Zum Inhalt springen
WM 2026

Japan: Kapitän Endo beendet Nationalmannschaftskarriere - Gladbachs Machino rückt für WM 2026 nach

Drei Tage vor Japans WM-Auftakt beendet Kapitän Wataru Endo seine Karriere im Nationalteam. Gladbachs Bundesliga-Stürmer Shuto Machino rückt nach.

Von Marco Feldmann 11. Juni 2026

Shuto Machino (Borussia Mönchengladbach #18) am 31. Januar 2026 bei Werder Bremen. Der Stürmer wird drei Tage vor Japans WM-Auftakt für den verletzten Kapitän Wataru Endo nachnominiert. Foto: Actionpress. Foto: Actionpress via SmartFrame

Drei Tage vor dem japanischen WM-Auftakt gegen die Niederlande bekommt das Samurai-Blue-Team einen letzten Personalstoß: Kapitän Wataru Endo (FC Liverpool) hat am Donnerstagabend nicht nur seine Teilnahme an der WM 2026 abgesagt, sondern gleich seine gesamte Karriere im Nationalteam beendet. Für ihn rückt Shuto Machino nach, Bundesliga-Stürmer von Borussia Mönchengladbach. Damit endet der Bogen eines Spielers, der Japan seit Januar 2022 als Kapitän geführt hat, und beginnt eine WM-Premiere für einen Profi, der vor knapp drei Jahren noch in der zweiten Bundesliga gespielt hat.

Der lange Schatten der Liverpool-Verletzung

Die Vorgeschichte reicht bis Anfang Februar 2026 zurück. Beim Premier-League-Auswärtsspiel des FC Liverpool beim AFC Sunderland wurde Endo als rechter Verteidiger aufgeboten, blieb nach gut einer Stunde nach einer Defensivaktion am Boden liegen und musste ausgewechselt werden. Trainer Arne Slot sprach am Tag danach von einem “ziemlich langen Ausfall” und einer “schweren Fußverletzung”.

Vier Monate später hatte Endo den Bundestrainer noch geglaubt machen können, dass es reicht. Im 26er-Kader, den Hajime Moriyasu am 15. Mai bekanntgegeben hatte, stand Endo als Kapitän gesetzt. Doch die Reha-Phase im Mai und die ersten Vorbereitungseinheiten Anfang Juni zeigten: Für 90 Minuten gegen die Niederlande oder Schweden reicht es nicht. Statt einen Platz im 26er-Aufgebot blockieren zu lassen, zog Endo am Donnerstag die Konsequenz - und ließ den Vorhang gleich ganz fallen.

Vom Kapitän zum Karriereende: Endos Bogen

Endo, geboren am 9. Februar 1993 in Yokohama, hinterlässt eine Lücke, die nicht nur sportlich, sondern auch hierarchisch wirkt. 81 A-Länderspiele, vier Tore, Kapitän seit dem 27. Januar 2022. Dazu der Bogen aus der J1 League (Shonan Bellmare, Urawa Red Diamonds) über den Belgien-Zwischenstopp bei VV Sint-Truiden bis zum VfB Stuttgart (2019 bis 2023, dort ab Sommer 2021 Kapitän) und schließlich dem FC Liverpool seit August 2023.

In Liverpool gewann er die EFL-Cup-Trophäe 2024 und unter Arne Slot in der Saison 2024/25 die englische Meisterschaft. Sein Standing in der Premier League war stets das eines Sechsers, der über Position und Antizipation, weniger über Tempo überzeugt. Genau das ist es, was Japans Defensiv-Mittelfeld in den vergangenen vier Jahren strukturiert hat - und was Moriyasu jetzt neu aufstellen muss.

Endo spielte schon bei der WM 2018 in Russland im Kader, dort einsatzlos. WM 2022 in Katar war sein Turnier, WM 2026 wäre sein dritter Anlauf gewesen. Mit der Pensionierung schließt sich der Kreis: Aus dem Kader-Reservisten der Russland-Generation wurde der Anführer der Nordamerika-Generation, der jetzt Platz macht.

Machino: vom Holstein-Sprung in die Bundesliga zur WM-Premiere

Sein Nachrücker hat eine ganz andere Geschichte. Shuto Machino, geboren am 30. September 1999 im Bezirk Iga (Präfektur Mie), ging im Sommer 2023 vom Erstligisten Shonan Bellmare zum damaligen Zweitligisten Holstein Kiel. Mit den Störchen schaffte er 2024 den Bundesliga-Aufstieg und erzielte am 1. Spieltag der Saison 2024/25 sein erstes Bundesliga-Tor bei der 2:3-Auswärtsniederlage in Hoffenheim. Am Ende der Saison standen elf Treffer, viel Lauf-Statistik und die Erkenntnis, dass die Bundesliga den Stürmer reifer gemacht hatte.

