Spaniens WM-Kader 2026: erstmals ohne Real-Madrid-Profi
Spaniens WM-Kader 2026 steht und schreibt Geschichte: Luis de la Fuente nominiert keinen einzigen Real-Madrid-Profi. Stattdessen acht Spieler vom FC Barcelona.
Von Marco Feldmann 25. Mai 2026
Es ist eine dieser Personal-Entscheidungen, die mehr ueber den Zustand des spanischen Fussballs sagen als jede Pressekonferenz: Bei der Fussball-WM 2026 reist der Europameister erstmals in seiner WM-Geschichte ohne einen einzigen Profi von Real Madrid an. Nationaltrainer Luis de la Fuente hat sein Aufgebot am 25. Mai 2026 in Madrid bekanntgegeben - und dabei einen Bruch mit einer fast hundertjaehrigen Tradition vollzogen.
Die Premiere - kein Real-Madrid-Spieler bei einer Spanien-WM
Seit Spanien 1934 erstmals zu einer Weltmeisterschaft reiste, hat immer mindestens ein Profi von Real Madrid den Kader verstaerkt. Bei 16 von 16 vorangegangenen WM-Teilnahmen war das so. Zum 17. Mal, bei der Endrunde 2026 in den USA, Kanada und Mexiko, ist damit Schluss. Lediglich bei der EM 2021 hatte es eine vergleichbare Situation gegeben - damals verzichtete der frueher Trainer Luis Enrique auf alle Real-Profis. Fuer eine WM ist es Premiere.
Der Symbolgehalt ist enorm. Real Madrid stellte ueber Jahrzehnte das Rueckgrat der Furia Roja: Hierro, Raul, Casillas, Sergio Ramos, Carvajal - jede Generation hatte ihren Real-Kapitaen, ihren Real-Torhueter, ihren Real-Innenverteidiger. Dass diese Linie 2026 reisst, ist nicht das Ergebnis eines einzigen Streits, sondern Folge eines tiefgreifenden Generationenwechsels in Madrid - und eines spanischen Trainers, der von vornherein anders besetzt hat.
Wer fehlt - Carvajal, Huijsen und das Real-Vakuum
Zwei Namen stechen heraus. Daniel Carvajal, jahrelang Stammspieler hinten rechts und EM-Sieger 2024, ist nicht dabei. Der 34-Jaehrige hatte sich in der zurueckliegenden Saison schwer am Kreuzband verletzt und wird Real Madrid nach 13 Jahren verlassen; bereits bei den letzten Laenderspielen war er nicht mehr nominiert worden. De la Fuente entschied sich auf der Position fuer Pedro Porro (Tottenham) und den jungen Marc Pubill (Almeria).
Die noch ueberraschendere Streichung trifft Dean Huijsen, den 21-jaehrigen Innenverteidiger, den Real Madrid im Sommer 2025 von Bournemouth verpflichtet hatte. Huijsen galt als gesetzt, faellt nun aber aus dem vorlaeufigen Aufgebot heraus. In der Innenverteidigung setzt de la Fuente stattdessen auf das Duo Aymeric Laporte (Athletic Bilbao) und Pau Cubarsi (FC Barcelona), abgesichert durch Eric Garcia (FC Barcelona).
Damit fehlen zwei der namhaftesten Real-Profis - und es gibt schlicht keinen Madrilenen, der nachrueckt. Jude Bellingham ist Englaender, Vinicius Junior und Rodrygo sind Brasilianer, Kylian Mbappe ist Franzose. Real Madrid hat 2025/26 zwar eine internationale Spitzenmannschaft auf dem Platz - aber kaum noch eigene Spanier in der Stammelf. Genau dieser Befund spiegelt sich nun im Nationalkader.
Der Barca-Block - acht Spieler aus Katalonien
Wo das Real-Vakuum entsteht, fuellt der FC Barcelona den Raum. Acht Profis stellt der katalanische Meister im 26er-Aufgebot - mehr als ein Drittel der Mannschaft. Angefuehrt wird der Block vom 18-jaehrigen Lamine Yamal, der nach langwieriger Muskelverletzung zwar den Auftakt verpassen koennte, im Turnier aber zur entscheidenden Phase erwartet wird. Dazu kommen die Mittelfeld-Achse aus Pedri und Gavi, Innenverteidiger Pau Cubarsi, der defensive Allrounder Eric Garcia und in der Offensive Ferran Torres sowie Dani Olmo. Lediglich Fermin Lopez musste mit Mittelfussbruch absagen.
