HEBC Hamburg 0:5 BVB: Inacio-Doppelpack, drei Ryerson-Vorlagen und die Neuner-Antwort von Fabio Silva
Borussia Dortmund gewinnt beim Oberligisten HEBC am 01.09.2026 mit 0:5 - Inacio doppelt, Ryerson mit drei Assists, Fabio Silva trifft. 45.917 im Volkspark.
Von Lukas Brandt 01. September 2026
Am Dienstagabend hat Borussia Dortmund die letzte offene Partie der 1. Hauptrunde im DFB-Pokal 2026/27 im Volksparkstadion in Hamburg mit 5:0 (4:0) beim Oberligisten HEBC Hamburg gewonnen. Vor 45.917 Zuschauern im HSV-Stadion, in dem sich der Hamburger Landespokalsieger fuer diese Partie eingemietet hatte, erledigte der Bundesliga-Vizemeister die Erstrunden-Pflicht ohne Wackler. Die Torschuetzen: Janek Wrede per Eigentor in der 33. Minute, Daniel Svensson in der 36., Samuele Inacio in der 41. und in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45.+2) sowie Fabio Silva in der 59. Minute. Der auffaelligste Dortmunder war der Rechtsverteidiger Julian Ryerson mit drei Vorlagen - und der Norweger legte damit die Blaupause fuer den Fluegel-Zugriff, mit dem sich der BVB nach einer schwierigen ersten halben Stunde vom Feierabend-Kollektiv des HEBC loesen konnte.
Der Spielverlauf: 33 Minuten Widerstand, dann faellt der Riegel in neun Minuten
Der Vorbericht vom Dienstagmorgen hatte die Rollen scharf abgesteckt: BVB Favorit, HEBC ohne Chance auf ein sportliches Ergebnis, aber mit einer Volkspark-Kulisse als Vereins-Ernte des Landespokal-Feldzugs. Die ersten 33 Minuten sahen dann tatsaechlich einen Oberligisten, der die Dortmunder in ein enges, tiefes 5-4-1 zwang und dessen Torhueter Jannik Schoon mit mehreren Paraden gegen Fabio Silva, Sabitzer und Inacio den Riegel dicht hielt. Der HEBC-Aussenverteidiger Tjorven Koehler setzte in der Anfangsphase zudem zwei Konter, die Ansatz und Mut zeigten.
Dann faellt der Damm in neun Minuten. In der 33. Minute flankt Julian Ryerson von der rechten Seite scharf in den Fuenfmeterraum; Janek Wrede rutscht bei der Klaerungsaktion in den Ball und lenkt ihn zum 0:1 ins eigene Tor. Drei Minuten spaeter setzt Ryerson wiederum an der rechten Strafraumkante an, chippt den Ball an den zweiten Pfosten, wo Daniel Svensson aus kurzer Distanz zum 0:2 einschiebt. In der 41. Minute ist es Marcel Sabitzer, der einen zweiten-Ball-Konter mit der Aussenrist-Ablage auf Inacio abschliesst - 0:3. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (45.+2) legt Ryerson zum dritten Mal auf, diesmal aus dem Halbraum flach quer, und Samuele Inacio trifft ins lange Eck zum 0:4-Pausenstand.
Nach dem Wechsel oeffnet Kovac die Rotation weit. In der 46. Minute kommen Beier und Chukwuemeka fuer Ryerson und Nmecha, in der 58. ersetzt Prates den Svensson. Fabio Silva legt nach einer Kombination mit Jerdy Veerman in der 59. Minute aus dem Rueckraum das 0:5 nach; der Portugiese trifft mit dem rechten Innenrist ins lange Eck. Danach nimmt der BVB Tempo aus dem Spiel; der HEBC bleibt bemueht, kommt aber ausser einem Kopfball-Ansatz nach einer Ecke nicht mehr in gefaehrliche Zonen. Die einzige Karte des Spiels sieht Hammed Nawaz (HEBC) in der 72. Minute nach einem taktischen Foul im Mittelfeld.
Julian Ryerson: drei Assists von der rechten Aussenbahn
Der eigentliche Ausrufezeichen-Auftritt des Abends gehoert nicht einem Torschuetzen, sondern dem norwegischen Rechtsverteidiger Julian Ryerson. Drei der fuenf BVB-Tore gehen auf seine Zuspiele zurueck: die scharfe Flanke zum Wrede-Eigentor in der 33., der Chip auf Svensson in der 36., der flache Halbraum-Pass auf Inacio in der Nachspielzeit. Ryerson spielt die Aussenbahn in dieser Erstrunden-Partie so, wie ihn Kovac im Bundesliga-Auftakt gegen den HSV noch nicht in Vollausbau eingesetzt hatte - hoch aufgeschoben, im Wechsel mit dem Aussenmittelfeld, mit der Freigabe, die letzten fuenf Meter selbst zu klaeren. Der Norweger geht zur Halbzeit vom Platz; die Belastungspause laesst sich mit dem Zwei-Ligen-Unterschied auf dem Spielberichtsbogen erklaeren, mit Blick auf die zweite Bundesliga-Runde am Wochenende auch mit einem Personalkalender-Argument.
