Haiti WM-Kader 2026: Migné setzt auf zwei Premier-League-Profis
Haiti gibt als erste Nation in Gruppe C den WM-Kader 2026 bekannt: Trainer Sébastien Migné nominiert Sunderland-Stürmer Isidor und Wolves-Star Bellegarde.
Von Marco Feldmann 15. Mai 2026
Knapp vier Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 hat Haiti als erste Nation in Gruppe C den 26-köpfigen Kader bekanntgegeben. Trainer Sébastien Migné setzt auf eine Achse aus zwei Premier-League-Profis, einem Veteranen-Block aus der Quali und einer Reihe von Talenten aus den europäischen zweiten Ligen - es ist die erste Haiti-WM-Mannschaft seit 1974.
Erste Nation in Gruppe C - Migné legt vor
Während Brasilien, Marokko und Schottland ihre Nominierungen noch zurückhalten, zog die Fédération Haïtienne de Football am 15. Mai vor. Migné nominiert drei Torhüter, neun Verteidiger, sieben Mittelfeldspieler und sieben Offensivkräfte; rund 96 Prozent des Aufgebots stehen bei Klubs in Europa, der MLS oder der USL Championship unter Vertrag. Nur eine Handvoll Spieler kommt aus Haitis nationaler Liga.
Migné selbst ist eine in Westafrika gestählte Lösung. Der 53-jährige Franzose war Co-Trainer der kamerunischen Auswahl bei der WM 2022 in Katar und stand zuvor in der DR Kongo, in Kenia und im Aufbaustab des FC Nantes an der Seitenlinie. Sein Auftrag in Haiti: ein Kollektiv schmieden, das gegen physisch und individuell stärkere Gegner Räume verteidigt und über Konter sticht.
Wilson Isidor und Jean-Ricner Bellegarde - die Premier-League-Säulen
Die beiden Schlagzeilen-Namen stehen in der Premier League: Wilson Isidor und Jean-Ricner Bellegarde.
- Wilson Isidor (25, AFC Sunderland) ist der teuerste Profi im Kader - rund 18 Millionen Euro Marktwert nach starker Saison im Norden Englands. Der Mittelstürmer ist in Frankreich geboren, durchlief französische Nachwuchsteams und entschied sich erst Anfang 2026 nach intensiver Fan-Kampagne für Haiti. Sein A-Debüt für “Les Grenadiers” gab er im März, jetzt soll er gegen Brasilien und Marokko die Tore schießen, die in der Quali oft fehlten.
- Jean-Ricner Bellegarde (28, Wolverhampton Wanderers) wechselte 2023 vom Racing Strasbourg zu den Wolves und ist dort gesetzter Achter. Mit etwa 16 Millionen Euro Marktwert ist er der zweitwertvollste Spieler im Kader - und der wichtigste Spielmacher zwischen Defensive und Sturm. Foot4tunes wie auch englische Beobachter sehen ihn als entscheidenden Faktor für die Frage, ob Haiti den Ball überhaupt durch das Mittelfeld bringt.
Beide Spieler bringen Premier-League-Routine in eine Mannschaft, die in der Quali noch vor allem aus Ligue-2- und MLS-Spielern bestand. Das ist neu - und es ist der Grund, warum diese Endrunde anders aussieht als der 1974er-Auftritt.
Duckens Nazon und der Veteranen-Block - das Quali-Gerippe
Hinter den beiden Premier-League-Stars steht das Gerüst, das die Quali getragen hat.
- Duckens Nazon (Esteghlal FC, Iran) war mit sechs Toren der Torschützenkönig der haitianischen Quali. Der 32-jährige Mittelstürmer geht in seine letzte realistische Endrunde und teilt sich mit Isidor die Sturmspitze.
- Frantzdy Pierrot (Çaykur Rizespor, Türkei) hält die zweite Sturm-Option als physischer Wandspieler.
- Josué Casimir (AJ Auxerre) ist als Rechtsaußen kürzlich ins A-Team nachgerückt und gilt nach starker Saison in der Ligue 1 als Dribbel-Joker.
- Lenny Joseph (Ferencvárosi TC, Ungarn) bietet eine dritte offensive Variante.
