WM 2026 Favoriten im Datencheck: Was die Zahlen sagen
Daten-Analyse zu den WM-2026-Favoriten: Titelbilanz, jüngste Turnierform, FIFA-Weltrangliste, Setzliste und Auslosung. Was die Zahlen über die Spitzengruppe der WM 2026 sagen.
Von Nina Hartmann 08. Mai 2026
Eine seriöse Antwort auf die Titelfrage gibt es vor einem WM-Anpfiff nie - nur Wahrscheinlichkeiten. Die WM in den USA, Kanada und Mexiko ist die erste mit 48 Mannschaften, 104 Spielen und einem K.-o.-Baum, der bei 32 Teams beginnt. Das macht das Turnier länger, unübersichtlicher und für Außenseiter ein Stück durchlässiger. Trotzdem lässt sich aus den Daten - Titel, Form bei den letzten Turnieren, Weltrangliste, Setzliste, Auslosung - ein Bild zeichnen. Hier ist der Versuch, ohne Glaskugel.
Die Historie: ein sehr exklusiver Klub
Acht Nationen haben je eine WM gewonnen. Brasilien führt mit fünf Titeln (zuletzt 2002), Deutschland und Italien folgen mit je vier, Argentinien hat drei (zuletzt 2022), Frankreich und Uruguay je zwei, England und Spanien je einen. Sechs Mal hat ein Gastgeber gewonnen - zuletzt Frankreich 1998 -, seither aber nicht mehr; und nie hat ein außereuropäisches oder außersüdamerikanisches Land als Veranstalter triumphiert. Für die USA, Kanada und Mexiko ist das statistisch eher ungünstig, zumal der Heimvorteil über drei riesige Länder ohnehin verwässert.
Was die Zahlen außerdem sagen: Europa und Südamerika teilen den Pokal seit jeher unter sich auf - alle 22 bisherigen Titel gingen auf diese beiden Kontinente. Eine afrikanische, asiatische oder nordamerikanische Mannschaft als Weltmeister wäre ein historischer Bruch. Marokkos Halbfinale 2022 hat gezeigt, dass die Lücke kleiner wird; geschlossen ist sie nicht. Wer den Überblick über alle Endspiele will: die Liste der WM-Sieger und der Bereich WM-Geschichte.
Die jüngere Turnierform: wer liefert ab, wenn es zählt
Aussagekräftiger als der gesamte Palmarès ist die Form der letzten Großturniere. Frankreich ist seit Jahren die Konstante: Weltmeister 2018, Finalist 2022, dazu EM-Finalist 2016. Argentinien gewann 2021 die Copa América, 2022 die WM und blieb auch danach das Maß vieler Dinge - allerdings altert die Generation um Lionel Messi sichtbar. Spanien hat 2024 die EM gewonnen und stellt mit einer jungen, ballbesitzstarken Mannschaft den Fußball, der derzeit am meisten Eindruck macht; in der FIFA-Weltrangliste rangiert das Team ganz vorne. England war 2018 im Halbfinale, 2022 im Viertelfinale und 2024 EM-Finalist - immer nah dran, nie ganz da.
Brasilien dagegen kommt seit dem 7:1 von 2014 nicht mehr über das Viertelfinale hinaus und hat sich zuletzt schwergetan. Und Deutschland? Nach den Gruppenphasen-Aus 2018 und 2022 und dem EM-Achtelfinale 2024 (als Gastgeber) ist die Mannschaft von Julian Nagelsmann eher Außenseiter im engeren Favoritenkreis als Topfavorit - viel hängt von der Entwicklung der nächsten Monate ab. Die nüchternen Werte zu jedem Team sammeln wir auf den Seiten unter WM 2026 Teams und in der FIFA-Weltrangliste.
Die Setzliste: zwölf Teams mit dem leichteren Start
Bei der Auslosung am 5. Dezember 2025 in Washington waren zwölf Mannschaften gesetzt (Topf 1): die drei Gastgeber USA, Kanada und Mexiko sowie die neun bestplatzierten Nationen der FIFA-Weltrangliste - Spanien, Argentinien, Frankreich, England, Brasilien, Portugal, Niederlande, Belgien und Deutschland. Gesetzt zu sein heißt: kein zweiter Schwergewichts-Gegner in der Vorrunde, statistisch der bequemere Weg ins Sechzehntelfinale.
