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WM 2026

EA Sports FC 26 orakelt Spanien zum Weltmeister 2026

EA Sports' FC 26 simuliert die WM 2026 - Spanien holt den Titel. Vier Turniere in Serie hat die Videospielsimulation den Weltmeister korrekt vorausgesagt.

Von Marco Feldmann 07. Juni 2026

Lamine Yamal im EM-Spiel gegen Albanien am 24. Juni 2024 in Düsseldorf - das Gesicht der spanischen WM-Auswahl, die in der Simulation von EA Sports FC 26 zum Weltmeister 2026 gekrönt wird (Foto: Zuma Press / Maciej Rogowski). Foto: Zuma Press / Maciej Rogowski via SmartFrame

Eine Woche vor dem WM-Anstoß am 11. Juni in Mexiko-Stadt liefert ausgerechnet ein Videospiel die Schlagzeile, die in vielen Sportredaktionen am Sonntagmorgen aufschlägt: EA Sports FC 26 hat die WM 2026 simuliert - und Spanien zum Weltmeister gemacht. Es ist ein zunächst harmlos klingendes Marketing-Detail aus einem Sport-Videospiel. Aber es trifft eine “unheimliche Serie”, die bei den letzten vier Turnieren die echten Pokalträger korrekt vorausgesagt hat. Und es trifft eine Lesart, die mit den seriösen Datenmodellen für die WM 2026 verdächtig deckungsgleich ist.

Was FC 26 in “The World’s Game” simuliert

Am 4. Juni hat EA Sports das kostenlose Update “The World’s Game” für FC 26 veröffentlicht - der nachgereichte WM-Modus zum Turnier 2026. Weil EA nach der Trennung von der FIFA die offizielle Lizenz für den Markennamen “FIFA World Cup” verloren hat, läuft der Modus ohne das offizielle Logo. Spielerisch deckt er das Turnier dennoch ab: alle 48 Nationen, die echten zwölf Gruppen, die K.-o.-Struktur ab dem Sechzehntelfinale, dazu die WM-Stadien in den USA, Kanada und Mexiko. Laut kicker.de waren beim Release 41 der 48 Verbände vollständig lizenziert, sieben weitere generisch nachgebildet.

Innerhalb des Modus simuliert das Spiel das gesamte Turnier - so wie es zuletzt FIFA 23 für 2022 oder FIFA 18 für 2018 getan hat. Die berechneten Wahrscheinlichkeiten basieren maßgeblich auf den hinterlegten Spielerratings, also den FC-Werten der einzelnen Profis, und auf den taktischen Voreinstellungen der Trainerstäbe. Das Ergebnis dieser Vor-Turnier-Simulation für die WM 2026 hat kicker.de am Sonntagmorgen veröffentlicht: Spanien holt den Titel.

Die unheimliche Serie: vier von vier richtig

Was die Meldung über den Status eines Gimmicks hinaushebt, ist die Vergangenheit. FIFA respektive EA Sports’ Sport-Simulationen haben in den letzten vier WM-Turnieren jeweils den späteren Pokalträger korrekt prognostiziert.

TurnierEA-SimulationTatsächlicher Weltmeister
WM 2010 in SüdafrikaSpanien (FIFA 10)Spanien
WM 2014 in BrasilienDeutschland (FIFA 14)Deutschland
WM 2018 in RusslandFrankreich (FIFA 18)Frankreich
WM 2022 in KatarArgentinien (FIFA 23)Argentinien

Vier von vier. Bei FIFA 23 hatte die Simulation neben dem Sieger Argentinien auch Brasilien als unterlegenen Finalisten und Frankreich auf Rang drei, was zwar nicht den realen Verlauf des Halbfinales spiegelte, den Sieger aber traf. Diese Bilanz wäre statistisch wenig wert, wenn die Stichprobe nicht so klein und das mediale Echo nicht so groß wäre. Es gibt keinen kausalen Mechanismus, der den Sieg eines Teams im Spiel mit dem Sieg im echten Turnier verknüpft. Aber für Marketing und für eine Boulevard-Schlagzeile am Sonntag taugt die Serie. EA selbst spielt die Tradition gezielt aus.

Spanien ist auch im Konsens der seriösen Modelle vorn

Die FC-26-Aussage steht nicht im luftleeren Raum. Spanien führt nahezu jede datenbasierte Prognose zur WM 2026 an:

  • Goldman Sachs rechnet die Roja in der jüngsten Analyse auf rund 26 Prozent Titelwahrscheinlichkeit - klar vor Frankreich (19 Prozent) und Argentinien (14 Prozent). Das Modell stützt sich auf Elo-Werte, Form-Indikatoren und einen geografischen Faktor und hat fast 20.000 Pflichtspiele seit 1978 als Trainingsdatenbasis.
  • Opta sieht Spanien bei rund 17 Prozent vor Frankreich (14,1 Prozent) und England (11,8 Prozent).
  • Das Modell der Universität Innsbruck kommt für Spanien auf 14,5 Prozent, dicht gefolgt von England und Frankreich (jeweils 12,4 Prozent) und Deutschland (11,2 Prozent).
  • Unser eigener WM-Rechner, der das Turnier 50.000 Mal komplett ausspielt, beziffert Spaniens Titelchance auf 22,95 Prozent und damit ebenfalls deutlich vor Frankreich, England, Argentinien und Deutschland.

