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Frauenfußball

NADA bestätigt drei Meldeversäumnisse: Laura Freigang droht Sperre

Die NADA bestätigt drei Meldeversäumnisse von DFB-Stürmerin Laura Freigang innerhalb von zwölf Monaten. Bis zu zwei Jahre Sperre möglich, der DFB prüft.

Von Nina Hartmann 06. Juni 2026

Laura Freigang im Frankfurt-Trikot bei Real Madrid (Champions-League-Quali, 18.09.2025) - die Stürmerin sieht sich jetzt einem NADA-Verfahren wegen drei Meldeversäumnissen gegenüber (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Schwere Stunde für die DFB-Frauen-Stürmerin: Die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) hat am 5. Juni 2026 bestätigt, dass Eintracht-Frankfurt-Kapitänin Laura Freigang innerhalb der vergangenen zwölf Monate drei Meldeversäumnisse angesammelt hat. Drei sogenannte Whereabouts-Strikes innerhalb eines Jahres reichen nach dem NADA-Code für ein Disziplinarverfahren - mit einer Regelsperre von bis zu zwei Jahren. Die Mitteilung kam an einem Abend, an dem das DFB-Team in Köln mit dem 2:0 gegen Norwegen das Ticket für die Frauen-WM 2027 in Brasilien gelöst hat. Bundestrainer Christian Wück sieht Freigang aktuell nicht in der ersten Reihe seiner Stürmerinnen.

Was die NADA bestätigt hat

Die NADA spricht offiziell von “drei Versäumnissen im Rahmen der Meldepflichten”. Hinter dem Begriff steht eine Mischung aus zwei Kategorien, die der Welt-Anti-Doping-Code (WADA-Code) in Artikel 2.4 zusammenfasst: ein Filing Failure (verspätet oder unvollständig eingereichte Aufenthaltsmeldung) und ein Missed Test (die Athletin ist im hinterlegten 60-Minuten-Fenster am hinterlegten Ort nicht erreichbar). Drei dieser Versäumnisse - in welcher Mischung auch immer - innerhalb von zwölf Monaten erfüllen den Tatbestand “Verstoß gegen die Whereabouts-Pflichten” und werden in der Sanktionierung wie ein positiver Test behandelt.

Ausdrücklich nicht im Raum steht ein Doping-Vorwurf: alle Proben, die in dem Zeitraum tatsächlich genommen wurden, waren negativ. Die NADA geht nicht von einer Manipulation aus. Das macht den Fall sportrechtlich für die Spielerin angreifbar, aber öffentlich anders zu lesen als ein klassischer Doping-Fall.

Warum drei Strikes eine Sperre auslösen können

Die Whereabouts-Regelung gilt für Athletinnen und Athleten im Registered Testing Pool. Sie müssen täglich ein einstündiges Zeitfenster und einen Aufenthaltsort hinterlegen, an dem sie für eine unangekündigte Kontrolle erreichbar sind. Wer dreimal binnen zwölf Monaten gegen Meldepflicht oder Erreichbarkeit verstößt, riskiert nach Artikel 10.3.2 des NADA-Codes eine zweijährige Sperre - reduzierbar auf zwölf Monate, wenn die Athletin “geringes Verschulden” nachweist, oder verlängerbar bei Wiederholungstaten und vorsätzlichem Verhalten.

Vergleichsfälle aus dem Fußball sind selten, weil das System für Einzelsportarten konzipiert ist. Im Tennis hatte Simona Halep einen ähnlichen Fall in der Vergangenheit, im Boxen gibt es regelmäßige Verfahren. Im deutschen Frauenfußball ist Freigang nach Aktenlage der erste prominente Fall.

Was das für die DFB-Quali und Wücks Aufgebot bedeutet

Die DFB-Frauen haben das nächste Pflichtspiel am 10. Juni 2026 in Ljubljana gegen Slowenien, das nach dem 2:0 gegen Norwegen sportlich folgenlos ist. Wück hatte Freigang als Reservespielerin für das Aufgebot mit dem Hinweis dabei, dass die Personalfrage offen sei. Nach der NADA-Bestätigung am Freitag stellte er auf der Pressekonferenz klar: “Wir sehen andere Spielerinnen in ihrer Position vor ihr.” Eine Suspendierung ist das nicht - die Sperre kann nur das DFB-Sportgericht aussprechen. Aber Wück hat damit einen Trennstrich für die kommende Lehrgangsphase gezogen.

