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WM-Geschichte

Die dramatischsten WM-Finals der Geschichte

Wunder von Bern, Wembley-Tor, Zidanes Kopfstoß, Götzes Schuss, Messi gegen Mbappé: die dramatischsten WM-Finals der Geschichte - fünf Endspiele, die der Fußball nie vergisst.

Von Nina Hartmann 02. Mai 2026

Ein WM-Finale ist kein Spiel wie jedes andere. 90 Minuten - manchmal 120, manchmal das Elfmeterschießen - entscheiden über vier Jahre Erinnerung. Manche dieser Endspiele waren technisch brillant, andere zäh, einige schmutzig. Aber ein paar von ihnen hatten dieses eine zusätzliche Element: Dramatik, die über das Sportliche hinausgeht. Hier sind fünf WM-Finals, an denen sich generationenübergreifend Geschichten festmachen.

1. 1954, Bern: Das Wunder gegen die Unbesiegbaren

Ungarn galt 1954 als unschlagbar. Die “Goldene Elf” um Ferenc Puskás, Sándor Kocsis und Nándor Hidegkuti war seit Jahren ungeschlagen, hatte England zweimal demontiert und in der Gruppenphase Deutschland 8:3 weggefegt. Im Finale von Bern führte Ungarn nach acht Minuten 2:0. Es schien gelaufen.

Dann kam der Regen, kam Helmut Rahn, kamen die ausgewechselten Stollen von Adi Dassler - und kam die wohl berühmteste Aufholjagd der deutschen Sportgeschichte. Max Morlock und Rahn glichen aus, ehe Rahn in der 84. Minute “aus dem Hintergrund” zum 3:2 traf. Deutschland war zum ersten Mal Weltmeister, ein zerstörtes Land hatte plötzlich wieder etwas, an dem es sich aufrichten konnte. Topscorer des Turniers wurde übrigens der unterlegene Kocsis mit elf Toren. Mehr zu diesem Turnier und seiner Wirkung steht auf der Seite zur WM 1954 in der Schweiz.

2. 1966, Wembley: Das Tor, über das bis heute gestritten wird

Englands einziger WM-Titel hat einen Schönheitsfehler, an dem sich Deutsche und Engländer seit fast sechzig Jahren reiben. Im Finale gegen Deutschland stand es nach 90 Minuten 2:2 - Wolfgang Webers später Ausgleich rettete die DFB-Elf in die Verlängerung. Dort schoss Geoff Hurst in der 101. Minute aus der Drehung an die Unterkante der Latte, der Ball sprang auf die Linie - oder dahinter. Der sowjetische Linienrichter Tofik Bachramow gab das Tor, das als “Wembley-Tor” Eingang in die Fußball-Folklore fand. Hurst legte in der Schlussminute noch das 4:2 nach und ist bis heute der einzige Spieler mit einem Hattrick in einem WM-Finale.

England feierte, Deutschland haderte - und gleichzeitig betrat mit “World Cup Willie” das erste WM-Maskottchen die Bühne. Die ganze Geschichte dieses Turniers gibt es unter WM 1966 in England.

3. 1994, Pasadena: Das erste Finale, das ein Schütze verlor

Italien gegen Brasilien im Rose Bowl, brütende Hitze in Kalifornien, ein müdes 0:0 nach 120 Minuten - und dann das, was die FIFA bis dahin vermieden hatte: ein WM-Finale im Elfmeterschießen. Beide Mannschaften hatten ein Turnier in den Beinen, in dem die USA endgültig vom Fußball erfasst worden waren, in dem Diego Maradona des Dopings überführt wurde und in dem Bulgarien überraschend ins Halbfinale stürmte.

Im Showdown verschoss Roberto Baggio, der “Göttliche Zopf”, der Italien fast im Alleingang ins Endspiel geschossen hatte - sein Ball segelte über die Latte. Brasilien war zum vierten Mal Weltmeister, das Bild des gesenkten Baggio ging um die Welt. Der Modus, der heute selbstverständlich erscheint, hatte seine Feuertaufe bestanden. Details zu diesem Turnier in den USA: WM 1994.

