Dreierpack als Kapitaen: Tresoldi gewinnt in Malta die Zeit, die Klopp ihm laesst
4:1 nach Rueckstand: U21-Kapitaen Nicolo Tresoldi trifft in Ta' Qali dreifach (12., 47., 69.). Was der Dreierpack fuer Verbandswechsel und Klopp-A-Kader bedeutet.
Von Lukas Brandt 01. Oktober 2026
Die deutsche U21-Nationalmannschaft hat am Dienstagabend, 30.09.2026, in Ta’ Qali auf Malta mit 4:1 gewonnen - und der Abend gehoerte einem einzigen Namen. Kapitaen Nicolo Tresoldi hat die anfangs wackelnde Partie der Deutschen nach dem Rueckstand in der 9. Minute mit einem Dreierpack in der 12., 47. und 69. Minute gedreht und damit gleich zwei Baustellen gleichzeitig bedient: den sportlichen Kurs der U21 auf die direkte EM-2027-Qualifikation und die eigene Position im Klopp-Sichtungs-Perimeter des DFB-A-Teams. Fuer den 22-jaehrigen Angreifer vom belgischen Meister FC Bruegge ist der Dreierpack der juengste Beleg einer Form, die ihn im September zum Objekt der Begierde zweier Nationaltrainer gemacht hat - und zum Thema einer Entscheidung, die Tresoldi weiter aufschiebt.
Was in Ta’ Qali passiert ist - 1:0 Tuma 9., 1:1 Tresoldi 12., 2:1 Rothe 32., 3:1 Tresoldi 47., 4:1 Tresoldi 69.
Ergebnis: Malta U21 - Deutschland U21 1:4 (1:2). Tore: 1:0 Basil Tuma (9.), 1:1 Nicolo Tresoldi (12.), 1:2 Tom Rothe (32.), 1:3 Nicolo Tresoldi (47., Kopfball nach Ecke), 1:4 Nicolo Tresoldi (69., direkt verwandelter Freistoss). Kapitaen Deutschland: Nicolo Tresoldi. Trainer Deutschland: Antonio Di Salvo. Wettbewerb: UEFA U21 European Championship Qualification. Spielort: Centenary Stadium / Ta’ Qali National Stadium.
Der Spielverlauf war der eines zunaechst erschrockenen Favoriten. Nach einer Standardsituation in der 9. Minute setzte Basil Tuma unerwartet zur Fuehrung ab, Malta jubelte vor einem gut gefuellten Centenary Stadium, und auf der deutschen Seite begann die erste Unruhe. Drei Minuten spaeter war die Partie bereits ausgeglichen: Tresoldi, in der ersten offensiven Aufbau-Welle direkt in der Boxenlinie postiert, verwertete die Flankenverwertung zum 1:1. Mit dem 2:1 von Tom Rothe in der 32. Minute war die Fuehrung dann gedreht; mit dem 3:1 von Tresoldi direkt nach Wiederanpfiff war der Spielausgang entschieden.
Dass Di Salvo am Vorabend eine deutlich rotierte Startelf angekuendigt hatte, machte den Dreierpack als sportliche Nachricht noch pointierter. Aus dem Riga-Sieg vom 27.09. (4:0 mit Doppelpack Paris Brunner) blieben nur drei Spieler in der Startelf: Brunner, Dzenan Pejcinovic - und Tresoldi als Kapitaen. Fuer den Angreifer vom FC Bruegge ist die Binde kein Zufall. Nach den Nations-League-Ausnahmen von Lamine Gassama und Maximilian Beier und nach der September-Verbandsgespraechs-Phase hat Di Salvo intern Tresoldi als Sprecher der U21-Generation positioniert. Die drei Tore in Ta’ Qali sind die Antwort auf diese Positionierung.
Der Dreierpack im Detail - Elfer-nahe Geduld, Kopfball nach Ecke, Freistoss
Das 1:1 in der 12. Minute war Pflicht-Gleichgewicht. Tresoldi erlief die Flanke an den zweiten Pfosten und drueckte den Ball ueber die Linie. Die Erleichterung lag in der Bewegung - der Dreierpack-Modus kam erst spaeter.
Das 3:1 in der 47. Minute war Technik. Nach einer Ecke von halblinks setzte sich der 1,86 Meter grosse Angreifer gegen den maltesischen Innenverteidiger durch und koepfte flach ins Eck. Es war das klassische Mittelstuermer-Tor - und der Beleg, dass Tresoldi nicht nur als Fluegel-Umlaufer oder Halbraum-Scorer gefaehrlich ist, sondern das Strafraum-Zentrum als klassische Neun bespielen kann. Die Fuesse-Hoehe-Praesenz, die ihn in der Champions League schon im Herbst 2025 zum Scorer vom FC Bruegge gemacht hatte, hat er in die U21-Partie uebertragen.
Das 4:1 in der 69. Minute war Signature. Tresoldi legte sich den Ball an die Freistoss-Marke, zwei Zeiger-Schritte und ein flacher, platzierter Schuss durch die Mauer. Der maltesische Torhueter kam zu spaet. Fuer eine U21-Partie ist ein direkt verwandelter Freistoss die seltenste der Dreierpack-Zutaten; dass Tresoldi den Stift gesetzt hat, ist bezeichnend fuer sein wachsendes Standard-Repertoire.
