Embolos Visum ist da: Freitag-Flug nach LA, Australien-Test futsch
Donnerstag hat die US-Botschaft Embolos Visum bewilligt. Der Schweizer fliegt Freitag nach LA, verpasst den Australien-Test - Katar-Auftakt machbar.
Von Marco Feldmann 05. Juni 2026
Drei Tage Verspätung, ein verpasster Generalprobe-Slot, ein gelöster Knoten: Breel Embolo darf in die USA reisen. Am Donnerstagabend kam die Bewilligung der US-Botschaft in Bern für das B-Visum des 29-jährigen Stade-Rennes-Stürmers. Bestätigt haben die Nachricht am Abend nahezu zeitgleich SRF, Nau.ch und das Boulevard-Duo aus 20 Minuten und Watson - und damit alle Schweizer Quellen, die seit Dienstag mitlaufen. Embolo fliegt am Freitagmorgen alleine nach Los Angeles. Drei Tage nach dem Rest der Nati. Ohne den letzten Test, dafür rechtzeitig für den WM-Auftakt am 13. Juni in Santa Clara gegen Katar.
Donnerstagabend: die Bewilligung aus der Botschaft
Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hatte am Dienstag in der Krise umgeschaltet. Statt auf die zurückgezogene ESTA-Bewilligung zu warten, beantragte Adrian Arnold, Kommunikationschef des SFV, in Abstimmung mit FIFA und US-Botschaft ein reguläres B-Visum. Das Visum unterscheidet sich vom ESTA in einem entscheidenden Punkt: Die US-Botschaft prüft die Person, nicht das Algorithmus-Profil. Für Embolo bedeutete das ein ausführlicheres Aktendossier, das die Schweizer Justiz innert 48 Stunden nach Bern liefern musste.
Donnerstagabend war die Prüfung durch. Embolos Visum sei am späten Nachmittag in der Botschaft eingegangen, meldete SRF. Damit war der Weg frei für die Buchung des Tages-Fluges nach Los Angeles - der SFV nutzt einen kommerziellen Direktflug, kein Charter. Die Maschine startet Freitagmorgen in Zürich-Kloten, landet am Nachmittag US-Pazifikzeit in Los Angeles, Embolo trainiert frühestens am Samstag wieder mit dem Team. In San Diego beginnt zur gleichen Zeit der WM-Test gegen Australien, den er aus dem Hotelzimmer mitverfolgt.
Drei Tage Verspätung, eine verpasste Generalprobe
Was Embolo verpasst, ist nicht das Auftaktspiel - aber genug, um die Schweizer Vorbereitung ein Stück zu verschieben. Konkret fehlen ihm drei Trainingstage im Camp Los Angeles (3. bis 5. Juni), die Reise im Tross nach San Diego, das Mannschafts-Briefing zum Australien-Spiel und die Generalprobe selbst. Yakin hatte den Australien-Test als finalen Belastungs- und Aufstellungstest geplant: ein Gegner mit klarem Stil (asiatischer Direktspielfussball, vier Tage später WM-Auftakt gegen Frankreich), eine Spielzeit von 60 bis 70 Minuten für das wahrscheinliche Startelf-Gerüst, kürzere Einsätze für Rotationsspieler. Embolo wäre an der Spitze gestartet, Dan Ndoye daneben.
Stattdessen rückt Ndoye in die Mittelstürmer-Rolle, Noah Okafor übernimmt die Rolle des hängenden Stürmers, Cedric Itten steht ab Minute 60 als Joker bereit. Es ist kein Drama - aber es ist eine Generalprobe ohne den Mann, um den die Schweizer Offensive seit der EM 2024 organisiert ist. Embolo hat in den vergangenen elf Pflichtspielen für die Nati sechs Tore erzielt; er ist Yakins erster Strafraumspieler und der einzige Stürmer im Kader, der den Ball auch unter Mann-Manndeckung halten kann.
