FIFA vergibt erste Klub-WM der Frauen 2028 an die USA
FIFA-Rat vergibt die erste Klub-WM der Frauen 2028 an die USA (05.-30. Januar), 16 Teams, Katar war Mitbewerber - alle Daten, Qualifikation und deutsche Perspektive.
Von Nina Hartmann 22. Oktober 2026
Die FIFA hat am Donnerstag die Vergabe der ersten Klub-Weltmeisterschaft der Frauen entschieden: Die Premiere findet 2028 in den USA statt - vom 5. bis 30. Januar, mit 16 Teams. Der FIFA-Ratsausschuss bestaetigte die Vereinigten Staaten gegenueber dem Mitbewerber Katar als Gastgeber. Es ist die erste Austragung dieses Wettbewerbs ueberhaupt, das weibliche Pendant zur neu formatierten FIFA-Klub-Weltmeisterschaft im 32er-Format der Maenner.
Was der FIFA-Ratsausschuss am 22. Oktober entschieden hat
Die Entscheidung fiel im FIFA-Ratsausschuss. Begruendet wurde die Vergabe an die USA mit drei Faktoren: der Erfahrung des US-Fussballverbands bei der Organisation von FIFA-Turnieren, der vorhandenen Qualitaet der Infrastruktur und dem Interesse “verschiedener Akteure” am US-Frauenfussball - also Ligen, Sponsoren und Fernsehpartnern. Die National Women’s Soccer League zaehlt zu den finanziell staerksten Ligen weltweit, die US-Nationalmannschaft hat vier WM-Titel gewonnen.
Katar hatte formell Interesse angemeldet. Die Golf-Monarchie hatte 2022 die Maenner-WM ausgetragen und bewirbt sich seit Jahren intensiv um weitere Grossveranstaltungen, war aber ohne vergleichbare Historie im Frauenfussball und ohne vergleichbare heimische Ligastruktur chancenlos. Die FIFA hat damit zum zweiten Mal binnen drei Jahren einen ihrer neuen Klub-Wettbewerbe in die USA vergeben: 2025 fand bereits die erste Klub-WM 2025 der Maenner in den USA statt, Sieger wurde der FC Chelsea.
Warum Januar 2028 statt Sommer: der Olympia-Konflikt
Der Termin 5. bis 30. Januar 2028 ist auffaellig. Fast alle grossen FIFA-Turniere liegen im europaeischen Sommer oder - wie zuletzt die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko - direkt davor. Fuer die Klub-WM der Frauen war ein Sommer-Termin 2028 aber unmoeglich: Vom 14. bis 30. Juli 2028 richtet Los Angeles die Olympischen Sommerspiele aus. Das olympische Fussballturnier der Frauen ist eines der prestigetraechtigsten Turniere auf nationaler Ebene; mit einem parallelen Klub-Wettbewerb waere es nicht kompatibel.
Die FIFA hat deshalb in den Januar ausweichen muessen. Fuer europaeische Klubs faellt der Termin mitten in die laufende Saison 2027/28; die UEFA Women’s Champions League hat zu diesem Zeitpunkt ihre Gruppenphase hinter sich und bereitet die K.-o.-Runde vor. Fuer die US-Veranstalter ist Januar unproblematisch: Die NWSL spielt in einem Fruehjahr-bis-Herbst-Rhythmus, Stadien sind frei.
16 Teams, sechs Konfoederationen: wie die Qualifikation laeuft
Die 16 Startplaetze verteilen sich auf alle sechs FIFA-Konfoederationen nach einem festen Schluessel: UEFA 5+1, AFC 2+1, CAF 2+1, Conmebol 2+1, Concacaf 2+1, OFC 0+1. Das Plus-Eins steht in jedem Fall fuer den jeweils amtierenden kontinentalen Meister - also die Siegerin der Women’s Champions League (UEFA), der AFC Women’s Champions League, der CAF Women’s Champions League, der Copa Libertadores Femenina (Conmebol), der Concacaf W Champions Cup und der OFC Women’s Champions League.
