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DFB-Team

Fanproteste gegen den VAR: Aktive Fanszenen nutzen die DFB-Pokal-Erstrunde als Buehne

Kicker meldet Fanproteste in der DFB-Pokal-Erstrunde 21.-24.08.2026: Ultras fordern die Abschaffung des VAR - direkte Antwort auf die WM-2026-Regel-Debatten.

Von Lukas Brandt 20. August 2026

Signal Iduna Park, 2. Dezember 2025: Die BVB-Suedtribuene mit einer Protest-Choreografie im DFB-Pokal-Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen. Genau diese Buehne der 74.500-Plaetze-Kurve wollen die organisierten Fanszenen der Bundesliga in der Erstrunde 2026/27 fuer eine Kampagne zur Abschaffung des VAR nutzen (Foto: Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Zwei Tage vor dem Auftakt der DFB-Pokal-Erstrunde 2026/27 mit dem Freitagabend-Spiel Hansa Rostock gegen den VfB Stuttgart am 21. August 2026 meldet der kicker am Donnerstagvormittag umfangreiche Protestaktionen der organisierten Fan-Szenen. Ziel: die Abschaffung des Videobeweises. Die Aktion trifft ins Auge, weil in der Erstrunde des DFB-Pokals traditionell kein VAR eingesetzt wird - genau diese VAR-freie Buehne wollen die Kurven fuer den Kontrast zur Bundesliga und zur WM-2026-Regel-Praxis nutzen. Es ist die erste konzertierte Fan-Antwort auf die dichte Serie von VAR-Kontroversen des Sommer-Turniers.

Das kicker-Signal - was heute konkret gemeldet wurde

Der kicker meldete am Donnerstag, 20. August 2026 gegen 09:15 Uhr MESZ auf der Startseite unter dem Titel ,,Anstehende Fanproteste im DFB-Pokal fordern die Abschaffung des VAR”. Konkret genannt werden groessere Protestaktionen in der ersten Runde, deren zentrale Forderung die Abschaffung des Videobeweises ist. Der Zeitpunkt ist bewusst gewaehlt: In der 1. Runde des DFB-Pokals kommt der VAR aus Kapazitaets- und Kostengruenden nicht zum Einsatz - viele der 32 Partien werden auf Regionalliga- oder Drittliga-Plaetzen ausgetragen, in denen die VAR-Infrastruktur nicht vorhanden ist und ein Fahrbetrieb per Uebertragungs-Wagen die Grenze des Wirtschaftlichen ueberschreiten wuerde. Die organisierten Fan-Szenen nutzen genau dieses Fenster, um in einem faktisch VAR-freien Wochenende die eigene Grundsatz-Position sichtbar zu machen.

Konkrete Bandtexte, Choreografie-Motive oder eine gemeinsame Sprecher-Struktur nennt der kicker nicht - was der bisherigen Fan-Kommunikations-Praxis entspricht. Die aktiven Szenen kuendigen Aktionen dieser Groessenordnung selten oeffentlich mit Detail an, um die Ueberraschungs-Wirkung im Stadion nicht zu untergraben. Verwaltungs-Vorbereitungen (Materialien in die Kurve bringen, Pyro-Absprachen mit Ordnern, gemeinsame Sprech-Choere) laufen in geschlossenen Kanaelen. Der kicker-Bericht ist damit als Vorwarn-Signal an DFB, Klubs und Sicherheitsbehoerden zu lesen, nicht als abschliessende Protokollierung.

Warum die Erstrunde die perfekte Buehne ist - der VAR ist hier gar nicht am Netz

Der taktische Kernbefund liegt bei der Infrastruktur. Der VAR wird im DFB-Pokal erst ab dem Achtelfinale flaechig eingesetzt (mit Ausnahmen der beiden bereits VAR-faehig ausgestatteten Bundesliga-Stadien in der Erstrunde nach Kirschers Anordnung vom Vorjahr fuer ausgewaehlte Testspiele). In den 30 Erstrunden-Partien vom 21. bis 24. August 2026 greift der VAR damit nicht ein. Fuer die Fanszenen ist das ein doppelter Hebel: Erstens erlebt das Publikum ein Spiel ohne VAR-Unterbrechungen, ohne die von den Kurven kritisierten Video-Ansagen und ohne die als ,,Emotions-Killer” beklagten Torjubel-Pausen. Zweitens laesst sich in diesem Rahmen die Forderung ,,Abschaffung des VAR” als konkrete Erfahrung zeigen statt als abstrakte Position vertreten.

