FIFA vergibt am Sonntag erstmals Champion-Ringe an den Weltmeister - 2.026 Stück nach NFL-Vorbild
Erstmals vergibt die FIFA am Sonntag im MetLife einen Champion-Ring an den Weltmeister. 2.026 Stück nach NFL-Super-Bowl-Vorbild - 30 fürs Team, 1.996 für Fans.
Von Marco Feldmann 17. Juli 2026
Am Sonntag im MetLife Stadium wird ein Ritual, das der Fußball 92 Jahre lang nicht kannte, zum festen Bestandteil einer WM-Siegerehrung: Die FIFA vergibt erstmals in ihrer Geschichte Champion-Ringe an den Weltmeister. Das hat der Weltverband am Donnerstag bestätigt, wie die Sportschau unter Berufung auf dpa und sid am Freitagmorgen meldet. Neben dem FIFA-WM-Pokal und den goldenen Winner-Medaillen liegt für die Sieger-Nation am Sonntagabend also eine dritte Trophäe bereit - importiert aus dem US-Profisport.
Was am Sonntag neu ist
Bislang endete jede WM-Siegerehrung nach demselben Drehbuch: Pokal in die Höhe, Konfetti, Medaillen um den Hals. Am Sonntag im MetLife Stadium - Anpfiff 21:00 Uhr MESZ, 15:00 Uhr Ortszeit - kommt ein Element aus New Yorks direkter Nachbarschaft dazu: der Championship Ring, wie ihn die NFL bei den New York Giants und Jets in genau dieser Arena schon einige Male überreicht hat. Zwei Tage vor dem Endspiel zwischen Argentinien und Spanien hat die FIFA das Konzept in ihre offizielle Kommunikation aufgenommen und die Ring-Kollektion vorgestellt.
Design: Pokal auf einer Seite, Sieger-Nation auf der anderen
Der Ring hat zwei Ansichten. Auf der einen Seite ist der WM-Pokal reliefartig eingearbeitet - der Coupe, den Silvio Gazzaniga 1971 für die FIFA entwarf und der seit 1974 an jeden Weltmeister geht. Auf der anderen Seite trägt jedes Exemplar die Identität der Sieger-Nation: Wappen, Farben und Grafik-Elemente des Verbands. Welches Motiv das am Sonntag konkret sein wird, hängt am Abpfiff. Argentinien würde den dritten Stern über dem AFA-Wappen ergänzen; Spanien würde sich seinen zweiten WM-Titel nach 2010 in Südafrika sichern und den erstmals im Zentrum tragen. Beide Varianten sind vorbereitet.
Die Rechnung 2.026: 30 für das Team, 1.996 für Fans
Die Auflage ist streng limitiert - und trägt sinnfällig die Turnier-Jahreszahl. Genau 2.026 durchnummerierte Ringe hat die FIFA anfertigen lassen. Davon sind:
- 30 Ringe für die Sieger-Elf reserviert. Sie decken den kompletten Kader plus den erweiterten Trainer- und Betreuerstab ab - inklusive Physios, Analysten, Team-Manager, Delegationsleitung.
- 1.996 Ringe kommen als offizielle Fan-Ausgabe weltweit in den Verkauf. Jeder trägt eine eindeutige Nummer, wird maßgefertigt und wird laut FIFA mit Echtheitszertifikat ausgeliefert. Preis und Vertriebspartner hat der Weltverband bisher offen gelassen.
Die Zahl 30 orientiert sich pragmatisch an der Größe einer WM-Delegation im Turnier-Endspurt; die 1.996 ist eine reine Marketing-Logik, damit die Kollektion runde 2.026 ergibt und in eine kaufbare Erinnerung an das Turnier-Jahr passt.
NFL, NBA, MLB - das amerikanische Vorbild
Die Ring-Tradition ist im US-Profisport tief verwurzelt. Die NFL vergibt Super-Bowl-Ringe seit dem ersten Endspiel 1967, klassischerweise finanziert von den Franchise-Eigentümern und besetzt mit hunderten Diamanten - der Kansas-City-Chiefs-Ring nach Super Bowl LVII bringt es auf über 500 Steine. Die NBA überreicht ihren Meistern jedes Jahr im Herbst zum Saison-Auftakt einen NBA-Championship-Ring, und die Major League Baseball feiert ihren World-Series-Sieger im April der Folgesaison mit einer eigenen Ring-Zeremonie im heimischen Ballpark.
Die FIFA übernimmt dieses Format bewusst - und passt es an: Anders als in der NFL, wo die Ringe erst Monate später bei einer eigenen Gala verteilt werden, sollen Kapitän und Cheftrainer der Sieger-Elf sofort nach dem Abpfiff am Sonntag eine provisorische Version aufgesteckt bekommen. Die maßgefertigten Endversionen für die 30 Team-Mitglieder folgen später in einer offiziellen Ring-Zeremonie. Wo und wann, ist noch offen.
Eine weitere Amerikanisierung des WM-Endspiels
Der Ring ist nicht das einzige US-Element, das die FIFA für das Endspiel im MetLife übernimmt. Erstmals in der WM-Geschichte kommt am Sonntag auch eine offizielle Halbzeit-Show im Super-Bowl-Format dazu - mit Madonna, Shakira und BTS, in einer rund 25-minütigen Halbzeitpause, die der Weltverband für dieses eine Spiel gegen die IFAB-Regel-Norm von 15 Minuten durchgesetzt hat. Dazu Trikot-Patches, die über amerikanische Trading-Card-Verlage vermarktet werden, und der Verkauf einzelner Rasen-Sektionen als Sammlerstücke.
Die Amerikanisierung ist eingebaut. Wer den WM-Pokal in New York in die Höhe stemmt, hebt zugleich das Endspiel auf ein Präsentations-Level, das eher an ein Super-Bowl-Finish als an klassische WM-Momente von Rio 2014 oder Berlin 2006 erinnert. Die FIFA verkauft das offensiv als Modernisierung - Kritiker sehen darin die stille Übernahme eines Turniers durch die Gastgeber-Kultur.
Was der Ring-Träger am Sonntag alles bekommt
Nach Abpfiff hält die Sieger-Elf drei Dinge in den Händen:
- den FIFA-WM-Pokal (36,8 Zentimeter, 6.175 Gramm, 18-karätiges Gold, seit 1974 im Umlauf) - der wandert nach der Ehrung wieder in die FIFA-Vitrine; das Team erhält eine identische Nachbildung.
- eine goldene Winner-Medaille pro Delegations-Mitglied.
- den neuen Champion-Ring, zunächst als Provisorium für Kapitän und Trainer, später maßgefertigt für alle 30.
Für den Verlierer bleibt es bei Silber-Medaille und Trostrunde. Der Ring ist ausdrücklich nur für den Weltmeister.
Historischer Kontext
Die WM 1930 in Uruguay endete mit einem einfachen goldenen Pokal, dem Coupe Jules Rimet, und Wimpeln für die Sieger. Die heutige Trophäe kam 1974, die Medaillen-Zeremonie in ihrer aktuellen Form 1998 in Frankreich, die Winner-Patches auf Trikots 2002 in Japan/Südkorea. Alle 60 Jahre eine neue Traditions-Schicht - so betrachtet fügt sich der Ring 2026 in die eher langsame Fortschreibung des Endspiel-Rituals ein. Nur diesmal kommt die Vorlage nicht aus dem europäischen Turnier-Kanon, sondern aus East Rutherford, New Jersey, wenige Kilometer von der Bühne entfernt, auf der er am Sonntag Premiere feiert.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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