Aus Datensicht ist die Setzliste der wichtigste Einzelfaktor für die Vorrundenchancen - aber nur dafür. Wer beim neuen Modus mit 48 Teams als Gruppensieger durchkommt, bekommt einen vermeintlich leichteren K.-o.-Pfad; spätestens im Viertelfinale treffen die Großen aber ohnehin aufeinander. Und: Auch eine ungesetzte Mannschaft wie Kroatien (WM-Finalist 2018, Dritter 2022) oder ein formstarker Außenseiter kann eine machbare Gruppe erwischen.
Die Auslosung: wer es sich leichter gemacht hat
Die konkreten Gruppen verschieben das Bild noch einmal. Spanien ist in Gruppe H mit Kap Verde, Saudi-Arabien und Uruguay - Uruguay ist der einzige ernstzunehmende Stolperstein. Frankreich (Gruppe I) hat mit Norwegen und Senegal zwei unangenehme Gegner erwischt, Argentinien (Gruppe J) trifft auf Algerien und Österreich, Brasilien (Gruppe C) auf Marokko und Schottland, Portugal (Gruppe K) auf Kolumbien und Usbekistan, England (Gruppe L) auf Kroatien - das vielleicht stärkste “Zweitteam” einer Topgruppe.
Deutschland kam in Gruppe E mit Curaçao, der Elfenbeinküste und Ecuador glimpflich davon - keine andere Topnation, ein WM-Debütant als Auftaktgegner. Was das für das DFB-Team bedeutet, steht ausführlich auf der Seite Deutschland bei der WM 2026. Wer alle zwölf Gruppen vergleichen will: WM 2026 Gruppen.
Das Fazit: ein Favoritenfeld, keine klare Nummer eins
Wenn man die Faktoren übereinanderlegt - Titel, jüngste Turnierform, Weltranglistenplatz, Setzstatus, Auslosung -, ergibt sich kein klarer Favorit, sondern eine Spitzengruppe: Spanien (Form, Ranking, einfache Gruppe), Frankreich (Konstanz, Kadertiefe), Argentinien (Titelverteidiger, aber alternde Achse), England (immer nah dran), Brasilien (Klasse, aber Formdelle). Dahinter ein zweiter Kreis mit Deutschland, Portugal, den Niederlanden, Belgien und einem Außenseiter wie Kroatien oder einem heimstarken Gastgeber.
Was die Daten nicht abbilden: Verletzungen in den entscheidenden Wochen, die Hitze in Texas oder Mexiko-Stadt, die Höhenlage, ein Torwart, der über sich hinauswächst, ein Schiedsrichterentscheid. Genau das hat 2022 Argentinien geholfen und 2018 Deutschland zerlegt. Eine fundierte, laufend aktualisierte Einschätzung gibt es unter WM 2026 Prognose - aber auch die bleibt, was jede Vorhersage vor einem WM-Anpfiff ist: eine begründete Wahrscheinlichkeit, kein Ergebnis. Wer die historische Trefferquote von Favoriten kennt, weiß: Ungefähr jedes zweite Mal stimmt sie nicht.
Häufige Fragen zum WM-2026-Favoritenfeld
Wer ist Favorit auf den WM-Titel 2026? Die Daten weisen Spanien, Frankreich, Argentinien, England und Brasilien als Spitzengruppe aus - keiner ist klarer Topfavorit. Eine erzählende Einordnung dazu liefert die WM-2026-Prognose.
Hat ein Gastgeber seit Frankreich 1998 noch eine WM gewonnen? Nein. Frankreich 1998 ist der letzte Gastgeber, der den Titel im eigenen Land geholt hat. Seither gelang es weder Südkorea/Japan (2002), Deutschland (2006), Südafrika (2010), Brasilien (2014), Russland (2018), Katar (2022) noch wird es bei der WM 2026 mit drei Gastgebern (USA, Kanada, Mexiko) statistisch wahrscheinlicher.
Welche Kontinente haben bisher die WM gewonnen? Ausschließlich Europa und Südamerika. Alle 22 bisherigen WM-Titel teilen sich diese beiden Kontinente. Eine afrikanische, asiatische oder nordamerikanische Mannschaft als Weltmeister wäre ein historisches Novum. Mehr unter WM-Geschichte.
Wie steht Deutschland in der FIFA-Weltrangliste? Deutschland gehört aktuell zu den Top-Ten-Nationen der FIFA-Weltrangliste und war bei der Auslosung am 5. Dezember 2025 als eine der zwölf Mannschaften aus Topf 1 gesetzt.
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.