WM-Finale 2026: FIFA bestätigt 25-Minuten-Halbzeitpause - Sportmediziner Predel warnt
FIFA bestätigt drei Tage vor dem WM-Finale eine rund 25-minütige Halbzeitpause für die Madonna-Shakira-BTS-Show im MetLife Stadium. Sportmediziner Hans-Georg Predel warnt vor Muskeltemperatur-Verlust und Verletzungsrisiko.
Von Marco Feldmann 16. Juli 2026
Es ist die zweite Kehrtwende innerhalb von zwei Wochen - und diesmal führt sie zurück zum Ausgangspunkt. Die FIFA hat am Donnerstag, 16. Juli 2026, drei Tage vor dem WM-Finale 2026 zwischen Argentinien und Spanien, offiziell bestätigt: Die Halbzeitpause im MetLife Stadium wird rund 25 Minuten dauern. Damit gibt der Weltverband die am 3. Juli noch verkündete Beschränkung auf 15 Minuten Gesamtpause faktisch wieder auf. Der Halbzeitshow im Super-Bowl-Format mit Madonna, Shakira und BTS bleibt damit rund zehn Minuten länger, als die IFAB-Spielregeln als Regelfall vorsehen - und ein prominenter Sportmediziner meldet in einem Interview mit der Sportschau klare Einwände an.
Die neue FIFA-Ansage vom 16. Juli
Die FIFA hat die Rechnung am Donnerstag konkret vorgelegt: Sechs Minuten für den Aufbau der Bühne unmittelbar nach dem Pausenpfiff, elf Minuten reine Show-Zeit für Madonna, Shakira und BTS, dazu Zeit für den Abbau der Aufbauten und die Bewässerung des Rasens vor dem Wiederanpfiff. In Summe kommt der Weltverband so auf einen Halbzeitkorridor von etwa 25 Minuten - fast das Doppelte der regulären 15 Minuten, die die IFAB-Spielregeln in Regel 7 vorsehen.
Der Aufbau beginnt laut FIFA “unmittelbar nach dem Pausenpfiff”. Für die zuschauende Öffentlichkeit heißt das: Kaum verlassen die Spieler das Feld, rollen die Bühnenmodule bereits Richtung Mittelkreis. Das operative Muster ist damit dasselbe, das die FIFA schon beim Klub-WM-Finale 2025 an derselben MetLife-Adresse mit Doja Cat, J Balvin, Tems und Coldplay-Sänger Chris Martin gefahren hat. Damals dauerte die Halbzeit ebenfalls rund 25 Minuten - offen als Generalprobe für die WM-Show 2026 angekündigt.
Warum die Pause jetzt doch länger wird
Die Umkehr überrascht, weil die FIFA am 3. Juli 2026 eine klare Gegenrichtung eingeschlagen hatte. FIFA-Organisationschef Hugh Evans, der als Co-Gründer von Global Citizen die Show organisatorisch führt, hatte damals im ARD-Studio New York gesagt: “Wir werden uns gegenüber dem Fußball absolut respektvoll verhalten.” Sein Rechenmodell aus jenem Interview: elf Minuten reine Show, dazu jeweils rund vier Minuten für Aufbau und Abbau der Bühne und der Technik - in Summe die regulären 15 Minuten der IFAB-Halbzeitregel. Wir hatten diese Zahl Anfang Juli als Erfolg der IFAB-Position eingeordnet.
Zwei Wochen später ist die Rechnung eine andere. Der Grund liegt in zwei praktischen Faktoren, die im Juli-Modell schlicht fehlten: die aufwendigere Bühnenkonstruktion für einen Multi-Star-Auftritt mit drei Headlinern und der als reguläre WM-Prozedur vorgesehene Bewässerungsdurchgang des Rasens vor dem Wiederanpfiff. Beides zusammen sprengt den Vier-Minuten-Puffer, den Evans am 3. Juli veranschlagt hatte. Die FIFA kann diese Ausnahme formal legitimieren, weil die IFAB dem Wettbewerbsorganisator die Möglichkeit einräumt, für einzelne Wettbewerbe von der 15-Minuten-Regel abzuweichen - vorausgesetzt, der Antrag ist gestellt und genehmigt.
Predel-Interview: was 25 Minuten mit dem Körper der Spieler machen
Der medizinische Widerspruch kommt von Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Predel argumentiert in der Sportschau, die 15-Minuten-Halbzeitpause habe sich nicht zufällig etabliert, sondern stelle einen “guten Kompromiss” dar - kurz genug, dass die Muskulatur nicht auskühlt, lang genug für taktische Ansprache, Flüssigkeitsaufnahme und Toilettengang. Eine längere Pause “verändert die physiologischen Voraussetzungen deutlich”, so Predel wörtlich.
