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Frauenfußball

DFB-Frauen vor Köln-Premiere: Mit einem Sieg gegen Norwegen ist die WM 2027 gebucht

Vorbericht zum WM-Quali-Endspurt der DFB-Frauen gegen Norwegen am 5. Juni 2026 in Köln. Anstoß 20:35 MESZ in der ARD. Was Sieg, Remis und Niederlage bedeuten.

Von Nina Hartmann 03. Juni 2026

Klara Bühl (DFB, Nr. 19) gegen Spaniens Ona Batlle im UEFA-Women's-Nations-League-Finale am 28.11.2025 - die Bayern-Flügelspielerin kehrt im WM-Quali-Endspurt gegen Norwegen ins DFB-Aufgebot zurück (Foto: Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Zwei Tage vor dem Anpfiff im Kölner RheinEnergie-Stadion liegt die Marschroute der DFB-Frauen auf einer Karteikarte: ein Sieg gegen Norwegen am Freitagabend, und das Ticket für die Frauen-WM 2027 in Brasilien ist gebucht. Bundestrainer Christian Wück geht das Quali-Endspiel mit einem 24-köpfigen Aufgebot an, das in den letzten zwei Wochen kleiner geworden ist als gewünscht - aber breit genug, um die rechnerisch beste Variante in der UEFA-Liga-A-Gruppe A4 sportlich umzusetzen.

Das Szenario: was Sieg, Remis und Niederlage bedeuten

Nach vier Spieltagen führt Deutschland die WM-Quali-Gruppe A4 mit zehn Punkten an, einen Zähler vor Norwegen. Die Tabellenarithmetik macht das Köln-Spiel zur vorgezogenen Entscheidung:

  • Sieg gegen Norwegen: Gruppensieg vorzeitig fix, direkte Qualifikation für die Frauen-WM 2027 in Brasilien. Das Slowenien-Spiel am 9. Juni in Ljubljana wäre sportlich folgenlos.
  • Remis: Vorsprung bleibt bei einem Punkt, Brasilien-Ticket wird in Ljubljana gelöst, wenn Deutschland mindestens punktet.
  • Niederlage: Norwegen zieht in der Tabelle vorbei, der direkte Weg ist verbaut, Deutschland müsste in die Play-off-Runde - sportlich unnötiges Risiko vor einem Sommer, in dem Wück die Stammelf für 2027 zementieren will.

Den Halbsatz “Wir wollen das hier in Köln klären” hat Wück am Trainingsmontag in Frankfurt zwar nicht ausgesprochen, aber in der Sache zwischen die Zeilen geschoben. Sein offizielles Zitat: “Wir werden nicht ins Zweifeln kommen. Jede weiß, worum es geht, und wir wissen, dass die Mannschaft bereit ist.”

Der Kader-Stand zwei Tage vor Anpfiff

Die Nominierung vom 26. Mai hat die Tür für fünf Rückkehrerinnen aufgemacht (mehr dazu im Vorbereitungs-Briefing zu Wücks Kader), die personelle Lage in dieser Woche aber noch einmal nachgeschärft. Stand zwei Tage vor Anpfiff:

  • Giulia Gwinn fehlt nach der bestätigten Schulter-OP. Die Kapitänin und gesetzte Rechtsverteidigerin reist nicht mit nach Köln, mögliche Vertreterinnen sind Sophia Kleinherne (Wolfsburg) oder Kathrin Hendrich (Chicago Red Stars).
  • Janina Minge ist nach Gelb-Rot im Österreich-Hinspiel gesperrt.
  • Nicole Anyomi und Franziska Kett fallen verletzt aus.
  • Bei Ann-Katrin Berger (Gotham FC) ist die Torhüterinnen-Position offen. Die Bauchverletzung, mit der sie aus den USA anreiste, wird im Trainingslager täglich neu bewertet. Sollte Berger nicht spielen, übernimmt Stina Johannes - eine Konstellation, die in Wücks Rotationsplan ohnehin angelegt war.
  • Zurück im Aufgebot sind Klara Bühl (Bayern), Sophia Kleinherne, Kathrin Hendrich, Marie Müller (Portland Thorns FC) und Melissa Kössler (Denver Summit FC) - bei Kössler die erste Nominierung seit 2024.

