Schlotterbeck kehrt aufs Trainingsgelände zurück: Erste individuelle Einheit mit Ball
Zehn Wochen nach dem Innenbandriss von Toronto absolviert Nico Schlotterbeck am 02. September wieder Ball-Übungen beim BVB. Comeback nach der Länderspielpause im Oktober.
Von Lukas Brandt 02. September 2026
Zehn Wochen ist es her, dass Nico Schlotterbeck im BMO Field von Toronto vom Rasen humpelte. Am Mittwochvormittag, 02. September 2026, absolvierte der 26-Jährige beim BVB seine erste individuelle Einheit mit Ball auf dem Trainingsplatz an der Adi-Preißler-Allee. Es ist der erste sichtbare Schritt zurück in einen Fußball-Alltag, den Schlotterbeck seit dem 20. Juni komplett verpasst hat: WM-Aus in Toronto, komplette Sommervorbereitung ausgefallen, Bundesliga-Auftakt gegen den HSV nur von der Tribüne verfolgt, DFB-Pokal-Erstrunde gegen den HEBC Hamburg im BVB-Trainingsanzug am Spielfeldrand.
Der 02. September in Dortmund - erster Ball, zehn Wochen nach Toronto
Die Meldung kam ohne große Inszenierung. Der BVB kommunizierte den Trainings-Schritt am Mittwochmittag über die üblichen Kanäle, Schlotterbeck stellte sich vor Ort kurz den Reportern. Kein Interview-Marathon, kein Video-Statement, sondern zwei Sätze am Zaun, die den Ton der Rekonvaleszenz zusammenfassen: “Wir müssen von Tag zu Tag schauen.” Und: “Es ist einfach eine langwierige Geschichte.” Was er nicht sagte, aber die BVB-Reha-Abteilung durchblicken lässt: Der Aufbau erfolgt jetzt Stufe für Stufe. Erst individuelle Ballübungen, dann Passspiel mit einem Physio, dann Läufe mit Richtungswechseln, dann Zweikampfsimulation, dann Teamtraining - eine Sequenz, die typischerweise vier bis sechs Wochen dauert.
Wie es zum WM-Aus kam - 20. Juni 2026, Toronto, das Innenband
Der 20. Juni ist im DFB-Kalender doppelt markiert. In der zweiten Halbzeit des Toronto-Spiels gegen die Elfenbeinküste blieb Schlotterbeck nach einem Zweikampf am rechten Strafraumrand kurz liegen, ließ sich behandeln und spielte anschließend weiter. Dass etwas gerissen war, ahnte er in dem Moment nicht. Die MRT-Untersuchung am Tag darauf brachte die Diagnose: Innenbandriss im Sprunggelenk. WM-Aus. BVB-Sportgeschäftsführer Lars Ricken meldete sich am 22. Juni mit einem klassischen Beileids-Statement: “Sehr schade und unglaublich bitter.” Bundestrainer Julian Nagelsmann musste die DFB-Defensive für die dritte Vorrunden-Partie umbauen; Antonio Rüdiger rückte zurück in die zentrale Innenverteidiger-Rolle. Wie das Turnier dann verlief, haben wir in der DFB-Einzelkritik zum WM-Aus im Detail eingeordnet.
Was Schlotterbeck selbst sagt - “eine langwierige Geschichte”
Der Satz “Es ist einfach eine langwierige Geschichte” ist keine Wehklage, sondern die realistische Bilanz eines Bänderrisses im Sprunggelenk. Anders als der Meniskusriss vom Frühjahr 2025, der Schlotterbeck in der Rehabilitation von April bis September 2025 eng an die BVB-Reha-Abteilung gebunden hatte, verlangt ein Innenbandriss keine Operation, dafür aber Geduld: Das Band muss vernarben, die Sprunggelenk-Stabilität muss durch Umgebungsmuskulatur zurückgewonnen werden, jeder Richtungswechsel-Test entscheidet über den nächsten Trainings-Schritt. Was Schlotterbeck aus der Meniskus-Reha mitnimmt, ist der Umgang mit der Ungewissheit. Damals hatte er in einem Interview aus dem DFB-Trainingslager Herzogenaurach vor der WM über die Erfahrung gesagt, “gibt nichts Größeres als eine WM” - ein Zitat, das im Rückspiegel Wucht bekommt.
