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DFB-Team

DFB-Team gegen die Elfenbeinkueste: Was 2009 in Gelsenkirchen geschah und was die WM-Statistik ueber das zweite Spiel sagt

Vor dem zweiten WM-Gruppenspiel der DFB-Elf am 20. Juni 2026 in Toronto: das einzige Vorduell mit Elfenbeinkueste 2009 (2:2, Trauerflor fuer Robert Enke, Poldi-Doppelpack) und was die Statistik ueber Deutschlands zweites WM-Spiel sagt.

Von Lukas Brandt 19. Juni 2026

Manuel Neuer am 14. Juni 2026 in Houston: 17 Jahre nach dem Trauerflor-Spiel von Gelsenkirchen trifft er mit der DFB-Elf am 20. Juni in Toronto wieder auf die Elfenbeinkueste (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es gibt Datums-Zufaelle, die nicht zufaellig wirken. Das DFB-Team spielt am Samstag, 20. Juni 2026, um 22:00 Uhr MESZ im BMO Field in Toronto sein zweites Gruppenspiel bei der WM 2026 - und der Gegner heisst Elfenbeinkueste. Beide Mannschaften haben sich bisher genau einmal in der Vergangenheit getroffen, am 18. November 2009 in Gelsenkirchen, und der Anlass des Spiels war kein sportlicher. Es war das erste DFB-Test-Spiel acht Tage nach dem Tod des Nationaltorwarts Robert Enke. Das Stueck rollt das Trauerflor-Spiel von Gelsenkirchen aus der Sicht von 2026 noch einmal auf und legt darueber die WM-Statistik des zweiten Gruppenspiels - die in der Reportage der Sportschau am 19. Juni mit zwei beruhigenden Vorzeichen verbunden ist: 1974 und 1990.

18. November 2009 - das Trauerflor-Spiel acht Tage nach Robert Enkes Tod

Acht Tage. So kurz war der Abstand zwischen dem Tod Robert Enkes am 10. November 2009 und dem Anpfiff in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Bundestrainer Joachim Loew und sein Stab hatten die ursprueglich auf den Test-Charakter ausgerichtete Spielserie - Chile am 14. Oktober, Elfenbeinkueste am 18. November - nach dem Suizid Enkes neu gerahmt. Das Spiel gegen die Ivorer wurde nicht abgesagt, aber es wurde umgewidmet: zur oeffentlichen Trauerbekundung der Mannschaft. Vor dem Anpfiff lief ein kurzer Film, der die Karriere des Hannover-Torwarts skizzierte; auf der DFB-Bank lag ein symbolisches Enke-Trikot mit der Rueckennummer 1, das die Mannschaft ueber 90 Minuten dort liegen liess. Die Spieler trugen Trauerflor. Im deutschen Tor stand der damals 23-jaehrige Manuel Neuer, der erst sechs Monate zuvor sein DFB-Debuet gegeben hatte und sich seit Enkes Tod in einer ungeplant beschleunigten Phase seiner Karriere wiederfand. Wer am Mittwoch im Sportschau-Video “Neuer und die Elfenbeinkueste - ein Kreis schliesst sich” das Material aus Gelsenkirchen noch einmal sah, sah einen jungen Torhueter, dem die Zaesur ins Gesicht geschrieben war.

Podolski-Doppelpack und Neuers Schussunglueck - die Tor-Chronologie des 2:2

Sportlich war das Spiel eine Reibung zwischen Trauerstimmung und Test-Rhythmus. Die DFB-Elf ging frueh durch einen Foul-Elfmeter in Fuehrung, den Lukas Podolski verwandelte. Die Elfenbeinkueste kam langsam ins Spiel, glich in der 57. Minute durch Emmanuel Eboue aus - der Ball stoerte sich nach einem unsauberen Befreiungsversuch Manuel Neuers in den Strafraum zurueck, und der Arsenal-Aussenverteidiger nahm das Geschenk an. Es war Neuers erstes prominentes Schussunglueck im DFB-Trikot, und es passte schmerzhaft genau ins Trauer-Setting des Abends. Seydou Doumbia brachte die Ivorer kurz darauf sogar in Fuehrung, ehe Podolski in der 90. Minute zum 2:2-Endstand traf und damit das einzige Vorduell beider Mannschaften ausglich.

Loews Erklaerung danach - “Es war nicht leicht, die Fussballschuhe wieder zu schnueren”

Joachim Loew hatte die Pressekonferenz nach dem Spiel kurz gehalten. Den Satz, der haengen blieb, sprach er in den Hauptmikrofonen: “Es war nicht leicht, die Fussballschuhe wieder zu schnueren. Aber wir haben eine engagierte Leistung mit sehr guten Phasen gezeigt.” Es war keine Spielanalyse, sondern eine DFB-interne Standortbestimmung. Der heutige Lesart, 16 Jahre und mehrere Trainer-Generationen spaeter, ist das 2:2 in Gelsenkirchen weniger ein Resultat, sondern eine Markierung: der Moment, in dem die Mannschaft das erste Mal wieder in die Oeffentlichkeit trat, nachdem die Trauer privat geworden war.

