Zum Inhalt springen
WM 2026

Spanien-Kap Verde 0:0: Vózinha-Paraden und Oyarzabals Negativrekord - die Sensation von Atlanta

Spanien spielt zum WM-Auftakt 0:0 gegen Kap Verde - Torwart Vózinha hält Europameister fest, Oyarzabal mit Negativrekord seit 1966. Spielbericht aus Atlanta.

Von Marco Feldmann 15. Juni 2026

Vózinha, 40 Jahre alt und 'Spieler des Spiels', bejubelt das 0:0 gegen Spanien beim WM-Debüt Kap Verdes am 15. Juni 2026 im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta (Foto: Ulrik Pedersen / Zuma Press Wire). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist die erste echte WM-Sensation der Endrunde 2026: Spanien spielt zum Auftakt der Gruppe H ein torloses 0:0 gegen WM-Debütant Kap Verde. Im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta hielt der 40-jährige Torwart Vózinha den Europameister von 2024 mit einer Para-Show über die volle Distanz - und auf der Gegenseite leistete sich Spaniens Sturmspitze Mikel Oyarzabal einen statistischen Negativrekord, der seit der WM-Datenerfassung 1966 ohne Beispiel ist. Für die Tubarões Azuis ist es der erste WM-Punkt der Verbandsgeschichte, für Luis de la Fuentes Mannschaft ein Auftakt-Schock mit Signalwirkung.

Das Spiel in der Kurzform

Anpfiff der WM-Partie Spanien gegen Kap Verde war am Montag, 15. Juni 2026, um 18:00 Uhr MESZ (12:00 Uhr Ortszeit Eastern Daylight Time) im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta. 67.640 Zuschauer im 75.000 Plätze fassenden Heimstadion der NFL-Atlanta-Falcons und MLS-Atlanta-United erlebten 90 Minuten spanische Dominanz ohne Ertrag und eine kapverdische Defensiv-Leistung der Sonderklasse. Schiedsrichter war Adham Makhadmeh aus Jordanien. Gelbe Karten: Sidny Lopes Cabral (16.) auf kapverdischer Seite, Pedri (90+3) auf spanischer. Halbzeitstand: 0:0. Endstand: 0:0. Es ist das erste Pflichtspiel seit der Europameisterschaft 2024, in dem Spanien ohne Tor blieb.

Beide Mannschaften traten in der erwarteten Aufstellung an. De la Fuente schonte beim WM-Auftakt sowohl Lamine Yamal als auch Nico Williams und ließ statt der Flügelzange Ferran Torres und Alex Baena beginnen - die Hintergründe der Personalie hatten wir vor dem Anpfiff im Aufstellungs-Bericht von Atlanta eingeordnet. Kap-Verde-Bundestrainer Pedro ‘Bubista’ Brito setzte auf das angekündigte kompakte 5-3-2 mit der Fünferkette um Innenverteidiger Roberto ‘Pico’ Lopes und Sidny Lopes Cabral und einem Doppelsturm aus Garry Rodrigues und Ryan Mendes.

Vózinha hält die WM-Sensation fest

Im Zentrum dieses Spielberichts steht der kapverdische Schlussmann Vózinha, mit vollem Namen Josimar Dias, 40 Jahre alt und zurzeit beim Real Oviedo unter Vertrag. Der Spieler des Spiels parierte alles, was die Europameister auf sein Tor brachten - und am Ende eines langen Abends in Atlanta tanzte er auf dem Rasen vor dem kapverdischen Fanblock.

Die Chronologie seiner Schlüsselszenen:

  • 15. Minute: Pedri zieht aus 18 Metern ab, der Ball geht knapp am rechten Pfosten vorbei - keine Parade nötig, aber der erste Warnschuss.
  • 29. Minute: Marc Cucurella wuchtet eine Volley-Abnahme aus 14 Metern aus der Strafraum-Mitte über die Latte.
  • 39. Minute: Ferran Torres trifft mit einer halbhohen Direktabnahme die Querlatte. Im direkt anschließenden Eckball köpft Mikel Oyarzabal aus sieben Metern - Vózinha streckt sich und lenkt den Ball spektakulär über die Latte.
  • 45. Minute: Wieder Torres, diesmal aus acht Metern nach Querpass von Pedri - Vózinha geht runter und fängt den Ball am kurzen Pfosten.
  • 45+2.: Eckball Spanien, Aymeric Laporte köpft aus zentraler Position; Vózinha boxt den Ball an seinen rechten Pfosten und sichert die Pause-Null.

In der zweiten Halbzeit setzte Spanien das Belagern fort. Fabián Ruiz kam dreimal kurz nacheinander zum Abschluss (48., 51., 56.), zielte aber zweimal über das Tor und einmal in die Arme des Schlussmanns. In der Schlussphase parierte Vózinha noch eine Hereingabe-Direktabnahme des in der 71. Minute eingewechselten Yamal-Vorbereiters Dani Olmo aus elf Metern. Insgesamt verzeichnete der kapverdische Torwart sieben Paraden - eine Bilanz, die im laufenden WM-2026-Turnier nur durch Eldin Jakupovic gegen Ecuador am Vorabend annähernd überboten wurde.

