Zum Inhalt springen
WM 2026

Cucurella droht mit Ruecktritt bei WM-Titel: Der Anruf am Tag danach an Luis de la Fuente

Marc Cucurella kuendigt bei Movistar+ vor dem WM-Finale einen Nationalmannschafts-Ruecktritt an - falls Spanien am Sonntag Weltmeister wird. Der genaue Wortlaut und der Kontext.

Von Marco Feldmann 18. Juli 2026

Dallas, 14. Juli 2026: Marc Cucurella waehrend des WM-Halbfinals der spanischen Nationalmannschaft gegen Frankreich (2:0) im AT&T Stadium. Vier Tage spaeter kuendigte der Linksverteidiger bei Movistar+ an, im Titelfall am Tag nach dem Endspiel Luis de la Fuente anzurufen und aus dem Nationalteam zurueckzutreten (Foto: Ulrik Pedersen / Zuma Press Wire). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Marc Cucurella hat am Samstagabend Ortszeit New York die zweite personelle Vor-Endspiel-Nachricht des spanischen Lagers geliefert. Der 27-jaehrige Linksverteidiger, seit dem EM-Titel 2024 in Berlin gesetzter Stammspieler unter Luis de la Fuente, hat im Interview mit dem spanischen Bezahlsender Movistar+ einen bedingten Nationalmannschafts-Ruecktritt angekuendigt. Bedingung: Spanien muss am Sonntag, 19. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ, das WM-Finale gegen Argentinien im MetLife Stadium gewinnen. Dann wird Cucurella am Tag darauf den Bundestrainer anrufen und aus der Roja zuruecktreten.

Die Aussage im Movistar+-Interview: der genaue Wortlaut

Der zentrale Satz aus dem Interview liegt in vollstaendiger Uebersetzung vor: “Wenn wir Weltmeister werden, rufe ich Luis am naechsten Tag an und sage ihm, dass er nicht mehr mit mir rechnen soll, weil ich aus der Nationalmannschaft zuruecktrete.” Cucurella hat ihn am spaeten Nachmittag Ortszeit New York gesagt, die sportschau hat das Zitat um kurz vor 18:00 Uhr MESZ aus dem WM-Liveblog heraus in Deutschland verbreitet.

Als Begruendung fuegte Cucurella an: “Mit einer Europameisterschaft und einer Weltmeisterschaft koennte ich nichts Besseres mehr erreichen.” Es ist eine Formulierung, die den Ruecktritt nicht als Frust-Reaktion oder Verletzungs-Zwang darstellt, sondern als planvolle Karriere-Entscheidung eines Spielers, der seine internationalen Trophaeen-Ziele fuer erledigt haelt.

EM 2024 + WM 2026: das Karriere-Deckel-Argument

Cucurellas Rechnung ist einfach. Der EM-Titel 2024 im Berliner Olympiastadion (2:1 gegen England, Nico-Williams-Fuehrung, Oyarzabal-Winner in der 86. Minute) hat ihm die europaeische Krone gebracht. Ein WM-Titel 2026 im MetLife Stadium wuerde die interkontinentale Krone hinzufuegen. Was danach kaeme, waere die Sammlung um Wiederholung erweiterter Titel - ein zweites EM-Turnier 2028 im Vereinigten Koenigreich und Irland, ein zweiter WM-Zyklus 2030 in Marokko, Spanien, Portugal und Uruguay.

Vier zusaetzliche Nationalmannschafts-Jahre, die aus Cucurellas Perspektive Reisen, Doppelbelastung und Verletzungsrisiko ohne neue Titel-Kategorie bringen. Sein Argument dabei: Mit 27 Jahren am Endspiel-Tag - er wird am 22. Juli 2026, drei Tage nach dem Finale, 28 - steht er in der aelter werdenden Kategorie der spanischen Linksverteidiger, waehrend die Konkurrenz aus Alejandro Balde (Barcelona, 22) und Nachwuchsspielern wie Miguel Gutierrez (Girona) nachschiebt.

Die Rechnung erinnert an aehnliche Auswahlmannschafts-Zapfen der letzten Jahre. Angel Di Maria hatte nach dem argentinischen Copa-2024-Sieg in Miami Gardens seine Rueckkehr zu Rosario Central an einen Nationalmannschafts-Ausstieg gekoppelt. Sergio Busquets hatte nach der WM 2022 in Katar sein Nationalmannschafts-Kapitel geschlossen. Der Muster-Fall ist immer derselbe: Ein Spieler auf dem Zenit der internationalen Karriere entscheidet, dass ein weiterer Zyklus die Bilanz nicht verbessern, sondern nur das Risiko erhoehen wuerde.

Das Tattoo-Versprechen an de la Fuente

Zum bedingten Ruecktritts-Anruf am Montag wuerde eine zweite Verpflichtung dazutreten: das Tattoo-Versprechen. Cucurella hatte vor Turnier-Beginn im Rahmen einer Trainings-Runde des spanischen Verbandes RFEF im Mai 2026 angekuendigt, sich im Titelfall das Gesicht von Bundestrainer Luis de la Fuente stechen zu lassen. In spanischen Sport-Medien wurde das damals als scherzhaftes Locker-Zimmer-Angebot behandelt.

