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WM 2026

Iran darf nur an Spieltagen in die USA: Botschafter bestaetigt 2000-km-Roundtrips zur WM 2026

Botschafter Pasandideh bestaetigt am 6. Juni: Team Melli darf nur am Spieltag in die USA, muss am selben Tag zurueck nach Tijuana. Bis zu 2000 km Reise pro Spiel.

Von Marco Feldmann 07. Juni 2026

Die FFIRI um Verbandspraesident Mehdi Tadsch (Archiv 2022) muss ihre WM-Vorbereitung jetzt unter der neuen US-Einreise-Regel planen: Iran darf nur am Spieltag in die USA und muss am selben Abend wieder ausreisen (Foto: Zuma Press / Archiv). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die WM-Vorbereitung Irans ist seit dem 6. Juni 2026 unter einer scharfen logistischen Klammer eingespannt. Wenige Stunden nachdem in Ankara die Spieler-Visa fuer Team Melli erteilt worden waren, machte Abolfazl Pasandideh, Botschafter der Islamischen Republik Iran in Mexiko, vor Reportern in Mexiko-Stadt die zweite Seite der Genehmigung publik: Die iranische Delegation darf ausschliesslich am Spieltag in die USA - und muss noch am selben Tag das Land wieder verlassen. Drei Spiele, drei Tagestrips: zwei mal Los Angeles, einmal Seattle. Ein Auftakt im Schatten der Politik, nicht der sportlichen Vorbereitung.

Was Botschafter Pasandideh gesagt hat

Pasandidehs Satz, am 6. Juni in Mexiko-Stadt, ist knapp und unmissverstaendlich: “Wir koennen morgens einreisen und muessen noch am selben Tag wieder ausreisen.” Mit dem “wir” meint der Botschafter die iranische Mannschaft, den Trainerstab unter Amir Ghalenoei und die akkreditierte Begleit-Delegation. Die Aussage bestaetigt die seit Tagen kursierende Erwartung, dass die im letzten Moment erteilten US-Visa an scharfe Auflagen geknuepft sind - Visa-Erteilung ja, dauerhafter Aufenthalt nein.

Konkret heisst das fuer Team Melli:

  • Morgens an einem Spieltag Charter-Abflug von Tijuana International Airport ueber San Diego in den US-Luftraum.
  • Abends Spielanpfiff im US-Stadion.
  • Nachts Charter-Rueckflug nach Tijuana.

Trainings, Walk-throughs, Video-Sitzungen, Team-Essen und Reha bleiben aussschliesslich in Mexiko. Auch fuer den Stab gilt: kein US-Hotel, keine vorgelagerte Stadion-Begehung am Vortag, keine Press Conference auf US-Boden.

Tijuana statt Tucson - Wie die Logistik funktioniert

Tijuana ist nicht der ursprueglich vorgesehene Standort. Die FFIRI hatte fuer den Mai-Juni-Zeitraum ein Camp in Tucson/Arizona angesteuert - 850 Kilometer von Los Angeles, im US-Visum-Gebiet, mit etablierter Trainingsinfrastruktur. Als Anfang Mai klar wurde, dass die US-Visa fuer das Team nicht rechtzeitig kommen, kam Tijuana ins Spiel - direkt suedlich der US-Grenze in San Diego, infrastrukturell deutlich schmaler als Tucson, aber politisch und prozessual ueberhaupt machbar. Wir hatten bereits berichtet, wie die FIFA das Tijuana-Quartier formell genehmigt hat - das war die Voraussetzung fuer Pasandidehs Aussage am 6. Juni.

Praktisch nutzt Iran nun den Tijuana International Airport (Aeropuerto Internacional General Abelardo L. Rodriguez), der direkt an die US-Grenze grenzt und ueber das “Cross Border Xpress” auch zu Fuss aus San Diego erreichbar ist. Fuer Charter-Fluege ist Tijuana ein vergleichsweise unkomplizierter Standort - im Spielmodus aber fuer eine 26-koepfige Spielerdelegation plus Stab plus FIFA-Beobachter eine taegliche Operation, die Stunden statt Minuten dauert.

Was es fuer die drei Iran-Spiele konkret heisst

Iran spielt in Gruppe G mit Belgien, Aegypten und Neuseeland. Aus dem Pasandideh-Statement laesst sich die Reise-Belastung pro Spiel ableiten:

  • 16. Juni, 03:00 MESZ (15. Juni 18:00 Pacific Time), Los Angeles - Iran gegen Neuseeland. Tijuana-Los Angeles ist rund 230 Kilometer Luftlinie nach Norden, kalkulatorisch ein Charter-Flug von rund 50 Minuten plus Grenze - der nominell harmloseste Trip der Gruppe.
  • 21. Juni, 21:00 MESZ, Los Angeles - Belgien gegen Iran. Gleiche Distanz, gleiche Logistik wie Spiel eins. Dieser Tag ist allerdings ein Sonntag mit kuerzeren Slot-Fenstern an US-Flughaefen - die Grenzformalitaeten koennten enger werden.
  • 27. Juni, 05:00 MESZ (26. Juni 20:00 Pacific Time), Seattle - Aegypten gegen Iran. Hier reisst die Geometrie: Tijuana-Seattle ist rund 2000 Kilometer eine Strecke. Bei strikter Einreise- und Ausreise-Regel an einem einzigen Tag bedeutet das am 26. Juni am Vormittag US-Zeit Abflug Tijuana, Flugzeit ueber Mexiko-USA-Grenze plus Inlands-Strecke rund vier Stunden, danach Hotel-Check-in entfaellt - Stadion-Vorbereitung im “Day-of-Mode” wie nach einem Reise-Spiel in der Champions League, Anpfiff am Abend, Charter zurueck nach Mexiko. In Summe rund 4000 Kilometer Round Trip am Spieltag.

Fuer den Trainings- und Erholungs-Rhythmus von Trainer Amir Ghalenoei ist das ein erheblicher Faktor. Die Stammelf um Mehdi Taremi, Sardar Azmoun und Alireza Jahanbakhsh muss mit Reise- statt Trainings-Wochenenden in die WM gehen. Die Iran-Saeule zur WM 2026 (Kader, Gruppe, Spielplan) ist um diesen logistischen Datenpunkt entsprechend ergaenzt.

Diplomatischer Kontext: Tom Barrack, Visa-Drama und die FFIRI-Kritik

Die Visa-Frage hat sich ueber zwei Wochen aufgebaut. Zunaechst war iranischen Funktionaeren das US-Visum ueberhaupt verwehrt worden - rund zwoelf Stab-Mitglieder, darunter Verbandspraesident Mehdi Tadsch, durften nicht in die USA. Erst die Last-Minute-Erteilung der Spieler-Visa ueber die US-Botschaft in Ankara wurde von US-Botschafter Tom Barrack als Erfolg verkauft.

Mit dem Pasandideh-Statement ist klar, dass die Erteilung an enge Auflagen geknuepft war. Die iranische Botschaft in Ankara hatte das schon am 5. Juni als “willkuerliche und diskriminierende Behandlung der iranischen Mannschaft” bezeichnet. Die FIFA, die seit Wochen vermittelt, hat sich am 6. Juni nicht oeffentlich geaeussert. Der Saeulen-Artikel zur USA-Reise und WM-Einreise ordnet den breiteren Kontext fuer Fans und Delegationen ein - die Spieltag-Regel fuer Iran ist die scharfeste Auspraegung der politischen Spielregel, die die WM 2026 in den USA pruegt.

Den kompletten WM-2026-Spielplan inklusive der drei Iran-Spiele in deutscher Zeit findest du in unserem Hub.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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