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DFB-Team

Nach mehr als 25 Jahren: Der DFB fuehrt Stehplaetze bei Laenderspielen wieder ein - Augsburg und Muenchen als Klopps erste Heim-Debuets

Der DFB fuehrt Stehplaetze bei Laenderspielen der A-Nationalteams und der U 21 wieder ein. Premiere: 27.09.2026 in Augsburg gegen Griechenland, 01.10.2026 in Muenchen gegen Serbien - Klopps erste Heim-Debuets.

Von Lukas Brandt 11. August 2026

Die gefuellte Suedkurve der Allianz Arena beim Bundesliga-Duell FC Bayern gegen FC Augsburg am 24. Januar 2026: Ab dem 1. Oktober 2026 werden erstmals seit mehr als 25 Jahren wieder Stehplaetze bei einem A-Laenderspiel besetzt sein, wenn die DFB-Elf im gleichen Stadion Serbien empfaengt (Foto: Actionpress). DFB-Fotoklausel beachten: keine Sequenz-, Video- oder Emulation-Verwendung. Foto: Actionpress via SmartFrame

Es sind zwei Saetze und eine dazwischen liegende Kalender-Achse, die aus der DFB-Mitteilung vom Dienstagnachmittag mehr machen als eine Ticketing-Nachricht. Der Deutsche Fussball-Bund fuehrt bei den Laenderspielen der A-Nationalteams der Frauen und Maenner sowie der U 21 wieder Stehplaetze ein. Der Beschluss faellt am 11. August 2026 im DFB-Aufsichtsrat und in der Mitgliederversammlung der DFB GmbH & Co. KG. Die Premiere folgt am 27. September in der WWK-Arena Augsburg gegen Griechenland und am 1. Oktober in der Allianz Arena Muenchen gegen Serbien - beide Spiele der Auftakt-Doppelpack der UEFA Nations League 2026/27 und zugleich die ersten Pflichtspiel-Heimauftritte unter dem neuen Bundestrainer Juergen Klopp. Der Verband koppelt damit den sportlichen Neustart nach dem R32-Aus gegen Paraguay in Toronto mit einer der symbolisch aufgeladensten Fan-Kultur-Entscheidungen der letzten zwei Jahrzehnte.

Die Entscheidung vom 11. August - was der DFB genau beschlossen hat

Formal ist die Sache in einem einzigen Vier-Zeiler abgeschlossen. Aufsichtsrat und Mitgliederversammlung der DFB GmbH & Co. KG - dem Vermarktungs-Vehikel der A-Nationalmannschaften und der Cluborganisationen - haben in ihrer gemeinsamen Sitzung am Dienstag beschlossen, dass ab sofort auch bei Herren-A-Laenderspielen Stehplaetze angeboten werden. Bei den Frauen-A-Auswahlmannschaften und in der U 21 sind reine Stehplatz-Bloecke bereits zuvor moeglich gewesen, in der Herren-A-Elf laut DFB-eigener Historie nicht mehr in den letzten mehr als 25 Jahren. Praesident Bernd Neuendorf gibt in der Verbands-Mitteilung das Kern-Zitat: “Stehplaetze sind ein wichtiger Bestandteil der Fankultur und des Stadionerlebnisses in Deutschland. Wir haben uns innerhalb der UEFA aktiv fuer die Wiedereinfuehrung bei Nationalspielen und Turnieren eingesetzt.”

Bemerkenswert an der Formulierung ist der zweite Halbsatz. Neuendorf reklamiert die Wiedereinfuehrung nicht als Solo-Erfolg des DFB, sondern schreibt sie in einen europaeischen Verbandslobby-Prozess ein, in dem der deutsche Verband eine treibende Rolle beansprucht. Das trifft auf einen Nagel: Es ist die UEFA-Reglementierung, die die Stehplatz-Frage bei Laenderspielen und Turnieren steuert, und die entsprechende Zulassung war bis vor kurzem eng auf reine Klub-Bewerbe der Maenner begrenzt. Erst mit dem UEFA-Exekutivkomitee-Beschluss zur Verlaengerung des 2022/23 gestarteten Beobachtungsprogramms - unter Beteiligung von zehn nationalen Verbaenden - hat sich das Fenster fuer A-Nationalspiele geoeffnet.

