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Frauenfußball

Kathrin Hendrich kehrt in die Bundesliga zurück: 91 A-Länderspiele für den 1. FC Köln, Vertrag bis 2028

34-Jährige verlässt Chicago Red Stars und unterschreibt beim 1. FC Köln bis 2028. Für die Kölner erste Verpflichtung einer aktiven DFB-A-Nationalspielerin.

Von Nina Hartmann 07. August 2026

Kathrin Hendrich im DFB-Trikot bei der Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland (Kim Price/CSM/Zuma Press). Nach einer Saison in der NWSL bei den Chicago Red Stars wechselt die 34-jährige Innenverteidigerin zum 1. FC Köln und bleibt damit im Kader-Radius von Bundestrainer Christian Wück für die Frauen-WM 2027 in Brasilien. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die 34-jährige Innenverteidigerin Kathrin Hendrich kehrt nach nur einem Jahr in der US-amerikanischen NWSL in die Frauen-Bundesliga zurück und schließt sich dem 1. FC Köln an. Der Vertrag läuft bis zum Sommer 2028. Für den 1. FC Köln ist es der historisch erste Zugang einer aktiven deutschen A-Nationalspielerin, für Bundestrainer Christian Wück eine geografische Rückversicherung im Innenverteidigungs-Pool ein knappes Jahr vor der Frauen-WM 2027 in Brasilien.

Der Transfer im Überblick

Der Wechsel ist am Donnerstag, 6. August 2026, offiziell bestätigt worden. Hendrich verlässt die Chicago Red Stars nach 22 Ligaspielen in der NWSL 2025/26 und trainiert ab dem Beginn der Bundesliga-Vorbereitung mit der Mannschaft von Trainer Daniel Weber. Der 1. FC Köln lag in der abgelaufenen Frauen-Bundesliga-Saison im Mittelfeld der Tabelle und stellte für die deutsche Nationalmannschaft mit Sjoeke Nüsken eine feste Größe. Mit Hendrich rückt der Klub nun in eine andere Kategorie: erstmals in der Vereinsgeschichte steht eine aktuelle deutsche A-Nationalspielerin im Kader.

“Meine Vorfreude ist riesig, ich kann es kaum erwarten, für den 1. FC Köln zu spielen”, wird Hendrich in der Vereinsmitteilung zitiert. Nicole Bender-Rummler, Direktorin Frauen- und Mädchenfußball beim FC, betont die historische Dimension des Transfers: “Mit Kathrin Hendrich haben wir erstmals in unserer Vereinsgeschichte eine aktuelle deutsche A-Nationalspielerin verpflichtet.”

Was Hendrich für Wücks WM-2027-Kader wert ist

Hendrich steht bei 91 A-Länderspielen und fünf Toren, Stand 5. Juni 2026 vor der Länderspielperiode gegen Norwegen und Slowenien in der UEFA-Frauen-WM-Qualifikation. Sie war Teil der DFB-Delegation bei der Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland, wo sie in allen drei Vorrundenspielen (6:0 gegen Marokko, 1:2 gegen Kolumbien, 1:1 gegen Südkorea) die kompletten 90 Minuten spielte. Das Turnier endete für Deutschland als Vorrunden-Aus.

Für Bundestrainer Christian Wück ist Hendrich mit 174 cm Körpergröße eine der wenigen erfahrenen Innenverteidigerinnen im aktuellen Pool. Zusammen mit Marina Hegering, mit der sie über Jahre das Zentrum der DFB-Abwehr bildete, dazu Sara Doorsoun, Sophia Kleinherne und Rebecca Knaak steht dem DFB im Vorlauf zur Frauen-WM 2027 in Brasilien eine Abwehrreihe zur Verfügung, die sowohl Turniererfahrung als auch physische Präsenz mitbringt. Der Kontrast zur langen Ausfallliste der letzten Jahre - etwa der Schulter-OP von Giulia Gwinn - macht Hendrichs geografische Rückkehr in die Bundesliga für Wück doppelt wertvoll: Bundesliga-Spiele sind für den Bundestrainer live scoutbar, NWSL-Partien nur mit Verzögerung.

Ihre Turnier-Bilanz umfasst neben der WM 2023 auch die EM 2022 in England (Vize-Europameisterin) und Olympia 2024 in Paris (Bronze). Der Titelschrank umfasst darüber hinaus die UEFA Women’s Champions League 2015 mit dem 1. FFC Frankfurt, die Deutsche Meisterschaft 2022 mit dem VfL Wolfsburg und vier DFB-Pokal-Siege in Serie mit Wolfsburg (2021, 2022, 2023, 2024).

