Ecuador 2:1 gegen Saudi-Arabien: Was die DFB-Auswahl aus dem letzten Test mitnimmt
Ecuador besiegt Saudi-Arabien 2:1 und beendet die WM-Vorbereitung ungeschlagen. Was Nagelsmanns DFB-Team aus dem letzten Test vor dem Gruppe-E-Endspiel mitnimmt.
Von Marco Feldmann 31. Mai 2026
Ecuadors letzter Auftritt vor dem Abflug Richtung WM ist abgehakt - mit einem 2:1-Sieg gegen Saudi-Arabien und einer Tonlage, die kicker.de in vier Worte goss: “defensiv anfaellig, offensiv eiskalt”. Genau diese Mischung ist es, mit der die DFB-Auswahl am 25. Juni im MetLife Stadium klarkommen muss. Drei Tests ohne Niederlage - 1:1 gegen Marokko, 1:1 gegen die Niederlande in Unterzahl, jetzt 2:1 gegen Saudi-Arabien - sind die Bilanz, die Trainer Sebastian Beccacece und sein Argentinier-Stab nach Nordamerika mitbringen. Wer den letzten Schliff der Ecuador-Auswahl bewertet, sollte aber zweimal hinsehen: die A-Kader-Schwergewichte standen am Sonntag gar nicht auf dem Platz.
Das Ergebnis - dritter Test ohne Niederlage
Das 2:1 am Sonntag war das Schlussbild einer ungewoehnlich kompakten Test-Trilogie. Im Maerz hatte Ecuador binnen 96 Stunden zweimal in Europa angetreten: Im Madrider Metropolitano kam ein 1:1 gegen Afrikameister Marokko zustande, vier Tage spaeter erkaempfte sich die Mannschaft in Amsterdam ein weiteres 1:1 gegen die Niederlande - trotz fruehem Platzverweis und einer halben Stunde Unterzahl, wie der kicker damals titelte. Beide Spiele waren Stresstests gegen WM-2026-Teilnehmer im Tableau-Bereich Top 12.
Der Test gegen Saudi-Arabien war dagegen die kontrollierte Generalprobe: niedrigeres Niveau des Gegners, viel Raum fuer Beccacece, drei, vier Linien gleichzeitig durchzuwechseln. Zwei Halbzeiten in zwei Mannschaften, lautet die wiederkehrende Beobachtung in der suedamerikanischen Berichterstattung. Der erste Aufzug war die Test-Liga des Trainers - Spieler aus Liga MX, MLS und der heimischen Serie A bekamen Einsatzzeit. Erst spaet rotierten einzelne A-Stammkraefte rein.
”Defensiv anfaellig, offensiv eiskalt” - die kicker-Diagnose
Die Schlagzeile sagt zwei Dinge gleichzeitig, und beide sind fuer die deutsche Vorbereitung relevant.
Defensiv anfaellig - das Wort ueberrascht bei einer Mannschaft, die in der WM-Quali nur fuenf Gegentore kassiert hat. Aber es ist die Lesart eines Tests, in dem Pacho, Hincapie und Caicedo fehlten. Ohne diese drei verliert Ecuador die zentrale Saeule, die in der Quali die Defensive zur zweitbesten Suedamerikas gemacht hat. Saudi-Arabien kam zum Anschlusstor und hatte ueber 90 Minuten genug Aktionen, um zu zeigen, dass die Stammverteidigung nicht zu ersetzen ist. Eine Lektion fuer Beccacece - und ein Hinweis, wo Nagelsmanns Offensive um Wirtz und Musiala spaeter ansetzen kann.
Offensiv eiskalt ist der zweite Teil. Auch ohne Enner Valencia von Beginn an hat Ecuador zwei Tore gemacht und damit eine Eigenschaft bestaetigt, die schon das 1:0 gegen Argentinien in der Quali ausgezeichnet hat: Chancenverwertung. Die Beccacece-Mannschaft ist nicht ballbesitz-verliebt, sie macht aus zwei, drei klaren Aktionen den Sieg. Fuer eine DFB-Defensive, die im Test gegen Finnland am Sonntag in Mainz noch ihre Endabstimmung sucht, ist das die unangenehmere Eigenschaft des Gegners.
