Iran - Neuseeland 2:2: Just trifft doppelt, Rezaeian und Mohebi drehen das Spiel zweimal
Iran kommt beim WM-Auftakt 2026 zweimal zurück: Just trifft doppelt (7., 55.), Rezaeian per Außenrist und Mohebi per Kopfball gleichen Neuseeland zum 2:2 aus.
Von Marco Feldmann 16. Juni 2026
Iran ist beim WM-Auftakt 2026 zweimal zurückgekommen: Iran und Neuseeland trennten sich am 15. Juni im SoFi Stadium von Inglewood 2:2 (1:1). Elijah Just brachte die All Whites in der 7. Minute aus acht Metern in Führung, Ramin Rezaeian glich in der 32. Minute per Außenrist nach einem Gestocher im Strafraum aus. Nach der Pause schlug Just in der 55. Minute mit einem zweiten klinischen Abschluss nach einer Kombination mit Chris Wood zu, doch Mohammad Mohebi köpfte in der 64. Minute nach einer Rezaeian-Flanke zum Endstand ein. Es war der WM-Auftakt der Gruppe G und die 38. Partie dieser Endrunde - politisch begleitet von einem Pfeifkonzert während der iranischen Hymne und vom vielfachen Auftauchen der Löwe-mit-Schwert-Sonne-Flagge der Pre-1979-Diaspora, die das Los Angeles County Superior Court erst am Spieltag offiziell der FIFA zur Untersagung freigegeben hatte. Iran-Trainer Amir Ghalenoei mahnte hinterher: “Es ist Aufgabe der FIFA, Fußball und Politik zu trennen. Wir sind keine politischen Menschen.” Der 38-jährige Mehdi Taremi, der bei der WM 2026 erstmals das iranische Kapitänsband trägt, blieb ohne eigenen Torabschluss - die Tore fielen aus dem Mittelfeld und vom Außenverteidiger. Eine ausführliche Vorab-Analyse zur Aufstellung und zu den Achtelfinal-Chancen steht im Iran-Neuseeland-Vorbericht mit WM-Rechner.
Spielort, Endstand und Daten zur 38. Partie
| Datum | 15. Juni 2026 Ortszeit (PDT) / 16. Juni 2026 MESZ |
|---|---|
| Anstoss | 18:00 Uhr PDT (03:00 Uhr MESZ) |
| Stadion | SoFi Stadium / Los-Angeles-Stadion, Inglewood, Kalifornien (~70.000 Plätze) |
| Wettbewerb | WM 2026, Gruppe G, 1. Spieltag (Partie 38 von 104) |
| Endstand | Iran - Neuseeland 2:2 (1:1) |
| Tore | 0:1 Just (7., 8 Meter), 1:1 Rezaeian (32., Außenrist), 1:2 Just (55., nach Wood-Vorlage), 2:2 Mohebi (64., Kopfball nach Rezaeian-Flanke) |
| Iran-Trainer | Amir Ghalenoei |
| Neuseeland-Trainer | Darren Bazeley |
| Schiedsrichter | Glenn Nyberg (Schweden) |
Das Spiel im Großraum Los Angeles war das letzte WM-Spiel des Montags und für deutsche Zuschauer ein Mitten-in-der-Nacht-Programm. Iran und Neuseeland teilen sich die Gruppe G mit Belgien und Ägypten, die sich am Vortag in Seattle ebenfalls 1:1 trennten (Spielbericht Belgien gegen Ägypten). Das SoFi Stadium liegt nicht in Los Angeles selbst, sondern in Inglewood, etwa zehn Kilometer südwestlich von Downtown LA und in Sichtweite des Los Angeles International Airport. Eröffnet im September 2020 als NFL-Heimat der Los Angeles Rams und Chargers, gilt es mit seinem halb-offenen Dach und der ovalen Doppel-Videoleinwand als spektakulärste Neubau-Arena der USA. Hintergrund zum Spielort liefert das Stadionprofil SoFi Stadium / Los Angeles.
Erste Halbzeit: Frühe Just-Führung, Rezaeian-Außenrist gleicht aus
Bazeley schickte die All Whites in einem disziplinierten 4-4-2 aufs Feld - genau in dem Block, der schon in den beiden Generalproben gegen England (0:1 in Tampa) und Haiti (0:4 in Florida) zwar Niederlagen, aber kompakte erste Halbzeiten produziert hatte. Im Tor stand Max Crocombe, in der Viererkette der Routinier-Block um Liberato Cacace, Michael Boxall, Tommy Smith und Storm Roux. Im Mittelfeld-Quadrat schob Marko Stamenic neben Matthew Garbett, Sarpreet Singh und Elijah Just die Außenbahnen breit. Vorne der Premier-League-Routinier Chris Wood als Solo-Spitze, dahinter Kosta Barbarouses als Halbstürmer. Ghalenoei stellte Iran in seinem inzwischen vertrauten 4-2-3-1: Payam Niazmand im Tor, in der Vierer-Reihe Ehsan Hajsafi, Hossein Kanaanizadegan, Aref Aghasi und Ramin Rezaeian auf der rechten Seite. Auf der Doppelsechs Ahmad Nourollahi und Saeid Ezatolahi, dahinter Alireza Jahanbakhsh, Mehdi Ghoddos und Mohammad Mohebi als offensives Trio hinter Kapitän Mehdi Taremi.
