Zum Inhalt springen
DFB-Team

Klopps erster DFB-Kader ist da: 44 Spieler, 13 Debutanten, zwei Wellen

Juergen Klopp beruft 44 Spieler in seinen ersten DFB-Kader - 24 fuer Amsterdam und Augsburg, 21 fuer Muenchen und Thessaloniki, ter Stegen als Nummer eins, 13 Debutanten.

Von Lukas Brandt 17. September 2026

Bundestrainer Juergen Klopp und DFB-Sportdirektor Rudi Voeller am Rande des Franz-Beckenbauer-Supercups Borussia Dortmund gegen FC Bayern Muenchen (1:2) am 22.08.2026 im Signal Iduna Park - dasselbe Fuehrungs-Duo verkuendete am 17.09.2026 in Frankfurt Klopps ersten DFB-Kader (Foto: Actionpress / osnapix / Marcus Hirnschal). Foto: Actionpress via SmartFrame

Der Zettel liegt seit 10:00 Uhr MESZ auf dem Rednerpult im DFB-Campus Frankfurt. Er umfasst nicht 23 Namen, wie es die UEFA fuer die Nations-League-Match-Kader vorschreibt, sondern 44. Er ist in zwei Bloecke geteilt - 24 Spieler fuer die ersten beiden Partien in Amsterdam und Augsburg, 21 Spieler fuer die spaeteren Auftritte in Muenchen und Thessaloniki. Nur ein einziger Name taucht auf beiden Listen auf. So sieht Juergen Klopps erster Kader als deutscher Bundestrainer aus - die Vollzug-Materialisierung des drei Tage zuvor als “Riesenkader”-Gedankenspiel angekuendigten Formats.

Der Wortlaut der Kaderansage: XXL-Aufgebot in zwei Listen

Der Termin ist seit 25. August offiziell fixiert: Donnerstagvormittag, 17.09.2026, DFB-Campus Frankfurt am Main, Klopp am Pult, Sportdirektor Rudi Voeller flankierend. Bundes-Praesident Bernd Neuendorf ist nicht persoenlich anwesend. Die Pressekonferenz beginnt um 10:00 Uhr MESZ, um 10:30 Uhr veroeffentlicht die Sportschau die offizielle Uebersicht - kicker hatte bereits um 10:07 Uhr mit der Ueberschrift “DFB-Kader: Klopp beruft 44 Spieler - darunter elf Neulinge” die Zahl bestaetigt. In der Folge korrigiert der sportschau-Bericht die Zahl der Debutanten auf 13.

Der Kader ist bewusst gross. Klopp und sein Trainerteam hatten die Format-Entscheidung am Sonntag, 14.09., oeffentlich vorbereitet - der sportschau-Bericht von 16:30 Uhr sprach damals von einem Aufgebot, das “viel groesser sein” werde “als die vorgeschriebenen 23 Spieler”. Die konkrete Zahl 44 uebertrifft die dort gestreute Erwartung von 28 bis 32 klar. Zum Vergleich: Vorgaenger Julian Nagelsmann hatte im Mai 2026 einen 26er-Kader fuer die WM 2026 aufgestellt - die FIFA-Obergrenze fuer die Endrunde.

Kader 1 (24 Namen) - die Amsterdam- und Augsburg-Reisenden

Der erste Kader-Block ist fuer die Nations-League-Partien am 24. September (Amsterdam, Niederlande) und am 27. September (Augsburg, Griechenland) vorgesehen. Auf der Liste stehen 24 Namen:

Tor (3): Finn Dahmen (FC Augsburg), Alexander Nuebel (Besiktas Istanbul), Marc-Andre ter Stegen (Ajax Amsterdam).

Abwehr (8): Hennes Behrens (FC Augsburg), Yann Bisseck (Inter Mailand), Nathaniel Brown (FC Bayern), Max Rosenfelder (SC Freiburg), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Jonathan Tah (FC Bayern), Philipp Treu (SC Freiburg), Josha Vagnoman (VfB Stuttgart).

