wird die Play-off-Runde Ende Juni 2026. Wer in Liga A seine Gruppe gewinnt, ist durch; alle anderen müssen über die Play-offs. Den aktuellen Stand und die Tabellen findest du unter Frauen-WM-Qualifikation.

Wie stehen die Chancen der DFB-Frauen?

Aus deutscher Sicht die gute Nachricht: Die DFB-Auswahl hat ihre Liga-A-Gruppe gewonnen und damit das direkte WM-Ticket bereits gelöst - unter anderem mit einem klaren Sieg gegen Norwegen und Punkten gegen Österreich. Damit ist Deutschland 2027 in Brasilien dabei, ohne den Umweg über die Play-offs nehmen zu müssen.

Bei der WM selbst gilt: Deutschland gehört traditionell zum erweiterten Favoritenkreis, ist aber nicht mehr der Gradmesser, der es vor zehn, fünfzehn Jahren war. Zwei WM-Titel stehen in der Vita - 2003 und 2007 -, dazu Olympia-Bronze 2024. Doch 2023 war die Vorrunde Endstation, 2025 bei der EM das Halbfinale. Die Konkurrenz ist breiter geworden: Weltmeister Spanien spielt den derzeit besten Frauenfußball, England (Europameister 2022 und 2025) ist stark, Frankreich, die USA, Schweden, Japan und natürlich Gastgeber Brasilien um eine neue Generation nach der Ära Marta gehören zum Kreis der Anwärterinnen. Ein realistisches Ziel für das DFB-Team dürfte das Viertel- oder Halbfinale sein - mehr ist möglich, aber nichts, worauf man sich verlassen sollte.

Was 2027 von früheren Turnieren unterscheidet

Brasilien bringt neue Faktoren ins Spiel: Hitze und Luftfeuchtigkeit in Städten wie Salvador, Fortaleza und Recife, weite Reisen über einen Kontinent, dazu Stadien wie das Maracanã, die für emotionale Kulissen sorgen können. Gleichzeitig profitiert das Turnier von einer Region, in der Frauenfußball wächst - Kolumbien, Argentinien und Brasilien haben zuletzt sportlich aufgeholt. Für die FIFA ist es zudem ein Signal: Nach Nordamerika (1999, 2003), Asien (1991, 2007), Europa (1995, 2011, 2019) und Ozeanien (2023) ist Südamerika der letzte große Kontinent, der eine Frauen-WM bekommt.

Wer die Einordnung in den größeren Zusammenhang sucht: Auf der Seite zum Frauenfußball bündeln wir alles zu den DFB-Frauen, zur ewigen WM-Tabelle der Frauen und zur Geschichte des Turniers, und im Bereich WM-Geschichte ordnen wir ein, wie sich die Weltmeisterschaft bei Männern wie Frauen über die Jahrzehnte verändert hat. Die nächste große Männer-WM steht parallel an: ein Blick auf die WM 2026 lohnt sich ebenso.

Bis zum Anpfiff in Rio ist es noch über ein Jahr hin. Bis dahin entscheidet sich in den Play-offs, wer aus Europa neben Deutschland dabei ist - und ob am Ende erneut Spanien den Pokal in die Höhe stemmt oder zum ersten Mal eine südamerikanische Mannschaft.

Häufige Fragen zur Frauen-WM 2027

Wann ist die Frauen-WM 2027? Vom 24. Juni bis 25. Juli 2027 in Brasilien. Es ist die erste Frauen-WM in Südamerika.

Wo findet die Frauen-WM 2027 statt? In Brasilien, verteilt auf acht Städte - Rio de Janeiro (Maracanã), São Paulo, Brasília, Belo Horizonte, Porto Alegre, Salvador, Fortaleza und Recife.

Gab es eine Frauen-WM 2025? Nein. Der Turnierrhythmus liegt bei vier Jahren - nach 2023 (Australien und Neuseeland, Spanien Weltmeister) folgt 2027 in Brasilien. 2025 fand die Frauen-Europameisterschaft in der Schweiz statt.

Wie viele Teams spielen bei der Frauen-WM 2027? 32 Mannschaften in acht Vierergruppen - dasselbe Format wie 2023. Eine Aufstockung auf 48 Teams ist erst für 2031 im Gespräch.

Hat sich Deutschland für die Frauen-WM 2027 qualifiziert? Ja. Die DFB-Auswahl hat ihre Liga-A-Gruppe in der UEFA-Qualifikation gewonnen und das WM-Ticket direkt gelöst - ohne den Umweg über die Play-offs.

Wer ist Titelverteidigerin? Spanien - die Spanierinnen gewannen die Frauen-WM 2023 in Australien/Neuseeland mit einem 1:0 im Finale gegen England.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

Mehr aus Frauenfußball