Der Effekt wird in der Berichterstattung noch verstaerkt: Weil ohnehin keine VAR-Entscheidungen zu erwarten sind, richten die TV-Sender ihre Kameras staerker auf Kurven- und Stimmungs-Aufnahmen. Fuer ARD, ZDF und RTL, die insgesamt sechs Erstrunden-Partien live uebertragen, ergibt sich ein groesseres Publikum fuer die Banner und Choreografien als bei einem regulaeren Bundesliga-Spieltag. Die Rechnung der organisierten Fan-Szenen: maximale Reichweite bei minimalem Kollateral-Risiko fuer den eigenen Klub (VAR-Aberkennungen des eigenen Tors sind unmoeglich, wenn kein VAR laeuft).

Die WM-2026-Vor-Geschichte - sechs Kontroversen in 32 Turnier-Tagen

Der zeitliche Motor der Kampagne liegt in der WM 2026. Zwischen dem Eroeffnungsspiel am 11. Juni und dem Endspiel am 19. Juli in East Rutherford dokumentierten Fans und Medien eine bislang beispiellose Serie von VAR-Kontroversen bei einem FIFA-Turnier. Sechs Faelle liefen sich in unterschiedlichen Konfederations-Konstellationen zusammen und formten in den Wochen nach dem Turnier den Kern-Narrativ der Fan-Kritik:

  • Deutschland gegen Paraguay (29.06., Foxborough): Jonathan Tahs Kopfball-Treffer in der 102. Minute des Sechzehntelfinales wird von Schiedsrichter Jalal Jayed nach VAR-Ruecksprache mit Tatiana Guzman aberkannt. Die DFB-Regelschulung stellt am 18. August 2026 fest: In der Bundesliga waere das Tor gegeben worden.
  • Schweiz gegen Katar (Vorrunde): Die FIFA raeumt nachtraeglich eine VAR-Grafik-Panne im Elfmeter-Bild ein, das die Schweiz um einen berechtigten Elfmeter bringt.
  • Belgien gegen die USA (R32): Folarin Baloguns Ausschluss wird durch die FIFA-Berufungskommission aufgehoben - Wagner nennt das ,,vertrauensschaedigend”.
  • Schweiz-Kontext (mehrere Spiele): Breel Embolos Rot durch die Spielerverwechslungs-Regel wird korrigiert - Wagner: ,,Man hat es sich ein bisschen so hingelegt, wie man es nachher auch gebraucht hat.”
  • Argentinien gegen Aegypten (R16): Aegypten protestiert nach dem Schiri-Duo Letexier/Guzman formell, Collina antwortet oeffentlich.
  • Frankreich gegen Marokko (HF): Marokko beklagt protokollarisch die Annullierung einer gelben Karte gegen Michael Olise durch die FIFA.

Dazu kommen die neuen Ansagen der Schiedsrichter im Stadion, die von FIFA und DFB als Transparenz-Fortschritt gefeiert, von den aktiven Fan-Szenen aber weitgehend als ueberfluessige Inszenierung abgelehnt werden - eine HSV-Kurve zeigte in der Vorsaison das Banner ,,Shit VAR - Ende der Durchsage”. Die Dichte dieser sechs plus X Faelle in 32 Turnier-Tagen ist der Grund, warum die Kampagne jetzt und nicht erst zur Winter-Erstrunde 2027 startet.

