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WM 2026

Solbakken kocht: Norwegen-Schottland-Test geplatzt, scharfe Kritik aus Oslo

Schottland sagt den WM-Test gegen Norwegen kurzfristig ab. Solbakken nennt das Vorgehen "unprofessionell". Hintergrund und was das fuer beide Teams bedeutet.

Von Marco Feldmann 09. Juni 2026

Stale Solbakken im WM-Qualifikationsspiel Italien gegen Norwegen am 16. November 2025 in Mailand. Drei Tage vor dem WM-Auftakt 2026 in Seattle geht der Norweger Schottland frontal an. Foto: SIPA USA / Federico Serra via SmartFrame

Drei Tage vor dem WM-Start hat ein abgesagtes Trainingsspiel zwischen Norwegen und Schottland einen handfesten verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden europaeischen Teilnehmern ausgeloest. Schottland hatte den fuer Montag, 8. Juni 2026, geplanten nicht-oeffentlichen Test bereits am Samstag, 6. Juni, kurzfristig abgesagt - der offizielle Grund: die Verletzung von Mittelfeldspieler Billy Gilmour beim Test gegen Curacao. Norwegens Trainer Stale Solbakken nannte das Vorgehen gegenueber norwegischen Medien anschliessend “uprofesjonelt”, in der deutschen Berichterstattung uebersetzt mit “unprofessionell”. Sein Sportdirektor Brede Hangeland legte nach. Der schottische Verband SFA kontert.

Was passiert ist: Chronologie von Samstag bis Montag

Am Samstag, 6. Juni 2026, schlug Schottland in einem nicht-oeffentlichen Trainingsspiel das spaetere DFB-Gruppengegner Curaçao mit 2:1. Was als entspannter Generalproben-Erfolg geplant war, endete fuer Steve Clarke mit der schlechtesten denkbaren Diagnose: Brighton-Mittelfeldspieler Billy Gilmour zog sich eine Knieverletzung zu, die ihm die komplette WM verbaut. Sport1 sprach in der Folge von einem “Desaster”-Schock fuer Schottland.

Wenige Stunden nach dem Spiel meldete sich der schottische Verband SFA bei seinem norwegischen Pendant: Der fuer Montag in Schottland angesetzte zweite Test - eine geschlossene Veranstaltung ohne Medien und ohne Publikum - werde abgesagt. Begruendung: die Personallage. Clarke wolle angesichts der Gilmour-Verletzung und des bereits feststehenden Conway-Ausfalls kein zweites Spiel innerhalb von 72 Stunden riskieren.

In Oslo schlug die Nachricht durch. Solbakken hatte den Test fest eingeplant als letzte Standortbestimmung vor dem WM-Auftakt am 17. Juni gegen Irak in Seattle. Am Montagvormittag trat der 58-Jaehrige in Norwegen vor die Mikrofone - und liess seinem Unmut freien Lauf.

”Uprofesjonelt”: Solbakken und Hangeland gehen frontal hin

Gegenueber der norwegischen Boulevardzeitung VG sagte Solbakken, er sei nicht persoenlich kontaktiert worden. Die Absage habe ihn ueber den Verwaltungskanal Teammanager-zu-Teammanager erreicht. “Das ist uprofesjonelt”, zitiert ihn VG; auf Deutsch: unprofessionell. Sein Aerger ziele weniger auf die sportliche Entscheidung als auf den Umgang. Er habe von einem Trainerkollegen wie Steve Clarke einen Anruf erwartet, zumal beide Verbaende den Test als Kernbestandteil ihrer Auftaktwoche kommuniziert hatten.

Sportdirektor Brede Hangeland - in den 2000er- und 2010er-Jahren Innenverteidiger bei Fulham und Norwegens Rekord-Internationaler in den 2010ern - legte oeffentlich nach. Er sprach gegenueber NRK von einem “peinlichen” Vorgang und zog dabei kollegiale Standards heran, die zwischen den nordischen Verbaenden ueblich seien. Wer drei Tage vor einer WM einen kompletten Test absage, schreibe seinen Verbandsleitern den Tag um. Es gehe ums Trainerhandwerk, das sich auch in der Telefonleitung zeige.

