Jules-Rimet-Pokal und FIFA-WM-Pokal: Zwei Trophäen, zwei Geschichten
Coupe Jules Rimet und FIFA-WM-Pokal im Vergleich: Designer, Maße, Materialien, Geschichte. Vom Diebstahl 1983 bis zur 36,8 Zentimeter hohen Gold-Trophäe, die seit 1974 vergeben wird.
Von Nina Hartmann 04. Mai 2026
Wer das Bild vor Augen hat, wie Lionel Messi 2022 die WM-Trophäe in den Himmel von Lusail hob, sieht eine ganz konkrete Skulptur: zwei stilisierte Figuren, die eine Erdkugel tragen, alles aus 18-karätigem Gold gegossen. Dieser Pokal ist seit 1974 im Einsatz und ist nicht der ursprüngliche WM-Pokal. Davor stand 40 Jahre lang die “Coupe Jules Rimet” am Ende des Turniers. Eine Geschichte zweier Trophäen, zweier Diebstähle und einer Regel, die das Original kostete.
Die Coupe Jules Rimet (1930-1970)
Der erste WM-Pokal entstand für die erste WM. Jules Rimet, FIFA-Präsident von 1921 bis 1954, gab den Pokal beim französischen Bildhauer Abel Lafleur in Auftrag - eine vergoldete Sterling-Silber-Figur der Siegesgöttin Nike (in der griechischen Mythologie), die eine achteckige Schale über dem Kopf hält. Ursprünglich hieß die Trophäe schlicht “Coupe du Monde” oder “Victory”, später dann nach ihrem Initiator: Coupe Jules Rimet.
Maße nach den Standardangaben: rund 35 Zentimeter hoch, knapp 4 Kilogramm schwer. Die FIFA hatte als Regel festgelegt: Wer den Pokal dreimal gewinnt, darf ihn behalten. Über die Jahrzehnte 1930 bis 1970 wechselten die Sieger - Uruguay, Italien (zweimal), Deutschland 1954, Brasilien (1958, 1962, 1970). Mit dem dritten Brasilien-Titel bei der WM 1970 in Mexiko ging der Pokal endgültig in den brasilianischen Verband CBF über. Die FIFA musste eine neue Trophäe in Auftrag geben.
Der FIFA-WM-Pokal (seit 1974)
Aus einem Wettbewerb mit 53 Einreichungen wählte die FIFA einen Entwurf des italienischen Bildhauers Silvio Gazzaniga aus. Der Pokal, der 1974 erstmals vergeben wurde, ist eine massive Skulptur aus 18-karätigem Gold, Höhe 36,8 Zentimeter, Gewicht 6,1 Kilogramm. Auf dem Sockel sind zwei Reihen Malachit-Halbedelstein eingelassen, in die die Namen aller Weltmeister seit 1974 eingraviert werden. Auf der Unterseite ist Platz für 17 Plaketten, die bei aktueller Belegungsdichte bis etwa zur WM 2038 reichen.
Das erste Mal in die Höhe gestemmt wurde der Pokal in der ersten Auflage bei der WM 1974 in Deutschland, als Franz Beckenbauer als deutscher Kapitän nach dem 2:1 gegen die Niederlande die Trophäe entgegennahm. Seither hat keine Mannschaft den Pokal endgültig erhalten - die FIFA hat die Drei-Titel-Regel mit der Einführung des neuen Pokals abgeschafft. Stattdessen bekommen Weltmeister seit 1974 eine vergoldete Replik in Originalgröße.
Vergleich auf einen Blick
| Merkmal | Coupe Jules Rimet | FIFA-WM-Pokal |
|---|---|---|
| Im Einsatz | 1930 - 1970 | seit 1974 |
| Designer | Abel Lafleur (FR) | Silvio Gazzaniga (IT) |
| Höhe | ca. 35 cm | 36,8 cm |
| Gewicht | ca. 4 kg | 6,1 kg |
| Material | Sterling-Silber, vergoldet | 18-karätiges Gold, Malachit-Sockel |
| Motiv | Siegesgöttin Nike mit Schale | Zwei Figuren tragen die Erdkugel |
| Eigentum | wechselte mit Sieg, bei drei Titeln endgültig | bleibt bei der FIFA, Sieger erhält Replik |
Die Diebstähle: einmal Hund, einmal eingeschmolzen
Der Jules-Rimet-Pokal hat die spektakulärere Diebstahlgeschichte - gleich zwei davon. 1966 in London, vier Monate vor dem Anpfiff der WM in England, wurde der Pokal aus einer Ausstellung in der Westminster Central Hall entwendet. Sieben Tage später fand der Mischlingshund Pickles den in einer Zeitung gewickelten Pokal unter einer Hecke im Süden Londons. Englands Trainer Alf Ramsey scherzte später, ohne Pickles hätten sie ja vielleicht eine andere Trophäe heben müssen.