Ab Griechenland und Serbien - die ersten beiden Spiele mit Stehplaetzen

Der operative Kalender ist eng gerechnet. Nur sechseinhalb Wochen nach der Beschluss-Sitzung findet die Premiere statt: Am Sonntag, 27. September 2026, um 20:45 Uhr trifft die deutsche Auswahl in der WWK-Arena Augsburg auf Griechenland - Auftakt der UEFA-Nations-League-Gruppenphase 2026/27. Vier Tage spaeter folgt am Donnerstag, 1. Oktober 2026, ebenfalls um 20:45 Uhr, das Duell mit Serbien in der Allianz Arena Muenchen. Beide Stadien sind Kombi-Anlagen aus dem Bundesliga-Bestand und haben die Steh-Bereiche baulich langst installiert. In Augsburg trifft es einen Block im Fan-Sektor, in Muenchen die Suedkurve unter dem Bayern-Ultra-Bereich, die im Bundesliga-Betrieb regelmaessig gut 15.000 Fans fasst.

Die Ticket-Modalitaeten sind wie folgt gestaffelt. Der Stehplatz-Preis liegt regulaer bei 18 Euro, Mitglieder des Fan Club Nationalmannschaft zahlen 15 Euro. Fan-Club-Mitglieder erhalten ab Mittwoch, 13. August, exklusiven Zugriff, der freie Verkauf startet am Dienstag, 18. August, um 10:00 Uhr fuer das Augsburg-Spiel und um 14:00 Uhr fuer das Muenchen-Spiel. Die Preis-Setzung ist im Vergleich zu den regulaeren Sitzplatz-Kategorien der DFB-Auswahl (die je nach Spiel und Position zwischen 35 und 130 Euro liegen) bewusst niedrig gehalten - ein politisches Signal, dass die Wiederbelebung des Steh-Blocks nicht nur eine Kapazitaets-, sondern eine Zugangs-Frage ist.

Warum die Stehplaetze mehr als 25 Jahre verschwunden waren - der UEFA-Kontext

Der lange Ausschluss von A-Laenderspielen aus dem Steh-Format war nie eine deutsche Entscheidung. Die Bundesliga hat mit den Kombi-Bloecken schon seit den fruehen 1990er Jahren eine bauliche Loesung, die im Ligabetrieb Stehplaetze und bei internationalen Spielen per klapp- oder umbaubarer Sitz-Vorrichtung Sitzplaetze bietet - eingefuehrt in der Nachwirkung der Katastrophen von Heysel 1985 und Hillsborough 1989, die auf UEFA- und FIFA-Ebene zu strikten Sitzplatz-Vorgaben fuer alle internationalen Pflichtspiele und grossen Turniere gefuehrt hatten. Der DFB-Auftritt bei Laenderspielen fiel damit reglement-getrieben in dieselbe Kategorie wie ein Champions-League-Achtelfinale: ausschliesslich Sitzplatz-Betrieb.

Der Wende-Punkt kam 2022/23 mit einem UEFA-Beobachtungsprogramm, an dem zehn europaeische Verbaende teilnahmen und im begrenzten Rahmen Steh-Bloecke im Herren-Klub-Wettbewerb wieder anboten. Die Auswertung fiel positiv aus, das UEFA-Exekutivkomitee verlaengerte die Zulassung, und in einer zweiten Ausweitungs-Runde wurden nun auch A-Nationalspiele in den Rahmen aufgenommen. Der DFB-Beschluss vom 11. August dockt exakt an dieses Zeitfenster an. Ohne die UEFA-Genehmigung waere die Wiedereinfuehrung aus verbandsrechtlichen Gruenden nicht moeglich gewesen; der DFB hat innerhalb der UEFA-Arbeitsgruppe nach eigener Darstellung “aktiv” fuer den Schritt lobbyiert.

