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DFB-Team

Regionalligist Jeddeloh II demontiert Heidenheim 5:2 - die Pokal-Sensation der 1. Runde 2026/27

Regionalligist SSV Jeddeloh II wirft Bundesliga-Absteiger Heidenheim 5:2 aus der 1. DFB-Pokalrunde. Hyseni-Doppelpack, Onken haelt Elfmeter - Revanche fuer 2018.

Von Lukas Brandt 23. August 2026

DFB-Pokal, 1. Hauptrunde: Symbolbild fuer die Erstrunden-Konstellation Amateur-Klub gegen 1. FC Heidenheim, hier aus der Vorsaison Bahlinger SC gegen Heidenheim - am 23.08.2026 setzte sich der SSV Jeddeloh II im Marschweg-Stadion Oldenburg mit 5:2 durch (Foto: ImageBROKER). Foto: ImageBROKER via SmartFrame

Der SSV Jeddeloh II hat am Samstag, 23. August 2026, im Marschweg-Stadion in Oldenburg die bisher groesste sportliche Ueberraschung der 1. DFB-Pokal-Runde 2026/27 geliefert: Der Regionalligist aus dem niedersaechsischen Edewecht schickt Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim mit 5:2 aus dem Wettbewerb. Nach fruehem 0:1-Rueckstand drehen die Gastgeber die Partie in nur 17 Minuten auf 3:1 und lassen anschliessend nichts mehr anbrennen. Die Schluesselszene liefert Torhueter Moritz Onken in der 57. Minute mit dem gehaltenen Elfmeter gegen Budu Zivzivadze - und Doppel-Torschuetze Haris Hyseni krallt sich das Match spaetestens mit dem verwandelten Foulelfmeter zum 4:1.

5:2 in Oldenburg: drei Tore in 17 Minuten, dann Verwaltung

Yannick Wagner haemmert Heidenheim in der 12. Minute per Fernschuss in Fuehrung - das erwartbare Zwischenfazit “Bundesliga-Absteiger im Griff” haelt exakt 60 Sekunden. In der 13. Minute schliesst Kamer Krasniqi einen schnellen Umschaltmoment zum 1:1 ab. Der Aufschlag der Jeddeloher Gastgeber wird spuerbar: 27. Minute Jan Schoeppner im eigenen Strafraum unter Bedraengnis am Ball, sein Klaerungsversuch trudelt zum 2:1-Eigentor ins eigene Tor. Zwei Minuten spaeter, in der 29. Minute, setzt Haris Hyseni den Kopf hinter eine Flanke, drueckt sie aus kurzer Distanz zum 3:1 ueber die Linie. Zur Pause fuehrt der Regionalligist mit drei Toren Vorsprung - ein Zwischenstand, den in der Halbzeitpause auch die Sportschau-Konferenzredaktion noch mehrfach nachfragen laesst.

Heidenheim-Trainer Frank Schmidt kann waehrend der Partie nicht aktiv coachen: Er sitzt eine aus der Vorsaison uebertragene Innenraumsperre ab und muss die Halbzeit-Umstellungen aus dem Kabinengang begleiten. Zur zweiten Halbzeit wechselt Heidenheim gleich dreifach - der erhoffte Umschwung bleibt aus. Nach dem gehaltenen Elfmeter in Minute 57 kippt die Partie endgueltig zugunsten der Gastgeber, die in der 70. und 72. Minute nachlegen und in der Nachspielzeit den 5:2-Anschluss durch Mikkel Kaufmann (89.) nur noch kosmetisch registrieren.

Der Elfmeter-Moment: Onken haelt Zivzivadze und kippt die Kraeftebalance

Die zentrale Szene der Partie liegt in der 57. Minute. Bei einem strittigen Zweikampf im Jeddeloher Strafraum entscheidet der Schiedsrichter auf Strafstoss fuer Heidenheim. Budu Zivzivadze, im Sommer als Bundesliga-erfahrener Angreifer in Heidenheim gehalten, tritt an - und scheitert an Moritz Onken. Der Jeddeloher Torhueter ahnt die Ecke, waehlt die rechte Seite und wehrt den flachen Schuss ab. In der Konsequenz muss der Bundesliga-Absteiger einer 1:3-Hypothek weiter hinterherlaufen; hoerbar knickt die Voith-Arena-Auswaertskurve ein.

