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WM-Geschichte

Ikonische WM-Trikots aller Zeiten: 5 Designs, die der Fußball nicht vergisst

Ikonische WM-Trikots im Rückblick: Brasiliens Kanariengelb 1970, Cruyffs Oranje 1974, der DFB-Adler 1990, Nigerias Wirbel 1994 und Kroatiens Schachbrett 2018.

Von Nina Hartmann 10. Mai 2026

Trikots sind das, was vom Fußball am sichtbarsten bleibt. Spielzüge vergisst man, Tabellen rauschen vorbei, Trainerwechsel sowieso - aber ein Trikot kann ein ganzes Turnier konservieren. Manche Designs schaffen es darüber hinaus, eine Idee von Fußball zu verkörpern: das Holländische 1974, das Brasilianische 1970, der deutsche Adler 1990. Hier sind fünf WM-Trikots, an denen sich Generationen festmachen.

Die fünf Trikots im Überblick

JahrLandHerstellerBezeichnung im Volksmund
1970BrasilienAthleta”Canarinho” - das Kanariengelb
1974Niederlandeadidas”Oranje” mit drei schwarzen Streifen
1990DeutschlandadidasDas Trikot mit dem Schrägbalken
1994Nigeriaadidas”Super Eagles” mit Geometrie
2018KroatienNikeDas klassische Schachbrett

1. 1970, Brasilien: Kanariengelb im Farbfernsehen

Die WM 1970 in Mexiko war die erste, die in großen Teilen Europas in Farbe übertragen wurde - und Brasilien lieferte das Bild, das viele bis heute mit Weltmeisterschaft verbinden. Gelbes Shirt, dunkelblaue Hose, weiße Stutzen mit einem dünnen grün-gelben Streifen oben. Hersteller war der brasilianische Ausstatter Athleta. Pelé, Jairzinho (in jedem Spiel ein Tor), Tostão, Rivelino, Carlos Alberto - eine Mannschaft, die Brasilien zum dritten Mal zum Weltmeister machte und damit den Jules-Rimet-Pokal endgültig in den eigenen Verband holte.

Das Trikot selbst war minimalistisch: ein Stickwappen über der Brust, sonst nichts. Genau diese Einfachheit ist der Grund, warum die Variante heute in der Vintage-Welt ein Vermögen kostet - der Athleta-Look von 1970 ist auch deshalb so begehrt, weil das Stück eine Spielidee transportiert, die der Mannschaft danach nie wieder so leichtfüßig gelang. Brasiliens fünfter Stern fiel erst 32 Jahre später, 2002 in Yokohama. Das Turnier-Porträt: WM 1970 in Mexiko.

2. 1974, Niederlande: Cruyff und die drei Streifen

Es ist die andere Seite der Medaille. Bei der WM 1974 in Deutschland führte Johan Cruyff die Niederlande mit dem “Totaalvoetbal” von Rinus Michels bis ins Finale - und verlor dort gegen Deutschland 1:2. Das Trikot war so klar wie die Spielidee: leuchtendes Orange, runder Kragen, drei schwarze adidas-Streifen über der Schulter. Cruyff selbst trug eine Sonderversion mit nur zwei Streifen, weil er als Puma-Spieler keinen vollen adidas-Auftritt unterschrieben hatte.

Die Botschaft des Trikots war: Wir sind die Mannschaft, die alle Positionen tauschen kann, und ihr seht das. Es ist ein typisches Beispiel dafür, dass auch ein Verlierer-Trikot in Erinnerung bleiben kann, wenn die Idee dahinter trägt. Vier Jahre später erreichten die Niederlande in Argentinien das nächste Finale - und verloren auch dieses. Aber das Orange war geboren. Die Geschichte des Turniers: WM 1974.

3. 1990, Deutschland: der Schrägbalken in Schwarz-Rot-Gold

Wenn Sammler vom “Adler-Trikot” sprechen, meinen sie meistens das DFB-Trikot der WM 1990 in Italien. Auf weißem Stoff verlief ein abstrahierter schwarz-rot-goldener Schrägbalken über der Brust, das DFB-Logo darüber, die adidas-Streifen über den Schultern. Es war das Trikot der “BR Deutschland”-Auswahl - Beckenbauers letzte Mission als Teamchef, Matthäus, Klinsmann, Brehme, Völler. Im Finale von Rom gegen Argentinien verwandelte Andreas Brehme den Foulelfmeter zum 1:0.

Das Design wurde von adidas im klassischen Stil der späten 80er Jahre entworfen und in Variationen schon zur EM 1988 getragen. Es ist heute eines der meistgesuchten Vintage-Trikots des deutschen Fußballs - in Auktionen erzielen Originale aus 1990 vierstellige Beträge. Hintergrund zur Entstehung und zur Ausrüsterverbindung adidas-DFB liefert der Beitrag zum DFB-WM-Trikot und die Geschichte aller vier deutschen WM-Titel.