Wie der SFA antwortet

Der schottische Verband SFA reagierte am Montagnachmittag in einer Stellungnahme gegenueber NRK. Der Trainingstest sei zwischen den jeweiligen Teammanagern - also den fuer Spielbetrieb und Logistik verantwortlichen Verbandsmitarbeitern - vereinbart worden, nicht zwischen den beiden Cheftrainern. Genau diesen Kanal habe der SFA bei der Absage am Samstag genutzt. “Wir haben den Kanal benutzt, ueber den der Test arrangiert worden war”, liess sich ein Sprecher zitieren.

Die Edinburgher Verbandsspitze zeigte sich laut NRK “ueberrascht” von der scharfen Tonlage in den norwegischen Medien - die Zuspitzung der norwegischen Presse habe der SFA so nicht erwartet. Inhaltlich verteidigt der Verband die Absage: Die Personallage rechtfertige Schonung, die kompletten Mittelfeld-Strukturen ohne Gilmour neu aufzustellen, brauche schliesslich Trainingseinheiten, kein weiteres Spiel.

Hintergrund: Was Schottland gerade durchmacht

Schottland reist mit einer der schmaleren Kader-Tiefen ins Turnier. Trainer Steve Clarke hatte bei der Kadernominierung Ende Mai auf Erfahrung statt Breite gesetzt - inklusive der spektakulaeren Mitnahme des 43-jaehrigen Routiniers Stewart - und konnte sich Verletzungen auf zentralen Positionen schlicht nicht leisten. Der Curacao-Test sollte die letzte Belastungsprobe sein; dass er den Mittelfeldmotor Gilmour kostet, ist fuer die Tartan Army ein Schock.

Zusaetzlich faellt Fluegelspieler Tommy Conway von Middlesbrough verletzungsbedingt aus. Damit verliert Clarke zwei Optionen fuer das Auftaktspiel gegen Haiti am 14. Juni, in dem Schottland in Gruppe C gegen einen WM-Debuetanten als klarer Favorit antritt - bevor es gegen Marokko und Brasilien deutlich schwerer wird.

Was die Absage fuer Norwegen heisst

Norwegen hatte den Schottland-Test als letzte Belastungssimulation fuer das WM-Format eingeplant. Die 1:1-Generalprobe gegen Marokko vom 6. Juni hatte Solbakken zwiespaeltige Erkenntnisse beschert: Erling Haaland untergetaucht, Martin Oedegaard mit dem Last-Minute-Ausgleich. Ein zweiter Test gegen einen kompakt verteidigenden Gegner wie Schottland haette gerade dem norwegischen Pressing und der Stabilitaet im Aufbau eine Standortbestimmung gebracht.

Stattdessen trainiert Solbakkens Mannschaft jetzt intern weiter. Einen Ersatz-Gegner zu suchen, drei Tage vor dem Turnierstart, schloss der Verband am Montagabend explizit aus - logistisch und kraefte-oekonomisch zu riskant. Stattdessen verlaengert Solbakken die taktischen Einheiten am Trainingsplatz und plant eine interne 11-gegen-11-Partie. Sportlich macht das die Vorbereitung kuerzer, mental nicht zwangslaeufig schlechter.

Was es fuer die WM-Gruppenphase bedeutet

Sportlich nichts dramatisches, aber publizistisch ein erstes Vorzeichen. Norwegen tritt mit dem Selbstverstaendnis an, in Gruppe I gegen Frankreich, Senegal und Irak das halbe Achtelfinal-Ticket zu loesen - die Erwartungshaltung um Haaland und Oedegaard duldet keine Generalproben-Floppe. Schottland geht mit dezimiertem Mittelfeld ins Auftaktspiel und muss aus Edinburgher Perspektive hoffen, dass Haiti die erwartete leichtere Aufgabe bleibt.

Im Spielplan der WM 2026 sind die ersten Begegnungen beider Teams jetzt komplett auf den jeweiligen Pflichttermin verlegt. Solbakken laesst zwischen den Zeilen durchblicken, dass die diplomatische Verstimmung mit dem Anpfiff in Seattle erledigt sein wird. Die kommunikative Schramme bleibt allerdings - und sie passt in eine WM-Vorbereitung, in der sich die europaeischen Mittelmaechte gegenseitig wenig Geschenke gemacht haben.

Den vollstaendigen Ueberblick zur skandinavischen Auswahl gibt es auf der Norwegen-Pillar-Seite, der schottische Kader und das WM-Programm steht auf der Schottland-Pillar-Seite.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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