Wer nun rueckwaerts blickt, findet auf den Rasen-Bahnen der spaeten 1990er Jahre die letzten Steh-Bloecke bei DFB-Heimspielen. Die genaue Chronologie ist im Detail unscharf, weil die Umstellung stadion-fuer-stadion in mehreren Wellen erfolgte; die runde DFB-Formulierung “mehr als 25 Jahre” deckt sich mit der UEFA-Umsetzungs-Phase um 1998-2000, in der die letzten Kombi-Konfigurationen bei A-Nationalspielen konsequent auf reinen Sitz-Betrieb umgestellt wurden.

Der Kontext zu Klopps DFB-Neustart und dem Post-WM-Nations-League-Zyklus

Die zeitliche Kopplung mit dem Bundestrainer-Wechsel ist der zweite Nachrichten-Layer der Stehplatz-Entscheidung. Juergen Klopp gibt sein DFB-Debut im Freundschaftsspiel gegen die Niederlande am 24. September in der Johan-Cruyff-Arena Amsterdam - ebenjenem Stadion, in dem seit Anfang August Marc-Andre ter Stegen und Julian Brandt fuer Ajax auflaufen. Die ersten Pflichtspiele der Klopp-Aera folgen dann drei Tage spaeter mit dem Griechenland-Heimauftritt und vier Tage danach mit dem Serbien-Duell. Beide sind zugleich die ersten Heim-Debuets der Klopp-Zeit - und werden nun als die ersten Heimspiele mit Stehplatz-Block in die DFB-Chronik eingehen.

Dass die Verbandsspitze diesen Doppelpack fuer die Fan-Politik-Botschaft nutzt, hat handfeste Vorlauf-Gruende. Klopps Vorstellung am 24. Juli in Frankfurt war von der beruehmten Medien-Ansage (“Wenn ihr meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg”) und der Erklaerung “Ich mache das nicht fuer mich, ich mache das fuer euch” gerahmt gewesen. Die Debatte um seine Red-Bull-Vorgeschichte und die daraus resultierende Auseinandersetzung mit Uwe Doering vom Schleswig-Holsteinischen Fussball-Verband hatte im Juli deutlich gemacht, dass Klopp einen Vertrauens-Vorschuss von der aktiven Fan-Szene erst noch verdienen muss. Die niedrig gehaltenen 18 Euro fuer den Stehplatz und die 15 Euro fuer den Fan Club sind - liest man den Beschluss politisch - Teil desselben Signals: die DFB-Fuehrung greift eine Grundstimmung der aktiven Fan-Kultur konstruktiv auf, statt sie zu ignorieren.

Kontextuell wichtig ist zudem der Turnier-Ausblick. Die deutsche Auswahl spielt in der UEFA Nations League 2026/27 in einer Gruppe mit Griechenland, Serbien und einem dritten Gegner; die zugleich als Vorbereitung fuer die Europameisterschaft 2028 in England, Wales, Schottland und Irland fungiert. Die Nations-League-Auftritte sind damit nicht nur Klopps sportliche Standort-Bestimmung, sondern die erste Buehne der neuen Aera vor den heimischen Kurven - unter Bedingungen, die es seit dem WM-Endrunden-Wechsel des Bundeskaders in der zweiten Haelfte der 1990er Jahre nicht mehr gegeben hat.

Was das operativ fuer Fans heisst - Tickets, Bloecke, Praxis

In der operativen Anwendung stellt die Entscheidung weder die Bundesliga-Vereine vor bauliche Aufgaben noch fuehrt sie zu einer plakativen Kapazitaets-Ausweitung. Die WWK-Arena Augsburg (30.660 Zuschauer, gebaut 2009) und die Allianz Arena Muenchen (75.000 Zuschauer, gebaut 2005) haben ihre Kombi-Bloecke seit Eroeffnung in Betrieb; in der Bundesliga stehen Woche fuer Woche Fans in diesen Bereichen. Fuer die beiden Laenderspiele werden die Kombi-Bereiche nun schlicht nicht in den Sitz-Modus umgeruestet, sondern im Bundesliga-Format belassen. Das spart Umbau-Kosten, spart Zeit - und aendert die Optik der TV-Bilder: statt der reinen Sitz-Formation der WM-Qualifikations- und Turnierspiele der letzten zwei Jahrzehnte wird die Kurven-Choreografie wieder Kombi-Charakter haben.