4. 1994, Nigeria: das Trikot der “Super Eagles”

Bei seiner ersten WM-Teilnahme überhaupt produzierte Nigeria das vielleicht lauteste Trikot des Turniers. Die WM 1994 in den USA markierte für viele afrikanische Teams einen Aufbruch, und die Nigerianer setzten mit einem grün-weißen Trikot mit asymmetrischen Mustern und auffälligen Schulterelementen ein optisches Statement. Hersteller war adidas, das Design folgte einem zeittypischen verspielten Codes mit Mustern und Farbflächen - aber Nigerias Version stach heraus.

Sportlich gewann das Team seine Vorrundengruppe vor Bulgarien, Argentinien und Griechenland, ehe es im Achtelfinale gegen Italien nach Verlängerung 1:2 ausschied. Das Trikot blieb. 24 Jahre später, vor der WM 2018, lieferte Nike eine Neuauflage in ähnlich kühnem Geist - und der Verkauf war innerhalb von Stunden ausverkauft. Wenn man fragt, welches Trikot in den 90ern den Tonfall von Mode und Pop am stärksten getroffen hat, ist Nigerias Garderobe von 1994 immer Teil der Antwort.

5. 2018, Kroatien: das Schachbrett im Finale

Das letzte Stück in dieser Liste kommt aus der jüngeren Vergangenheit. Bei der WM 2018 in Russland zog Kroatien um Luka Modrić, Ivan Rakitić, Mario Mandžukić und Ivan Perišić bis ins Finale ein - und verlor dort gegen Frankreich 2:4. Das Trikot, von Nike entworfen, übernahm das klassische rot-weiße Schachbrettmuster der kroatischen Heraldik in einer pixelartigen Variante über die gesamte Vorderseite. Es war ein Design, das nichts versteckte: Kroatien meinte es ernst.

Das Schachbrett ist seit 1992 fester Bestandteil der kroatischen WM-Garderobe - das Land trat als Nation zum ersten Mal 1998 in Frankreich an, wurde damals direkt Dritter - aber 2018 war es die bekannteste Auflage. Das Team erreichte beim folgenden Turnier in Katar 2022 sogar Platz drei. Für 2026 ist Kroatien wieder qualifiziert; alle aktuellen WM-Trikots im Überblick: WM 2026 Trikots.

Was diese fünf eint - und was am Trikot bleibt

Fünf sehr unterschiedliche Trikots aus fünf verschiedenen Jahrzehnten, von einem brasilianischen Kanariengelb bis zu einer kroatischen Pixelgrafik. Was sie eint, ist mehr als der Stoff: Jedes dieser Trikots transportiert eine Idee von Fußball - die Eleganz der Brasilianer, die Klarheit der Niederländer, das nüchterne Können der Deutschen, die Lust am Bruch der Nigerianer, das identitäre Selbstverständnis der Kroaten. Genau das ist es, was ein WM-Trikot über das Spiel hinaus aufhebt. Wer einen Überblick über die Turniere selbst sucht, findet ihn unter WM-Geschichte; wer wissen will, was DFB und Nike ab 2027 vorhaben, im Beitrag zur Trikot-Ausrüsterumstellung des DFB.

Häufige Fragen zu ikonischen WM-Trikots

Welches ist das berühmteste WM-Trikot aller Zeiten? Eine objektive Reihenfolge gibt es nicht, aber das gelbe Trikot Brasiliens bei der WM 1970 in Mexiko mit Pelé, Jairzinho, Tostão und Rivelino gilt vielen Beobachtern als ikonischste Garderobe der WM-Geschichte. Es war das erste WM-Endspiel im Farbfernsehen.

Wer trug 1974 das orange Trikot der Niederlande? Die Mannschaft um Johan Cruyff im Totaalvoetbal-Stil von Trainer Rinus Michels. Das schlichte Orange mit den drei schwarzen adidas-Streifen wurde zum Symbol einer Spielidee - obwohl die Elftal das Finale 1974 in München gegen Deutschland 1:2 verlor.

Was zeigte das DFB-Trikot bei der WM 1990? Das Heimtrikot war weiß mit einem markanten schwarz-rot-goldenen Schrägbalken über der Brust, einem der prägnantesten DFB-Designs überhaupt. Es ist heute eines der gesuchtesten Vintage-Trikots des deutschen Fußballs.

Warum ist Nigerias Trikot 1994 so legendär? Bei seiner WM-Premiere präsentierte Nigeria ein grün-weißes Trikot mit verspielter Geometrie - ein lauter Bruch mit den nüchternen Designs der Zeit. Die “Super Eagles” erreichten das Achtelfinale, und das Trikot der WM 1994 in den USA wurde im Nachhinein zur Vorlage für die ähnlich gefeierte 2018er Variante.

Welches Trikot trug Kroatien bei der WM 2018? Das klassische rot-weiße Schachbrettmuster - bei der WM 2018 in Russland von Nike interpretiert. Mit diesem Trikot zog die Mannschaft um Luka Modrić ins Finale ein und verlor dort gegen Frankreich 2:4.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

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