Vor Toronto am Samstag - die WM-Statistik des zweiten Spiels nach gewonnenem Auftakt

Auf der Sachebene ist das Spiel am Samstag eine andere Aufgabe. Die DFB-Elf hat am 14. Juni 2026 in Houston mit dem 7:1 gegen Curacao den zwoelften WM-Auftakt-Sieg in Folge eingefahren, und in der Sportschau-Reportage am 19. Juni hat die WM-Statistik einen praezisen Schatten ueber das zweite Spiel gelegt. Nur in vier dieser zwoelf Faelle hat die DFB-Elf das zweite Gruppenspiel direkt im Anschluss auch gewonnen. Das ist eine Quote von einem Drittel. Die anderen Auftaktsieg-Turniere haben oft ein Remis oder eine knappe Niederlage im zweiten Spiel gesehen - Beispiele dafuer waren etwa die Spiele gegen die USA 2002 (1:1 in Cheonan), gegen Serbien 2010 (0:1 in Port Elizabeth) oder gegen Mexiko 2018 (0:1 in Moskau, das Vorrunden-Aus). Wer die statistische Lesart sucht, sieht das zweite Spiel als das fragilste der Gruppenphase, nicht das erste.

1974 und 1990 - die zwei Faelle, in denen Deutschland am Ende den Titel holte

Dazu setzt die Sportschau-Reportage eine zweite, beruhigende Zahl. Zwei der vier direkten Doppel-Siege wurden zu Weltmeisterschaft-Triumphen. Bei der WM 1974 im eigenen Land schlug die DFB-Elf zunaechst Chile (1:0) und Australien (3:0), bevor die DDR im letzten Gruppenspiel kurzzeitig fuer das Hamburg-Trauma sorgte - aus der Zwischenrunde aber kam die Mannschaft so heraus, dass am 7. Juli im Olympiastadion Muenchen Franz Beckenbauer den Pokal stemmte. Bei der WM 1990 in Italien war das Muster noch klarer: 4:1 gegen Jugoslawien, 5:1 gegen die VAE, 1:1 gegen Kolumbien als ungefaehrlicher Gruppenabschluss, dann durch die K.-o.-Phase, am 8. Juli das 1:0 im Olympiastadion Rom gegen Argentinien. Andreas Brehme Elfmeter, Lothar Matthaeus als Kapitaen, Franz Beckenbauer als Trainer mit Goldjacke. Beide Turniere hatten gemeinsam, dass die DFB-Elf das zweite Gruppenspiel direkt mitgewonnen hatte - und beide Turniere endeten im Titel.

Was das fuer das Samstag-Spiel in Toronto bedeutet

Der nuechterne Blick lautet: keine Erfolgs-Garantie aus Statistik. Die DFB-Elf hat in den anderen acht Faellen ohne zweiten Sieg trotzdem oft die K.-o.-Runde erreicht; und die DFB-Elf hat in den vier Faellen mit zweitem Sieg nicht immer den Titel geholt (1934, 1958, 1970 sind die nicht-vergoldeten Doppelsieg-Auftakte). Der mathematisch wahrscheinliche Ausgang am Samstag ist ein knappes 2:0 oder ein 2:1 mit Drei-Punkte-Ausbeute, der historisch sympathische ein Doppelsieg auf 1974-und-1990-Linie. Was beide Lesarten teilen, ist die Lesart, die Julian Nagelsmann auf der Mittwochs-PK in Winston-Salem schon ausgegeben hatte: dass das zweite Spiel nicht als Pflicht-Aufgabe nach dem 7:1 abgehakt werden darf, sondern als die WM-typische Stunde der Wahrheit gespielt werden muss. Schiedsrichter Juan Gabriel Benitez aus Paraguay ist von der FIFA als linientreuer Pfeifer angesetzt; die Aufstellung wird Nagelsmann erst nach dem Abschluss-Training am Freitag freigeben. Wer 17 Jahre zurueck nach Gelsenkirchen blickt und 36 Jahre auf das WM-1990-Finale in Rom, sieht den Roten Faden, der das DFB-Spiel in Toronto am Samstag rahmt: die Mannschaft, die das zweite Spiel ernst nimmt, ist die Mannschaft, die im Titel-Tunnel angekommen ist.

Mehr Material zum Hintergrund liefern die Pillar-Seiten zum DFB-Team bei der WM 2026, zur Elfenbeinkueste bei der WM 2026 und zur Gruppe E sowie zum Spielort BMO Field in Toronto. Aus dem laufenden DFB-Lager: Manuel Neuers Karriere-Ansage in Winston-Salem und Antonio Ruedigers neue Anfuehrer-Rolle auf der Bank. Zur historischen Lesart der Statistik passen die WM 1974 und die WM 1990 als Kontext, in denen aus dem Doppel-Auftakt am Ende der Pokal wurde.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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