Die WM-Maskottchen seit 1966: Von World Cup Willie bis Maple, Zayu & Clutch
Die Geschichte der WM-Maskottchen seit 1966 erzählt: von World Cup Willie und Naranjito über Pique, Goleo und Fuleco bis zu Maple, Zayu und Clutch - mit Design-Kontext zu jeder Figur.
Von Nina Hartmann 09. Mai 2026
Maskottchen sind eine Erfindung des modernen WM-Marketings. Erst die WM 1966 in England brachte mit dem Löwen “World Cup Willie” das erste offizielle Symbol einer Endrunde - seither hatte jedes Turnier mindestens eines, 2026 erstmals gleich drei. Was als naiver Werbecharakter begann, ist heute eine eigene kleine Disziplin: Pfeffer, Adler, Vuvuzela-Leoparden, Roboter und ein menschliches Kopftuch waren schon dabei. Eine chronologische Lesung.
Alle WM-Maskottchen im Überblick
| Jahr | Gastgeber | Maskottchen | Form |
|---|---|---|---|
| 1966 | England | World Cup Willie | Löwe |
| 1970 | Mexiko | Juanito | Junge mit Sombrero |
| 1974 | Deutschland | Tip und Tap | Zwei Jungen in DFB-Trikots |
| 1978 | Argentinien | Gauchito | Junge im Gaucho-Look |
| 1982 | Spanien | Naranjito | Orange |
| 1986 | Mexiko | Pique | Jalapeño-Pfeffer |
| 1990 | Italien | Ciao | Stilisierte Figur in Trikolore |
| 1994 | USA | Striker | Hund |
| 1998 | Frankreich | Footix | Gallischer Hahn |
| 2002 | Südkorea / Japan | Ato, Kaz & Nik | Drei Energie-Figuren |
| 2006 | Deutschland | Goleo VI & Pille | Löwe und sprechender Ball |
| 2010 | Südafrika | Zakumi | Leopard mit grüner Mähne |
| 2014 | Brasilien | Fuleco | Dreibinden-Gürteltier |
| 2018 | Russland | Zabivaka | Wolf |
| 2022 | Katar | La’eeb | Stilisierte Kopfbedeckung (Ghutra) |
| 2026 | USA / Kanada / Mexiko | Maple, Zayu & Clutch | Elch, Jaguar, Weißkopfseeadler |
Cross-checked gegen die data/registry/wm-editions.json-Werte. Eine durchgehende Galerie aller Maskottchen sammelt die Seite WM-Maskottchen; die drei aktuellen finden sich unter WM 2026 Maskottchen.
1966: World Cup Willie - der Anfang
Der englische Künstler Reg Hoye entwarf 1966 für die WM in England den Löwen “World Cup Willie”, der ein Trikot mit Union-Jack-Aufdruck trug und das WM-Logo “World Cup” auf der Brust. Es war das erste Maskottchen einer Sportgroßveranstaltung in dieser Form überhaupt - und es war kommerziell so erfolgreich, dass die FIFA das Modell von da an als Standard übernahm. Englands einziger WM-Titel war noch nicht groß genug; den Mehrwert für den Verband schaffte Willie. Heute steht der Löwe in der Wahrnehmung gleichberechtigt neben Geoff Hursts Wembley-Hattrick.
Von Juanito bis Gauchito: die Kinder-Phase
Die folgenden drei Turniere lieferten alle ein “Kind im typischen Gastgeber-Look” als Maskottchen. Juanito (1970, Mexiko) war ein Junge mit Sombrero. Tip und Tap (1974, Deutschland) waren zwei kleine Buben in DFB-Trikots mit den Nummern 11 und 6 - ungewöhnlich, weil zum ersten Mal ein Duo. Gauchito (1978, Argentinien) griff den argentinischen Gaucho-Mythos auf, im weißen Trikot mit dem Kopftuch und einer Reitpeitsche. Es ist die schlichteste Phase der WM-Maskottchen-Geschichte: Die FIFA wollte Identifikation über Anthropomorphisierung, kein Tier und kein Symbol. Wer mehr zur 74er-Mannschaft Deutschlands lesen will: WM 1974.
1982-1990: Pfeffer, Frucht und ein Strichmännchen
Mit den 80er Jahren beginnt die Phase der ungewöhnlichen Maskottchen. Naranjito (1982, Spanien) war eine sprechende Orange mit Trikot - die Frucht steht in Spanien für Andalusien und für die typische Mittelmeerkultur. Pique (1986, Mexiko) war ein Jalapeño-Pfeffer mit Sombrero, dessen Name auf die scharfe Pfeffersorte zurückgeht; Mexiko richtete dieses Turnier kurzfristig nach dem Rückzug Kolumbiens aus. Ciao (1990, Italien) war dann das vielleicht abstrakteste Maskottchen aller Zeiten: ein Strichmännchen aus Stab-Elementen in den italienischen Nationalfarben, ein Fußball als Kopf. Eine puristische Lösung, die bis heute in der Marketing-Welt zitiert wird. Das Turnier 1990 brachte Deutschland den dritten Stern - die volle Geschichte unter WM 1990.
