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DFB-Team

Voellers Daum-Vergleich: Warum Klopps Energie den Sportdirektor an Leverkusen erinnert

Rudi Voeller vergleicht Klopps Energie mit Christoph Daum aus der Bayer-Leverkusen-Zeit und benotet das 1:1 in Amsterdam mit einer 2 - vor Augsburg.

Von Lukas Brandt 27. September 2026

24. September 2026, Amsterdam: DFB-Sportdirektor Rudi Voeller vor Klopps Bundestrainer-Debut in der Johan-Cruijff-Arena. Am Ende steht ein 1:1 nach dem Gakpo-Ausgleich in der Nachspielzeit - drei Tage spaeter reiht sich Voeller in die inneren Stimmen der DFB-Delegation ein und gibt der Mannschaft die Note 2 (Foto: osnapix / Actionpress). Foto: osnapix / Actionpress via SmartFrame

Drei Tage nach dem 1:1 in Amsterdam und rund zwei Stunden vor dem ersten Klopp-Heimspiel als Bundestrainer hat sich am Samstagvormittag der Mann geaeussert, der Klopps DFB-Bewerbung im Sommer intern getragen hat: Rudi Voeller, seit Januar 2023 DFB-Sportdirektor der Maenner-Nationalmannschaft. In einem kicker-Chapter unter der Ueberschrift Voellers Deja-vu wegen Klopp: Ich habe das schon mal erlebt ordnete Voeller den Start unter dem 13. Bundestrainer der Nachkriegsgeschichte betont nuechtern ein - und zog dabei einen Vergleich, den vor ihm noch kein Beobachter aus dem inneren DFB-Kreis gezogen hat: Klopps Energie erinnere ihn an Christoph Daum. Der Satz ist mehrfach codiert. Er verweist auf eine gemeinsame Vergangenheit in Leverkusen 1996 bis 2000, er relativiert die Heilsbringer-Erwartung, und er markiert eine erste kalibrierende Stimme aus der DFB-Delegation nach dem Nachspielzeit-Ausgleich in der Johan-Cruijff-Arena.

Der Kernsatz - “Ich habe das schon mal erlebt”

Voeller waehlte im kicker eine Formulierung, die zwei Ebenen bedient. Auf der Oberflaeche steht das Zitat Ich habe das schon mal erlebt - der Sportdirektor haette es fast beilaeufig sagen koennen, um Klopps Wirkung auf Trainingsgelaende und Sammelpunkt in Herzogenaurach einzuordnen. Darunter aber liegt die Referenz auf Daum, mit dem Voeller vier Jahre lang bei Bayer 04 Leverkusen gearbeitet hat. Christoph Daum war 1996 bis 2000 Cheftrainer am Kurt-Riesselmann-Weg, Voeller in denselben vier Jahren Sportdirektor - eine Konstellation, die dem heutigen DFB-Duo Voeller/Klopp in der Rollenverteilung strukturell entspricht. Beide waren als Trainer-Persoenlichkeit hoch aufgeladen, redeschnell, motivations-orientiert, und beide erzeugten in der Kabine eine Atmosphaere, die weit ueber die reine Taktikansage hinausging.

Der Vergleich ist kein Kompliment und keine Kritik, sondern eine Erfahrungs-Chiffre. Voeller sagt damit: Ich weiss, wie sich das anfuehlt, wenn eine Kabine unter dem Trainer summt - und ich weiss auch, dass diese Energie kein Selbstlaeufer ist. Daums Bayer-04-Aera endete 2000 abrupt und aus Gruenden, die mit der Kabinen-Dynamik nichts zu tun hatten. Aber die zweistelligen Punktvorspruenge in der Bundesliga-Restsaison 1997/98 und 1999/2000 zeigten, dass eine Daum-Mannschaft im Rausch schwer zu stoppen war. Voellers Deja-vu-Signal ist also durchaus positiv - er hat diese Energie schon einmal fruchten sehen.

Voellers Note 2 fuer das Amsterdam-Debut

Konkret wurde der Sportdirektor beim Amsterdam-Endstand von 1:1. Nachdem Nick Woltemade und Felix Nmecha (dessen Kopfballtreffer in der 62. Minute lange nach dem Sieg aussah) das Klopp-Debut auf die Ergebnis-Schiene gelegt hatten, glich Cody Gakpo in der siebten Minute der Nachspielzeit noch einmal aus. Voellers Bewertung im kicker: eine Note 2. Die Auswaerts-Punkte-Ausbeute bei einem WM-Achtelfinalisten Niederlande und der Auftritt gegen eine Xavi-Hernandez-Mannschaft - “ein wichtiger Punkt” - reichten dem Sportdirektor fuer eine gute Zensur. Auf der 1-bis-6-Skala des deutschen Zeugnis-Systems, die Voeller bewusst gewaehlt hat, waere die 1 einer Debut-Vorstellung mit Sieg und Zu-Null vorbehalten gewesen. Die 2 markiert also einen Auftritt, der ueber der Erwartung lag und noch nicht ueberragte.