Im Juli 2025 wechselte Machino für rund zehn Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach. Sein Vertrag am Niederrhein läuft bis 2030. In Gladbach gilt er als beweglicher Mittelstürmer mit Tiefenläufen und Pressing-Wille - kein klassischer Strafraum-Spieler im Stil eines Robert Lewandowski, eher ein Stürmer im Stil seines Vorgängers Tim Kleindienst.

Für die Samurai Blue steht Machino bei 14 Einsätzen und fünf Toren. Sein Debüt feierte er beim Ostasien-Cup im Juli 2022 mit zwei Treffern beim 6:0 gegen Hongkong. Ein WM-Turnier hat er schon einmal als Verletzungs-Nachrücker erlebt: Für Katar 2022 wurde er kurzfristig als Reserve mitgenommen, kam aber nicht zum Einsatz. Diesmal hat er die realistische Chance, mindestens als Joker auf den Rasen zu kommen - die Bundesliga-Form macht ihn zu einer Tempo-Option, die Moriyasus 4-2-3-1 in den späten 70 Minuten gegen tief stehende Defensiven gut gebrauchen kann.

Eine biographische Petitesse am Rande: Sowohl Endo als auch Machino haben in ihren Vereinskarrieren das gleiche japanische Tor passiert. Shonan Bellmare, der Klub aus der Präfektur Kanagawa, formte Endo zwischen 2010 und 2015 - 158 Einsätze, 23 Tore. Machino spielte 2021 und 2022 dort. Ein Generationenwechsel im Nationalteam, der sich auch in einer kleinen Vereinsbiografie spiegelt.

Sieben Bundesliga-Profis im Samurai-Blue-Kader

Mit Machinos Berufung wächst das Bundesliga-Kontingent in Japans WM-Aufgebot auf sieben Spieler. Vor der Nachnominierung waren bereits dabei: Hiroki Ito (FC Bayern), Ritsu Doan (Eintracht Frankfurt), Kaishu Sano (FSV Mainz 05), Yuito Suzuki (SC Freiburg), Yukinari Sugawara (Werder Bremen) und Kento Shiogai (VfL Wolfsburg). Die deutsche Liga stellt damit das zweitgrößte Liga-Kontingent hinter der heimischen J1 League.

Aus deutscher Perspektive ist das mehr als ein Randdatum. Wenn Doan auf der rechten Seite Tempo macht, Sano im defensiven Mittelfeld die Bälle abräumt und nun Machino als Joker vorne reinkommt, sieht man eine Mannschaft, die ihr Spiel mit Bundesliga-Tugenden organisiert. Das war auch der rote Faden im Kataloggesicht der vergangenen Jahre: Japan hat die Lehren der J1 mit dem Tempo der Bundesliga kombiniert. Nagatomo ist mit seinen 39 Jahren das Symbol der vierten und fünften WM, Doan und Ito sind die Brücke, Machino bekommt jetzt seinen Anteil an dieser Erzählung.

Was das taktisch für Niederlande, Tunesien und Schweden bedeutet

Sportlich verliert Japan einen Sechser und gewinnt einen Stürmer - die Tauschsymmetrie ist unklar. Endos Rolle im defensiven Mittelfeld dürfte Hidemasa Morita in der Startelf übernehmen, eingeflochten zwischen den höher pressenden Doan und Daichi Kamada. Im Notfall könnte Kaishu Sano (Mainz) eine Variante bieten.

Für die Auftakt-Aufgabe am 14. Juni gegen Oranje bedeutet das: Japan verliert die Stabilität, die Endos Antizipation in den Räumen vor der Abwehr bringt. Memphis Depays und Cody Gakpos Tiefenläufe würden gegen Endo prallen, gegen Morita nicht. Auf der Habenseite hat Moriyasu jetzt eine zusätzliche Tempo-Option im Sturmzentrum, falls er im Endspurt von hohen Pressing-Linien zu längeren Bällen wechselt.

Gegen Tunesien in Monterrey am 21. Juni zählt vor allem die Effizienz im Strafraum - eine Disziplin, in der Machino in der Bundesliga zuletzt vorgelegt hat. Gegen Schweden in Dallas am 26. Juni wartet wahrscheinlich ein Spiel auf Augenhöhe, in dem Japan auf Spielintelligenz und Mut zur Ballverteilung angewiesen ist - genau das war Endos Spezialität.

Der vollständige WM-Spielplan und die Übersicht der Gruppe F zeigen, wie schmal Japans Korridor ist: Mit einem Niederlande-Punkt und einem Tunesien-Sieg führt der direkte Weg ins Sechzehntelfinale. Ohne Punkt im ersten Spiel wird der Schweden-Endgegner zur Hochrisiko-Partie. Endos Abschied trifft Japan an einer schwierigen Stelle - und Machinos Premiere kommt zu einer Zeit, in der jedes Pressing-Tempo zählt.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026