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WM 2026

Belgien WM-Kader 2026: Garcia setzt auf Lukaku, Tielemans wird Kapitän

Belgien WM-Kader 2026: Rudi Garcia nominiert 26 Spieler, Tielemans wird Kapitän. Lukaku trotz 64 Saisonminuten dabei, Openda fehlt, Theate einziger Bundesliga-Profi.

Von Marco Feldmann 15. Mai 2026

Romelu Lukaku im Belgien-Trikot bei der EM 2020 in Sankt Petersburg - mit 89 Länderspieltoren ist er Belgiens Rekordtorschütze und steht trotz nur 64 Saisonminuten in Napoli im WM-Kader 2026 (Foto: Maksim Konstantinov / SOPA Images via Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Vier Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 hat Belgien am Freitag den 26-Mann-Kader bekanntgegeben. Trainer Rudi Garcia setzt auf das Skelett der Goldenen Generation, ernennt einen neuen Kapitän und trifft mit der Lukaku-für-Openda-Entscheidung die wohl umstrittenste Personalentscheidung dieser Bekanntgabe-Welle. Aus deutscher Sicht ist eine andere Zahl bemerkenswert: Mit Arthur Theate von Eintracht Frankfurt steht nur ein einziger Bundesliga-Profi im belgischen Aufgebot.

Der 26er-Kader auf einen Blick

Garcia nominiert drei Torhüter, einen großen Abwehrblock, sieben Mittelfeldspieler und sechs Offensivkräfte. Der Schwerpunkt liegt erkennbar in der Serie A und der Premier League - die belgischen Auslandsprofis verteilen sich in dieser Saison stärker als sonst auf Italien und England.

PositionSpieler (Verein)
TorThibaut Courtois (Real Madrid), Senne Lammens (Manchester United), Mike Penders (Racing Strasbourg)
AbwehrTimothy Castagne (Fulham), Zeno Debast (Sporting Lissabon), Maxim De Cuyper (Brighton), Koni De Winter (AC Mailand), Brandon Mechele (FC Brügge), Thomas Meunier (OSC Lille), Nathan Ngoy (OSC Lille), Joaquin Seys (FC Brügge), Arthur Theate (Eintracht Frankfurt)
MittelfeldKevin De Bruyne (SSC Neapel), Charles De Ketelaere (Atalanta Bergamo), Amadou Onana (Aston Villa), Nicolas Raskin (Glasgow Rangers), Youri Tielemans (Aston Villa, Kapitän), Hans Vanaken (FC Brügge), Axel Witsel (FC Girona)
AngriffJérémy Doku (Manchester City), Matias Fernandez-Pardo (OSC Lille), Romelu Lukaku (SSC Neapel), Dodi Lukebakio (Benfica), Alexis Saelemaekers (AC Mailand), Leandro Trossard (FC Arsenal)

Das Durchschnittsalter liegt bei rund 28 Jahren - jünger als 2022 in Katar, aber älter als bei den meisten Konkurrenten in Gruppe G.

Tielemans übernimmt das Kapitanat - der stille Generationswechsel

Die personelle Pointe steht nicht in der Kader-Liste, sondern in der Mitteilung dahinter: Youri Tielemans ist der neue Kapitän der belgischen Nationalmannschaft. Der 29-Jährige von Aston Villa übernimmt die Binde von Kevin De Bruyne, der zwar zentraler Anführer auf dem Platz bleibt, aber das Amt - so der vorsichtige Sprachgebrauch des Verbands - an die nächste Generation weiterreicht.

Es ist die deutlichste Geste dafür, dass die “Goldene Generation” um De Bruyne, Lukaku, Vertonghen und Alderweireld nicht mehr die alleinige Marke der “Roten Teufel” ist. Tielemans steht seit über zehn Jahren in der Auswahl, hat aber erst in der WM-Qualifikation 2025/26 die zentrale Rolle im Mittelfeld bei Garcia gefunden. Seine Wahl ist auch eine taktische: Garcia traut Tielemans zu, das Aufbauspiel ohne De Bruyne zu organisieren - was bei einem 34-Jährigen mit Belastungsfragen ein realistisches Szenario im Turnier ist.

Lukaku rein, Openda raus - die kontroverseste Entscheidung

Die zweite, lautere Geschichte heißt Romelu Lukaku. Belgiens Rekordtorschütze (89 Länderspieltore) hat in dieser Saison bei der SSC Neapel nur 64 Ligaminuten absolviert - eine Saisonbilanz von einem Tor und null Vorlagen. Trotzdem nominiert ihn Garcia. Trotzdem streicht er Loïs Openda, der bei Juventus Turin auf 14 Saisonpflichtspieltore kommt und in der vergangenen Spielzeit bei RB Leipzig die Bundesliga-Torschützenliste mitprägte.

Die Entscheidung lässt sich mit zwei Lesarten erklären. Erstens: Garcia setzt auf Erfahrung. Lukaku hat WM-Endrundenroutine, das Profil als physischer Mittelstürmer für hohe Bälle und ein eingespieltes Zusammenspiel mit De Bruyne. Zweitens: Der Trainer wählt das taktische System vor dem Formstand. In Gruppe G mit Iran, Ägypten und Neuseeland trifft Belgien wahrscheinlich auf tief stehende Defensivblöcke - dort soll Lukaku als Strafraumstürmer den Unterschied machen, während die schnellen Konter, die Opendas Stärke wären, seltener vorkommen dürften.