Bazeleys Plan ging zunächst auf. Bereits in der 7. Minute kombinierte Neuseeland über die linke Seite, ein Pass kam in den Strafraum, und Elijah Just schob aus acht Metern flach links unten ein - 0:1 für die All Whites. Es war Neuseelands erstes WM-Tor seit dem 16. Juni 2010, als Winston Reid in Südafrika gegen die Slowakei in der Nachspielzeit zum 1:1 ausgleichen konnte. Just, 27-jähriger Mittelfeldspieler vom dänischen FC Midtjylland, zelebrierte in einer leeren halben Stunde der Iran-Anhänger.
Iran reagierte. Das Team Melli verlagerte den Spielaufbau auf die rechte Seite, wo der 36-jährige Rezaeian den Großteil der iranischen WM-Erfahrung bündelt - mit Persepolis-Vergangenheit, Schaltzentrale in Brasil-Süd-Persiens 4-2-3-1 und WM-2018-Erfahrung. In der 32. Minute versuchte Iran in einem Set-Piece-Sturm, Ezatolahi köpfte ans Außennetz, der Ball kam zurück in den Strafraum, ein Gestocher entstand, und Rezaeian fasste sich ein Herz und drehte mit dem Außenrist des rechten Fußes ein - der Ball schlängelte sich an Crocombe vorbei zum 1:1. Es war eine Tor-Choreographie, die mehr nach Brasilianer als nach Iraner aussah und Rezaeian den ersten WM-Treffer seiner Karriere bescherte.
Die letzten Minuten der ersten Halbzeit gehörten Iran nach Statistik, Neuseeland nach Effizienz - eine Konstellation, die sich in der zweiten Halbzeit wiederholen sollte. Bei der Pause stand es 1:1, und das SoFi Stadium war zwischen iranischen und neuseeländischen Anhängern, neutralen US-Zuschauern und der politisch-aktiven iranischen Diaspora aus Los Angeles geteilt.
Zweite Halbzeit: Just-Doppelpack und Mohebi-Kopfball
Bazeley wechselte zur Pause nicht - die All Whites kamen mit derselben Elf zurück, die in den ersten 45 Minuten den ersten WM-Treffer seit 16 Jahren erzielt hatte. Ghalenoei brachte die Wechsel später. Der erste neuseeländische Sturm der zweiten Halbzeit war wieder der gefährlichere. In der 55. Minute kombinierten Chris Wood und Just am Strafraum-Rand, Wood legte aus dem Lauf quer, und Just schob aus kurzer Distanz erneut flach unten ins lange Eck ein - 1:2 aus Iran-Sicht, der zweite Treffer für den Midtjylland-Routinier. Just war damit der erste Doppelpack-Schütze der WM 2026, der dabei nicht den Sieg holte.
Ghalenoei reagierte mit einem Doppelwechsel. Auf der linken Seite kam ein frischer Halbstürmer, im Mittelfeld eine neue Achter-Rolle. Iran zog das Spiel-Tempo an und drückte die All Whites in die eigene Hälfte. Mohammad Mohebi, der 26-jährige Bezirkenia-Tabriz-Flügelstürmer, der in den Generalproben nur als Joker zum Zug gekommen war, zog von der linken Halbposition in die Mitte. In der 64. Minute flankte Rezaeian von der rechten Seite scharf in den Strafraum, und Mohebi köpfte präzise ins linke Eck - 2:2, Crocombe ohne Chance. Es war Mohebis dritter WM-Quali-Treffer in seinem ersten WM-Endrunden-Spiel und die erste Kopfball-Vorlage einer iranischen WM-Partie seit 2018.
Die Schluss-Phase wurde offen. Iran drückte auf den Sieg, Neuseeland verteidigte mit hoher Disziplin. Taremi kam dreimal aus der Drehung zum Abschluss, fand aber jeweils Crocombe oder das Außennetz. In der 85. Minute klärte Tommy Smith einen Volleyschuss von Ezatolahi auf der Linie, in der 90.+3 parierte Crocombe einen Distanzversuch von Nourollahi. Bazeley brachte spät den 32-jährigen Allrounder Marko Stamenic als zusätzlichen Sechser und hielt das 2:2. Der schwedische Schiedsrichter Glenn Nyberg pfiff nach fünf Minuten Nachspielzeit ab.
