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WM 2026

Niederlande - Japan 2:2: Kamadas Kopfball in der 95. zerstoert Koemans WM-Auftakt

Die Niederlande fuehrt durch van Dijk und Summerville mit 2:1 - dann koepft Daichi Kamada in der Nachspielzeit zum 2:2-Ausgleich. Der Spielbericht zum WM-Auftakt in Dallas.

Von Marco Feldmann 14. Juni 2026

Team-Foto Niederlande vor dem WM-Auftakt gegen Japan im AT&T Stadium in Arlington/Dallas am 14. Juni 2026 (Foto: Phil Duncan / Every Second Media) Foto: Phil Duncan / Every Second Media via SmartFrame

Drei Stunden nach dem 7:1-Auftakt der DFB-Elf gegen Curacao schaltete die deutsche Couch auf Dallas - und sah nicht den souveraenen Mit-Favoriten, sondern die alte Niederlande-Geschichte: eine 2:1-Fuehrung, eine offene Endphase und ein Gegentor in der 95. Minute. Niederlande gegen Japan endet 2:2. Daichi Kamada koepft nach einer Eckball-Verlaengerung des eingewechselten Koki Ogawa eine halbe Sekunde frueher als Virgil van Dijk. Beide Teams holen den ersten Punkt, Gruppe F ist nach dem Auftakt-Sonntag wieder offen, und die Vor-Annahme aus unserem Morgen-Vorbericht - dass Koemans improvisierte Innenverteidigung in der Schlussphase ein Risiko traegt - wird auf bittere Art eingeloest.

Tor-Sequenz im Ueberblick

  • 51. Minute - 1:0 Niederlande: Virgil van Dijk koepft eine Ecke von Ryan Gravenberch aus etwa zehn Metern ueber Suzukis Faeuste ins kurze Eck.
  • 56. Minute - 1:1 Japan: Schneller Konter ueber die rechte Seite, Kubo flankt scharf, Keito Nakamura schliesst aus zehn Metern direkt ab.
  • 64. Minute - 2:1 Niederlande: Crysencio Summerville zieht von rechts in den Strafraum, laesst Itakura aussteigen und schiebt flach in die lange Ecke.
  • 90.+5 Minute - 2:2 Japan: Eckball Japan, der eingewechselte Koki Ogawa verlaengert per Kopf an den zweiten Pfosten, Daichi Kamada nickt aus drei Metern ein.

Das ist die Erzaehlung: zaehe erste Halbzeit, Standard-Tor zur Fuehrung, schnelles Echo, kurze Oranje-Phase, spaeter Knockout. Vier Tore in 39 Minuten, dazwischen 51 Minuten torlose Vorsicht.

Erste Halbzeit: Japans Fuenferkette laesst Koeman fluechten

Hajime Moriyasu liess Japan in einer Fuenfer-Abwehr aufmarschieren - Itakura und Tomiyasu als zentrale Innenverteidiger, dazu Sugawara rechts, Ito links, Endo als Pendelnde-Sechs vor der Kette - und schloss damit die Raeume, in denen Oranje normalerweise ueber Reijnders und Gakpo Tempo aufnimmt. Ronald Koeman, der mit der improvisierten Innenverteidigung Aké-Geertruida und ohne Stamm-Sechser Jerdy Schouten antreten musste, fand keinen Schluessel. Donyell Malen kam nach 14 Minuten zu einem Distanzschuss, danach folgten 21 Minuten ohne nennenswerten Oranje-Strafraum-Versuch. Japan stand kompakt, liess die Aussenverteidiger Sugawara und Ito nur sporadisch herauskippen, wartete auf den Konter ueber Mitoma und Kubo.

Beim Halbzeitpfiff hatte Oranje rund 62 Prozent Ballbesitz, aber nur eine Halbchance. Die Sportschau-Einordnung nannte die erste Halbzeit zurecht “zaehe Kost”.

Van Dijks Kopfball - und das schnelle Nakamura-Echo

Was die offene Erste nicht hergab, kam in der Zweiten ueber den Standard: Virgil van Dijks Kopfball in der 51. Minute war der Bilderbuch-Moment, den Koeman zu Saisonbeginn jedes Mal von seinem Kapitaen verlangt. Gravenberch-Ecke von rechts, van Dijks Anlauf zwischen Itakura und Endo, Kopfball aus zehn Metern, knapp am Pfosten ins kurze Eck. Suzuki kommt zu spaet hoch. 1:0, und fuer einen Moment laesst sich glauben, jetzt sortiere die Niederlande das Spiel.

Fuenf Minuten spaeter zerlegt Japan diese Annahme. Aké verschaetzt sich beim Klaerungsversuch, Mitoma bedient die Rechtsseite ueber zwanzig Meter, Kubo flankt scharf zurueck in den Strafraum, Keito Nakamura - der Real-Sociedad-Stuermer, der seit Sommer 2025 fuer die Samurai Blue ueberzeugend trifft - schliesst aus elf Metern direkt ab. Mark Flekken, fuer den verletzten Verbruggen im Tor, sieht den Schuss erst spaet. 1:1, und die Vor-Annahme des Tages - dass Japans Schnellangriff Oranjes ueberforderte Defensive treffen kann - ist live im Stadion.