Der portraitistisch beschriebene 64-jaehrige Trainer, der auf der Freitags-PK in Manhattan seine eigene Nervositaet mit dem Helikopter-Vergleich thematisiert hat, waere nach einem Sonntagabend im MetLife somit doppelt ausgezeichnet: mit dem WM-Pokal in der Hand und dem eigenen Portrait auf der Haut eines seiner Stammspieler.

Cucurellas Rolle in der spanischen Finale-Aufstellung

Cucurella ist unter de la Fuente gesetzter Linksverteidiger. Er hat alle sechs bisherigen WM-2026-Partien der Spanier ueber die volle Distanz oder mit spaeter Auswechslung bestritten - die drei Gruppenspiele gegen Kap Verde, Katar und Kolumbien, das Sechzehntelfinale, das Achtelfinale gegen Portugal mit Cristiano Ronaldos Abschieds-Turnier, das Viertelfinale sowie das 2:0 im Halbfinale gegen Frankreich in Dallas.

Im 4-3-3-System der Roja bildet er die linke Absicherung hinter Lamine Yamals gegenueberliegender Rechtsangriffs-Achse. In der Aufbauphase laeuft er weit vor. Das Muster wurde im Halbfinale gegen Frankreich sichtbar: Pedro Porros Tor aus dem rechten Halbraum in der 58. Minute entstand aus der spiegelbildlichen Ueberladung, waehrend Cucurella die linke Aussenlast trug und Nico Williams und Fabian Ruiz vor sich hatte.

Die Frage nach der Finale-Belastung stellt sich fuer ihn nicht mit derselben Dringlichkeit wie fuer Yamal und Porro, die am Donnerstag individuell trainiert hatten. Cucurella hat in New York normal trainiert. Am Samstagabend wurde das oeffentliche Abschlusstraining der Roja wegen eines schweren Gewitters ueber dem Trainingsquartier kurzfristig abgesagt - eine Wetter-Entscheidung, die alle spanischen Spieler gleichermassen betrifft.

Die Nachfolge-Frage: wer wuerde Cucurella ablosen

Die naheliegenden Nachfolge-Kandidaten fuer die linke spanische Aussenposition sind Alejandro Balde vom FC Barcelona und Alex Grimaldo von Bayer Leverkusen. Balde, geboren am 18. Oktober 2003 in Barcelona, ist der Erbe der Barca-eigenen Linksverteidiger-Rolle und hatte bei der EM 2024 wegen einer Muskelverletzung passen muessen. Er ist mit 22 Jahren am Ende der WM 2026 der junge Kandidat.

Alex Grimaldo hat mit Leverkusen die Bundesliga-Saison 2023/24 unter Xabi Alonso im Sonderjahr des Bayer-Meisters bestritten und war in der abgelaufenen Saison 2025/26 wieder Stammspieler an der Aussenposition. Mit 30 Jahren ist er der aeltere Kandidat. Miguel Gutierrez von Girona kaeme fuer die Nations-League-Runde im September 2026 als dritter Anwaerter hinzu.

De la Fuente hat am Samstag keinen Nachfolger nominiert. Die Cucurella-Ruecktritts-Meldung ist erst am spaeten Nachmittag Ortszeit New York eingegangen und im spanischen Verbands-Umfeld noch nicht offiziell kommentiert. Der erste offizielle Kommentar duerfte fruehestens am Sonntag im Rahmen der spanischen Match-Day-Kommunikation kommen - oder am Montag, wenn Cucurellas angekuendigter Anruf beim Bundestrainer entweder eintrifft oder ausbleibt.

Der Kontext: eine WM-Woche voller Spanien-Meldungen

Cucurellas Ruecktritts-Ankuendigung fuegt sich in eine Woche voller spanischer Vor-Finale-Meldungen. Am Donnerstag verpassten Yamal und Pedro Porro das Team-Training und arbeiteten in einer individuellen Einheit. Am Freitag portraitierte die spanische Presse Bundestrainer de la Fuente und dessen Helikopter-Vergleich zur eigenen Nervositaet. Am Freitagabend gab die spanische Presse den Vergleich der aktuellen Elf mit der goldenen Generation um Xavi und Iniesta 2010 heraus. Am Samstagvormittag reiste Koenigsfamilie Felipe VI, Letizia, Leonor und Sofia mit Ministerpraesident Sanchez in Richtung MetLife.

Was jetzt fehlt, ist der Sonntagabend. Wenn Spanien um 21:00 Uhr MESZ in East Rutherford das Endspiel gegen Argentinien gewinnt, wird die deutsche Sport-Redaktion am Montagmorgen neben allen anderen spanischen Schlagzeilen eine Ergaenzung liefern muessen: ob Cucurellas Anruf beim Bundestrainer tatsaechlich eingetroffen ist - und ob das Tattoo-Studio in Barcelona oder in Madrid schon einen Termin freigehalten hat.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026