Linda Dallmann hat in Frankfurt die Stimmung des Aufgebots zusammengefasst: “Der Druck macht die WM-Quali auch ein Stück weit aus. Wir sind eine relativ junge Mannschaft, aber wir wissen, dass wir das hier zu Hause auf den Tisch bringen müssen.” Die Bayern-Spielmacherin hatte die ganze Woche über Wert auf das Kölner Publikum gelegt, das den Unterschied machen soll.

Norwegen mit Hegerberg und Graham Hansen: das Risiko für die DFB-Abwehr

Die offensichtlichste Gefahr für die deutsche Defensive sitzt in den Vereinen, in denen Norwegens Schlüsselspielerinnen ihre Form holen. Ada Hegerberg (Olympique Lyonnais) bleibt die Strafraumbedrohung Nummer eins - eine klassische Mittelstürmerin, die mit zwei Kontakten verwertet. Caroline Graham Hansen (FC Barcelona) ist auf dem rechten Flügel die Spielerin, die einer europäisch geschulten Abwehrkette mit Tempodribbling und Halbraumpässen am ehesten den nötigen Halbschritt abringt.

Seit dem 0:4 im Hinspiel im März in Stavanger hat das Team von Trainer Gemma Grainger vier Quali-Auftritte ohne Niederlage absolviert. Die Norwegerinnen kommen also nicht als geschlagene Mannschaft nach Köln, sondern als ein Aufgebot, das exakt einen Punkt aus dem RheinEnergie-Stadion mitnehmen muss, um die Quali in der Schlussrunde zu drehen. Wenn das DFB-Team gegen Norwegen die linke Innenverteidigung (vermutlich Sara Doorsoun oder Sjoeke Nüsken auf einer ungewohnten Position) nicht doppelt absichert, wird Graham Hansen der erste Ball sein, den die Norwegerinnen in jedem Umschaltmoment suchen.

Köln-Premiere und ARD-Slot: die organisatorischen Eckdaten

Das Spiel ist die erste Partie der DFB-Frauen im RheinEnergie-Stadion und die Rückkehr in die Domstadt nach den Heimspielen im April in Nürnberg. Anpfiff ist um 20:35 MESZ, Das Erste überträgt live. Rund 24.000 Tickets sind nach DFB-Angaben verkauft - für ein Frauen-Länderspiel in Deutschland ein starker Wert, getrieben vom Quali-Status und vom Gegner.

Pfeifen wird das Spiel ein spanisches Gespann um FIFA-Referee Marta Huerta De Aza. Assistentinnen sind Guadalupe Porras Ayuso und Eliana Fernández González, vierte Offizielle María Gloria Planes Terol. Mit Huerta De Aza und Porras Ayuso pfeift Spaniens Frauen-Spitzentrio in Köln - beide haben in den letzten Monaten zentrale Champions-League- und Liga-F-Spiele geleitet.

Was nach Köln kommt

Sportlich ist das Köln-Spiel der Schlüssel, organisatorisch aber nicht das letzte. Die DFB-Frauen spielen am Dienstag, 9. Juni, um 18:00 MESZ in Ljubljana gegen Slowenien (live im ZDF). Was Deutschland dort vorhat, hängt vom Köln-Resultat ab: Bei einem Sieg gegen Norwegen wird Wück Ljubljana für Rotation und Personalproben nutzen, bei einem Punktverlust wird das Spiel zum entscheidenden Match um den Gruppensieg. Bis zur Frauen-WM 2027 in Brasilien bleibt danach ein Jahr Vorbereitung - aber der Lehrgang vor Köln zeigt, dass Wück das Aufgebot für 2027 jetzt schon mit fünf bewussten Rückkehr-Entscheidungen zementiert.

Aus deutscher Sicht ist die Aufgabe in Köln klar formuliert. Das Selbstvertrauen aus dem 0:4 im Hinspiel in Stavanger liegt vor, das 0:0 im April in Österreich ist “ein kleiner Rückschritt” gewesen (Wück), den Bühl, Kleinherne und die Bank ausgleichen sollen. Der nächste Schritt zur dritten Frauen-WM-Teilnahme nach 2019 und 2023 ist der naheliegende - und es wäre dann die erste WM-Endrunde, die seit Wücks Amtsantritt ohne den Umweg der Play-offs gebucht wird.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

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