Oyarzabals Negativrekord seit 1966

Während Vózinha die Story des Abends auf der einen Seite war, lieferte Mikel Oyarzabal die Story auf der anderen. Der Real-Sociedad-Stürmer, von de la Fuente als hochgestellte Mittelstürmer-Variante anstelle des angeschlagenen Álvaro Morata aufgeboten, kam in den ersten 30 Minuten der Partie kein einziges Mal an den Ball. Laut der statistischen Auswertung der Sportschau-Liveblog-Redaktion ist es der erste Spieler seit Beginn der WM-Datenerfassung 1966, bei dem dies dokumentiert wurde - ein Negativrekord, der die Sturmspitzen-Krise des Europameisters punktgenau beziffert.

Der Athletic-Bilbao-Stürmer profitierte zwar nicht von der bewährten Doppel-Sechs Rodri-Zubimendi-Versorgung, vor allem aber bewegte er sich in einer Zone, die Kap Verdes Innenverteidiger-Verbund Roberto Lopes - Sidny Cabral konsequent dichtbestand. Ferran Torres, Alex Baena und Pedri zogen das Spiel in die Halbräume, ein Pass auf die hochstehende Mittelstürmer-Position kam praktisch nicht zustande. Erst in der 47. Minute hatte Oyarzabal seinen ersten nennenswerten Abschluss - jenen Kopfball, den Vózinha über die Latte lenkte. Dass ein wm-erfahrener und EM-Finaltor-2024-Mann wie Oyarzabal an einer kompakten kapverdischen Defensive 30 Minuten lang nicht in Erscheinung tritt, sagt mehr über das spanische Auftakt-Konzept als die nackten Schuss-Statistiken.

De la Fuente nach dem Schlusspfiff: “Wir haben es immer weiter versucht, ein Tor zu erzielen. Irgendwie sind das diese Spiele, in denen es nicht klappt.” Der Bundestrainer nahm den Joker-Plan damit auf seine Kappe.

Yamals 71.-Minuten-Joker - zu spät

Die spanische Hoffnung im Vorfeld der Atlanta-Partie hatte sich auf einen Joker-Einsatz Lamine Yamals konzentriert: De la Fuente hatte den 18-jährigen Barcelona-Flügel im Atlanta-Aufstellungs-Bericht von heute Morgen bewusst auf die Bank gesetzt, um die Rückkehr-Minuten nach dem April-Muskelfaserriss zu dosieren. In der 71. Minute schickte er Yamal für Gavi aufs Feld - statt einer Hereinnahme von Yamal in die Sturmreihe ein Wechsel auf der zentralen Zehner-Position, der das spanische Spielsystem auf ein 4-3-3 mit Yamal als Rechtsaussen, Torres als zentralem Mittelstürmer und Oyarzabal in eine hängende Spielmacher-Rolle umkonfigurierte. Auch Nico Williams wartete vergeblich auf seinen Einsatz: De la Fuente brachte ihn nicht.

Yamal hatte zwei sehenswerte Dribbling-Akzente - einer endete in einem Querpass auf Pedri (78.), der andere in einem zu hoch gezielten Aufsetzer aus 22 Metern (84.) -, aber für die zwingende Torchance reichte es nicht. Der Auftritt unterstrich, was de la Fuente vor dem Spiel angekündigt hatte: Yamal ist beim WM 2026-Auftakt kein Stammspieler, sondern ein dosiertes Mittel. Die nächsten 90 Minuten könnten dem Bundestrainer allerdings einen Druck aufbauen, den er noch nicht erwartet hatte.

Was das 0:0 für Gruppe H bedeutet

Die Gruppe H startet mit einer Tabellenkonstellation, die niemand auf der Rechnung hatte. Spanien, mit über 60 Prozent Gruppen-Sieg-Wahrscheinlichkeit ins Turnier gestartet, hat nach dem ersten Spieltag nur einen Punkt - und müsste sowohl gegen Saudi-Arabien als auch gegen Uruguay klar punkten, um die Tabellenführung zu reklamieren. Kap Verde, das im Quoten-Vorbericht des Wochenende-Tipps unter 8-Prozent-Sieg-Wahrscheinlichkeit gestartet war, hat den historisch ersten WM-Punkt der Verbandsgeschichte geholt und kann mit einem Auftritt gleicher Defensivqualität gegen Uruguay durchaus an die Marke der ersten Achtelfinalisten klettern - eine Konstellation, die wir im Debütanten-Profil von Kap Verde als unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen taxiert hatten.

Der Fahrplan in Gruppe H:

  • 16.06., 00:00 MESZ (Miami): Saudi-Arabien gegen Uruguay - der zweite Auftakt der Gruppe.
  • 18.06., 00:00 MESZ (Boston): Kap Verde gegen Uruguay - die zweite Aufgabe für die Tubarões Azuis.
  • 18.06., 18:00 MESZ (Atlanta): Spanien gegen Saudi-Arabien - de la Fuentes Korrektur-Termin.
  • 22.06., 00:00 MESZ (Houston): Saudi-Arabien gegen Kap Verde und gleichzeitig Uruguay gegen Spanien (Boston).

Aus deutscher Sicht hat das 0:0 indirekte Folgen: Spanien als möglicher Achtelfinal-Gegner des Zweiten der Gruppe G (Belgien / Iran / Ägypten / Neuseeland) verliert mit dem Auftakt-Patzer einen Hauch der Aura, die der Europameister als logischer Halbfinal-Anwärter mitbrachte. Den vollständigen Tabellenstand pflegen wir in den Gruppen-Profilen WM 2026 und im WM-2026-Spielplan. Hintergrund zum spanischen Auftrittsbild und zur De-la-Fuente-Aera liefert die Spanien-WM-2026-Pillar, zur Kap-Verde-Verbands-Geschichte die Pillar Kap Verde bei der WM 2026.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026