Vertretbar ist das. Unangefochten nicht. Es ist die Personalfrage, die das belgische Turnier definieren wird: Geht Lukaku auf, war die Lukaku-Wette goldrichtig; geht sie schief, wird die Streichung Opendas als Mahnmal stehen bleiben.

Nur Theate aus der Bundesliga - der historische Tiefstand

Für deutsche Beobachter ist die nüchternste Zahl die größte Notiz: Arthur Theate von Eintracht Frankfurt ist der einzige Bundesliga-Profi im Aufgebot. Bei der WM 2022 in Katar standen vier Bundesliga-Spieler im Kader, bei der WM 2018 in Russland sechs - jetzt nur noch einer.

Mehrere Faktoren erklären das. Lukebakio wechselte im Sommer 2025 von Hertha BSC nach Lissabon, Openda hat es nicht in den Kader geschafft, Maarten Vandevoordt (RB Leipzig, 19) wurde zugunsten von Penders aus Strasbourg gestrichen. Theate selbst ist erst seit Sommer 2024 in Frankfurt, gilt aber bei Garcia als gesetzter Linksverteidiger - er hat in der Qualifikation alle relevanten Spiele bestritten.

Witsel mit 37 - das Skelett der Goldenen Generation

Trotz Tielemans-Wechsel an der Spitze bleibt das Routinierskelett zentral. Axel Witsel, mit 37 Jahren der Älteste im Kader, ist als Mittelfeldroutinier wieder dabei - er verließ in dieser Saison Atletico Madrid Richtung FC Girona, spielte aber konstant. Garcia braucht ihn als “graue Eminenz” im Zentrum, weil neben De Bruyne und Tielemans im defensiven Mittelfeld nur Amadou Onana (Aston Villa) und Nicolas Raskin (Rangers) als gesetzt gelten.

Dazu kommen Courtois (33, Real Madrid) zwischen den Pfosten, De Bruyne (34) als Spielmacher und Meunier (34, Lille) als Backup für Castagne. Vier Spieler von der WM 2018 sind weiter dabei - Belgien sucht den Mittelweg zwischen Erfahrung und Verjüngung.

De Cat, Godts, Lavia - die Streichliste der jungen Talente

Bemerkenswert ist auch, wer nicht im Kader steht. Nathan De Cat, 17 Jahre alt und Mittelfeldjuwel bei RSC Anderlecht, fehlt - obwohl er in der Quali zwei Kurzeinsätze hatte. Mika Godts (Ajax Amsterdam, 20) wurde aussortiert. Auch Romeo Lavia (FC Chelsea, 22), aufgrund chronischer Verletzungsanfälligkeit lange in der Diskussion, ist raus. Garcia hat sich gegen die “Sprung-jetzt”-Variante entschieden und für eine Mischung, in der die nächste Generation primär über Tielemans, Doku, De Ketelaere, Onana und Raskin abgebildet wird.

Die Botschaft ist eindeutig: Belgien geht nicht mit dem Mut der Erneuerung, sondern mit dem Pragmatismus der Erfahrenen ins Turnier - das ist das Gegenmodell zur deutschen Verjüngungskur unter Nagelsmann.

Gruppe G - Ägypten, Iran, Neuseeland - was Belgien erwartet

Belgien startet als klarer Favorit in Gruppe G. Die Auftaktpartie steigt am Montag, dem 15. Juni 2026 um 21:00 Uhr MESZ im Lumen Field in Seattle gegen Ägypten. Es folgt das zweite Gruppenspiel am 21. Juni im SoFi Stadium in Los Angeles gegen den Iran und das dritte am 27. Juni um 05:00 Uhr MESZ im BC Place in Vancouver gegen Neuseeland. Den genauen Überblick liefert der WM-2026-Spielplan.

Auf dem Papier ist Platz eins Pflicht: Ägypten erreicht die WM ohne Mohamed Salah-Garantie, Iran reist mit reduzierter Erwartung und nach turbulenter Verabschiedung in Teheran an, Neuseeland ist klassischer Achtelfinal-Outsider. Belgien sollte das Achtelfinale nicht nur erreichen, sondern dort auf einen Gruppendritten treffen - im Sechzehntelfinale des neuen 48-Team-Modus.

Ausblick - die letzte Chance der Goldenen Generation

Es ist die wahrscheinlich letzte WM für De Bruyne, Lukaku und Witsel. Belgien hat 2018 in Russland mit dem dritten Platz das beste WM-Ergebnis seiner Verbandsgeschichte erreicht; 2022 in Katar folgte das Vorrunden-Aus, 2024 bei der EM in Deutschland das Achtelfinal-Aus gegen Frankreich. Garcia hat den Kader nicht erfunden - er hat ihn so geordnet, dass die Veteranen eine letzte Chance bekommen, bevor die Generation Doku, Onana, Tielemans und De Ketelaere endgültig übernimmt.

Was Belgien tatsächlich zuzutrauen ist, hängt am Achtelfinale. Wer dort weiterkommt, kann die Stadtteilrunde mit De Bruyne als spielentscheidendem Faktor erleben; wer dort scheitert, hat das Kapitel “Goldene Generation” definitiv geschlossen. Eine erweiterte Einordnung steht in der WM-2026-Prognose und im Beitrag zur WM-2026-Kader-Frist, der die parallele Welle der Bekanntgaben einordnet.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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