Mittelfeld (11): Nadiem Amiri (1. FSV Mainz 05), Bambase Conte (TSG Hoffenheim), Yannik Engelhardt (SC Freiburg), Chris Fuehrich (VfB Stuttgart), Serge Gnabry (FC Bayern), Lennart Karl (FC Bayern), Joshua Kimmich (FC Bayern), Jamal Musiala (FC Bayern), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Kevin Schade (FC Brentford), Anton Stach (Leeds United).

Angriff (2): Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt), Kai Havertz (FC Arsenal).

Der schmale Angriff ist der auffaelligste Positions-Zuschnitt der ersten Liste. Klopp nominiert nur zwei nominelle Stuermer - den Frankfurter Ebnoutalib und den Arsenal-Kapitaen Havertz - und laesst die Torschuss-Last stattdessen auf Musiala, Karl, Gnabry, Fuehrich, Schade und dem Ex-Bayer Nmecha verteilt. Klopps Handschrift: das Zehner-Feld gross und variabel, die Neun eher als frei besetzte Position aus dem Halbraum. Das ist bekannt aus seinen Liverpool-Jahren, in denen er lange ohne festen Stuermer spielte.

Kader 2 (21 Namen) - der Muenchen- und Thessaloniki-Block

Der zweite Kader-Block deckt die Partien am 1. Oktober (Muenchen, Serbien) und am 4. Oktober (Thessaloniki, Griechenland-Rueckspiel) ab. Auf dieser Liste stehen 21 Namen:

Tor (3): Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt), Finn Dahmen (FC Augsburg), Jonas Urbig (FC Bayern).

Abwehr (6): Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Ridle Baku (RB Leipzig), Finn Jeltsch (VfB Stuttgart), Maximilian Mittelstaedt (VfB Stuttgart), David Raum (RB Leipzig), Malick Thiaw (Newcastle United).

Mittelfeld (10): Karim Adeyemi (FC Barcelona), Mika Baur (Celtic Glasgow), Tom Bischof (FC Bayern), Said El Mala (1. FC Koeln), Brajan Gruda (RB Leipzig), Vitaly Janelt (FC Brentford), Felix Keidel (SV Elversberg), Aleksandar Pavlovic (FC Bayern), Derry Scherhant (SC Freiburg), Florian Wirtz (FC Liverpool).

Angriff (2): Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt), Nick Woltemade (Juventus Turin).

Der zweite Block ist der eigentliche Sichtungs-Kader. Hier stecken die Namen, die Klopp fuer die Perspektive baut - der neu nach Barcelona gewechselte Adeyemi, der von Brighton nach Leipzig verliehene Gruda, der Zweitliga-Aufsteiger Keidel, der Ex-Paderborner Baur, der Koelner El Mala und der Wolfsburger Freiburger Scherhant.

Nur ein Doppelname: Finn Dahmen taucht auf beiden Listen auf

Von den 45 Nennungen sind 44 verschiedene Personen. Der einzige Doppel-Name ist Finn Dahmen, der Augsburger Torhueter. Klopp braucht in beiden Bloecken einen Torhueter, den er ohne Vorbehalt einsetzen kann - Dahmen ist die Wahl. In Kader 1 ist er die Nummer drei hinter ter Stegen und Nuebel; in Kader 2 wird er wohl mit Atubolu und Urbig konkurrieren.

Der Effekt: Zwischen Amsterdam (24.09.) und Muenchen (01.10.) reisen 24 Klopp-Spieler ab, 20 neue kommen dazu. Nur Dahmen bleibt. Die UEFA-Regel schreibt 24 Stunden vor Anstoss die Meldung des 23er-Match-Kaders vor - jeder Wechsel zwischen den Match-Kadern ist voellig ohne Bindung an die vorherige Meldung.

Ter Stegen als Nummer eins - fuer den Moment, in Ajax-Amsterdam-Heim

Klopp gibt auf der PK das erste konkrete Personal-Signal jenseits der Namens-Liste selbst: “Fuer den Moment” ist Marc-Andre ter Stegen die Nummer eins. Der 34-Jaehrige, der die WM 2026 verletzt verpasst hatte, wird also im Debut-Spiel am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande im Tor stehen. Das ist symbolisch: Die Johan Cruijff ArenA ist seit dieser Saison ter Stegens neue Heim-Arena, seit er per Leihe vom FC Barcelona zu Ajax gewechselt ist.