4. 2006, Berlin: Zidanes Abgang und Italiens vierter Stern

Das “Sommermärchen” in Deutschland endete mit einem Endspiel, das eine der bizarrsten Szenen der WM-Geschichte hervorbrachte. Frankreich gegen Italien im Berliner Olympiastadion, Zinédine Zidane verwandelte früh einen frechen “Panenka”-Elfmeter, Marco Materazzi glich per Kopf aus. In der Verlängerung dann der Moment, der in keinem Rückblick fehlen darf: Zidane, der nach einem Wortgefecht Materazzi den Kopf in die Brust rammte, Rote Karte, und so verschwand der vielleicht größte Spielmacher seiner Generation für immer vom Platz - ausgerechnet im letzten Spiel seiner Karriere.

Ohne Zidane verloren die Franzosen im Elfmeterschießen, Italien holte den vierten Titel, und der deutsche Gastgeber durfte sich über Platz drei freuen. Das ganze Turnier - und warum Miroslav Klose hier den Grundstein für seinen späteren WM-Torrekord legte - steht unter WM 2006 in Deutschland.

5. 2014, Rio: Götzes Tor in der 113. Minute

Deutschland war 2014 mit dem 7:1 gegen Gastgeber Brasilien schon vor dem Finale in die Geschichtsbücher gestürmt. Im Maracanã wartete Argentinien um Lionel Messi - und es wurde ein zähes, hochnervöses Endspiel ohne Treffer in 90 Minuten. Gonzalo Higuaín vergab freistehend, auch Messi scheiterte. Dann, in der 113. Minute, die Szene, die jeder kennt: André Schürrles Flanke von links, Mario Götzes Brustannahme, der Linksschuss ins lange Eck. 1:0. Deutschland war zum vierten Mal Weltmeister, der erste europäische Titel auf amerikanischem Boden.

James Rodríguez aus Kolumbien wurde mit sechs Toren Torschützenkönig, aber das Bild des Turniers lieferte Götze. Wer den ganzen Weg dieser DFB-Mannschaft nachlesen will: WM 2014 in Brasilien. Wie Argentinien acht Jahre später Revanche nahm - und warum das Finale von 2022 gegen Frankreich (3:3, 4:2 i. E., Messi gegen Mbappé) von vielen als das beste aller Zeiten gilt - haben wir unter WM 2022 in Katar festgehalten.

Warum diese fünf - und wo das alles hinführt

Man könnte streiten: Wo bleibt 1970 (Brasiliens Galavorstellung gegen Italien), wo 1986 (Maradonas Krönung gegen Deutschland), wo 2022, das hier nur gestreift wird? Jede Auswahl ist subjektiv. Was diese fünf eint, ist der Bruch im erwartbaren Verlauf - ein 0:2, das gedreht wird; ein Tor, das vielleicht keins war; ein Schütze, der verliert; ein Held, der mit Rot abgeht; ein Joker, der in der Verlängerung trifft. Genau das macht ein Finale unsterblich.

Alle Endspiele von 1930 bis heute, mit Ergebnis, Torschützenkönig und Bilanz, findest du im Überblick unter WM-Geschichte und in der Liste der WM-Sieger; wie Deutschland in dieser Galerie dasteht, zeigt die ewige WM-Tabelle. Und das nächste mögliche Drama steht schon im Kalender: das Finale der WM 2026 am 19. Juli im MetLife Stadium bei New York.

Häufige Fragen zu den großen WM-Finals

Welches WM-Finale gilt als das dramatischste aller Zeiten? Es gibt mehrere Anwärter: das “Wunder von Bern” 1954 (Deutschland - Ungarn 3:2 nach 0:2-Rückstand), das Götze-Tor 2014 (Deutschland - Argentinien 1:0 n. V.) sowie das WM-Finale 2022 (Argentinien - Frankreich 3:3, 4:2 i. E.), das von vielen als beste WM-Partie überhaupt bezeichnet wird. Eine objektive Reihenfolge gibt es nicht.

Welches WM-Finale wurde erstmals im Elfmeterschießen entschieden? Das WM-Finale 1994 in Pasadena zwischen Brasilien und Italien. Nach 0:0 nach Verlängerung verschoss Roberto Baggio den entscheidenden Elfmeter über die Latte - Brasilien holte den vierten Stern. Mehr unter WM 1994 in den USA.

Wer hat im WM-Finale einen Hattrick erzielt? Bis heute nur Geoff Hurst (England) im Finale 1966 gegen Deutschland. Das umstrittene “Wembley-Tor” zum 3:2 ist Teil seines Hattricks.

Wer ist der WM-Rekordtorschütze aller Zeiten? Miroslav Klose mit 16 WM-Toren (2002 bis 2014). Er löste 2014 Ronaldo (15) ab. Die komplette Liste steht unter Ewige WM-Torjägerliste.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

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