WM 2026 in den USA: Wie Trumps Einreisepolitik das Turnier überschattet
Trump, US-Einreiseverbote, der Iran-Streit und die Boykott-Frage: Was die verschärfte US-Einreisepolitik bei der Fußball-WM 2026 für Teams und Fans bedeutet.
Von Marco Feldmann 17. Mai 2026
Vier Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 ist die sportliche Vorfreude in den USA, Kanada und Mexiko von einer politischen Hypothek überlagert: der Frage, wer überhaupt einreisen darf. Die US-Einreisepolitik unter Präsident Donald Trump trifft nicht nur einzelne Funktionäre, sondern berührt qualifizierte Mannschaften, ihre Fans und die Glaubwürdigkeit des Turniers selbst. Wie real das Problem ist, hat sich Anfang Mai ausgerechnet bei der FIFA gezeigt - auf ihrem eigenen Kongress.
Vancouver, Mai 2026: Wenn schon Funktionäre nicht reinkommen
Der 75. FIFA-Kongress tagte am 30. April und 1. Mai 2026 in Vancouver, einer der Gastgeberstädte. 211 Mitgliedsverbände waren geladen - doch mehrere kamen nicht durch die Einreise. Der palästinensische Verband meldete, Präsident Jibril Rajoub und sein Stellvertreter hätten zunächst kein Visum erhalten; der Rechtsberater des Verbands, Gonzalo Boye, wurde wegen einer früheren Verurteilung ganz abgewiesen. Verbandsvize Susan Shalabi sprach davon, “mehr als zehn” Verbände hätten kein Visum bekommen. Auch für Delegierte aus dem Iran und aus Syrien gab es Berichte über verweigerte Einreisen, von FIFA und den betroffenen Verbänden offiziell unbestätigt.
Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Schon die WM-Auslosung am 5. Dezember 2025 hatte der iranische Verband boykottiert, nachdem mehreren Vertretern das Visum verweigert worden war. Wenn akkreditierte Funktionäre mit FIFA-Einladung an der Grenze scheitern, ist die Frage für gewöhnliche Reisende umso dringlicher.
Wen die US-Einreiseverbote treffen - und wen nicht
Den Kern bildet ein generelles US-Einreiseverbot, das die Trump-Regierung im Sommer 2025 für Staatsangehörige mehrerer Länder verhängt hat. Darunter fallen der Iran und Haiti - beide für die WM 2026 sportlich qualifiziert. Für das Turnier gilt eine eng gefasste Ausnahme: Sie greift nur für Sportler und ihren unmittelbaren Betreuerstab, nicht für mitreisende Fans aus diesen Ländern.
Das erzeugt eine Asymmetrie, die kein FIFA-Reglement auflöst. Die haitianische Mannschaft, die wegen der instabilen Lage im eigenen Land seit Jahren keine echten Heimspiele mehr austrägt, dürfte einreisen - ihre Anhänger faktisch nicht. Ausgerechnet das Team, das jede Unterstützung gebrauchen könnte, reist ohne Fanrückhalt an; die sportliche Ausgangslage der Auswahl hatten wir im Überblick zum Haiti-Kader für die WM 2026 eingeordnet.
Für den Iran kommt eine zweite Ebene hinzu: Der Verband hatte beantragt, seine Gruppenspiele nach Mexiko zu verlegen. Die FIFA lehnte ab; alle drei Partien der Team Melli bleiben in den USA. Trump selbst kommentierte die iranische Teilnahme demonstrativ beiläufig mit den Worten, das sei ihm “wirklich egal”. Zeitweise streute sogar der iranische Verbandspräsident öffentlich Zweifel an einer Teilnahme. Wie aufgeladen die Lage rund um die iranische Auswahl ist, zeigt die staatlich inszenierte Verabschiedung in Teheran, die das Team mit politischer Symbolik überfrachtete.