Was das fuer die Gruppe E heisst
In Gruppe E ist Ecuador der gewichtigste Gegner Deutschlands - das war so vor dem Test, das ist nach dem Test umso klarer. Sportlich auf Platz 23 der FIFA-Weltrangliste, mit einem Kerngerust aus Champions-League- und Klub-WM-Endrundenprofis, mit einer Trainer-Idee, die in Suedamerika funktioniert hat. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat das schon nach der Auslosung im Dezember klar benannt: Ecuador sei “eine Mannschaft, die man schlagen kann, aber nicht unterschaetzen darf”.
Der Spielplan macht es spannend. Die DFB-Auswahl trifft am 14. Juni in Houston auf Curacao, am 20. Juni in Toronto auf Elfenbeinkueste - das 3. Gruppenspiel gegen Ecuador im MetLife Stadium am 25. Juni um 22:00 Uhr MESZ kann theoretisch entweder der Gruppensieg-Showdown oder das Ausscheiden sein. Realistisch ist das Endspiel um Platz eins der Gruppe.
Beccaceces Rotation - wer fehlte, wer kam
Die personelle Lesart des 2:1 ist entscheidend, um es richtig einzuordnen. Beccacece hat drei seiner vier europaeischen Schluesselspieler komplett geschont:
- Willian Pacho (Paris Saint-Germain): Am 30. Mai stand er im Champions-League-Finale, das PSG nach Elfmeterschiessen gegen Arsenal gewann. Reise zurueck nach Sued- bzw. Nordamerika, Regeneration - logischer Schritt.
- Moises Caicedo (FC Chelsea): Der Chelsea-Spielmacher ist der wertvollste Profi des Kaders und Klub-WM-Sieger 2025.
- Piero Hincapie (Bayer Leverkusen): Bundesliga-erprobter Innenverteidiger, ebenfalls geschont.
Kapitaen und Rekordtorschuetze Enner Valencia bekam erst spaet Einsatzzeit. Stattdessen liess Beccacece Profis aus den heimischen und nordamerikanischen Ligen rotieren und mehrere Rand-Kandidaten 90 Minuten lang testen. Was hier auf den Platz kam, war also die Tiefe des Kaders, nicht die erste Elf. Genau das macht das “defensiv anfaellig”-Etikett relativ - die Stammverteidigung steht im Hotel und wird am 25. Juni in East Rutherford auflaufen.
Der Fahrplan bis zum 25. Juni
Ecuador absolviert noch einen weiteren Test, bevor das Turnier beginnt: am 7. Juni gegen Guatemala - das letzte Mosaikstueck. Dann geht es ins WM-Camp und am 15. Juni in Philadelphia gegen Elfenbeinkueste ernst, am 21. Juni in Kansas City gegen Curacao, am 25. Juni dann gegen Deutschland.
Bei der DFB-Auswahl laeuft die Vorbereitung parallel: am Sonntagabend (31. Mai, 20:45 Uhr MESZ, ZDF) der Test gegen Finnland in Mainz, am 2. Juni Abflug in die USA, am 6. Juni das letzte Testspiel in Chicago gegen Gastgeber USA - mehr Pruefsteine bleiben nicht. Wenn Nagelsmann und sein Stab in den naechsten 25 Tagen die Daten aus den drei Ecuador-Tests aufarbeiten, dann werden vor allem zwei Fragen in Herzogenaurach an die Tafel:
- Wie viel Pressing-Risiko ist gegen Caicedos Mittelfeld vertretbar?
- Wie schliesst man die diagonalen Schnittstellen, die Saudi-Arabien an diesem Sonntag offen vorgefunden hat?
Antworten darauf werden sich am 25. Juni vor knapp 82.500 Zuschauern im MetLife Stadium zeigen. Die Test-Trilogie der Suedamerikaner hat zumindest die Vorbereitungs-Drehbuecher beider Lager nochmal an einer entscheidenden Stelle umgeschrieben.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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