VfB Stuttgart 4:1 FC Koeln: Vier Traumtore am 2. Bundesliga-Spieltag und ein selbstkritischer Hoeness
VfB Stuttgart 4:1 gegen den 1. FC Koeln am 2. Bundesliga-Spieltag: El Khannouss, Proemel, Demirovic und Vagnoman treffen sehenswert. Hoeness sieht trotzdem Baustellen.
Von Lukas Brandt 04. September 2026
Es ist eine der aeltesten Bundesliga-Weisheiten, dass ein 4:1-Endstand oft weniger komfortabel ist, als es aussieht. Der VfB Stuttgart hat sie am Freitagabend im Alleingang bebildert. Beim Auftakt zum 2. Bundesliga-Spieltag scheiterten Josha Vagnoman und Dzenan Pejcinovic in der Anfangsphase erst zweimal an der Latte, ehe die Schwaben ab der 39. Minute mit vier sehenswerten Treffern den 1. FC Koeln zerlegten. Und trotzdem war Sebastian Hoeness beim Post-Match-Interview an der Seitenlinie derjenige, der als Erster von einer ‘Phase, die wir aufarbeiten muessen’ sprach. Die Traumtor-Show verdeckt einen zweiten Halbzeit-Einbruch, den der 44-jaehrige VfB-Cheftrainer nicht durchgehen lassen will.
Der Spielverlauf: Zwei Aluminium-Warnungen, dann El Khannouss’ Augenweide
Der VfB begann so, wie es Hoeness sich vorgestellt hatte. In der 8. Minute steht Vagnoman drei Meter vor dem Kolner Tor voellig frei, koepft aber an die Latte. Elf Minuten spaeter setzt Pejcinovic einen Kopfball ebenfalls an das Aluminium. Deniz Undav prueft in der 22. Minute Marvin Schwaebe, der Kolner Torhueter pariert. Der Cottbuser Bundesliga-Rueckkehrer haelt den Anschluss der Rheinlaender ueber gut eine halbe Stunde. Dann schlaegt Bilal El Khannouss zu: 39. Minute, ein Solo-Lauf aus dem Halbraum, ein Rechtsschuss ins lange Eck, kein Halten fuer Schwaebe. 1:0 zur Pause.
Nach dem Wechsel hat Koeln seine Phase. Ellyes Skhiri koepft in der 47. Minute aus zwei Metern am Tor vorbei. Mikey Moore vergibt in der 53. Minute zweimal binnen 20 Sekunden. Tom Krauss schiesst in der 56. Minute knapp am Pfosten vorbei. Es ist die Phase, die Hoeness meint. Dann faellt in der 60. Minute das 2:0 durch Grischa Proemel, in der 75. das 3:0 durch Ermedin Demirovic, in der 81. das 3:1 durch das Eigentor von Ramon Hendriks nach einer Skhiri-Ecke, und in der 90. das 4:1 durch Vagnoman. Vier Tore in einer halben Stunde - der VfB hat mit seiner Effizienz zurueckgegriffen auf jene Kaltschnaeuzigkeit, die ihn schon in der Vorsaison unter Hoeness zum Vize-Meister gemacht hatte.
Hoeness’ Selbstkritik: Warum das 4:1 nicht das Endergebnis der Analyse ist
‘Die erste Halbzeit war wie aus einem Guss, wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben’, sagte Hoeness nach dem Abpfiff im ARD-Interview. Und ergaenzte: ‘Das waren schoene Tore und das von Bilal ist eine Augenweide, das koennen nicht viele.’ So weit die grosse Buehne. Doch der VfB-Trainer sprach im selben Atemzug von der Phase zwischen Wiederanpfiff und dem 2:0, in der Koeln plaetzlich Chancen produzierte: ‘Ganz sicher eine Phase, die wir aufarbeiten muessen.’ Der Satz wirkt bei einem 4:1-Sieger auf den ersten Blick sperrig. Er ist typisch fuer Hoeness, der schon in der Rueckrunde 2025/26 nach zwei 3:0-Erfolgen mahnend auf zweite Halbzeiten hingewiesen hatte, die nach seinem Geschmack zu passiv gerieten.
