Iran-Funktionaere ohne US-Visa: Verbandspraesident Tadsch bleibt zur WM 2026 zu Hause
Tasnim meldet am 6. Juni: rund zwoelf iranische Verbands-Funktionaere bekommen keine US-Visa fuer die WM 2026. Auch Verbandspraesident Mehdi Tadsch ist dabei.
Von Marco Feldmann 06. Juni 2026
Iran reist am Samstag mit einer geteilten Delegation in Richtung WM 2026. Wenige Stunden nachdem die Spieler-Visa fuer Team Melli ueber die US-Botschaft in Ankara bestaetigt worden waren, meldet die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am 6. Juni gegen Mittag MESZ: Rund zwoelf Funktionaere des iranischen Fussball-Verbandes FFIRI bekommen keine US-Visa fuer das Turnier. Darunter, prominent, Verbandspraesident Mehdi Tadsch. Bestaetigt wurde die Meldung von sportschau im WM-Liveblog (06.06.2026, 12:19 Uhr). Eine offizielle FFIRI-Erklaerung steht noch aus.
Wer auf der Liste steht - die zwoelf Namen
Tasnim nennt die folgenden Funktionaers-Rollen, fuer die die Visa-Antraege abgelehnt oder nicht genehmigt wurden:
- Verbandspraesident Mehdi Tadsch (FFIRI seit 2022, davor 2016-2019)
- Teammanager der A-Nationalelf
- Mehrere Vertreter des iranischen Aussenministeriums
- Mitarbeiter aus dem Sicherheitsbereich der Delegation
- Der Pressechef der FFIRI
Die genaue Zahl der abgelehnten Antraege liegt nach Tasnim-Angaben bei etwa zwoelf. Ein offizielles Verbands-Statement gibt es weder aus Teheran noch aus Tijuana; die US-Botschaft Ankara hat sich zu Einzelfaellen wie ueblich nicht geaeussert. Aus dem US-Aussenministerium kommen keine Gruende - Visa-Ablehnungen werden in den Bescheiden mit Paragraphen begruendet, nicht mit Sachverhalten.
Spieler ja, Funktionaere nein - der Zwei-Klassen-Status
Der Fall illustriert, was die USA-Reise-Pillar seit Wochen einordnet: Trotz politischer Spannung haben die USA fuer die Spieler aller 48 Teilnehmer eine Einreise-Garantie - das hatte FIFA-Praesident Gianni Infantino in Abstimmung mit dem Weissen Haus zugesichert. Fuer die Funktionaers-Delegationen gilt diese Garantie nicht in derselben Konsequenz: Antraege laufen ueber dieselben Konsular-Verfahren wie zivile Geschaeftsreisen. Wer in der Trump-Administration unter dem ESTA-Streit zwischen Washington und Teheran auffaellig wird, bekommt die Ablehnung - oder hoert wochenlang nichts.
Genau dieser Punkt war am 3. Juni der zentrale Sorgenfall vor dem WM-Auftakt: Wer kommt rein, wer nicht? Bei den Spielern hat am Ende der direkte FIFA-Draht und der Vermittlungs-Push von US-Botschafter Tom Barrack den Knoten geloest. Fuer den Verbands-Stab hat dieser Push offenbar nicht gereicht.
Tijuana-Plan B - Antrag neu stellen, aus Mexiko
Operativ aendert die Ablehnung am Samstag wenig. Die Funktionaere reisen laut Tasnim mit der Mannschaft via Spanien nach Tijuana - dem WM-Quartier der iranischen Delegation, das die FIFA Anfang Mai genehmigt hatte. Aus Tijuana heraus wollen die Betroffenen ihre US-Visa-Antraege neu stellen: Die mexikanische Grenzstadt liegt 30 Kilometer suedlich von San Diego, eine US-Konsular-Vertretung ist erreichbar.
Garantien fuer einen schnelleren zweiten Anlauf gibt es nicht. Antrags-Bearbeitungszeiten an US-Konsulaten in Mexiko liegen aktuell bei mehreren Wochen; eine Vorrang-Behandlung muesste die FIFA neu erwirken. Realistisch ist: Mehdi Tadsch und seine Funktionaers-Gruppe verfolgen die Iran-Spiele am 16. Juni in Los Angeles (vs. Neuseeland) entweder aus Mexiko oder gar nicht - die Vorberichts-Phase ist bereits jetzt nicht mehr aus den USA zu organisieren.
Was es fuer die Iran-WM bedeutet
Sportlich ist die Auswirkung gering. Trainer Amir Ghalenoei hat seinen 26er-Kader zusammen, alle Spieler-Visa liegen vor, das Turnier startet fuer Iran am 16. Juni um 03:00 Uhr MESZ in Los Angeles. In der Gruppe G folgen am 21. Juni das Duell mit Belgien und am 27. Juni das mit Aegypten in Seattle.
Politisch ist der Fall heiss. Eine Verbands-Spitze, die ihre eigene WM nicht im Stadion erlebt, ist ein offizielles Signal in eine Debatte, die die FIFA bisher klein gehalten hat. Bereits Anfang Juni hatte die Sport Rights Alliance den Verband aufgefordert, das politische Klima um die WM in den USA klarer zu adressieren. Die heutige Tadsch-Meldung gibt der Forderung einen konkreten Namen.
Was als naechstes klar werden muss
Drei Punkte sind in den naechsten 24 bis 48 Stunden offen:
- Offizielle FFIRI-Bestaetigung der Tasnim-Liste: Stimmen die Rollen, stimmt die Zahl?
- FIFA-Reaktion auf die Funktionaers-Ablehnung: Folgt eine Stellungnahme, eine Vermittlung, ein Schweigen?
- Zweitantrag in Mexiko: Wer wird priorisiert bearbeitet, wer nicht?
Bis dahin steht fest: Iran reist als Mannschaft komplett, als Verband geteilt. Fuer die WM 2026 ist es der erste konkrete Fall, in dem die politische Trump-Linie im Konsular-Alltag eines Teilnehmer-Verbandes ankommt.
Quellen und weiterfuehrende Beitraege
- Iran-Spieler-Visa via Ankara erteilt (5. Juni) - die Vorgaenger-Meldung.
- Iran-Mexiko-Visa erteilt, USA-Einreise offen (3. Juni) - die Vorgeschichte aus dem WM-Quartier.
- Iran-Kader fuer die WM 2026 - der 26er-Kader von Trainer Ghalenoei.
- Infantino, Trump und die FIFA - der politische Hintergrund.
- Sport Rights Alliance zur WM 2026 - die Menschenrechts-Perspektive.
- Pillar: WM 2026 in den USA - Reise und Einreise - der Rahmen.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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