Der Kalender bis zum Comeback - Länderspielpause 05.-14.10 als Zielmarke
Die nächsten Wochen sind vorgezeichnet. Bis zur Länderspielpause am 05. Oktober bestreitet der BVB fünf Pflichtspiele - Bundesliga in Heidenheim, Union Berlin, gegen Mainz, in Leverkusen und dazwischen den Champions-League-Ligaphasen-Auftakt gegen Athletic Bilbao am 16. September. Für all diese Termine wird Schlotterbeck fehlen. Realistische Zielmarke: der Bundesliga-Wiederbeginn am 17. Oktober zu Hause gegen den 1. FC Köln. Kovac hat intern kommuniziert, keinen Druck auf das Datum zu machen; die vorherige Meniskus-Reha, in der Schlotterbeck im September 2025 zunächst in Teiltraining und dann in ein Kurzeinsatz-Fenster zurückgeholt wurde, dient als Blaupause.
Was das für Klopps DFB-Innenverteidigung bedeutet - 17.09 Kader ohne, danach offen
Am 17. September 2026 stellt Jürgen Klopp seinen ersten DFB-Kader für die Nations-League-Doppel-Ansetzung am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande und am 27. September in Stuttgart vor. Schlotterbeck wird nicht dabei sein. Die neue Bundestrainer-Ära startet damit ohne den einzigen linksfüßigen Stamm-Innenverteidiger des Nagelsmann-Kaders. Klopps mutmaßliche Innenverteidiger-Hierarchie stützt sich auf Jonathan Tah (Bayern), Antonio Rüdiger (Real Madrid), Malick Thiaw (Newcastle) und Waldemar Anton (Dortmund) - eine Konstellation, die im Aufbauspiel den Linksfuß vermisst. Nathaniel Brown vom SC Freiburg wird von Klopps Team beobachtet als linksfüßiger Ausweich-Innenverteidiger, sein Bundesliga-Auftakt-Debüt beim 5:1 gegen Stuttgart hat die Sichtung bestärkt. Sobald Schlotterbeck in der zweiten Oktoberhälfte zurück im BVB-Spielbetrieb ist, öffnet sich das Länderspielfenster November (13.-18.11.) als erste realistische DFB-Rückkehr-Chance - parallel zur Rückkehr-Chronik von Marc-André ter Stegen und dem “wirklich tollen Gespräch” mit Klopp, die die Post-WM-Reintegrations-Ebene abbildet.
Was das für die BVB-Viererkette bedeutet - Anton-Bensebaini-Süle-Rotation bis Oktober
Für Kovac hat das Ausfall-Fenster bislang keine Krise ausgelöst. Waldemar Anton, im Sommer 2024 aus Stuttgart gekommen und mittlerweile im DFB-Fokus, hat neben dem Sommer-Neuzugang Ramy Bensebaini (aus Gladbach) den 2:0-Bundesliga-Auftakt gegen den HSV und den 3:0-DFB-Pokal-Sieg gegen den HEBC Hamburg stabil geführt. Niklas Süle rotiert als dritter Innenverteidiger. Was fehlt, ist Schlotterbecks Andribbeln-Profil aus der linken Innenverteidiger-Position - genau die Aktion, mit der er in der Vorsaison gegnerische Mittelstürmer ins Stellungsdilemma zog. Sobald der 26-Jährige zurück ist, dürfte Kovac die alte Achse Schlotterbeck-Anton reaktivieren; Bensebaini rückt auf die Linksverteidiger-Position, wo er in seiner Gladbach-Zeit stärker war.
Für Schlotterbeck selbst ist der Mittwoch der erste Schritt in eine Rückkehr, die keine spektakuläre Deadline hat, sondern die Geduld der Reha-Wochen. Wer den 26-Jährigen kennt, weiß: Der Umweg über den Frust ist eingepreist. Am Ende zählt für ihn nur eines: rechtzeitig zum ersten Klopp-Länderspielfenster im November wieder eine echte DFB-Option zu sein.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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