Der Pokalfinale-2026-Vorlaeufer - Bayern und Stuttgart gemeinsam gegen den DFB

Die Erstrunden-Kampagne 2026/27 hat einen direkten Vorlaeufer in einer ebenfalls kurvenuebergreifenden Aktion. Beim DFB-Pokalfinale am 23. Mai 2026 in Berlin, das der FC Bayern mit einem Kane-Hattrick 3:1 gegen den VfB Stuttgart gewann, choreografierten die aktiven Fanszenen von Bayern (Schickeria) und Stuttgart (Commando Cannstatt) erstmals seit Jahren eine gemeinsame Protestaktion gegen den DFB. Ein grosses Spruchband mit einem durchgestrichenen DFB-Emblem wurde durch den unteren Rang des Olympiastadions gezogen; dazu gab es massige Pyrotechnik in beiden Kurven und Banner zu verschiedenen fanpolitischen Themen. Die berichteten Motive waren Kollektivstrafen-Kritik, Kompass-Modell fuer Regionalligen und die Kickoff-Zeiten-Politik des DFB.

Die VAR-Kritik war dort noch nicht das zentrale Motiv. Sie tritt erst mit der WM 2026 (11.06.-19.07.), der Wagner-Bilanz vom 14. Juli 2026, der Erstrunden-Konjunktur der VAR-freien Buehne und der Regelschulungs-Klarstellung vom 18. August 2026 in den Vordergrund. Damit fuegen sich die angekuendigten Erstrunden-Proteste in ein Protest-Kontinuum ein, das von Berlin-24.05.2026 direkt in die Erstrunde 21.-24.08.2026 fuehrt und den Rahmen der Bundesliga-Saison 2026/27 setzt.

Was DFB-Schiri-GmbH und DFL sagen - Drees, Kircher und die UEFA-Linie

Die Abschaffungsforderung wird von den zustaendigen Verbaenden nicht geteilt. DFB-Schiri-GmbH-Chef Knut Kircher hat im Juni 2026 einen neuen Vier-Jahres-Vertrag bis 2030 unterschrieben und traegt damit die Auslegungs-Hoheit fuer die Bundesliga-Saisons bis 2029/30. Zur VAR-Ansagen-Test-Phase 2024/25 hatte er das Statement geliefert, das transparente Erklaeren einer Elfmeter-Ruecknahme im Stadion habe ,,echten Mehrwert”.

DFB-VAR-Chef Jochen Drees hat im Rahmen der neuen Saison 2026/27 die Marschrichtung formuliert, der Video-Assistent solle - wie es die UEFA in Champions League und Europa League vorlebt - staerker ,,im Hintergrund” bleiben. Das ist die Klarstellung, was der DFB nicht will: eine Abschaffung. Was er will: eine sparsame Anwendung mit klarer ,,Clear-Line”-Grenze bei Fehl-Entscheidungen, wie sie UEFA-Schiri-Chef Roberto Rosetti angekuendigt hat.

Die inhaltliche Distanz zur FIFA-WM-Auslegung hat der DFB mit der Regelschulung vom 18. August 2026 dokumentiert: Das aberkannte Tah-Tor gegen Paraguay waere in der Bundesliga gegeben worden. Zusammen mit den drei am 7. August 2026 benannten Nicht-Uebernahmen (VAR nicht bei Ecken, Mund-Verdecken bleibt Gelb, Verlassen des Spielfelds bleibt Gelb) ergibt sich ein konsistentes Bild: Die Bundesliga will UEFA-naeher werden, nicht FIFA-naeher - aber nicht VAR-frei.

Die Termine - wo Proteste konkret zu erwarten sind

Von den 30 zwischen 21. und 24. August 2026 gespielten Erstrunden-Partien sind mehrere Termine als besonders wahrscheinliche Protest-Buehnen einzuordnen:

