Historisches VfB-Debut: Stuttgart gewinnt 2:1 in Hoffenheim - Rall-Doppelpack in 60 Sekunden
VfB Stuttgart gewinnt am 23.08.2026 das erste Bundesliga-Spiel seiner Frauen-Historie 2:1 in Sinsheim. Kapitaenin Maxi Rall trifft in der 45. und 46. Minute.
Von Nina Hartmann 24. August 2026
Die VfB Stuttgart Frauen haben ihr erstes Bundesliga-Spiel in der Vereinsgeschichte am Sonntag, dem 23. August 2026, in der SNP Arena Sinsheim mit 2:1 (1:1) bei der TSG Hoffenheim gewonnen. Neu-Kapitaenin Maximiliane Rall drehte die Partie in 60 Sekunden zwischen der 45. und der 46. Minute - zuerst der Ausgleich, dann das Siegtor, beide Male gegen ihren ehemaligen Klub. Anpfiff war um 14:00 Uhr MESZ, 4.642 Zuschauer verfolgten die Partie live vor Ort.
Marie Steiner hatte den Bundesliga-Debuetantinnen aus Baden-Wuerttemberg in der 37. Minute die kalte Dusche verpasst und die TSG in Fuehrung geschossen. Doch der VfB reagierte praezise auf die Rueckstands-Situation - und lieferte ausgerechnet in der Schlussminute der ersten Halbzeit die kompakteste Wende, die die Frauen-Bundesliga seit ihrer Zweigleisigkeit bei einem Erstpunktspiel eines Aufsteigers gesehen hat.
Der Doppelschlag in 60 Sekunden - Rall in der 45. und 46. Minute
Minute 45: Rechtsverteidigerin Daphina Redzepi schlaegt eine Flanke von der rechten Seite in den Sechzehner. Rall steht im Zentrum goldrichtig und verwertet aus zentraler Position zum 1:1. Minute 46: Direkt nach dem Wiederanpfiff kombiniert sich der VfB erneut ueber Redzepi durch. Redzepi zieht selbst ab, TSG-Torhueterin Jonna van de Velde kann nur nach vorn abwehren - und wer im Rueckraum steht: Rall. Der Nachsetzer sitzt, 2:1. Beide Aktionen basieren auf demselben rechten Angriffskorridor und derselben Zuspielerin. Sechzig Sekunden zwischen den beiden Toren, weniger als 90 Sekunden zwischen dem Rueckstand-Schock und der Fuehrung.
Der Doppelschlag ist zugleich das erste und das zweite Bundesliga-Tor der VfB-Frauen-Historie. Beide fielen ausgerechnet gegen den Klub, in dem Rall selbst frueher in der Bundesliga gespielt hat - die TSG Hoffenheim. Nach dem Spiel sagte die Kapitaenin im DFB-Interview: “Ich kann kaum glauben, dass es uns gelungen ist, direkt das erste Spiel in Hoffenheim zu gewinnen. Die Tore sind zu den richtigen Zeitpunkten gefallen. Leider habe ich den dritten Treffer liegen gelassen.”
Steiner bringt Hoffenheim in Fuehrung - der 37.-Minuten-Vorsprung haelt acht Minuten
Vor dem VfB-Doppelschlag sah es lange nach einer Hoffenheimer Startniederlage aus. Die TSG kontrollierte die ersten dreissig Minuten, kam durch Svenja Foelmli und Laia Martret zu Halbchancen und ging in der 37. Minute durch Marie Steiner in Fuehrung. Steiner setzte damit in ihrem ersten Pflichtspiel-Auftritt der Saison das erste Ausrufezeichen im Sinsheimer Dreiecks-Sturm um Foelmli und Van de Velde.
Doch die Fuehrung hielt gerade einmal acht Minuten. Die zweite Halbzeit lief ohne weitere Tore - Hoffenheim kam zwar zu drei guten Kontersituationen, scheiterte aber jeweils an VfB-Torhueterin Laura Giuliani, die die knappe Fuehrung in der Schlussphase absicherte. TSG-Cheftrainerin Eva-Maria Virsinger gestand nach der Partie ein: “Wir haben zu spaet angefangen, Fussball zu spielen. Gegen den tiefen Block des VfB haben wir zu wenig Loesungen gefunden.”