Die Leverkusener Vorgeschichte - Voeller-Daum 1996-2000

Wer die Reichweite des Daum-Vergleichs verstehen will, muss vier Jahre zurueckdenken. Von 1996 bis 2000 war Voeller Sportdirektor bei Bayer 04 Leverkusen, Daum Cheftrainer. Die beiden formten am Rhein den Werksklub zur Konstanten des internationalen Geschaefts - Champions-League-Ambitionen, dreimal Bundesliga-Zweiter, Zwischenrunden-Aermel-Hochkrempeln in der UEFA-Cup-Zone. Der Klub war unter Voeller/Daum das erklaerte Bayer-Aggregat: aggressive Pressing-Fussball, offensive Aussenverteidiger, hohe Umschalt-Geschwindigkeit. Die Taktik-Sprache Daums klang bereits damals nach dem, was Klopp anderthalb Jahrzehnte spaeter in Dortmund als Heavy Metal Football etablieren sollte.

Der Bruch kam im Oktober 2000. Daum, laengst als Ribbeck-Nachfolger und neuer DFB-Teamchef fuer 2001 fixiert, verlor die Position durch die Kokain-Affaere um seinen Haartest. Voeller, eigentlich als Uebergangs-Teamchef fuer sechs Monate eingesprungen, blieb bis 2004 - und trat den Bundestrainer-Job an einer Weggabelung an, die er selbst nicht gesucht hatte. Die Ironie der Nachfolge: Voeller uebernahm damals, weil Daum es nicht durfte. Heute uebernimmt Klopp - und Voeller vergleicht die Klopp-Energie mit Daum.

Der Geduld-Appell gegen die Heilsbringer-Erwartung

Voellers wichtigster Nebensatz im kicker-Chapter war das Geduld-Signal. Nach 33 Tagen zwischen der DFB-Vorstellung am 22. August im Rahmen des Franz-Beckenbauer-Supercups in Dortmund und dem Amsterdam-Debut hat sich rund um Klopp eine Atmosphaere aufgebaut, die vom sportschau-Titel Klopp-Time beim DFB bis zur Bezeichnung Heilsbringer reicht. Voeller warnt: Die Erwartungen duerfen nicht ins Immessbare wachsen. Klopp spreche total authentisch und positiv, voller Energie - der Sportdirektor lobt ausdruecklich die Faehigkeit, die Menschen auf seine Seite zu ziehen. Aber ein Auftaktspiel, sagt Voeller sinngemaess, verschiebt nicht die Wirklichkeit einer WM-Vorbereitung, die noch neunzehn Monate laeuft und in USA/Kanada/Mexiko 2030 endet.

Der Appell setzt einen Kontrapunkt zu Kylian Mbappes internationaler Adelung Klopps in der Sport-Bild und zur euphorischen Herzogenaurach-Berichterstattung der letzten Woche. Voeller macht damit das, was ein Sportdirektor am nuetzlichsten tun kann: er ordnet die Aussentemperatur.

Zwischen Amsterdam und Augsburg - was Klopp am Sonntag zeigen muss

Um 20:45 Uhr am Sonntagabend in der WWK-Arena in Augsburg beginnt Klopps erstes Heimspiel als Bundestrainer. Gegner: Griechenland, das gegen Serbien in Athen 2:1 gewonnen hat und mit Vangelis Pavlidis und Christos Tzolis zwei Bundesliga-Profis der ersten Stunde in die Startelf schickt. Aus Voellers Perspektive wird nicht der Sieg allein zaehlen - das erwartet er ohnehin. Er wird darauf achten, ob die Klopp-Rotation mit Alexander Nuebel im Tor und Yann Aurel Bisseck fuer den geschonten Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung die Amsterdamer Intensitaet halten kann, oder ob die zweite Reihe des Kader-1 einen Bruch produziert. Das Interesse des Sportdirektors gilt weniger dem 90-Minuten-Ergebnis als der Frage, ob Klopps System bei rotierten Positionen dieselbe Physis auf den Platz bringt. Genau das ist auch die Frage, die Daum in Leverkusen zwischen 1996 und 2000 wiederholt beantworten musste - und die Voellers Deja-vu zusaetzlich vertieft.

Voellers eigene Debut-Historie 2000 als zweiter Kontext-Rahmen

Es gibt noch eine zweite Schicht im Voeller-Zitat, die selten mitgelesen wird. Voeller selbst begann seine Bundestrainer-Debut-Serie am 16. August 2000 mit einem 4:1 gegen Spanien in Hannover - dem hoechsten Debut-Ergebnis aller sechs Bundestrainer der modernen DFB-Aera. Wer wie Voeller einmal von den Sekunden vor dem Anpfiff und der Kabinen-Atmosphaere des eigenen ersten Bundestrainer-Spiels weiss, wird eine Note 2 fuer Klopps 1:1 in Amsterdam vermutlich mit einem anderen Massstab vergeben als der aussenstehende Beobachter. Amsterdam war schwieriger als Voellers Hannover-Spanien-Auftakt vor 26 Jahren - ein Nations-League-Liga-A-Auswaertsspiel beim WM-Achtelfinalisten, kein Test.

Die Voeller-Klopp-Nachfolge-Konstellation, die vor drei Jahren mit der Voeller-Vertragsverlaengerung bis zur EM 2028 - auch wegen Klopp - besiegelt wurde, ist bislang die reibungsaermste im DFB seit langem. Der Sportdirektor tritt kaum ins Rampenlicht, aber wenn er es tut, kalibriert er. Der Daum-Vergleich vom Samstag ist die praeziseste Kalibrierung seit Klopps Amtsantritt - und sie wird in den kommenden Wochen ihre Aussagekraft daran messen lassen muessen, wie Klopps Energie in den Ergebnis-Alltag der Nations-League-Herbstphase ueberfuehrt wird. Um 20:45 Uhr in Augsburg wird die naechste Zeile geschrieben.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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