Fuer den Spielplan der kommenden Wochen ist das nicht irrelevant. Der VfB spielt am 17.09.2026 in der Champions-League-Ligaphase gegen einen der Topgegner der Auslosung vom 28. August, empfaengt zwischendurch Mainz 05, muss nach Frankfurt und wird ab Ende September in Doppelbelastung getrieben. Die Baustelle nach der Pause muss dann geschlossen sein. Auch weil der Bundestrainer im September genauer hinsieht.
Der Klopp-Sichtungs-Perimeter: Ein Datenpunkt fuer Vagnoman
Juergen Klopp, seit 15. August 2026 im Amt, gibt am 17. September in Frankfurt seine erste Nations-League-Kader-Bekanntgabe ab. Auf der viel diskutierten 57er-Liste, die Klopp bei seiner Vorstellungs-PK am 24.07.2026 skizzierte, steht mindestens ein Stuttgart-Spieler mit klarer DFB-Perspektive: Josha Vagnoman. Der 25-Jaehrige, mehrfach fuer die DFB-U21 aktiv und im Vorjahr wegen einer Verletzungsserie aus dem A-Kader-Blickfeld verschwunden, meldete sich am Freitagabend mit dem 4:1 spektakulaer zurueck. Auch das Pejcinovic-Kapitel bleibt aktiv - der VfB-Talent hatte kurz zuvor mit einem Hattrick beim DFB-Pokal 4:0 gegen Rostock Klopps Interesse geweckt (siehe Klopp-Pejcinovic-Gespraech).
Fuer den 1. FC Koeln liefert das Spiel ebenfalls zwei DFB-Notationen. Erstens: Marvin Schwaebe zeigte in der ersten Halbzeit gegen die VfB-Druckphase mehrere gute Paraden, ehe El Khannouss ihn schlug. Der 30-Jaehrige ist seit Jahren im Torhueter-Peripherie-Kader. Zweitens: Said El Mala, der beim 3:2-Auftakt gegen Hoffenheim mit der Nummer 10 und einem Tor debuetiert hatte, blieb an diesem Abend blass. Fuer die naechste Notation muss der 19-Jaehrige am 12. September gegen Leverkusen liefern - dort schaut Klopp in der Regel zweimal hin.
Der Bundesliga-Blick: Stuttgart bei drei Punkten, Koeln bleibt bei drei
Nach zwei Spieltagen der Saison 2026/27 hat Stuttgart drei Punkte auf dem Konto - genau die drei Punkte, die es sich fuer das Wochenende vorgenommen hatte, um die 1:5-Niederlage vom 22.08.2026 gegen Bayern muenchnerisch abzuhaken. Koeln bleibt ebenfalls bei drei Punkten (3:2 gegen Hoffenheim, 1:4 in Stuttgart) und muss am 12. September in Leverkusen sofort nachlegen. Die restlichen Spiele des 2. Spieltags folgen am Samstag und Sonntag, sodass sich die Tabelle bis Sonntagabend noch mehrfach verschiebt. Fuer den VfB steht in einer Woche das Auswaertsspiel bei Mainz 05 an, ehe die Champions-League-Ligaphase beginnt.
Die Kernbotschaft des Abends bleibt Sebastian Hoeness’ Satz von der ‘Phase, die wir aufarbeiten muessen’. Er ist der Grund, warum das 4:1 im VfB-Analyse-Raum am Sonntag nicht als perfektes Spiel besprochen wird. Und er ist der Grund, warum die vier Traumtore im Sportschau-Zusammenschnitt zwar der Aufmacher sind - im Trainer-Sprech aber die Nachbereitung schon laeuft, waehrend das Aluminium der 8. und 19. Minute noch nachklingt.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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