Kapitaenin gegen den ehemaligen Klub - Rall trifft, wo sie einst Bundesliga spielte
Rall hatte den VfB Stuttgart im Sommer als neue Kapitaenin uebernommen. Zuvor stand die Mittelfeldspielerin bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag, mit der sie in der Frauen-Bundesliga gespielt hatte. Dass ausgerechnet sie beim historischen Debut in Sinsheim doppelt trifft, ist die Zufalls-Dramaturgie, die dieses Spiel ueberhaupt erst mit erzaehlerischer Wucht auflaedt. Rall selbst reagierte mit einem gemischten Zitat - Freude ueber die Tore, Selbstkritik am nicht verwerteten dritten Treffer, an dem die TSG die Chance auf das 2:2 gehabt haette.
Der Assist zum 1:1 kam von Daphina Redzepi, die auch am 2:1 unmittelbar beteiligt war. Beide Aktionen liefen ueber den rechten Angriffskorridor - ein Muster, das VfB-Trainerin Nico Schneck in den drei Aufstiegsjahren als Markenzeichen entwickelt hat.
Vom vierten Ligarang zur Bundesliga - drei VfB-Aufstiege in Folge
Der VfB Stuttgart ist in drei aufeinanderfolgenden Aufstiegen von der Landesliga bis in die Google Pixel Frauen-Bundesliga geklettert. Der letzte Aufstieg gelang im Mai 2026 als Zweitliga-Meister. Nach dem Aufstieg des SGS Essen ins Abseits und dem gleichzeitigen Aufstieg von Mainz 05 startet die Liga 2026/27 mit den beiden Aufsteigern VfB Stuttgart und 1. FSV Mainz 05 in einem Zwei-Klub-Debut, das die letzten zehn Jahre nicht gesehen hatten.
Vorschau-Kontext: In der Frauen-Bundesliga-Auftaktvorschau hatten wir das Aufsteiger-Duo als sportlichen Test fuer das Ligenrahmenwerk der letzten Saison vor der Frauen-WM 2027 in Brasilien eingeordnet. Mainz startet parallel am Sonntagabend mit dem ersten Bundesliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte gegen Werder Bremen; VfB legt am Samstag der Folgewoche das erste Bundesliga-Heim-Spiel seiner Frauen-Historie nach.
Schneck-Debut und Giuliani-Schlussphase - VfB-Personalien beim ersten Bundesliga-Punktspiel
Cheftrainerin Nico Schneck hat den VfB durch alle drei Aufstiege gefuehrt und den Kern der Aufstiegsmannschaft mit sechs neuen Zugaengen erweitert - unter anderem mit Laura Giuliani (Torhueterin, ex Juventus), Adriana Achcinska, Chantal Hagel, Nicole Billa und der spaeter zur Kapitaenin ernannten Rall. Die Erst-Elf in Sinsheim bestand aus Giuliani im Tor, einer Vierer-Kette um Greta Stegemann und Hagel, einem Achter-Trio mit Achcinska, Luzie Zaehringer und Mira Arouna sowie einem Offensiv-Dreieck mit Redzepi, Rall und Billa.
Die Torhueterin-Personalie ist zugleich das grosse Ausrufezeichen des VfB-Transfersommers: Giuliani war zuletzt italienische Rekord-Nationaltorhueterin und rettete in der Schlussphase mit drei entscheidenden Paraden den knappen Vorsprung. Beim VfL Wolfsburg hatte einen Tag zuvor Janina Minge ein aehnliches Debut in Nuernberg gefeiert und dabei das 8:2-Comeback nach 0:2-Halbzeitrueckstand mit zwei verwandelten Elfmetern eingeleitet - der zweite Erstspieltag-Chapter, der einen Bundesliga-Rueckstand in einen Auswaertssieg drehte.
Was das Ergebnis fuer den 2. Spieltag bedeutet
Fuer den VfB Stuttgart ist der Auftakt-Dreier das ideale Fundament vor dem historischen ersten Bundesliga-Heimspiel am kommenden Wochenende. Die TSG Hoffenheim muss reagieren, um nicht wie in der Vorsaison in eine fruehe Krise zu geraten - Virsinger hat mit dem Sturmtrio Foelmli/Van de Velde/Steiner grundsaetzlich die Feuerkraft, braucht aber gegen tief stehende Gegner klarere Loesungen im letzten Drittel.
Die drei Punkte sind zugleich das erste sportliche Argument des VfB fuer den erklaerten Klassenerhalt in der letzten Saison unter reiner DFB-Regie vor der Ausgliederung der Liga zur eigenstaendigen FBL ab 2027/28. Der DFB-Frauen-Bundestrainer Christian Wueck wird die neuen Bundesliga-Talente aus der VfB-Aufstiegsmannschaft nun in den Blick nehmen - der DFB-Frauen-Kader-Pool fuer die WM-2027-Quali hat mit dem VfB-Auftaktsieg gerade eine neue Deutungsschicht bekommen.
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.
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