- Derrick Etienne Jr. (Toronto FC) liefert MLS-Tempo auf dem linken Flügel.
In der Defensive bilden Carlens Arcus (Angers SCO) als Rechtsverteidiger und Jean-Kévin Duverne (KAA Gent) als Innenverteidiger den europäischen Block. Im Tor steht mit Johny Placide (38 Jahre) eine Legende des haitianischen Fußballs - sein viertes Turnier in der Karriere, das erste auf WM-Niveau.
52 Jahre Pause - was die Rückkehr historisch bedeutet
Haiti war zuletzt 1974 bei einer WM dabei - in Deutschland, beim Turnier, das die DFB-Auswahl mit dem 2:1 gegen die Niederlande im Münchner Olympiastadion zum zweiten Titel führte. Damals trafen die Karibik-Insulaner auf Italien, Polen und Argentinien, schieden in der Vorrunde aus - aber Emmanuel Sanon überwand mit einem Treffer gegen Italien den späteren Welttorhüter Dino Zoff und schrieb sich in die WM-Folklore ein.
Seitdem: 52 Jahre Pause. Acht Quali-Zyklen ohne Endrunde. Die Generationen, die heute in der Karibik aufwachsen, haben Haitis Nationalmannschaft nur in der Concacaf-Gold-Cup-Vorrunde gesehen - nicht auf der größten Bühne. Genau diese historische Spannung ist ein Teil der Geschichte, die Migné erzählt: Sein Kader soll nicht nur Punkte holen, sondern eine Fußball-Erinnerung schaffen, die in Haiti die nächsten 50 Jahre überdauert.
Wer mehr Kontext zur Rückkehr sucht, findet die Einordnung im Beitrag zu den WM-2026-Debütanten und Rückkehrern sowie auf der evergreen-Profilseite Haiti bei der WM 2026.
Gruppe C - was Haiti gegen Brasilien, Marokko und Schottland erwartet
Die Auslosung im Dezember 2025 hat Haiti in eine der ausgewogeneren Gruppen geführt:
- Brasilien - der Rekordweltmeister unter Carlo Ancelotti, klarer Gruppenfavorit.
- Marokko - WM-Vierter von 2022, mit Hakimi und Ziyech die stärkste afrikanische Auswahl.
- Schottland - erste WM seit 1998, mit McTominay und Robertson eine erfahrene UEFA-Auswahl.
Realistisch geht es für Haiti um Platz 4 - und um den oder die beiden Punkte, die als historischer Erfolg bleiben. Das Schottland-Spiel zum Auftakt ist die einzige Partie, in der Wettquoten und Form-Daten überhaupt eine offene Ausgangslage zeigen. Die Gruppe-C-Übersicht hat die taktischen Detaileinordnungen.
Der Fahrplan bis zum Auftakt am 14. Juni
- 15. Mai 2026: Migné gibt das 26er-Aufgebot bekannt.
- Ende Mai / Anfang Juni: Trainingslager in Florida, zwei Testspiele gegen CONCACAF-Gegner geplant.
- 11. Juni 2026: Eröffnungsspiel der WM in Mexiko-Stadt.
- 14. Juni 2026, 03:00 Uhr MESZ: Haiti - Schottland im Gillette Stadium in Boston (Gruppenphase, Spieltag 1).
- 20. Juni 2026, 03:00 Uhr MESZ: Brasilien - Haiti im Lincoln Financial Field in Philadelphia.
- 25. Juni 2026, 00:00 Uhr MESZ: Marokko - Haiti im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta.
Alle drei Anstöße liegen aus deutscher Sicht in der Nacht (vgl. Anstoßzeiten im Überblick). Haiti dürfte trotzdem ein Publikumsmagnet werden - die haitianische Diaspora in den USA und Kanada zählt nach Schätzungen über zwei Millionen Menschen, und die WM-Veranstalter rechnen in Boston, Philadelphia und Atlanta mit ausverkauften Tribünen.
Den Tagesüberblick aller weiteren Kader-Bekanntgaben sammelt der laufende Beitrag WM 2026 Kader-Frist: die ersten Aufgebote im Vergleich. Der vollständige WM-2026-Spielplan zeigt, gegen wen Haiti im Sechzehntelfinale antreten würde, falls die Sensation gelingt.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.