Konkret werden drei Effekte messbar. Erstens sinken Muskeltemperatur, Herzfrequenz und neuromuskuläre Aktivierung, weil die Spieler im Sitzen oder Stehen abkühlen. Zweitens beeinträchtigt schon ein Rückgang der Muskeltemperatur um ein bis zwei Grad Celsius die maximale Kraftentwicklung, die Sprintgeschwindigkeit und die Schnellkraft negativ - die drei Parameter, die in den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff über Torchancen und Zweikampfstatistiken entscheiden. Drittens steigt statistisch das Muskel- und Sehnenverletzungsrisiko in dieser Frühphase der zweiten Halbzeit. Predel fordert deshalb ein “strukturiertes Reaktivierungsprogramm” in den letzten drei bis fünf Minuten vor dem Wiederanpfiff mit Laufübungen, Mobilisation und Sprintbewegungen.
Für ein WM-Finale kommt eine mentale Komponente hinzu, die Predel ausdrücklich benennt: “mentale Aktivierung und körperliche Vorbereitung sind gleichermaßen wichtig.” Ein 39-jähriger Lionel Messi - der die Endspiel-Adresse gegen Spanien als sechste und letzte WM seiner Karriere bestreitet - profitiert von einer kurzen Pause deutlich mehr als der 18-jährige Lamine Yamal, dessen Muskulatur schneller auf Wiederanpfiff-Betrieb umschaltet. Ein verlängerter Pausen-Korridor verschiebt diese Balance zulasten der älteren Spieler auf dem Rasen - und damit zulasten der argentinischen Achse mit Messi, De Paul und Otamendi.
IFAB-Regel 7 und die Frage nach der Genehmigung
Formell steht die 25-Minuten-Pause nicht im Widerspruch zu den IFAB-Spielregeln - vorausgesetzt, der Ausnahme-Antrag ist gestellt und genehmigt. Regel 7 setzt die Halbzeit “in der Regel” auf 15 Minuten fest, erlaubt aber ausdrücklich Abweichungen “mit Genehmigung des Wettbewerbsorganisators” - hier also der FIFA selbst. Die IFAB hatte sich, wie in der Sportschau-Recherche dokumentiert, in früheren Iterationen des Antragsverfahrens gegen 25-Minuten-Pausen ausgesprochen; der aktuelle Beschluss der FIFA zeigt, dass die inhaltlichen Einwände der IFAB gegen die kommerzielle Show-Länge nicht mehr durchgekommen sind.
Der praktische Sonderfall ist damit gesetzt. Wichtige Nachfrage: ob die Regel auch für Verlängerung und Elfmeterschießen greift. In der Standardauslegung nicht - zwischen 90. und 91. Minute der Verlängerungsphase gilt ein deutlich kürzerer Wiederanpfiff-Rhythmus. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Endspiel Argentinien gegen Spanien in die Verlängerung geht, liegt nach dem WM-Rechner-Modell vom 16. Juli im mittleren zweistelligen Prozent-Bereich - Predels Reaktivierungs-Empfehlung bezieht sich damit vor allem auf den Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit gegen 22:10 Uhr MESZ.
Was der Finaltag jetzt konkret bringt
Für die deutschen Zuschauer verschiebt sich der Ablauf des späten Sonntagabends damit spürbar. Bei einem Anpfiff um 21:00 Uhr MESZ endet die erste Halbzeit regulär gegen 21:45 Uhr. Nach der neuen FIFA-Planung sieht der Halbzeitkorridor wie folgt aus:
- 21:45 - 21:46 Uhr: reguläres Verlassen des Feldes, Studio-Aufsager beim ZDF und bei MagentaTV
- 21:46 - 21:52 Uhr: sechs Minuten Aufbau der Bühne im Mittelkreis, Live-Inserts
- 21:52 - 22:03 Uhr: elf Show-Minuten mit Madonna, Shakira und BTS
- 22:03 - 22:09 Uhr: Abbau der Aufbauten, Rasenbewässerung, kurze Analyse
- 22:10 Uhr: Wiederanpfiff der zweiten Halbzeit
Das Abpfiff-Fenster nach 90 Minuten regulärer Spielzeit rückt damit in Richtung 23:00 Uhr MESZ. Bei Verlängerung und Elfmeterschießen verschiebt sich der Titel-Moment auf etwa 23:45 Uhr bis kurz nach Mitternacht deutscher Zeit. Die Anstoßzeiten der WM 2026 in MESZ waren aus deutscher Sicht ohnehin schon ein Streitthema; die Halbzeitshow-Erweiterung setzt an dieser Stelle noch einmal einen späten Akzent obendrauf.
Für die Trainer Lionel Scaloni und Luis de la Fuente bringt die Ansage kurzfristig operative Arbeit. Wer die Predel-Empfehlung ernst nimmt, plant für den 19. Juli in East Rutherford ein strukturiertes Reaktivierungsprogramm in den letzten drei bis fünf Minuten vor dem Wiederanpfiff - Laufübungen, Mobilisation und Sprintbewegungen im Spielertunnel oder in der Aufwärmzone unter der Tribüne. Für das Fernsehpublikum wird davon wenig sichtbar sein; auf dem Rasen dürfte der Unterschied in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit aber genau darüber entscheiden, wer nach der Show den Rhythmus des Endspiels bestimmt.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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