Klopp nominiert Keidel: die Elversberg-Ueberraschung im ersten DFB-Kader
Kicker meldet: Bundestrainer Juergen Klopp beruft den 23-jaehrigen SV-Elversberg-Profi Felix Keidel ueberraschend in seinen ersten DFB-Kader vor der Kaderansage 17.09.
Von Lukas Brandt 16. September 2026
Es ist Mittwochvormittag, 16. September 2026, kurz nach elf Uhr in Frankfurt. Der kicker.de-Ticker meldet um 09:18 Uhr UTC - rund 21 Stunden vor der offiziellen ersten Kaderbekanntgabe der Aera Juergen Klopp am kommenden Donnerstag - eine Personalie, die die bisher weitgehend abgetastete Kandidatenlandschaft der DFB-Auswahl an einer nicht vorhergesagten Stelle aufreisst: Bundestrainer Juergen Klopp beruft den 23-jaehrigen SV-Elversberg-Profi Felix Keidel ueberraschend in seinen ersten Kader. Vaterlaendische Vorschauen, ranking-orientierte Kandidatenlisten und die kicker-eigenen Formkurven hatten den Duisburger, dessen Vertrag beim aktuellen Bundesliga-Aufsteiger bis Sommer 2028 laeuft, bis zur Vorabmeldung nicht in ihrer engeren Auswahl gefuehrt.
Fuer den Klopp-Sichtungs-Perimeter, den der neue Bundestrainer nach seiner Amtsuebernahme am 15. August 2026 in den ersten Monaten aufbaut, ist die Meldung die erste explizite Personal-Aufnahme-Ebene mit Namen und Klub. Bislang war die Erzaehlung negativer Natur: Am Dienstag hatten kicker und Bild uebereinstimmend berichtet, dass Klopp bei der Kaderansage auf den 36-jaehrigen TSG-Torwart Oliver Baumann verzichtet. Am Sonntag hatte die Sportschau die Kader-Format-Frage aufgeworfen: Klopp plant fuer die vier Nations-League-Partien im September und Oktober einen Riesenkader mit Rotationsmodell, weil vier Spiele in elf Tagen mit dem vorgeschriebenen 23er-Kader kaum abzudecken sind. Die Keidel-Vorabmeldung ist die erste konkrete Antwort auf die Frage, wen genau Klopp aus diesem breit gefassten Sichtungs-Fenster dazuholt.
Der Bericht: was kicker um 11:18 Uhr Ortszeit vermeldet
Die kicker-Meldung tickt exakt um 09:18 Uhr UTC ein, also um 11:18 Uhr mitteleuropaeischer Sommerzeit. Sie ist knapp gehalten und traegt in der Ueberschrift zwei Signal-Woerter: “Ueberraschung” und “nominiert”. Beide sind bewusst gesetzt. “Ueberraschung”, weil Keidel in keiner der vorbereitenden Klopp-Kandidatenlisten prominent gefuehrt wurde, die kicker und Sportschau in den zurueckliegenden Wochen als Perimeter-Aufnahmen der neuen Bundestrainer-Aera veroeffentlicht haben. “Nominiert”, weil die Redaktion die Personalie im Praesens setzt und damit die Vorabmeldung nicht als Geruecht, sondern als bestaetigte Setzung des Bundestrainers markiert.
Wer die kicker-Praxis kennt, weiss: In den 24 bis 48 Stunden vor grossen DFB-Kaderansagen laeuft die Redaktion regelmaessig einzelne Namen als bestaetigte Vorabmeldungen an. Die Meldung vom Dienstag rund um Baumann folgte demselben Muster. Auch damals bestaetigte kicker eine parallele Bild-Vorabmeldung; die offizielle DFB-Kommunikation folgte spaeter. Fuer die Keidel-Meldung liegt zum Vorabmeldungs-Zeitpunkt am Mittwochvormittag keine offizielle DFB-Bestaetigung vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Name in der Kaderliste vom Donnerstag findet, ist nach kicker-Erfahrungswerten dennoch hoch.
21 Stunden vor der Kaderansage: erste explizite Personal-Aufnahme
Der zeitliche Kontext ist relevant. Die offizielle Kaderansage findet am Donnerstag, 17. September 2026, im DFB-Campus in Frankfurt statt. Von der Vorabmeldung am Mittwochvormittag bis zur Kaderansage sind es etwa 21 bis 22 Stunden. Zum Vergleich: Die Baumann-Verzicht-Meldung tickte am Dienstagvormittag ein, rund 46 Stunden vor der Kaderansage. Die Keidel-Meldung sitzt zeitlich also enger, praktisch am Vorabend der offiziellen Bekanntgabe, an dem in Frankfurt bereits die Sitzung des Trainerstabs mit der finalen Kaderaufstellung stattfindet.