Der FIFA-Pass - und was er nicht löst
Als Antwort auf die wachsende Verunsicherung präsentierten Infantino und Trump den sogenannten FIFA-Pass. Die Idee: Wer ein WM-Ticket besitzt, soll schneller einen Termin für ein Visa-Interview bekommen. Das ist eine Beschleunigung der Terminvergabe - mehr nicht. Der Pass hebt kein Einreiseverbot auf, ersetzt kein Visum und garantiert keine Einreise; die Entscheidung an der Grenze bleibt bei den US-Behörden. Für Fans aus visumpflichtigen Ländern verkürzt er bestenfalls die Wartezeit auf einen Termin, der ohne das zugrunde liegende Verbot gar nicht nötig wäre. Wie der Ticket- und FIFA-ID-Prozess funktioniert, ist im Detail auf der Seite zu den WM-2026-Tickets erklärt.
Dass die FIFA das Thema ernst nimmt, zeigt die Frequenz der Kontakte: Mitte April 2026 traf Infantino in Washington den US-Heimatschutzminister Markwayne Mullin, offiziell zu Sicherheitsfragen rund um das Turnier. Sicherheit, Einreise und Grenzkontrolle hängen organisatorisch zusammen - und genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, ob aus dem Werbeversprechen eines weltoffenen Turniers an der Passkontrolle Realität wird.
Es ist zudem kein reines WM-Problem. Dieselben US-Behörden verantworten 2028 die Olympischen Spiele in Los Angeles; Sportverbände und Beobachter werten die Einreisefrage längst als strukturelles Thema für Großveranstaltungen in den USA, nicht als einmalige Turnier-Episode.
Social-Media-Screening und schärfere Kontrollen
Unabhängig von Länder-Bännen verschärfen sich die Kontrollen für alle Einreisenden. Nach den geplanten US-Regelungen sollen Antragsteller ihre Konten in sozialen Netzwerken offenlegen, die in den vergangenen zehn Jahren genutzten E-Mail-Adressen angeben sowie geschäftliche und private Telefonnummern und Daten von Familienmitgliedern nennen. An der Grenze ist zudem die Durchsicht von Mobiltelefonen möglich. Für deutsche Fans bedeutet das keine Einreisesperre, aber realistisch längere Verfahren, mehr Vorlauf und das Risiko einer intensiveren Befragung.
Boykott-Debatte: sachlich eingeordnet
Parallel läuft eine Boykott-Diskussion, die sauber von der praktischen Reisefrage zu trennen ist. Es gibt Aufrufe einzelner EU-Parlamentarier, deutscher, französischer und britischer Politiker sowie Petitionen in den Niederlanden und in Deutschland, teils im Umfeld des DFB. Daraus folgt bislang kein Verbandsboykott: Kein qualifizierter Nationalverband hat einen Rückzug erklärt, der DFB plant die Teilnahme, und die FIFA schließt eine Verlegung oder Absage aus. Die Debatte ist also real, aber sie ist eine politische Meinungsdebatte - kein Stand, der die Durchführung des Turniers infrage stellt. Wer nach einer praktischen Reise-Einordnung sucht, findet sie neutral aufbereitet in der Übersicht zur USA-Reise und Einreise bei der WM 2026.
Was das für deutsche Fans heißt
Für Reisende mit deutschem Pass gilt: Panik ist nicht angebracht, gute Vorbereitung schon. Die Einreiseverbote zielen auf Staatsangehörige bestimmter Länder, nicht auf deutsche Fans; das ESTA-Verfahren bleibt offen. Wer früh plant - ESTA rechtzeitig beantragen, Ticket- und FIFA-ID-Daten konsistent halten, Pufferzeit bei der Einreise einkalkulieren - reduziert das praktische Risiko deutlich. Politisch heikel bleibt das Bild trotzdem: Ein Turnier, das mit “United” wirbt und zugleich Anhänger zweier Teilnehmerländer faktisch aussperrt, wird sich diese Widersprüche bis zum Anpfiff am 11. Juni anhören müssen. Die sportliche WM beginnt in den Stadien - die politische hat längst an den Grenzen begonnen.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.