Alexander Nuebel (Besiktas Istanbul) und Finn Dahmen (FC Augsburg) rangieren im ersten Block hinter ter Stegen. In der Klopp-Torhueter-Landkarte von Ende August waren beide bereits als Kandidaten der zweiten Reihe verzeichnet. Fuer die aeltere Torhueter-Kette der Nagelsmann-Aera reicht die Kaderansage die endgueltige Absage nach: Oliver Baumann ist raus, Manuel Neuer im Ruhestand.

13 Debutanten und die Vier-Freiburger-Fraktion

Der sportschau-Bericht zaehlt 13 Namen, die “noch nie fuer die A-Nationalmannschaft nominiert waren”. Die Liste liest sich wie ein Programm-Punkt Klopp’scher Sichtungs-Praxis: Hennes Behrens (Augsburg), Nathaniel Brown (Bayern), Max Rosenfelder (Freiburg), Philipp Treu (Freiburg), Bambase Conte (Hoffenheim), Yannik Engelhardt (Freiburg), Lennart Karl (Bayern, 17 Jahre alt und damit der Juengste), Younes Ebnoutalib (Frankfurt), Finn Jeltsch (Stuttgart), Said El Mala (Koeln), Mika Baur (Celtic Glasgow), Derry Scherhant (Freiburg) und der bereits am 16.09. vorab gemeldete Felix Keidel (Elversberg).

Auffaellig ist die SC-Freiburg-Fraktion: Vier Freiburger stehen im Aufgebot - Rosenfelder, Treu, Engelhardt und Scherhant - obwohl Klopp wie sein Vorgaenger Nagelsmann bei der WM auf den Freiburger Routinier Matthias Ginter verzichtet. Damit hat der SC Freiburg mehr Spieler im Kader als die Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund und RB Leipzig (jeweils drei). Der Klopp-Grundsatz “wer laeuft, wird gesehen” wird an der Freiburger Trainings-Intensitaet der Vorsaison und der niedrigen Verletzungsquote festgemacht.

Der ueberraschendste Neuling ist der 22-jaehrige Mittelfeldspieler Mika Baur, der vor dieser Saison vom SC Paderborn zu Celtic Glasgow gewechselt ist. Klopps Sichtungs-Perimeter reicht damit ausdruecklich auch in die schottische Premiership. Der Kader 2 bringt Baur direkt neben Bayerns Nachwuchs-Denker Tom Bischof, Leipzig-Neuzugang Adeyemi und Liverpool-Wirtz - eine bewusst breit gemischte Zehner-Batterie fuer die spaeteren Partien.

Elf WM-Fahrer ohne Berufung - von Baumann bis Beier

Aus dem WM-2026-Kader fehlen bei Klopps erster Nominierung elf Spieler. Die Kategorien:

  • Ruecktritte (2): Manuel Neuer (40, TSG Hoffenheim, Ruecktritt am 08.07.2026 in einem Sky-Interview) und Antonio Ruediger (33, Real Madrid).
  • Verletzte (3): Leon Goretzka (Aston Villa, Zwangspause bis Oktober), Angelo Stiller (VfB Stuttgart) und Assan Ouedraogo (RB Leipzig).
  • Sportliche Streichungen (6): Maximilian Beier (Borussia Dortmund, der bei der WM bis zum Sechzehntelfinale gegen Paraguay dabei war und damit das Aus miterlebt hatte, das letztlich auch Nagelsmann kostete), Deniz Undav (VfB Stuttgart), Jamie Leweling (VfB Stuttgart), Pascal Gross (Brighton and Hove Albion), Leroy Sane (Galatasaray Istanbul) und Oliver Baumann (TSG Hoffenheim).

Aus dem erweiterten Nagelsmann-Umfeld ohne WM-Fahrt bleibt weiterhin Matthias Ginter (SC Freiburg) ausgeschlossen. Woltemade steht in Kader 2 - er hat trotz seines aktuellen Formtiefs im Gegensatz zu Undav den Vorzug erhalten. Kimmich bleibt Kapitaen, Schlotterbeck ist rechtzeitig wieder fit geworden.