Mit dem Dreierpack steht Tresoldi nach 26 U21-Laenderspielen bei 16 Toren. Pierre Littbarski haelt den DFB-U21-Allzeit-Torschuetzen-Rekord mit 18 Treffern. Der Rekord ist am naechsten Samstag in Bielefeld in Reichweite.
Herz 50:50 - was Klopp und Mancini im September erfahren haben
Der sportliche Kontext steht; der politische Kontext ist der eigentliche Grund, warum Tresoldi am Dienstagabend die Schlagzeile des Fussball-Tages besetzt. Im September 2026 hat der Angreifer in zwei separaten Einzelgespraechen - mit Bundestrainer Juergen Klopp und mit Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini - A-Team-Nominierungen abgelehnt. Beide. Seine Formulierung zur Verbands-Frage lautet seit Monaten konstant ‘Herz 50:50’; die Entscheidung soll weiter reifen.
Die Ausgangslage: Tresoldi, geboren am 20.08.2004 in Cagliari, erwarb im Oktober 2022 die deutsche Staatsangehoerigkeit und besitzt zusaetzlich die italienische (via Geburt) sowie eine dritte Option ueber die argentinische Mutter-Linie. Er hat sich in der U17 und U19 fuer den DFB entschieden - also deutsche Jugend-Laenderspiele gesammelt - ist aber nach den FIFA-Regeln bis zum ersten A-Pflichtspiel beweglich. Das macht ihn zum klassischen Verbandswechsel-Dauer-Kandidaten.
Die kicker-Formulierung vom 30.09. - ‘Klopp hat schon einen engen Draht zu ihm’ - ist in diesem Kontext die praeziseste Beschreibung des DFB-Status quo. Es gibt eine persoenliche Linie zwischen Bundestrainer und 22-jaehrigem Scorer; was es nicht gibt, ist eine Entscheidung. Dass Tresoldi auch Mancini abgelehnt hat, nimmt dem DFB-Lager zumindest die Gefahr einer kurzfristigen Italien-Weichenstellung. Bezahlt wird dafuer mit der zweiten U21-Saison in Folge.
Kader 2, FC Bruegge, Nations League - was der Dreierpack am Status quo aendert
Tresoldi gehoert in Klopps aktuellem Nominierungs-Zyklus zum ‘Kader 2’. Das ist der parallele Trainings- und Sichtungs-Pool, in dem die U21-naechsten Namen und die noch nicht A-tauglichen Legionaere laufen - Jaro Haag, Simeon Jackson, Fabian Karl und andere. In dieser Umgebung ist Tresoldi der prominenteste Scorer; der Belgien-Meister 2025/26 mit 19 Ligatoren im Debutjahr beim FC Bruegge, der Champions-League-Scorer gegen die AS Monaco im September 2025, der U21-Kapitaen vom Dienstag.
Was sich am Status quo durch den Dreierpack nicht aendert: Fuer die Nations-League-Doppelspielzeit am 11.10. (Deutschland - Nordirland in Wolfsburg) und am 14.10. (Daenemark - Deutschland in Kopenhagen) ist die A-Nominierung bereits raus; Klopp hat sich entschieden, keinen Mitte-Oktober-Wechsel zu provozieren und ohne Tresoldi zu reisen. Was sich aendert: Mit dem Dreierpack in Ta’ Qali und dem gegebenenfalls Rekord-einstellenden Auftritt in Bielefeld am Samstag steigt der oeffentliche Druck in Richtung November-Fenster deutlich - zumal die DFB-Innenverteidigung durch Schlotterbecks Doppel-Ausfall auch anderweitig unter Rotations-Zwang steht.
Georgien 03.10. in Bielefeld - EM-2027-Direkt-Qualifikation steht auf dem Spiel
Fuer die U21 ist der sportliche Horizont der Samstagabend. Am 03.10.2026, 18:00 Uhr MESZ, empfaengt die deutsche U21 in der Schuecoarena Bielefeld Georgien zum dritten und letzten Pflichtspiel der laufenden EM-Qualifikations-Gruppe. Ein Sieg sichert die direkte Qualifikation fuer die U21-Europameisterschaft 2027 in Albanien und Serbien. Di Salvo hat als Vorgabe fuer die Abschluss-Kampagne ‘drei Siege aus drei Spielen’ ausgegeben; nach Riga (4:0) und Ta’ Qali (4:1) steht die U21 auf Kurs.
Der Nebenschauplatz: Tresoldis zwei Tore vom Littbarski-Rekord. Ein weiterer Dreierpack - oder ein Doppelpack - wuerde den 18-Tore-Allzeit-Wert einstellen bzw. ueberschreiten. In Bielefeld wird Tresoldi aller Voraussicht nach erneut mit Kapitaens-Binde auflaufen.
Dass derweil Bundestrainer Klopp am Mittwochabend ab 20:45 Uhr sein zweites Nations-League-Heimspiel in Muenchen gegen Serbien bestreitet - mit genau jenem ‘Kader 2’-Umfeld, dem Tresoldi noch nicht angehoert - ist die Nebensaetze-Aufmerksamkeit, die sich am Donnerstagvormittag in der DFB-Berichterstattung weiterziehen wird. Fuer heute Abend aber ist der Hauptsatz: Der 22-jaehrige U21-Kapitaen in Ta’ Qali hat sich mit drei Toren Zeit erkauft - und Klopp hat sie ihm gegeben.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.