In dieser T-21h-Position beruft der Bundestrainer keine reflexhafte Prestige-Personalie eines Bayern- oder Bayer-Leverkusen-Kaliber-Profis mit stellungssicherem Champions-League-Fenster, sondern reicht in die zweite Reihe der Bundesliga-Landkarte - zu einem Aufsteiger, der die Klasse in der Saison 2026/27 im Erstligaalltag gerade sucht.
Wer ist Felix Keidel: Duisburg, Ingolstadt-Ausbildung, Elversberg-Aufstieg
Felix Keidel wurde am 14. Juni 2003 in Duisburg geboren. Sein Vater Ralf Keidel war ebenfalls Profi und spaeter Trainer - eine Fussball-Familie, aber ohne prominenten Namen im aktuellen Bundesliga-Rampenlicht. Die fussballerische Sozialisierung fand nicht im Nachwuchsleistungszentrum eines etablierten Bundesligisten statt, sondern beim FC Ingolstadt 04. Fuer die Ingolstaedter A-Junioren-Bundesliga-Mannschaft erzielte er in 22 Einsaetzen fuenf Tore.
Sein Debuet in der ersten Ingolstaedter Herren-Mannschaft feierte Keidel am 4. Februar 2023 in einem Drittliga-Spiel gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund - in der Startelf. Es folgten bis zum Sommer 2025 insgesamt 82 Pflichtspiele fuer den FC Ingolstadt (Dritte Liga und zwischenzeitlich Regionalliga) mit zwei Toren. Er ist damit weder klassischer Spielmacher noch klassischer Innenverteidiger, sondern nach der modernen Rollentypologie ein vielseitig einsetzbarer Sechser oder Halbverteidiger mit 1,78 Meter Koerpergroesse.
Der Wechsel zum SV Elversberg im Juni 2025 fiel in eine Phase, in der die Saarlaender die Zweite Liga stabilisiert hatten und Aufwaertspotenzial hatten. Dass die Elversberger im darauffolgenden Zweitliga-Jahr 2025/26 mit Platz zwei den historischen Aufstieg in die Bundesliga schafften und Keidel dort seinen Erstliga-Vertrag bis 2028 mit in die neue Liga nahm, war die entscheidende Weichenstellung. In der Zweitliga-Saison 2025/26 kam er auf 27 Einsaetze und zwei Tore fuer die Aufsteiger.
Vom 4:3-Torschuetzen gegen Gladbach zum DFB-Debuetanten
Der taktische Zufall wollte es, dass Keidel unmittelbar vor der Klopp-Nominierung ein Bundesliga-Tor erzielte - am 13. September 2026, drei Tage vor der Vorabmeldung, im irren 4:3-Sieg der Elversberger bei Borussia Moenchengladbach. In einer Partie, in der Maurice Krattenmacher als Doppel-Torschuetze und die Schiedsrichter-Fehlentscheidung von Martin Petersen zunaechst die Schlagzeilen dominierten, war es Keidel, der in der 80. Minute den zwischenzeitlichen 6:3-Treffer fuer die Gaeste besorgte. Es war sein erstes Bundesliga-Tor.
Ein Torschuss ist noch keine Nationalmannschaftsempfehlung. Wichtiger fuer den Klopp-Blick duerfte die Rolle sein, in der Keidel die 4:3-Auswaertspartie ueber die 80 Minuten hielt: ballsicher, positionsbewusst, in einem Elversberger Gefuege, das gegen den Ex-Champions-League-Klub Gladbach unter erheblichem Druck stand. Wer 90 Minuten lang die Ordnung in einer Aufsteiger-Mannschaft haelt, die 3:1 hinten liegt und dann drei Tore erzielt, hat eine mentale Grundveranlagung, die Klopp seit seinen Mainzer und Dortmunder Jahren nachweislich schaetzt: Reaktion, Reset, Zug nach vorn.
Warum Klopps Riesenkader-Rotationslogik einen Aufsteiger nach vorn traegt
Die Berufung eines 23-jaehrigen Bundesliga-Aufsteiger-Profis in einen DFB-Kader ist im Normalfall - unter einem Nagelsmann, einem Flick, einem Loew - selten. Sie waere aussergewoehnlich, sofern die Auswahl eng an den vorgeschriebenen 23 Kaderplaetzen orientiert waere. Klopps Ausgangslage ist anders: Der Bundestrainer plant fuer die vier Nations-League-Partien innerhalb von elf Tagen einen deutlich groesseren Kader mit einem Rotationsmodell zwischen den Partien.