1983 in Rio de Janeiro verlief der zweite Diebstahl anders. Drei Männer brachen in der Nacht in den Sitz der CBF an der Rua da Alfândega ein und entwendeten den Pokal aus seinem Glasschrank. Der Aufenthaltsort blieb unklar. Die brasilianische Polizei ging davon aus, dass die Diebe das Gold eingeschmolzen hatten - bis heute gibt es keine bestätigte Wiederauffindung. Der Pokal, mit dem Brasilien zwölf Jahre zuvor seinen Status als erster dauerhafter WM-Besitzer markiert hatte, war für immer verschwunden. Bilder existieren nur noch in Archiven; in den brasilianischen Vitrinen steht heute eine Replik.
Die FIFA hat aus beiden Vorfällen gelernt. Seit 1974 wird der Original-Pokal außerhalb der Endrunden in einem Tresor in der Schweiz aufbewahrt; nur bei den eigentlichen Endspielen wird die echte Trophäe übergeben, sofort danach gegen die Replik getauscht. Bei der WM 2022 durfte Lionel Messi nach dem Finale tatsächlich das Original heben - aber nur für die Trophäenfeier; mit nach Hause nahm er die vergoldete Replik.
Was 2026 vergeben wird - und worum es geht
Beim Finale der WM 2026 am 19. Juli im MetLife Stadium bei New York wird genau dieser Gazzaniga-Pokal in die Höhe gestemmt werden, knapp 52 Jahre nach seiner Premiere. Mit Argentinien als amtierendem Weltmeister steht die Frage im Raum, ob das Land der bisherigen drei Titel (1978, 1986, 2022) zum vierten Pokal greift - oder ob eine andere Nation aus dem Kreis von Spanien, Frankreich, Brasilien, Deutschland und England übernimmt. Wer es bisher geschafft hat, findet sich in der Liste der WM-Sieger; alle Endspiele im Detail unter WM-Geschichte.
Häufige Fragen zum WM-Pokal
Wie viele WM-Pokale gab es in der Geschichte? Zwei. Von 1930 bis 1970 wurde um die Coupe Jules Rimet gespielt, seit 1974 um den heutigen FIFA-WM-Pokal. Beide Trophäen wurden von unterschiedlichen Designern entworfen und sind in Material und Maßen klar verschieden.
Wie hoch ist der FIFA-WM-Pokal und wie schwer ist er? Der FIFA-WM-Pokal ist nach FIFA-Angaben 36,8 Zentimeter hoch und 6,1 Kilogramm schwer. Er besteht aus 18-karätigem Gold mit einem Sockel aus Malachit-Halbedelstein. Der italienische Bildhauer Silvio Gazzaniga entwarf ihn 1971.
Warum bekam Brasilien den Jules-Rimet-Pokal nach 1970 zum Behalten? Weil Brasilien als erste Nation den Titel zum dritten Mal gewann (1958, 1962, 1970). Eine FIFA-Regel sah vor, dass die erste Mannschaft mit drei Titeln den Pokal endgültig erhält. Nach der WM 1970 musste die FIFA eine neue Trophäe in Auftrag geben - den heutigen FIFA-WM-Pokal.
Wurde der Jules-Rimet-Pokal wirklich gestohlen? Ja, zweimal sogar. Erstmals 1966 in London vor der WM in England, wo er Tage später von einem Hund namens Pickles wiedergefunden wurde. Der zweite Diebstahl 1983 in Rio de Janeiro endete anders: Der Pokal wurde nie wiedergefunden und gilt als eingeschmolzen.
Behält der Weltmeister den FIFA-WM-Pokal? Nein. Anders als beim Jules-Rimet-Pokal behält der Weltmeister beim aktuellen FIFA-Pokal nur eine vergoldete Replik. Das Original bleibt im Besitz der FIFA - eine Lehre aus den Diebstählen rund um den Vorgänger.
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.