Fabio Silva und die Neuner-Antwort auf den Konstantelias-Kreuzbandriss
Die personelle Fragestellung der Partie war, wie Kovac das durch den Kreuzbandriss von Giannis Konstantelias gerissene Loch im offensiven Mittelfeld schliesst. Der Trainer hatte auf der Pressekonferenz nur allgemein gesagt: “Wir haben einige Spieler, die auf diesen Halbpositionen spielen koennen.” Konkret wurden Fabio Silva und Samuele Inacio - beide standen in der Startelf, beide trafen. Fabio Silvas 0:5 in der 59. Minute ist dabei die Antwort mit dem groessten Symbolwert: Der Portugiese fungiert als zweiter Neuner neben Serhou Guirassy und meldet mit dem sauberen Innenrist-Abschluss ins lange Eck an, dass er in der Kovac-Rotation der ersten Wochen nicht Reserve-, sondern Rotations-Neuner ist. Samuele Inacios Doppelpack ist die zweite Ebene der Kader-Antwort - der Sommer-Zugang, der beim Bundesliga-Auftakt noch die Rote Karte gesehen hatte, hat sich beim Pflichtsieg von Hamburg zurueckgemeldet.
45.917 im Volkspark: Rekord-Kulisse fuer eine Erstrunden-Partie mit einem Fuenftligisten
Die Kulisse ist der zweite Kopfzeilen-Wert dieses Abends. 45.917 Zuschauer haben die Erstrunden-Partie im Volksparkstadion verfolgt - eine Zahl, die in der DFB-Pokal-Historie fuer eine Partie mit einem Fuenftligisten aussergewoehnlich hoch liegt. Die Erklaerung ist die Kombination aus Hamburger Fussball-Neugier auf den kleinen Klub aus Eimsbuettel, aus der BVB-Zugstelle als Bundesliga-Marke und aus der Volkspark-Kapazitaet, die der HEBC ueber die Untermiete beim HSV ueberhaupt erst freischalten konnte. Wirtschaftlich wandert die Haelfte der Ticket-Einnahmen an den Gast, die andere Haelfte an den HEBC selbst. Der Klub hat angekuendigt, den Anteil in die Infrastruktur an der Tornquiststrasse zu investieren.
Kovacs Rotation und der Transfer-Draht nach Dortmund
Kovac hat vor der Partie angekuendigt, mit einer im Vergleich zum HSV-Auftakt veraenderten Elf anzutreten, ohne die Rotation ins Reserve-Extrem zu treiben. Auffaellig ist der Verzicht auf Sportdirektor Ole Book und Geschaeftsfuehrer Lars Ricken, die den Trip nach Hamburg gestrichen haben, um in Dortmund am Deadline Day zu bleiben. Die Rechnung ist am Ende aufgegangen: Waehrend die Erstrunden-Partie in Hamburg lief, hat der BVB in Dortmund den Ersatz fuer die Konstantelias-Rolle in Person von Ethan Nwaneri auf Leihbasis vom FC Arsenal geholt. Der 18-jaehrige Englaender wird nach der Laenderspielpause in Dortmund zur Verfuegung stehen.
Zweite Runde am 5. September - und der Blick auf den DFB-Kalender
Die Auslosung der 2. Runde im DFB-Pokal 2026/27 wurde wegen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt um einen Tag verschoben und findet am Samstag, 5. September 2026, im ZDF-Sportstudio statt. Losfee ist Bastian Schweinsteiger. Die Sendung beginnt frueher als sonst, bei 17:45 Uhr. Die Erstrunden-Ausgabe geht mit der HEBC-BVB-Partie damit ohne Sensation zu Ende - der einzige nennenswerte Erstrunden-Coup dieser Ausgabe bleibt der 5:2-Sieg des Regionalligisten SSV Jeddeloh II gegen Bundesliga-Absteiger Heidenheim vom 23. August in Oldenburg.
Fuer den DFB-Kader-Kalender unter Juergen Klopp hat der Dienstagabend keine unmittelbaren Personal-Konsequenzen; die naechsten Bundestrainer-Sichtungs-Termine folgen nach der Laenderspielpause. Fuer die Erstrunden-Chronik ist die Partie ein Schlusspunkt, der die zwei Ligen Unterschied ohne Ueberraschung markiert - und fuer den HEBC ein Abend, an dem Speiseeis am Ende naeher am Klub-Alltag lag als der Pokal-Sensation-Wunsch. Fuer Julian Ryerson ist es der Auftritt, der ihn nach dem 2:0-Auftakt gegen den HSV in die aktuelle Bundestrainer-Sichtungsliste der Rechtsverteidiger-Positionsgruppe drueckt - vier Wochen vor den ersten Klopp-Nominierungs-Entscheidungen im Post-WM-Kalender des DFB.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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