Warum Schlotterbeck, Musiala und Gnabry ueber den gesamten Zeitraum bleiben

Klopp hat auf der PK eine wichtige Zusatz-Regel angekuendigt: Nach der Augsburg-Partie am 27.09. werden nicht alle Kader-1-Spieler ins Klub-Training zurueckkehren. “Es ist geplant, dass aus dem ersten Kader welche dabeibleiben”, sagte der Bundestrainer. In erster Linie geht es dabei um drei Namen: Nico Schlotterbeck (BVB, gerade Comeback nach Knieproblemen), Jamal Musiala (Bayern, in der Belastungssteuerung nach der WM-Verletzung) und Serge Gnabry (Bayern, laengere Verletzungsgeschichte). Alle drei sollen den vollen Nations-League-Block von rund zwei Wochen beim DFB verbringen, um “bestens betreut und stets im Training zu sein”.

Der Grund ist explizit: Klopp mochte nicht, dass “einige Vereine” die lange Abstellungsperiode nutzen und “ein paar Tage Trainingspause einlegen”. Fuer die drei Rekonvaleszenten heisst das eine ununterbrochene Klopp-Aufsicht ueber die Herzogenaurach-Herbstphase. Fuer die drei Klubs (Bayern zweimal, BVB) heisst es dagegen zusaetzlichen Personal-Aufwand fuer die Bundesliga-Wochenenden Anfang Oktober.

Zwar hat Jamie Carragher auf der Insel bereits vor Wochen eine oeffentliche Kritik-Note fuer Klopps Nominierung von Florian Wirtz platziert - die Aufteilung von Musiala nach Kader 1 und Wirtz nach Kader 2 deutet aber auf die bewusste Trennung der beiden Zehner-Achsen hin, um im Debut-Spiel Amsterdam die Bayern-Achse zu spielen und in Muenchen/Thessaloniki den Liverpool-Wirtz zu integrieren.

Fahrplan: Herzogenaurach 21.09., Amsterdam 24.09., Thessaloniki 04.10.

Der Klopp-Herbstblock ist damit final durchgeplant:

  • Montag, 21.09.2026: Anreise Herzogenaurach (adidas-Campus), DFB-Stammquartier fuer Kader 1.
  • Donnerstag, 24.09.2026, 20:45 MESZ: Amsterdam, Johan Cruijff ArenA - Debut-Spiel gegen die Niederlande, ter Stegen im Tor, Bondscoach-Debut Xavi Hernandez auf der Gegenbank. Klopps Pflichtspiel-Premiere.
  • Sonntag, 27.09.2026, 20:45 MESZ: Augsburg, WWK Arena - Griechenland-Heimspiel. Danach Reduktion des Kaders (23er-Regel greift wieder), einige Kader-1-Spieler kehren in ihre Klubs zurueck, andere bleiben in Herzogenaurach.
  • Donnerstag, 01.10.2026, 20:45 MESZ: Muenchen, Allianz Arena - Serbien-Heimspiel mit Kader 2.
  • Sonntag, 04.10.2026, 20:45 MESZ: Thessaloniki, Toumba-Stadion - Griechenland-Rueckspiel mit Kader 2.

Der November-Block bringt danach zwei weitere Nations-League-Partien inklusive dem Heim-Rueckspiel gegen die Niederlande am 16. November in Berlin. Bis dahin hat Klopp aus 44 Namen jene 26 bis 28 identifizieren wollen, mit denen er in die EM-2028-Qualifikation und in den WM-2026-Ergebnis-Nachlauf geht.

Die Kaderansage vom Donnerstagvormittag beantwortet vier Wochen Personal-Spekulation mit einer einzigen Bewegung: einem Zettel, der nicht 23, sondern 44 Namen umfasst. Der Rest des Herbstes wird zeigen, welche davon Klopp behaelt und welche als einmaliger Sichtungs-Termin in die DFB-Historie eingehen. Die Ausgangs-Liste des neuen Bundestrainers laesst dem Perimeter maximale Breite - ein Kader-Format, das der DFB seit den Loew-Kadern der WM-Vor-Zeit 2018/19 nicht mehr gesehen hat.

Volle Uebersicht des Klopp-DFB-Kaders fuer die Nations League im Deutschland-Hub der WM 2026.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

Mehr aus DFB-Team