Adidas geht bei DFB-Trikots der Buchstabe V aus
Adidas-Engpass beim DFB-Ausrüster: Trikots von Havertz, Pavlovic und Undav sind aktuell nicht bestellbar, weil dem Konzern für die Beflockung der Buchstabe V ausgegangen ist.
Von Lukas Brandt 16. Juni 2026
Mit dem 7:1 im Auftaktspiel gegen Curaçao ist die Trikotnachfrage in Deutschland sprunghaft gestiegen. Beim Ausrüster Adidas legt das jetzt eine kuriose Schwachstelle in der Lieferkette offen: Wer aktuell ein Original-DFB-Trikot mit dem Namen Kai Havertz, Aleksandar Pavlovic oder Deniz Undav bestellen möchte, geht im Online-Shop leer aus. Der Grund ist so überraschend wie banal - Adidas sind die Buchstaben V für die Beflockung ausgegangen.
Drei Spieler, drei nicht lieferbare Trikots
Konkret betroffen sind drei Namen aus dem aktuellen WM-Kader der DFB-Elf:
- Kai Havertz (Arsenal), beim 7:1 gegen Curaçao Doppelpacker und damit der wohl größte Trikot-Treiber dieser Woche.
- Aleksandar Pavlovic (FC Bayern), gegen Curaçao in der Startelf auf der Doppelsechs und seit Wochen ein Konsens-Aufsteiger im Team von Julian Nagelsmann.
- Deniz Undav (VfB Stuttgart), in dieser Saison einer der konstantesten Bundesliga-Stürmer und im Nordamerika-Trip ein Sympathieträger des Kaders.
Was die drei eint, ist nicht ihre Position oder ihr Klub, sondern ein einziger Buchstabe in ihrem Familiennamen. Andere Trikots aus dem WM-2026-Sortiment sind regulär bestellbar. Wer das Trikot von Joshua Kimmich, Florian Wirtz, Jamal Musiala oder Nick Woltemade kaufen möchte, kommt ohne Wartezeit ans Ziel.
Warum die Beflockung mit “V” plötzlich knapp wird
In einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur hat ein Sprecher von Adidas die Engpässe bestätigt und im Wortlaut eingeordnet: “Aufgrund der hohen Nachfrage nach Beflockungen der Spieler Undav, Havertz und Pavlovic kam es kurzfristig zu Engpässen bei der Verfügbarkeit des Buchstabens V.”
Das klingt ungewöhnlich, ist in der Trikot-Industrie aber Routine. Adidas bezieht die einzelnen Buchstaben für die Stadion-genaue Beflockung der Original-Trikots in vorgefertigten Auflagen. Geplant wird nach Erfahrungswerten aus den vergangenen Turnieren - und für die WM 2026 lagen Havertz, Pavlovic und Undav offenkundig im Bereich, in dem die V-Auflage nicht reichte. Spätestens nach dem Auftaktsieg dürfte die Nachfrage so steil gestiegen sein, dass der Vorrat im Lager schneller leer war als der Nachschub aus der Produktion eintraf.
Andere Buchstaben sind aktuell nicht knapp. Wer ein Wunsch-Trikot mit eigenem Namen bestellt, kommt unverändert durch - solange das Wunschwort kein V enthält.
Adidas-Lösung mit 11teamsports
Adidas arbeitet die Engpässe nach eigener Aussage gemeinsam mit dem Vertriebspartner 11teamsports ab. Der Münchner Teamsport-Spezialist betreibt einen großen Teil des deutschsprachigen Mannschafts-Vertriebs für die DFB-Trikots und ist auch in das Endkunden-Geschäft für den WM-Boom eingebunden.
Eine harte Frist nennt der Konzern nicht. In der offiziellen Stellungnahme heißt es lediglich, die V-Beflockungen würden “in Kürze wieder online bestellbar sein”. Spätestens vor dem zweiten DFB-Gruppenspiel an diesem Samstag in Toronto gegen die Elfenbeinküste dürfte Adidas Druck verspüren, die Engpässe geräuschlos abgeräumt zu haben.
Verkaufszahlen: Auswärtstrikot über Euro-2024-Niveau
Im Schatten der V-Geschichte zieht Adidas eine demonstrativ entspannte Bilanz. Konkrete Stückzahlen nennt das Unternehmen wie üblich nicht, der Tenor des Sprechers ist aber eindeutig: Das tiefblaue Auswärtstrikot verkaufe sich überraschend gut, “deutlich über den Vergleichswerten der Euro 2024”. Auch das weiße Heimtrikot mit dem Rautenmuster ziehe spürbar an, hier sei das Wachstum zuletzt “stark” gewesen.
Eine Rolle dürfte spielen, dass das blaue Set bei der WM nur einmal zum Einsatz kommt - am 25. Juni in New York/New Jersey gegen Ecuador - und damit für Sammler eine knappe, klar datierte Erinnerung darstellt. Wer das Auswärtstrikot trägt, weiß, an welchem Abend es bei der Original-Premiere zum Einsatz kam.
Preislich liegen die DFB-Trikots in der laufenden WM-Phase zwischen rund 100 und 150 Euro, je nach Modell (Replica oder Authentic) und Beflockung. Authentic-Versionen kosten in der Regel den Aufschlag, sind dafür näher am tatsächlich getragenen Spielertrikot.
Das letzte Adidas-DFB-Trikot vor dem Nike-Wechsel
Die V-Panne fällt auf eine besondere WM. Mit dem Auslaufen des langjährigen Ausrüstervertrags zum 31. Dezember 2026 endet die Adidas-Ära beim DFB; ab 2027 übernimmt Nike. Mehr zu diesem Wechsel und seinen Hintergründen haben wir im Artikel zur Nike-Übernahme beim DFB eingeordnet.
Damit erhalten die aktuellen WM-Trikots eine zusätzliche Sammlerschicht. Wer das weiße Raute-Heimtrikot oder das tiefblaue Auswärtsset trägt, schließt die wohl prägendste Ausrüster-Partnerschaft im deutschen Fußball auf der größten Bühne ab. Eine vollständige Übersicht der Trikots aller 48 WM-Teilnehmer liegt in der Trikot-Seite zur WM 2026; die historische Linie aller DFB-Trikots zeichnet die Seite DFB-Trikot-Geschichte nach.
Dass am Ende dieser Adidas-Geschichte ausgerechnet ein fehlender Buchstabe V die Schlusspointe schreibt, ist eine kleine, in ihrem Detail aber bezeichnende Anekdote: Selbst nach Jahrzehnten der Routine kann ein WM-Sieg am ersten Spieltag eine Lieferkette in ein Kapitel zwingen, das so nicht geplant war.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.