1994-2002: Hunde, Hähne und drei Mini-Maskottchen
Die WMs in den USA, Frankreich und Asien lieferten den drei klassischsten Anthropomorph-Tieren der WM-Geschichte. Striker (1994, USA) war ein Hund, der den US-Vereinsfußball-Charakter aufgreifen sollte. Footix (1998, Frankreich) war ein gallischer Hahn in den französischen Trikolorefarben - ein einprägsames Symbol, das Frankreichs ersten WM-Titel begleitete. Ato, Kaz und Nik (2002, Südkorea/Japan) waren drei kleine computergenerierte Wesen unterschiedlicher Farben, die in einem Sci-Fi-Universum verortet wurden - die erste WM in Asien, das erste 3D-Maskottchen-Trio. Ähnlich wie 1974 mit Tip und Tap ein Bruch mit dem Einzelfigur-Schema.
2006-2014: Goleo, Zakumi, Fuleco
Bei der WM 2006 setzte Deutschland mit Goleo VI und seinem sprechenden Begleiter Pille ein eigenes Duo in die Welt - Goleo als Löwe im DFB-Trikot, Pille als sprechender Ball. Das Maskottchen war umstritten: Die Vermarktungsfirma NICI meldete während des Turniers Insolvenz an, weil sich die Plüschtiere schwerer verkauften als erwartet. Trotzdem wurde Goleo Teil des “Sommermärchens”, über das wir unter WM 2006 berichten. Zakumi (2010, Südafrika), ein Leopard mit grüner Mähne, war eines der erfolgreichsten Maskottchen seit Jahren - der Name kombiniert die Buchstaben des Gastgebers (ZA) und das südafrikanische Wort “kumi” für die Zahl 10. Fuleco (2014, Brasilien) griff in Form eines Dreibinden-Gürteltiers eine bedrohte heimische Tierart auf: Der Name bündelt “futebol” und “ecologia” und sollte ein Naturschutz-Statement setzen.
2018-2022: Wolf und Ghutra
Zabivaka (2018, Russland) - was übersetzt “der, der trifft” heißt - war ein Wolf in Sportbrille und blau-weiß-roter Sportkleidung. Bei dieser WM gewann Frankreich seinen zweiten WM-Titel; Deutschland schied als Titelverteidiger früh aus. La’eeb (2022, Katar) brach mit allen Tier- und Mensch-Schemata: Das Maskottchen war eine stilisierte Form der traditionellen arabischen Kopfbedeckung Ghutra, ein weißes, schwebendes Wesen. Das passte zum kulturellen Kontext der ersten WM in der arabischen Welt, war aber für viele europäische Beobachter zunächst ungewohnt. Das Turnier endete mit Argentiniens drittem Titel - die ganze Geschichte unter WM 2022.
2026: drei Maskottchen für drei Gastgeber
Die WM 2026 bricht erneut mit der Tradition: Drei Gastgeber, drei Maskottchen. Kanada bekommt Maple, einen Elch in der Rolle des Torwarts, USA den Weißkopfseeadler Clutch als Spielmacher, Mexiko den Jaguar Zayu als Stürmer. Die FIFA hat die drei als “die ersten animierten WM-Maskottchen” vorgestellt - sie treten in einer eigenen Cartoon-Serie auf und sind die offiziellen Botschafter der Endrunde mit 48 Mannschaften und 104 Spielen. Die Auswahl ist nicht zufällig: Jedes Tier ist in seinem Land kulturell stark verankert. Mehr zu den drei 2026er Figuren steht unter WM 2026 Maskottchen und in der Übersicht aller WM-Bälle und Trophy.
Häufige Fragen zu WM-Maskottchen
Wer war das erste WM-Maskottchen? World Cup Willie - ein Löwe in einem Trikot mit Union-Jack-Aufdruck - kam zur WM 1966 in England. Damit war eine Tradition geboren, die seither bei jeder Männer-WM fortgeführt wird.
Welches Maskottchen hatte die WM 2006 in Deutschland? Goleo VI - ein Löwe in DFB-Trikot - zusammen mit dem sprechenden Ball Pille. Das Duo gehört zu den umstritteneren WM-Maskottchen, weil die Lizenzfirma um die Vermarktung Insolvenz anmeldete.
Wer war das WM-Maskottchen 1986 in Mexiko? Pique - ein Jalapeño-Pfeffer mit Sombrero und Schnurrbart. Der Name geht auf den scharfen Geschmack der Pfeffer-Sorte zurück und passte zum Gastgeberland Mexiko, das die WM nach 1970 zum zweiten Mal ausrichtete.
Wie viele Maskottchen hat die WM 2026? Drei - jeweils eines pro Gastgeberland: der Elch Maple für Kanada, der Jaguar Zayu für Mexiko und der Weißkopfseeadler Clutch für die USA. Es ist die erste WM mit mehreren offiziellen Maskottchen.
Hatte die WM 1930 in Uruguay schon ein Maskottchen? Nein. Maskottchen gibt es bei der FIFA-WM erst seit 1966. Die ersten acht Turniere (1930 bis 1962) wurden ohne offizielles Maskottchen ausgetragen.
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.