Es ist Onkens Nacht: 32 Jahre alt, seit Jahren die Konstante zwischen den Jeddeloher Pfosten, jetzt Held eines Regionalligisten in seiner zweiten DFB-Pokal-Erstrunde. Nach dem Abpfiff fasst Onken die eigene Gefuehlslage im kicker-Interview trocken zusammen: “Das wird eine lange Nacht.” Der Satz laeuft in den Konferenz-Zusammenfassungen des Abends bis in die Sportschau-Prime-Time.

Die Revanche: 2018/19 verlor Jeddeloh 2:5 in Heidenheim - jetzt Score-Umkehr

Die zweite Ebene der Geschichte ist historisch. In der 1. Runde des DFB-Pokals 2018/19 hatten sich die beiden Vereine schon einmal getroffen; damals war Jeddeloh der Auswaerts-Underdog in der Voith-Arena und unterlag mit 2:5. Am 23. August 2026 dreht sich der Punktzahl-Vergleich exakt spiegelbildlich: 5:2 fuer Jeddeloh, diesmal daheim. Aus dem Erstrunden-Debut 2018 mit drei Gegentoren Differenz wird der Erstrunden-Coup 2026 mit drei Toren Vorsprung fuer die Niedersachsen. Es ist die perfekte Score-Umkehr und die schoenste sportliche Revanche, die eine Vereinsgeschichte im DFB-Pokal-Format hergeben kann.

Fuer den SSV Jeddeloh II, gegruendet am 15. Juni 1951 als eigenstaendiger Fussballklub im Ortsteil Jeddeloh II der niedersaechsischen Gemeinde Edewecht (nicht als Reservemannschaft, wie das “II” im Namen manchmal suggeriert), ist es die groesste Vereinsstunde. Das Team spielt in der Regionalliga Nord, der vierten Liga, und hatte sich fuer den DFB-Pokal 2026/27 durch den Sieg im Niedersachsenpokal 2025/26 qualifiziert (3:0-Finalerfolg gegen den SV Drochtersen/Assel). Die vereinseigene Haskamp-Arena fasst 2000 Zuschauer und war fuer das Erstrunden-Match nicht DFB-Pokal-tauglich - deshalb wich Jeddeloh in das groessere Marschweg-Stadion nach Oldenburg aus.

Trainer Arambasic: von “1:27 in fuenf Erstrunden” zur historischen Bilanz

Der Trainer der Sensation heisst Kristian Arambasic - und seine persoenliche Vor-Bilanz war noch am Freitag Gegenstand kleiner spoettischer Notizen in den norddeutschen Sportspalten. In seinen bisher fuenf DFB-Pokal-Erstrunden als Cheftrainer verschiedener Klubs hatte Arambasic eine Tor-Ausbeute von 1:27 angesammelt - eine Statistik, die vor dem 23. August 2026 die Rolle des dankbaren Under-Underdogs zementiert hatte. Genau die drehte Arambasic am Samstag um. Sein pre-match-Zitat, gesendet in den Vorspielen der Konferenz-Uebertragung, hat rueckblickend prophetischen Charakter:

“In der ersten DFB-Pokalrunde gibt es immer eine fette Ueberraschung.”

Was Arambasic taktisch anlegte, war ueberraschend mutig fuer einen Regionalligisten gegen den Bundesliga-Absteiger: hohes Anlaufen der Heidenheimer Innenverteidiger schon in den ersten Ballkontakten, aggressive Doppelung im Zentrum, konsequente Vertikal-Baelle sofort in die Halbraeume statt langem Sicherheits-Passspiel. Die Jeddeloher zwangen den Zweitligisten damit von der ersten Minute in einen Rhythmus, den Heidenheim ohne den gesperrten Schmidt an der Seitenlinie nicht mehr geordnet bekam. Die drei Gegentore in 17 Minuten der ersten Halbzeit sind kein Zufalls-Produkt - sie sind das Ergebnis einer Mannschaft, die schneller in die Zweikaempfe kommt und den Bundesliga-Absteiger vom ersten Zuspiel an unter Druck setzt.