Die restlichen Plaetze pro Konfoederation werden ueber die sportlichen Ergebnisse der Jahre 2024 bis 2027 vergeben. Das ist ein wichtiges Detail: Zaehlbar sind alle Spielzeiten der laufenden olympischen Periode in den jeweiligen Klub-Spitzenwettbewerben. In der UEFA fliessen also die WCL-Spielzeiten 2024/25, 2025/26, 2026/27 und 2027/28 (bis zum FIFA-Stichtag) in die Rangliste ein.
Deutsche Perspektive: Fuer die Bundesliga sind drei Klubs in Reichweite. Der FC Bayern Muenchen hat in der WCL zuletzt die Hauptrunde erreicht; der VfL Wolfsburg war in den vergangenen Jahren mehrfach Halbfinalist; Eintracht Frankfurt hat sich zuletzt ueber die Qualifikation in die Hauptrunde gespielt - siehe die WCL-Auslosung 2026/27 mit Bayern-Frauen-Hammerlos. Alle drei kaempfen in den naechsten anderthalb Saisons de facto nicht nur um den europaeischen, sondern auch um einen der UEFA-Startplaetze fuer die Klub-WM.
Einordnung: der Frauen-Klub-Weltmeister komplementiert die Pyramide
Mit der Vergabe schliesst die FIFA eine Luecke in der internationalen Vereinsturnier-Pyramide. Auf nationaler Ebene gibt es die Frauen-WM der Nationalmannschaften, deren naechste Austragung die Frauen-WM 2027 in Brasilien ist - zum FIFA-Terminplan dieser Nationen-WM siehe Maracana und Play-off-Termine. Auf kontinentaler Ebene existieren bereits die Women’s Champions League (UEFA), die Copa Libertadores Femenina und seit 2024 die AFC Women’s Champions League.
Was gefehlt hat: ein globaler Klub-Titel. Analog zur Maenner-Klub-WM, deren naechste Ausgabe 2029 steigt, bekommt die weibliche Vereins-Spitze ab 2028 nun ihre eigene Weltmeisterschafts-Buehne - mit allen oekonomischen Konsequenzen, die daran haengen (Preisgeld, Sponsoren-Deals, TV-Rechte). Die US-Vergabe ist dabei kein Zufall: Der US-Markt gilt im Frauenfussball weltweit als der kommerziell wertvollste.
Was fuer deutsche Klubs auf dem Spiel steht
Fuer Bayern, Wolfsburg und Frankfurt ist die Klub-WM der Frauen 2028 mehr als ein Prestige-Projekt. Erstens: Die Preisgelder duerften sich an der Dimension der Maenner-Klub-WM 2025 orientieren, die Chelsea rund 100 Millionen Euro eingebracht hat - selbst ein Bruchteil davon waere fuer Frauen-Teams ein historischer Sprung. Zweitens: Ein Startplatz 2028 ist zugleich ein Weltbuehnen-Auftritt vor dem US-Markt, wo deutsche Vereinsmarken bislang nur am Rande wahrgenommen werden. Drittens: Fuer die Spielerinnen ist das Turnier eine zusaetzliche Ebene zwischen Liga, WCL und Nationalmannschaft - fuer DFB-Frauen-Stammkraefte wie Giulia Gwinn, Lea Schueller oder Alexandra Popp vor allem im Olympia-Jahr 2028 eine spuerbare Zusatzbelastung, zugleich aber eine Chance auf einen Titel ausserhalb des DFB-Trikots.
Die naechsten Monate bringen Klarheit zu den Spielorten in den USA sowie zu TV- und Verwertungsrechten. Mit Blick auf die Infrastruktur ist der Gastgeber-Kontext der WM 2026 relevant: Die USA haben 2026 elf Stadien aufgeruestet, mehrere davon mit frisch verlegtem Naturrasen - potenzielle Austragungsorte fuer die Klub-WM der Frauen sind damit mindestens teilweise bereits turnierfit.
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.