Vier methodisch unabhängige Modelle, vier Mal Spanien an der Spitze. Dass eine Videospiel-Simulation auf das gleiche Ergebnis kommt, ist also weniger ein Zufall als das Spiegelbild einer breit gestützten Datenlage: Lamine Yamal, Pedri, Rodri, Nico Williams, die zum Auftakt gegen Kap Verde fit gemeldete Flügelzange und ein über die EM 2024 hinweg konsolidiertes Spielsystem unter Luis de la Fuente liefern in fast allen Bewertungsdimensionen Spitzenwerte.

Wo die FC-26-Simulation an ihre Grenzen stößt

Das Spiel ist eine Modellierung, kein Hellseh-Werkzeug. Drei Einschränkungen sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man die Schlagzeile liest.

Erstens: Die hinterlegten Spielerwerte sind eine Momentaufnahme. Wer in der Saison 2025/26 ein starkes Halbjahr gespielt hat, ist im Spiel höher bewertet als im Vorjahr - aber ob die Form bis Mitte Juni in den USA hält, modelliert keine Statistik. Ein Yamal, der mit einer Leistenverletzung beim Eröffnungsspiel vom Platz humpelt, würde die FC-26-Prognose binnen 90 Minuten obsolet machen. Genau diese fragile Diskussion um Yamals Fitness hat die spanische Vorbereitung in Las Rozas wochenlang bestimmt.

Zweitens: Das Turnier ist mit 48 Teams und 104 Spielen das größte der WM-Geschichte. Die K.-o.-Phase beginnt erst nach einer regulären Sechzehntelfinal-Runde, was die Pfad-Wahrscheinlichkeiten für Top-Teams gegenüber der bisherigen 32er-WM senkt - jedes Top-Team muss eine Runde mehr überstehen. Dieser strukturelle Effekt mildert die Favoriten-Dominanz im Modell ab. Genau deshalb liegen Spaniens Titelchance bei 14 bis 26 Prozent und nicht bei 40 plus - selbst der klare Favorit muss durch sieben K.-o.-Runden.

Drittens: Die “unheimliche Serie” ist genau das - eine Serie von vier Beobachtungen, kein Beleg. In den 16 Turnieren davor hat die EA-Simulation den Sieger längst nicht immer getroffen, und die mediale Aufmerksamkeit für die Vier-aus-Vier-Bilanz verzerrt das Bild. Wer aus der FC-26-Aussage eine Wettempfehlung ableitet, sollte zumindest auf den eigenen Modell-Vergleich gegen den Markt schauen, nicht auf das Videospiel.

Was die Schlagzeile für die WM 2026 bedeutet

Für die echte WM bedeutet die FC-26-Simulation: nichts und alles. Nichts, weil das Spiel keine Glaskugel hat. Alles, weil sie bestätigt, was alle seriösen Datenmodelle vorausgreifen - Spanien ist das Team, das man auf der einen Seite des Turnierbaums schlagen muss, wenn man Weltmeister 2026 werden will. Frankreich, England und Argentinien sind die einzigen Teams, die in mehreren Modellen jenseits der zehn Prozent stehen.

Für Deutschland heißt das zweierlei. Die DFB-Auswahl gehört in allen Modellen zur erweiterten Spitze, ist aber nicht der Favorit. Der Pfad in ein potenzielles Halbfinale verläuft je nach Gruppenphase über Brasilien oder Argentinien; Spanien wäre in den meisten realistischen Bracket-Varianten ein Finalgegner, nicht ein Halbfinalgegner. Das hat unser Turnierbaum-Szenario für eine Reihe von Konstellationen detailliert nachgezeichnet.

Und für die Roja heißt es: Spanien geht als hoch gehandelter Favorit ins Turnier - und kennt aus dem Jahr 2010 sehr genau, was diese Erwartungshaltung in Nordamerika 2026 wert sein wird. Schon damals hatten die EA-Simulationen recht behalten, am Ende stand der zweite Stern. Ob FC 26 in 42 Tagen wieder triumphiert oder ob das DFB-Team, Frankreich oder Argentinien das Skript zerreißt, entscheidet sich ab dem 11. Juni in Houston, Mexiko-Stadt und Toronto. Und damit nicht im Spiel, sondern auf dem Rasen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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