Die offenen Stürmerinnen-Plätze für die Frauen-WM 2027 in Brasilien waren auch vor dem NADA-Verfahren umkämpft: Lea Schüller ist gesetzt, Klara Bühl und Jule Brand spielen sich auf den Außenbahnen vorn fest, Marie Müller hat sich in Köln mit dem Debüttreffer gegen Norwegen empfohlen. Freigang war 2024 in Paris noch Bronze-Spielerin und hatte sich nach der EM 2025 als Wechselstürmerin im Wück-System eingerichtet. Sie war als 28-Jährige für die Brasilien-Vorbereitung eine sportlich relevante Kandidatin - das wird sie unabhängig vom Verfahrensausgang erst einmal nicht mehr sein.

Wie das DFB-Verfahren jetzt weitergeht

Die NADA leitet das Verfahren weiterhin an den zuständigen Verband ab. Der DFB hat die Disziplinarverantwortung übernommen und prüft jetzt durch die DFB-Anti-Doping-Stelle, ob die drei Meldeversäumnisse im Sinne des Verbandsrechts vorliegen und welche Sanktion angemessen ist. Erste Instanz wäre das DFB-Sportgericht, Rechtsmittel beim DFB-Bundesgericht. Letzte Berufungsinstanz ist der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne.

In der Praxis wird das Verfahren mit einer Anhörung Freigangs und einer Prüfung der Verschuldensfrage eröffnet. Die Spielerin kann zu jeder der drei dokumentierten Versäumnisse Stellung nehmen und versuchen, eines oder mehrere aus den Akten zu kippen. Gelingt ihr das nicht, ist die Sperre eine Frage der Höhe, nicht des Ob. Mit einem Spruch ist nach DFB-Praxis innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten zu rechnen. Bis dahin gilt sie als nicht gesperrt und ist für die Eintracht spielberechtigt - der DFB kann sie nicht nominieren, ohne die laufende Prüfung zu konterkarieren, ist dazu aber auch nicht verpflichtet.

Sportlicher Kontext: Frankfurt-Kapitänin, 44 Länderspiele, Brasilien-Plan

Laura Freigang, Jahrgang 1998, ist seit 2018 in Frankfurt - zunächst beim 1. FFC, nach der Eingliederung beim Frauen-Bereich von Eintracht Frankfurt. Sie ist Kapitänin, hat 44 A-Länderspiele und 17 Tore für die DFB-Auswahl bestritten und gehörte zur Olympia-Bronze-Mannschaft von Paris 2024. Bei der EM 2025 in der Schweiz gehörte sie zur DFB-Auswahl. Im laufenden Quali-Zyklus für die Frauen-WM 2027 hat sie nicht mehr durchgängig zur Startelf gehört, war aber regelmäßig nominiert.

Für die DFB-Frauen war der Freitag damit ein Tag mit zwei Schlagzeilen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, sich aber in der Rotation des Bundestrainers überschneiden: das gelöste Brasilien-Ticket auf der einen Seite, ein laufendes NADA-Verfahren gegen eine Stammkraft auf der anderen. Wück hat in der Pressekonferenz nach dem Spiel sportlich vorgesorgt - die Position von Freigang ist auf seinem Brasilien-Plan einstweilen vakant. Der nächste reguläre Aufschlag der DFB-Frauen nach Slowenien wird der erste Lehrgang der Brasilien-Vorbereitung, voraussichtlich im Herbst. Ob Freigang dort dabei ist, hängt nicht mehr nur an sportlichen Argumenten - sondern an dem, was die DFB-Anti-Doping-Stelle in den nächsten Wochen entscheidet. Die laufende Quali-Tabelle in der Übersicht der WM-Qualifikation der Frauen zeigt: die sportliche Lage ist sortiert, die personelle nicht.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

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