In diese Logik passt eine Berufung wie die von Keidel praezise. Die Position - Sechser oder Halbverteidiger, mit Passsicherheit und laufintensivem Profil - ist im etablierten Kandidaten-Perimeter der DFB-Auswahl fuer die Herbst-Serie zwar mit prominenten Namen (Joshua Kimmich, Robert Andrich, Aleksandar Pavlovic, Angelo Stiller, Leon Goretzka) unterbaut, aber sie kennt keinen ausschliesslich defensiv-orientierten Sechser-Alternativspieler aus dem klassischen Nachwuchs-Pool. Klopps Riesenkader schafft Platz fuer genau dieses vierte, fuenfte, sechste Puzzleteil - und markiert damit einen Kurs, der die etablierten Rekrutierungs-Achsen (Bayern, Leverkusen, BVB) um ein breiteres Fenster der 18 Bundesliga-Klubs erweitert.
Die Parallele zum Baumann-Verzicht: Ausschluss oben, Aufnahme unten
Der Signalwert der Keidel-Vorabmeldung erschliesst sich vollstaendig erst im Zusammenhang mit dem Baumann-Verzicht vom Dienstag. Beide Meldungen sind Vorab-Bruchstellen, die 24 bis 48 Stunden vor der Kaderansage aus dem kicker-Ticker laufen. Die Baumann-Meldung hat eine Ausschluss-Ebene: Ein 36-jaehriger TSG-Kapitaen, der bei der WM 2026 in Nordamerika noch als Nummer 2 dabei war, taucht in Klopps Torwart-Trio nicht mehr auf. Die Keidel-Meldung hat die spiegelbildliche Aufnahme-Ebene: Ein 23-jaehriger Aufsteiger-Profi ohne DFB-Vergangenheit landet ueberraschend im ersten Klopp-Kader.
Zusammen genommen skizzieren die beiden Vorabmeldungen den Kurs: Der Bundestrainer verzichtet nicht auf die etablierten Namen der ersten Reihe, aber er sortiert das Torhueter-Trio hinter Alexander Nuebel neu - und er zieht zugleich einen breiten Sichtungs-Rahmen bis in die zweite Reihe der Bundesliga-Klubs. Beides ergibt Sinn, wenn man Klopps eigene Ansage vom Amtsantritt im August 2026 ernst nimmt, die Sichtung “breit” anzulegen. Die Fritz-Walter-Medaillen-Auszeichnung vom letzten Monat, in der die Nachwuchsspieler Onyeka, Eichhorn, Schneider und Kropp gewuerdigt wurden, war ein erstes Signal fuer die neue Aufmerksamkeit des DFB gegenueber der breiteren Nachwuchsschicht.
Der Fahrplan: 17.09. Kaderansage, Amsterdam 24.09., Herbst-Vierer-Serie
Bis zur offiziellen Bestaetigung der Keidel-Berufung sind es vom Vorabmeldungs-Zeitpunkt am Mittwochvormittag rund 21 Stunden. Am Donnerstag, 17. September 2026, gibt Klopp im DFB-Campus in Frankfurt seinen ersten Kader offiziell bekannt. Sportschau uebertraegt die Pressekonferenz per Livestream. Am 21. September reist der Kader nach Herzogenaurach zur Vorbereitungswoche.
Die vier Nations-League-Partien der Herbst-Serie sind: Donnerstag, 24. September, 20:45 Uhr MESZ in Amsterdam gegen die Niederlande; Sonntag, 27. September, 20:45 Uhr MESZ in Augsburg gegen Griechenland; Mittwoch, 1. Oktober, 20:45 Uhr MESZ in Muenchen gegen Serbien; Samstag, 4. Oktober, in Athen gegen Griechenland. Vier Spiele in elf Tagen - der Grund fuer die Riesenkader-Logik und damit auch fuer die statistische Grundlage der Keidel-Berufung.
Sollte Klopp am Donnerstag den Vorabmeldungs-Namen bestaetigen, waere Keidel der erste Bundesliga-Aufsteiger-Profi der Elversberger Vereinsgeschichte, der in einen DFB-Kader berufen wurde. Es waere zugleich das erste explizite Namens-Signal einer Aera, deren Sichtungs-Fenster sich - anders als in den Vorbetrachtungen erwartet - offenbar nicht auf die etablierte Rekrutierungs-Achse der ersten Reihe beschraenkt. Auch Legionaers-Kandidaten wie Kevin Schade in Brentford und Bundesliga-Peripherie-Profile wie Loris Karius auf Schalke hatten in den zurueckliegenden Wochen positive Sichtungs-Notizen erhalten. Die endgueltige Kaderliste am Donnerstag wird zeigen, wie breit Klopps Fenster wirklich ist.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
Mehr aus DFB-Team
Klopp verzichtet auf Baumann bei erster DFB-Nominierung
15.09.2026
DFB-TeamKlopps Riesenkader-Gedankenspiel: Rotation nach Spiel 2, XXL-Ueberraschungen moeglich
14.09.2026
DFB-TeamFritz-Walter-Medaille 2025/26: Onyeka, Schneider, Eichhorn, Kropp erhalten Gold - DFB kroent Nachwuchs drei Tage vor Klopps Kaderansage
14.09.2026