Nur eine Saison Chicago - was die NWSL-Bilanz zeigt

Hendrichs NWSL-Kapitel bleibt kurz. Nach dem Auslaufen ihres Wolfsburger Vertrags 2025 hatte sie den Schritt in die US-amerikanische Liga gewagt und für die Chicago Red Stars in der Saison 2025/26 22 Ligaspiele absolviert. Ohne eigenes Tor, aber als Stammspielerin in der Innenverteidigung des Vereins von Trainerin Lorne Donaldson. Die Rückkehr nach Deutschland bereits nach einer Saison ist bemerkenswert - das Modell “einmal NWSL, dann wieder Bundesliga” hatten zuletzt etwa Alexandra Popp (nie in die USA gewechselt) und Svenja Huth (Wolfsburg-treu) nicht durchlaufen; Hendrich gehört damit zur schmalen Gruppe von deutschen A-Spielerinnen, die nach einem Jahr NWSL zurück in die Frauen-Bundesliga wechseln.

Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: die Länderspielperiode Oktober 2026 mit den Test-Partien gegen Australien in Karlsruhe und Japan in Bremen markiert den ersten Härtetest der DFB-Vorbereitung auf die WM 2027. Hendrich kann sich beim FC von Beginn der Vorbereitung an in einer europäischen Trainingsroutine akklimatisieren, statt zwischen Chicago-Zeitzone und deutschem Länderspiel-Rhythmus zu pendeln.

Für Köln ein historischer Zugang

Nicole Bender-Rummlers Wortwahl “erstmals in unserer Vereinsgeschichte” ist keine Marketing-Formel, sondern ein Meilenstein. Der 1. FC Köln hat zwar mit Sjoeke Nüsken und in der Vergangenheit mit Selina Cerci Frauenfussball-Namen ausgebildet oder gehalten, eine aktive A-Nationalspielerin, die zum Zeitpunkt des Zugangs bereits im DFB-Kader stand, hatte der Klub bislang nie verpflichtet. Der Transfer passt in eine kölnische Frauen-Strategie, die seit dem Aufstieg zurück in die Frauen-Bundesliga auf Erfahrung, Führungsspielerinnen und Namensverpflichtungen setzt und dabei die 32.398 Zuschauer beim WM-2027-Direktticket-Sieg der DFB-Frauen im RheinEnergieStadion am 5. Juni 2026 als Belastungsprobe für das eigene Vermarktungspotenzial genommen hat.

Für den Verein ist Hendrich das Argument in Sponsoringgesprächen, für die Fans der Beleg, dass die Frauen-Abteilung ernst gemeint ist, und für die Bundesliga ein Gewinn an Marktbreite: bislang waren die A-Nationalspielerinnen im Ligenrepertoire deutlich stärker in Wolfsburg, Frankfurt, Leverkusen und München gebündelt.

Was jetzt bis zur Frauen-WM 2027 folgt

Der Kalender bis zur WM 2027 ist klar getaktet. Die UEFA-Frauen-WM-Qualifikation ist für Deutschland durch den 2:0-Sieg gegen Norwegen am 5. Juni 2026 in Köln erledigt - das Direktticket für Brasilien ist fix. Die Länderspielperiode Oktober 2026 dient reinen Testzwecken (Australien am 9. Oktober in Karlsruhe, Japan am 13. Oktober in Bremen), gefolgt von einer weiteren Fenster-Doppelung im November und den regulären UEFA-Nations-League-Terminen im Winter und Frühjahr. Die Kaderfindung des DFB-Bundestrainers Wück läuft ab jetzt in Richtung eines vorläufigen WM-2027-Aufgebots, das im späten Frühjahr 2027 stehen dürfte.

Hendrich hat sich mit dem Wechsel den kürzesten Weg zurück in dieses Aufgebot geschaffen. Die Frauen-WM 2027 in Brasilien beginnt am 24. Juni 2027 und endet mit dem Finale am 25. Juli 2027 im Maracanã in Rio de Janeiro - Hendrich wäre dann 35 Jahre alt, ihr Vertrag beim 1. FC Köln läuft noch bis Sommer 2028, hätte damit auch für die anschließende Nachbereitung eine belastbare Klub-Basis.

Für das größere Bild der Frauen-Bundesliga ist der Transfer ein Signal: mit dem 1. FC Köln, dem SC Freiburg und Werder Bremen etablieren sich neben den vier Titel-Aspiranten Wolfsburg, Bayern, Frankfurt und Leverkusen Vereine im Mittelfeld, die aktiv um DFB-Namen konkurrieren. Wer den Frauen-Hub auf dieser Seite verfolgt, wird die Ligenlandschaft in der Vorbereitung auf das WM-Jahr 2027 vielschichtiger und marktdurchsetzter sehen als in den drei Jahren nach dem EM-2022-Sommer.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

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