Yakins Rechnung: 24 Stunden Jetlag, sieben Tage bis Katar
Zwischen Embolos Ankunft in Los Angeles und dem WM-Auftakt der Nati liegen acht Tage. Yakin hat dem Stürmer für den ersten Tag in den USA Ruhe verordnet - keine Einheit, nur Ankommen, Schlafen, Hydrieren. Ab Sonntag, 7. Juni, klinkt sich Embolo in den Schweizer Trainingsbetrieb in Los Angeles ein, vier bis fünf Einheiten stehen bis zum Abreisetag nach San Francisco auf dem Plan. Das Kalkül: Wer im Stade-Rennes-Trainingsbetrieb zuletzt vor dem 24. Mai ein 90-Minuten-Spiel hatte und während des Visum-Wartens in der Schweiz individuell weitergearbeitet hat, braucht für die Startelf gegen Katar keine Generalprobe - er braucht Routine.
Yakin ließ am Donnerstag in Los Angeles die Frage nach einer Embolo-Startelf gegen Katar offen. “Wir sehen das nach dem Training in der nächsten Woche”, zitiert SRF den Bundestrainer. Eine Formel, die in der Schweizer Tonalität so viel heißt wie: Stand jetzt spielt er.
Der Hintergrund: das Drohungs-Urteil von 2018, rechtskräftig seit April 2026
Auslöser der Reise-Verzögerung war eine Verurteilung Embolos, die seit knapp zwei Monaten rechtskräftig ist. Das Basler Strafgericht hatte den Stürmer wegen mehrfacher Drohung zu einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 3000 Franken verurteilt, das Appellationsgericht Basel-Stadt bestätigte das Urteil im Frühjahr 2026, Embolo verzichtete auf den Gang vors Bundesgericht. Hintergrund war ein Streit Anfang Mai 2018 auf der Steinenvorstadt in Basel, der gegen fünf Uhr morgens eskalierte. Embolo war damals 21 Jahre alt und Spieler des FC Schalke 04.
Die US-Botschaft in Bern wertete die Verurteilung zusammen mit dem alten Vorfall als Grund für eine ESTA-Neubewertung. Im Visa-Waiver-Programm der USA, in dem Schweizer Bürger normalerweise mit dem digitalen ESTA-Formular einreisen, ist eine rechtskräftige Verurteilung wegen eines Gewaltdelikts ein Ausschlusskriterium. Die Behörden mussten klären, ob physische Gewalt zur Anwendung gekommen war. Adrian Arnold, SFV-Kommunikationschef, dazu am Mittwoch: “Dies war nicht der Fall.” Mit dieser Klärung war der Weg für das reguläre Visum frei, das die Person prüft, statt die Daten.
Was die Schweiz aus dem Fall lernt
Der Fall Embolo ist die erste prominente Konsequenz der verschärften US-Einreiseregeln vor der WM 2026. Anders als bei der iranischen Auswahl, deren WM-Visa erst nach einer FIFA-Garantie und Wochen Wartezeit ausgestellt wurden, hat es im Fall Schweiz nicht die Politik, sondern die Strafakte eines Einzelspielers ausgelöst. Die SFV-Erfahrung wird im DFB und in den anderen Gruppe-B-Verbänden aufmerksam gelesen: Wer im Tross einen Spieler mit Vorstrafen-Eintrag hat, sollte das ESTA nicht erst eine Woche vor Abflug beantragen, sondern den Visa-Antrag früh stellen - und im Zweifel parallel ein B-Visum vorbereiten.
Für Embolo selbst ist der Fall mit der Bewilligung am Donnerstagabend formal abgeschlossen. Sportlich beginnt jetzt das, was er und Yakin sich seit Tagen vorgenommen haben: in acht Tagen einen Stürmer in WM-Form bringen, der drei Tage Vorbereitung im Wartesaal eines Schweizer Wohnzimmers verbracht hat. Wenn die Nati am 13. Juni in Santa Clara gegen Katar anläuft, soll der Mann im Sturmzentrum nicht Ndoye, sondern Embolo heißen. Die Bewilligung von Donnerstagabend hat diese Rechnung möglich gemacht.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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