Regionalliga Nord gegen Bundesliga-Absteiger: warum die Sensation zusaetzlich schmerzt

Der Klassenunterschied zwischen den beiden Vereinen ist gross, aber nicht so extrem wie er sportlich wirkt. Der 1. FC Heidenheim war in der Vorsaison Bundesligist und dort 17. der Saison 2025/26; nach dem Abstieg spielt der Klub jetzt wieder in der 2. Bundesliga. Der SSV Jeddeloh II spielt in der Regionalliga Nord - zwei Ligen tiefer. In finanzieller Hinsicht liegen zwischen den Klubs Groessenordnungen; im Kaderwert und in der Erfahrung mit Erstliga-Tempo ebenfalls. Genau das macht das Ergebnis fuer Heidenheim doppelt schmerzhaft: Das erste Pflichtspiel nach dem Bundesliga-Abstieg, der offizielle Auftakt in die Rueckkehr-Saison ins Unterhaus, endet frueh und deutlich ausserhalb des Wettbewerbs.

Fuer Heidenheim kommt hinzu: In der DFB-Pokal-Erstrunde 2018/19 gewann derselbe Verein das damalige Erstrunden-Duell gegen Jeddeloh noch mit 5:2. Der Klub hatte seine juengsten Erstrunden-Aufgaben (2019/20 bis 2025/26) sechs Mal in Folge gemeistert, jeweils in Runde 2 einziehen koennen. Die Serie ist damit gerissen - und sie ist es an dem Punkt gerissen, an dem die 2. Bundesliga fuer den Klub wieder eine Bewaehrungsprobe ist, keine Formsache.

Einordnung: die groesste sportliche Ueberraschung der Erstrunde 2026/27

Fuer die 1. DFB-Pokal-Runde 2026/27 ist der Jeddeloh-5:2-Coup die vorlaeufig groesste sportliche Sensation - nach einer Runde, die bereits durch die Waldhof-FCK-Ausschreitungen im Carl-Benz-Stadion organisatorisch, durch die Fanprotest-Choreografien zur VAR-Abschaffung politisch, durch Bensebainis Rote Karte bei Gladbach, durch Theates Ausbootung bei Frankfurt und durch Dzenan Pejcinovics Hattrick-Debut fuer Stuttgart in Rostock personell markant beschrieben ist. Der Jeddeloh-Coup fuegt jetzt das klassische DFB-Pokal-Element ein, das jeder Erstrunde eine eigene Erzaehlung schenkt: einen kompletten Klassen-Umsturz. Die naechste Runde wird wegen des Franz-Beckenbauer-Supercups am 22. August erst am 5. September 2026 ausgelost - Jeddeloh wird bei der Auslosung im Lostopf der noch verbliebenen Amateur-Klubs vertreten sein, mit der Aussicht auf ein Heimlos gegen einen weiteren Erstligisten und dem Ziel, das Marschweg-Stadion ein zweites Mal fuer eine Pokal-Nacht zu fuellen.

Fuer die Post-WM-Chronik des DFB-Teams und die kommende WM 2026-Rueckblende hat der Ausgang keine direkten Personal-Konsequenzen. Heidenheim ist als frisch abgestiegener Zweitligist ohnehin nicht mehr im Radar der Bundestrainer-Kader-Beobachtung; die WM-relevanten Spieler des vergangenen Fruehjahrs waren laengst geloest oder gewechselt. Die einzige indirekte Verbindung: Es war die Voith-Arena in Heidenheim, in der Jamal Musiala im Fruehjahr 2026 den zweiten Zusammenbruch seiner Bayern-Rueckrunde erlitt - jene Verletzung, die letztlich sein WM-2026-Aus mit dem DFB-Team besiegelte. Am 23. August 2026 ist es das Voith-Arena-Team selbst, das im Pokal frueh und deutlich das Handtuch werfen muss.

Der SSV Jeddeloh II hat es an einem sommerlichen Samstagnachmittag in Oldenburg so gemacht, wie man einen Bundesliga-Absteiger im DFB-Pokal am liebsten schlagen wuerde: laut, deutlich, mit einer perfekten Score-Umkehr zur eigenen Vereinsgeschichte, mit einem Torwart-Helden und einem Trainer, der die eigene Vor-Bilanz in einer Halbzeit komplett neu geschrieben hat.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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