  • Fr, 21.08., 20:45, ZDF: FC Hansa Rostock - VfB Stuttgart. Das Freitag-Abend-Spiel im Ostseestadion trifft mit der Hansa-Suedkurve und den Cannstatter Kurve-Auswaerts-Faehrten zwei der reisefreudigsten organisierten Fanszenen. Als ZDF-Live-Termin (Anpfiff 20:45 in der Prime Time) mit erwartungsgemaesser hoher Einschaltquote der TV-guenstigste Werbe-Slot fuer die Kampagne.
  • Sa, 22.08., 13:00, Sky: SV Wehen Wiesbaden - Bayer 04 Leverkusen. Die Nordkurve Leverkusens (Ultras Leverkusen) reist mit hohen Auswaerts-Zahlen an - ein Klub, dessen internes Klima im Post-WM-Sommer stark politisiert ist.
  • Sa, 22.08., 15:30, Sky: SG Sonnenhof Grossaspach - Arminia Bielefeld. Bielefelder Fans sind traditionell trage grosser DFB-kritischer Aktionen; die Sonnenhof-Kulisse (Rasenspielverein-Charme) verstaerkt den Kontrast.
  • Sa, 22.08., 18:00, Sky: Eintracht Trier - RB Leipzig. Die traditionell rege Trierer Kurve wird auf einen Klub treffen, dessen Auswaerts-Fangruppe zwar klein, dessen Protest-Bemerkbarkeit im Trierer Moselstadion aber sehr hoch waere.
  • Mo, 24.08., 20:15, ARD: Hallescher FC - FC Schalke 04. Der ARD-Live-Slot am Ende der Erstrunden-Woche traegt gleich zwei Traditionsverein-Kurven mit hoher Protest-Bereitschaft: die Halloren-Ostkurve und die Schalker Nordkurve als Auswaerts-Block.

Fuer die Bayern-Suedkurve in Osnabrueck (Mi, 02.09., 20:45, ARD) und die BVB-Suedtribuene bei HEBC Hamburg (Di, 01.09., 20:45, RTL) folgt die klassische Nachtrag-Wave - beide Klubs haben aufgrund des Franz-Beckenbauer-Supercup am 22. August ihre Erstrunden-Partien in den September verschoben. Die Suedtribuene des Signal Iduna Park mit 74.500 Stehplaetzen bleibt allerdings zu Hause - der BVB-Auftritt in Hamburg ist ein Auswaerts-Block-Format ohne Suedtribuenen-Choreo-Kapazitaet.

Ausblick - was die Erstrunden-Proteste fuer die Bundesliga-Saison bedeuten

Die entscheidende Frage der naechsten sechs Wochen ist, ob die Erstrunden-Protest-Welle in die Bundesliga-Saison 2026/27 fortgesetzt wird. Der 1. Bundesliga-Spieltag startet am 28. August 2026 (Freitag Bayern-Stuttgart in Muenchen, Samstag mehrere Partien, Sonntag zwei Spiele). Die Erstrunden-Kampagne wird damit direkt in den Bundesliga-Alltag ueberfuehrt, in dem der VAR wieder greift - und in dem die Fans in den ersten VAR-Entscheidungen sofort mit den Protest-Slogans der Vor-Woche antworten koennen.

Fuer die DFB-Schiri-GmbH und die DFL entsteht daraus ein Kommunikations-Druck. Kircher hat die UEFA-Linie ausgegeben, Drees hat die Hintergrund-Formel gepraegt - beide werden in den ersten drei Bundesliga-Spieltagen an konkreten Video-Entscheidungen gemessen werden. Auch die Klub-Praesidenten, die traditionell nicht auf Fan-Seite kommunizieren, geraten unter Druck, sich zu positionieren - insbesondere die Vereine, deren Kurven aktiv Kampagnen tragen (FC Bayern, BVB, Union Berlin, FC Schalke, Hamburger SV, Hansa Rostock).

Die Erstrunden-Proteste sind damit weniger ein isoliertes Wochenende-Ereignis als das oeffentliche Startsignal einer laengeren Fan-Kampagne, deren Reichweite von der Bereitschaft der DFB-Schiri-GmbH abhaengt, die UEFA-Linie tatsaechlich sichtbar auf dem Bundesliga-Rasen zu vollziehen. Fuer den DFB-Bundestrainer Juergen Klopp, der die Bundesliga-Formkurve als Nominierungs-Basis fuer die Nations-League-Doppel-Termin-Woche Ende September nutzen will, ist damit ein zusaetzliches, medienpolitisch aufgeladenes Neben-Thema entstanden - das an den Rand jeder Post-Match-PK der ersten drei Bundesliga-Spieltage der neuen Saison ruecken wird.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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