Summerville bringt Oranje zurueck - und das Spiel kippt erst spaet

Koeman reagiert mit einer Joker-Variante: Crysencio Summerville kommt fuer Malen, und der Leeds-Fluegel laeuft sich in zehn Minuten warm. In der 64. Minute zieht er von rechts in den Strafraum, laesst Itakura mit einer kurzen Koerpertaeuschung aussteigen und schiebt flach an Suzuki vorbei ins lange Eck. 2:1, und in dem Moment riecht es nach dem Oranje-Tagessieg, der die Modell-Vorhersage 1:1 unseres Vorab-Tipps klar uebersteuert haette.

Statt das Spiel zu beruhigen, holt sich Oranje selbst die offene Endphase. Koemans Sechser-Achse Gravenberch-de Jong-Reijnders schaltet auf Kontroll-Modus, aber ohne den verletzten Xavi Simons fehlt der Zehner, der den Sechzehner besetzt halten kann. Japan kommt zwischen der 75. und 90. Minute zu zwei guten Halbchancen - Endo per Distanzschuss, Kubo per Hereingabe - und Moriyasu wechselt mit Ogawa und Tanaka die zwei letzten Karten.

Kamadas spaeter Kopfball - die Vorbericht-Befuerchtung wird wahr

Die 95. Minute spielt sich im Niederlande-Strafraum ab. Eckball Japan von rechts, Ogawa steigt am ersten Pfosten zwischen Geertruida und van Dijk hoch, verlaengert die Flanke per Kopf an den zweiten Pfosten. Dort hat sich Kamada in den Rueckraum von Aké geschlichen. Aus drei Metern nickt der Crystal-Palace-Spielmacher das Leder ueber Flekkens linke Schulter ins Tor. 2:2. Schiedsrichter Tessmann pfeift wenige Sekunden spaeter ab.

Es ist die Szene, die unser Morgen-Vorbericht ausdruecklich befuerchtet hatte: Koemans dezimierte Innenverteidigung steht in einer Schluessel-Eckball-Szene nicht ueberzeugend gestaffelt. Aké, der eigentlich Kamada hatte, springt im Rueckraum mit; van Dijk steigt zu spaet hoch und wird in der Luft uebersprungen. Es ist genau der Lufthoheits-Bruch, den de Vrij in seinen besten Tagen verhindert haette - und der bei Oranje seit der Halbfinal-Niederlage gegen England in der EM 2024 schon einmal das Turnier kostete.

Was das 2:2 fuer Gruppe F bedeutet

Beide Teams holen den ersten Punkt. Niederlande, vor dem Spiel klarer Modell-Favorit der Gruppe F mit rund 50 Prozent Sieg-Wahrscheinlichkeit, faellt taktisch auf das Niveau zurueck, das die Ausfall-Welle prognostiziert hatte. Japan, mit der gewohnten Drei-Mann-Kette und dem Mitoma-Kubo-Wirbel, bestaetigt die seit 2022 in Katar gefestigte Aussenseiter-Identitaet: Japan kann jede grosse Fussball-Nation aerger machen.

Tabellarisch geht es so weiter: Am Montag um 04:00 Uhr MESZ trifft Schweden auf Tunesien in Monterrey - das zweite Gruppe-F-Auftaktspiel mit dem Sturm-Duell Gyoekeres gegen die tunesische Bollwerk-Defensive (siehe unser Schweden-Profil). Danach ist die Gruppe nach Spieltag 1 sortiert. Niederlande spielt am 20. Juni in Houston gegen Schweden, Japan am 21. Juni in Monterrey gegen Tunesien.

Aus deutscher Sicht ist das 2:2 ein Test-Nachbar-Befund: der Japan-Schnellangriff, der 2022 in Katar Deutschland 2:1 schlug, funktioniert auch 2026 noch - und der WM-Auftakt-Stresstest faellt fuer Oranje schwerer aus als gedacht. Die Pillar Niederlande bei der WM 2026 und Japan bei der WM 2026 sind aktualisiert; die Match-Seite Niederlande - Japan sammelt Aufstellungen und Statistiken im Detail.

Stimmen + Pressereaktion

Ronald Koeman auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: “Wir spielen 70 Minuten erwachsen, und dann lassen wir uns in der letzten Aktion ueberlaufen. Das ist die Lektion, die wir nicht noch einmal lernen duerfen, wenn wir gegen Schweden ein anderes Turnier spielen wollen.”

Hajime Moriyasu: “Mein Team hat bis zur letzten Sekunde geglaubt. Kamadas Tor ist die Belohnung fuer eine sehr disziplinierte Defensive. Wir koennen mit einem Punkt gegen die Niederlande sehr zufrieden sein.”

International ordnen die Beobachter den Punkt fuer Japan deutlich groesser ein als fuer Oranje: Aus niederlaendischer Sicht bleibt es ein Pflichtspiel-Stolpern; aus japanischer Sicht ist es das vierte Mal in Folge bei einer WM, dass die Samurai Blue gegen einen Top-12-Gegner punkten. Die Gruppe F bleibt damit das offene K.o.-Phasen-Risiko, das sie auf dem Papier vor dem Auftakt schon war.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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