Die 18-Euro-Steh-Karte wird beim Griechenland-Spiel in Augsburg fuer den Block im Fan-Sektor angeboten (Suedwest-Kurve), beim Serbien-Spiel in Muenchen fuer die Suedkurve unter dem Bayern-Ultra-Bereich. Der DFB weist ausdruecklich darauf hin, dass die Stehplaetze reine Personenplaetze ohne zugewiesenen Sitzplatz sind; die Sicherheits-Bestimmungen entsprechen dem Bundesliga-Betrieb. Das Fan Club Nationalmannschaft, das die 15-Euro-Kategorie exklusiv anbietet, hat inzwischen mehr als 60.000 Mitglieder - die Vorverkaufsphase vom 13. bis 17. August wird zeigen, wie stark der Ansturm auf die neuen Steh-Kontingente ausfaellt.

Als Fussnote im Detail: Auch bei der U 21 wird das Konzept jetzt konsequent angewendet. Die naechsten U-21-Laenderspiele im September 2026 sind in Osnabrueck und Regensburg angesetzt - beide Stadien haben ebenfalls Kombi-Kurven. Bei den Frauen-A-Laenderspielen war Steh-Betrieb ohnehin bereits vor der DFB-Beschluss-Sitzung moeglich; der Beschluss vom 11. August stellt fuer die Frauen-Auswahl also keine Aenderung, sondern eine formelle Bestaetigung dar.

Einordnung - warum die Entscheidung mehr ist als Ticket-Politik

Der Beschluss vom 11. August ist mit einem Verwaltungs-Akt-Volumen von wenigen hundert Worten das kompakteste, aber symbolisch aufgeladenste Fan-Kultur-Signal des DFB seit langem. Er beantwortet drei Fragen auf einmal.

Erstens: die Signal-Frage nach dem WM-Aus. Nach dem sportlichen R32-Debakel gegen Paraguay in Toronto (Elfmeterschiessen), dem Ruecktritt von Julian Nagelsmann und der Wahl des polarisierenden Wunsch-Nachfolgers Klopp brauchte der DFB ein positives Konsens-Thema. Fan-Kultur-Rueckkehr ist eines der wenigen, das intern nicht kontrovers ist und extern eine breite Zustimmungs-Basis findet.

Zweitens: die UEFA-Positionierungs-Frage. Der Neuendorf-Satz “innerhalb der UEFA aktiv fuer die Wiedereinfuehrung eingesetzt” ist eine offen ausgesprochene Verbandslobby-Botschaft. In einem Sommer, in dem die UEFA gemeinsam mit AFC und CONCACAF einen offenen Brief gegen Infantino platziert hat und Reform-Themen wie die Rueckkehr zum ‘clear and obvious’-VAR-Ursprung durch UEFA-Schiri-Chef Rosetti im Mittelpunkt stehen, positioniert sich der DFB damit erkennbar auf der progressiven UEFA-Seite - operativ, nicht rhetorisch.

Drittens: die Klopp-Framing-Frage. Wenn am 27. September in der Augsburger WWK-Arena zum ersten Mal seit mehr als 25 Jahren wieder eine Steh-Kurve bei einem DFB-Heim-Pflichtspiel skandiert, ist das ein Bild, das TV, Foto-Agenturen und Social Media fuer die Klopp-Aera festhalten werden. Das Bild ist bewusst gesetzt - und der Bundestrainer, der es einloest, wird nicht der Verwaltungs-Akt der Beschluss-Sitzung sein, sondern der Mann an der Seitenlinie, dem die neuen Steh-Kurven Woche vier ihrer Wiedereroeffnung entgegenrufen.

Der Rest ist Zuschauer-Statistik. Am 27. September in Augsburg, am 1. Oktober in Muenchen. 18 Euro. Fan Club 15 Euro. Vorverkauf ab dem 13. August, oeffentlich ab dem 18. August. Der Rest wird Fussball.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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