Der Rest des Kaders verteilt sich auf die europaeischen Spitzenligen: Rodri (Manchester City) bleibt der Taktgeber im defensiven Mittelfeld, Mikel Merino (FC Arsenal) und Martin Zubimendi spielen ihm zu, Mikel Oyarzabal kommt aus San Sebastian. Aus der Bundesliga steht Alejandro Grimaldo (Bayer Leverkusen) als linker Aussenverteidiger im Aufgebot, aus der Premier League Marc Cucurella (Chelsea). Im Tor besetzt Manchester-Citys David Raya die Nummer eins vor Unai Simon (Bilbao) und Neuling Joan Garcia (Espanyol). Wie sich diese Achse zum DFB-Kader fuer die WM 2026 verhaelt, ist eine der interessanteren Vergleichsfragen des Turniers.
Was das fuer Spaniens Spielidee bedeutet
Die Konsequenz aus der Klubverteilung ist nicht nur statistisch. De la Fuente baut bewusst um die Trainingsachse von Barcelona herum: ein Team, das Ball-und-Raum-Beherrschung mit kurzen Wegen zwischen den Linien verbindet und das Tempo aus dem Kollektiv erzeugt. Mit Yamal kommt die Tiefe, mit Pedri die Verbindung, mit Rodri die Absicherung. Real Madrids Profil - vertikales Umschaltspiel, individueller Glanz - haette dazu nur bedingt gepasst.
Die Frage ist, ob diese sehr katalanische Mannschaft fuer ein Turnier ueber sieben Spiele tief genug ist. Beim Europameister 2024 funktionierte das Konzept, weil de la Fuente in den entscheidenden Momenten von der Bank nachlegen konnte - mit Oyarzabal und Dani Olmo, beide auch jetzt wieder dabei. Bei einer WM in nordamerikanischer Hitze, ueber vier Wochen, in der K.-o.-Phase mit Verlaengerung, koennte sich die fehlende Real-Robustheit allerdings raechen. Genau das hatte Cristiano Ronaldos Portugal in einer aehnlichen Phase 2014 erlebt.
Gruppe H, Auftakt und der WM-Plan
Spanien startet die Endrunde in Gruppe H der WM 2026 gegen die Auswahlen aus Kap Verde, Saudi-Arabien und Uruguay. Auftakt ist am 15. Juni 2026 um 18:00 Uhr MESZ in Atlanta gegen den WM-Debuetanten Kap Verde, am 21. Juni folgt im gleichen Stadion das Spiel gegen Saudi-Arabien, am 27. Juni um 02:00 Uhr MESZ schliesst Spanien die Vorrunde gegen Uruguay in Guadalajara ab. Auf dem Papier ist Platz eins Pflicht.
Der eigentliche Test beginnt erst danach. Spanien zaehlt nach dem EM-Titel 2024 zum engsten Favoritenkreis, der WM-Triumph von 2010 (zu sehen auf der Uebersicht aller Fussball-Weltmeister) ist die letzte und einzige goldene Sternstunde - 2014, 2018 und 2022 enden bereits in der Vorrunde oder im Achtelfinale. Diese Generation, die mit Yamal und Pedri ihre Identitaet gefunden hat, soll den Bann brechen. Alle Termine, Trainingsorte und Hintergruende zur Mannschaft buendelt die Teamseite Spanien bei der WM 2026; den aktuellen Verletzungs- und Personalstand fasst die Vorgeschichte um Yamal und Fermin zusammen.
Dass diese Reise erstmals ohne einen einzigen Madrilenen angetreten wird, ist mehr als eine Fussnote der Statistik. Es ist das deutlichste Signal, wie weit sich der spanische Fussball nach der Aera Casillas-Ramos-Carvajal von seiner Madrider Achse geloest hat - und es legt die Verantwortung fuer einen zweiten WM-Stern voll und ganz in die Haende einer Generation, die in der Hauptstadt nicht mehr zuhause ist.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.