Atmosphäre: Pfeifkonzert, Lion-and-Sun-Flagge und ein Gerichtsurteil am Spieltag
Bereits Stunden vor dem Anstoss war im SoFi Stadium klar, dass dieser Spiel-Tag kein normaler WM-Auftakt werden würde. Die FIFA hatte schon vor dem Turnier das Pre-1979-Iran-Symbol - der Löwe mit Schwert vor einer Sonne, in der Diaspora seit Jahrzehnten als Lion-and-Sun-Flagge das Symbol des Widerstands gegen die Islamische Republik - untersagt; FIFA-Regularien verbieten politische Botschaften im Stadion. Das Los Angeles County Superior Court hatte am Spieltag eine Anhörung dazu durchgeführt und entschieden, dass die FIFA dieses Verbot durchsetzen darf - eine Genehmigung, keine Anordnung. Ordnerinnen und Ordner kassierten an den Einlässen mehrfach Flaggen ein, das pre-revolutionäre Symbol war im Stadion-Innen-Bereich aber dennoch vielfach zu sehen.
Während der iranischen Hymne erhoben Teile des Publikums ein gellendes Pfeifkonzert - eine Szene, die schon bei WM-Endrunden 2014, 2018 und 2022 in dieser Form Iran-Spiele begleitet hatte. ARD-Reporter Torben Börgers beschrieb die Pre-Match-Stimmung “als sehr ernst, mit sehr ernsten Gesichtern, was außergewöhnlich war”. Sobald der Ball rollte, drehte sich die Wahrnehmung - die Atmosphäre im Stadion sei “außergewöhnlich gut” gewesen, das iranische Team habe “extreme Unterstützung” von den eigenen Anhängern erhalten. Es war ein Atmosphäre-Bogen, der das WM-2022-Iran-Spiel gegen England (Hymne als Verweigerung als politisches Statement) und das WM-2018-Iran-Spiel gegen Marokko (Pfeifkonzert von marokkanischen Fans gegen Iran) miteinander verband.
Sportminister Ahmad Dondschamali hatte vor der Abreise iranische Funktionäre dazu aufgerufen, das Spiel sofort abzubrechen, sollten “Banner und Parolen gegen die Islamische Republik” auf den Rängen erscheinen (Vorab-Bericht zur Spielabbruch-Drohung). Dazu kam es nicht. Ghalenoeis Spiel-PK-Statement war diplomatisch: “Es ist Aufgabe der FIFA, Fußball und Politik zu trennen. Wir sind keine politischen Menschen.” Auf neuseeländischer Seite kommentierte Doppelpack-Schütze Just sein Endergebnis nüchtern: “Ein Punkt ist für uns akzeptabel. Das Spiel gibt uns viel Positives, auf dem wir aufbauen können.”
Was das 2:2 für Gruppe G heißt: Ausblick auf Matchday 2
Mit dem 2:2 zwischen Iran und Neuseeland und dem 1:1 zwischen Belgien und Ägypten haben nach dem ersten Spieltag alle vier Mannschaften der Gruppe G einen Punkt - eine Konstellation, die sich nach Matchday 1 außerdem auch in Gruppe H wiederfindet. Iran hat damit das verschenkt, was Rezaeian und Mohebi sich erspielt hatten - aber mit der Kompaktheit zumindest die wichtigste Erkenntnis abgeräumt: Das Team Melli kann gegen die schwächste Mannschaft der Gruppe nicht durchmarschieren, aber es kommt zurück, wenn es zurückkommen muss. Neuseeland hat den ersten WM-Punkt seit 16 Jahren geholt und steht damit anders da als 2010, wo die All Whites nach drei Unentschieden mit drei Punkten als ungeschlagene Gruppen-Vierten ausschieden.
Der Spielplan der nächsten Tage ist eng. Iran spielt am Sonntag, 21. Juni, um 21:00 Uhr MESZ wieder im SoFi Stadium - diesmal gegen Belgien, das nach dem 1:1 gegen Ägypten ebenfalls Druck hat. Neuseeland trifft am Montag, 22. Juni, um 03:00 Uhr MESZ in Seattle auf Ägypten. Damit könnte schon am 22. Juni ein erster Sieger feststehen, oder Gruppe G zu jener Vorrundengruppe werden, die in der WM-Geschichte am offensten ins letzte Gruppenspiel geht. Bazeleys Plan, gegen Ägypten den zweiten Punkt mit weniger Just-Glanz zu holen, dürfte ähnlich aussehen wie der gegen Iran - kompakt verteidigen, mit Chris Wood die Konter setzen und auf einen Just-Standardmoment hoffen. Der Überblick zu allen 104 Spielen liegt im WM-Spielplan 2026 bereit.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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